Es ist kein Wunder, dass Wolfgang Amadeus Mozart von diesen Klängen schwärmte. „Ach, wenn wir auch nur clarinetti hätten! Sie glauben nicht was eine sinfonie mit flauten, oboen und clarinetten für einen herrlichen Effect macht!“, schrieb der junge Mozart 1778 nach Salzburg an seinen Vater.
Die Verwendung der Holzbläser als Gruppe im Orchester war eine jener Neuerungen, die die Mannheimer Hofkapelle zur musikgeschichtlichen Entwicklung beigetragen hat. Wäh- rend der Regierungszeit des Kurfür- sten Karl Theodor wurde das Orchester, besetzt mit sagenhaften 90 Musi- kern, zu einem der besten Ensembles der Welt. Und diese Instrumentali- sten spielten nicht nur virtuos; viele von ihnen komponierten auch, und setzten dabei gezielt auf die einzigartigen Möglichkeiten der Hofkapelle. Bei Tudor sind nun in einer drei-CD-Box zehn Klarinettenkonzerte von Carl Stamitz (1745 bis 1801) erschienen. Es sind mit die ersten Konzerte für Klarinette überhaupt, und sie sind Meisterwerke. Wer sie angehört hat, der ahnt zudem, wieviel Mannheim in der sogenannten Wiener Klassik steckt.
Eduard Brunner spielt diese Konzerte mit Engagement und enormer Spielfreude. Ihm zur Seite musiziert das Münchner Kammmerorchester unter Hans Stadlmair, das dem Solisten ein exzellenter Partner ist.
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Dienstag, 1. November 2016
Montag, 3. Dezember 2012
Jubilate Deo (Oehms Classics)
Ein ganz besonderes Weihnachts- geschenk legt Oehms Classics dem Musikfreund auf den Gabentisch: Auf dieser CD finden sich einige Werke von Johann Stadlmayr (um 1575 bis 1648). Der Komponist veröffentlichte 1596 erstmals eine Sammlung von Messen. 1603 erhielt er eine Stelle als Musicus in der Hofkapelle des Fürst-Erzbi- schofs Wolf Dietrich von Raitenau in Salzburg. Dort stieg er bald zum Kapellmeister auf.
1607 ging Stadlmayer nach Innsbruck, wo er als Hofkapellmeister des Erzherzogs Maximilian III. wirkte. Ein Angebot aus München schlug er aus. Doch nach dem Tode des Regenten 1618 brachen für ihn harte Zeiten an. Denn der Nachfolger im Amt des Statthalters von Tirol, Erzherzog Leopold V., löste den Hofstaat in Innsbruck auf. Er weilte zunächst nur selten in der Stadt; Stadlmayr erhielt eine schmale Rente und verdingte sich schließlich sogar als Inspektor der Fleischbänke, um seine Familie ernähren zu können. 1623 schickte der Komponist schließlich doch eine Bewerbung nach Wien, wo die Stelle des Domkapellmeisters vakant war.
Um seinen Weggang zu verhindern, ernannte der Erzherzog Stadl- mayr zum Hofkapellmeister und zahlte ihm ein großzügiges Gehalt. Denn der Dienstherr hatte Pläne, die gewisse Repräsentations- pflichten mit sich brachten: 1626 ließ sich Leopold von seinen geistlichen Ämtern entbinden - er war unter anderem Bischof von Passau und Straßburg - und heiratete Claudia de Medici. Der Kaiser machte ihn zum Landesherrn. Und die Landesherrin erwies sich als Mäzenin; sie förderte auch nach dem Tode ihres Gatten 1632 den Musiker, dessen Werke sie möglicherweise an die prächtige Musik ihrer Heimat erinnerten.
Stadlmayr komponierte offenbar ausschließlich Kirchenmusik. Die Missa Jubilate Deo ist Bestandteil einer Sammlung doppelchöriger Messen, die der Musiker 1610 veröffentlicht hat. Die CD enthält zudem vier groß besetzte Motetten - wahrscheinlich aus einem weiteren Sammelband, der 1645 unter dem Titel Apparatus musicus erschienen ist. Das Beiheft verweist jedenfalls darauf, dass die Werke des Komponisten nach den Originalausgaben aus der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eingespielt wurden.
