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Dienstag, 27. August 2019

Peter Schreier singt Volkslieder (Berlin Classics)

Was waren das doch für Zeiten! 1975 veröffentlichte das DDR-Label Eterna die Schallplatte „Peter Schreier singt Volkslieder“ – und wenn man die Aufnahmen heute anhört, dann stimmt das ganz melancholisch. Zum einen liegt es daran, dass die junge Generation heute nicht mehr singt. Selbst am Lagerfeuer gibt es Musik aus der Konserve; das Handy hat ja jeder immer dabei. Und die Älteren werden mit „volkstümlichen“ Klängen beschallt, wenn sie nicht schnell genug flüchten. 
Diese Einspielung erscheint dazu wie ein Kontrastprogramm, denn sie nimmt die alten Weisen ernst. Peter Schreier, ohne Zweifel ein Jahrhundert-Tenor, singt die Volkslieder genauso sorgfältig, wie etwa eine Arie von Bach oder Mozart. Und man staunt geradezu ehrfürchtig darüber, mit welchem Aufwand und welcher Liebe zum Detail dieses Programm seinerzeit in Leipzig eingespielt wurde. Das reicht von den Arrangements bis hin zur beeindruckenden Liste der Mitwirkenden, die damals unter Leitung von Horst Neumann an der Produktion beteiligt waren – neben Peter Schreier singen auch Mitglieder des Thomanerchores sowie der Leipziger Rundfunkchor, begleitet von Musikern des Gewandhausorchesters Leipzig. Vielen Dank an das Label Berlin Classics, das die originalen Masterbänder aufgearbeitet und diese Aufnahme nun auf CD verfügbar gemacht hat.

Mittwoch, 24. Juli 2019

Vanhal: Missa solemnis - Stabat Mater (Orfeo)

Schön wie eine römische Statue sind die Werke Johann Baptist Wanhals (1739 bis 1813), die hier auf zwei CD anzuhören sind. Der Komponist kam in Böhmen als Sohn eines Bauern zur Welt; seine musikalische Begabung wurde aber früh entdeckt und durch die Gräfin Schaffgotsch gefördert. So kam Wanhal 1760/61 nach Wien, wo möglicherweise Carl Ditters von Dittersdorf sein Lehrer wurde. 
Als Musiklehrer war Wanhal bald sehr erfolgreich, so dass er sich aus der Leibeigenschaft freikaufen konnte. Und als im Jahr 1769 Baron Riesch aus Dresden nach Wien kam, weil er einen Kapellmeister suchte, war er von den Fähigkeiten des jungen Musikers so beeindruckt, dass er diesem einen Studienaufenthalt in Italien finanzierte. 
Allerdings scheint Wanhal nach seiner Rückkehr eine Zeitlang geistig nicht ganz auf der Höhe gewesen zu sein. Es wird berichtet, der Komponist habe weltliche Werke verbrannt und sich der geistlichen Musik zugewandt. In dieser Situation unterstützte ihn über einige Jahre Graf Ladislaus Erdödy, der ihn in seinen Haushalt aufnahm und es dem Musiker ermöglichte, wieder zu sich zu finden. 
In Wien etablierte sich Wanhal dann rasch wieder als ein gesuchter Komponist, und vor allem als überaus erfolgreicher Musikpädagoge. Sein wohl bekanntester Schüler war Ignaz Pleyel. Und sein Freundeskreis scheint ebenfalls beträchtlich gewesen zu sein – mit Haydn, Mozart und Dittersdorf jedenfalls musizierte er gemeinsam in dem wohl erlesensten Streichquartett der Musikgeschichte. 
Wanhal komponierte zahlreiche Sinfonien und Konzerte sowie große Mengen geistlicher Musik. Und weil er in den späteren Jahren als freischaffender Musiker lebte, ohne Anstellung oder einen vermögenden Gönner, konzentrierte er sich dann offenbar auf Kammer- und Klaviermusik – Werke, die Musikverleger gerne druckten, weil es dafür ein breites Interesse gab. 
Für diese Doppel-CD ausgewählt wurden die Missa Solemnis Es-Dur, ein opulentes Werk mit höchst anspruchsvollen Arien, sowie das Stabat Mater f-Moll, mit dem üblichen Wechsel zwischen Chor und Gesangssolisten. Auch bei dieser Komposition zeigt sich Wanhals überragende Fähigkeit, Melodien zu erfinden. 
Komplettiert wird die Aufnahme durch eine Sinfonie D-Dur, die nicht nur mit ihrem abschließenden Menuetto schon an Beethoven denken lässt. Als Sinfoniker scheint sich Wanhal nicht zuletzt durch Experimentierfreude auszuzeichnen. Neugierig jedenfalls macht die Einspielung, die bereits in den 90er Jahren entstanden ist – und der Prager Kammerchor sowie die Virtuosi di Praga bzw. das Prager Kammerorchester sowie erstklassige Solisten unter Leitung von Václav Neumann machen die beiden CD ebenfalls zu einem Hörvergnügen. Bravi! 

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Bach Without Words (Genuin)

Franz Liszt widmete sich ihnen ebenso wie Robert Franz, Ralph Vaughan Williams ebenso wie György Kurtág, Wilhelm Kempff ebenso wie Charles Francois Gounod und Sergej Rachmaninoff wie Ferruccio Busoni: Die Choralvor- spiele von Johann Sebastian Bach haben Generationen von Pianisten fasziniert und beschäftigt. Die Liste ließe sich noch lang