Um aufzuzeigen, in welcher musikalischen Tradition sich Stadlmayr bewegte, hat der Orpheus Chor München gemeinsam mit Les Cornets Noirs unter Gerd Guglhör diese Stücke um zwei Motetten von Heinrich Schütz sowie einige Werke seines Lehrers Giovanni Gabrieli ergänzt. Eine gewisse stilistische Nähe ist nicht zu verkennen; das zeigt erneut, wie schnell und wie breit sich musikalische Innovatio- nen in der Frühen Neuzeit durchsetzten. Man staunt heute über dieses Phänomen, zumal Musikstücke seinerzeit in erster Linie in Form von Abschriften weitergegeben wurden.
Man staunt allerdings auch beim Blick auf das Chor-Foto: Wenn das ein Kammerchor sein soll - wie kopfstark ist wohl dann erst der große Chor des Akademischen Gesangvereins München, aus dem der Orpheus Chor hervorgegangen ist? Leider erscheint diese Aufnahme entsprechend massig und dynamisch wie klanglich wenig differen- ziert. Die Sänger sind durchaus versiert. Aber irgendwie fehlt diesem Ensemble die Klangvorstellung. Und so gibt es statt durchhörbarer Mehrchörigkeit - bei doppelchörigen Werken eigentlich ohne Schwierigkeit zu erreichen - undefinierbaren Klangbrei. Schade.
1607 ging Stadlmayer nach Innsbruck, wo er als Hofkapellmeister des Erzherzogs Maximilian III. wirkte. Ein Angebot aus München schlug er aus. Doch nach dem Tode des Regenten 1618 brachen für ihn harte Zeiten an. Denn der Nachfolger im Amt des Statthalters von Tirol, Erzherzog Leopold V., löste den Hofstaat in Innsbruck auf. Er weilte zunächst nur selten in der Stadt; Stadlmayr erhielt eine schmale Rente und verdingte sich schließlich sogar als Inspektor der Fleischbänke, um seine Familie ernähren zu können. 1623 schickte der Komponist schließlich doch eine Bewerbung nach Wien, wo die Stelle des Domkapellmeisters vakant war.
Um seinen Weggang zu verhindern, ernannte der Erzherzog Stadl- mayr zum Hofkapellmeister und zahlte ihm ein großzügiges Gehalt. Denn der Dienstherr hatte Pläne, die gewisse Repräsentations- pflichten mit sich brachten: 1626 ließ sich Leopold von seinen geistlichen Ämtern entbinden - er war unter anderem Bischof von Passau und Straßburg - und heiratete Claudia de Medici. Der Kaiser machte ihn zum Landesherrn. Und die Landesherrin erwies sich als Mäzenin; sie förderte auch nach dem Tode ihres Gatten 1632 den Musiker, dessen Werke sie möglicherweise an die prächtige Musik ihrer Heimat erinnerten.
Stadlmayr komponierte offenbar ausschließlich Kirchenmusik. Die Missa Jubilate Deo ist Bestandteil einer Sammlung doppelchöriger Messen, die der Musiker 1610 veröffentlicht hat. Die CD enthält zudem vier groß besetzte Motetten - wahrscheinlich aus einem weiteren Sammelband, der 1645 unter dem Titel Apparatus musicus erschienen ist. Das Beiheft verweist jedenfalls darauf, dass die Werke des Komponisten nach den Originalausgaben aus der Musiksammlung des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum eingespielt wurden.
Um aufzuzeigen, in welcher musikalischen Tradition sich Stadlmayr bewegte, hat der Orpheus Chor München gemeinsam mit Les Cornets Noirs unter Gerd Guglhör diese Stücke um zwei Motetten von Heinrich Schütz sowie einige Werke seines Lehrers Giovanni Gabrieli ergänzt. Eine gewisse stilistische Nähe ist nicht zu verkennen; das zeigt erneut, wie schnell und wie breit sich musikalische Innovatio- nen in der Frühen Neuzeit durchsetzten. Man staunt heute über dieses Phänomen, zumal Musikstücke seinerzeit in erster Linie in Form von Abschriften weitergegeben wurden.
Man staunt allerdings auch beim Blick auf das Chor-Foto: Wenn das ein Kammerchor sein soll - wie kopfstark ist wohl dann erst der große Chor des Akademischen Gesangvereins München, aus dem der Orpheus Chor hervorgegangen ist? Leider erscheint diese Aufnahme entsprechend massig und dynamisch wie klanglich wenig differen- ziert. Die Sänger sind durchaus versiert. Aber irgendwie fehlt diesem Ensemble die Klangvorstellung. Und so gibt es statt durchhörbarer Mehrchörigkeit - bei doppelchörigen Werken eigentlich ohne Schwierigkeit zu erreichen - undefinierbaren Klangbrei. Schade.
Montag, 25. Juni 2012
Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser (Musikmuseum)
Wenn es um Repräsentation ging, orientierten sich Klöster gern am höfischen Vorbild. Das galt nicht zuletzt für die dort gespielte Musik; und so hielt im 17. Jahrhundert die Figuralmusik auch hinter Kloster- mauern Einzug. Unter den Fratres und Patres waren stets einige ex- zellente Musiker, und nicht nur in großen Klöstern gab es üblicher- weise komponierende Mönche, die teilweise erstaunliche Werke schufen. Nur selten fand diese Musik den Weg aus dem Konvent. Das zu ändern, und damit zugleich interessante Werke dem Vergessen zu entreißen, war das Ziel eines Konzertprogrammes, das auf Initia- tive der Tiroler Landesmuseen entstand und 2010 aufgezeichnet wurde.
Es galt in erster Linie Leopold von Plawenn und Ingenuin Molitor. "Der eine stammte aus Tirol und wirkte in Schwaben, der andere war ein gebürtiger Schwabe und in Tirol tätig", merkt das Beiheft launig an. Von Plawenn war Benediktiner, Molitor Franziskaner. Letzterer schrieb wundervolle Orgelmusik, und - den Ordensstatuten zum Trotz, die eigentlich nur das Choralsingen erlaubten - geistliche Musik für Solostimmen mit Instrumentalbegleitung im Stile der Zeit. Kom- plettiert wurden die Motetten und Canzonen der beiden Ordensmän- ner durch einige Werke von Johann Stadlmayr, Kapellmeister der damals weithin gerühmten Innsbrucker Hofkapelle.
Was die Tiroler Landesmuseen hier in der Reihe Musikmuseum vor- stellen, das ist durchweg sehr hörenswert. Und das gilt nicht nur für die Stücke selber, sondern auch für die Interpretation für die Peter Waldner, Spiritus Rector der Innsbrucker Konzertreihe für Alte Musik sowie des Tiroler Ensembles für Alte Musik vita & anima. Die Schar seiner versierten Mitmusiker hat Waldner, der selbst am Orgelpositiv zu hören ist, für diese CD um drei exzellente Sänger verstärkt: Sabine Neumann, Mezzosopran, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Peter Kooij, Bass.
Es galt in erster Linie Leopold von Plawenn und Ingenuin Molitor. "Der eine stammte aus Tirol und wirkte in Schwaben, der andere war ein gebürtiger Schwabe und in Tirol tätig", merkt das Beiheft launig an. Von Plawenn war Benediktiner, Molitor Franziskaner. Letzterer schrieb wundervolle Orgelmusik, und - den Ordensstatuten zum Trotz, die eigentlich nur das Choralsingen erlaubten - geistliche Musik für Solostimmen mit Instrumentalbegleitung im Stile der Zeit. Kom- plettiert wurden die Motetten und Canzonen der beiden Ordensmän- ner durch einige Werke von Johann Stadlmayr, Kapellmeister der damals weithin gerühmten Innsbrucker Hofkapelle.
Was die Tiroler Landesmuseen hier in der Reihe Musikmuseum vor- stellen, das ist durchweg sehr hörenswert. Und das gilt nicht nur für die Stücke selber, sondern auch für die Interpretation für die Peter Waldner, Spiritus Rector der Innsbrucker Konzertreihe für Alte Musik sowie des Tiroler Ensembles für Alte Musik vita & anima. Die Schar seiner versierten Mitmusiker hat Waldner, der selbst am Orgelpositiv zu hören ist, für diese CD um drei exzellente Sänger verstärkt: Sabine Neumann, Mezzosopran, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Peter Kooij, Bass.
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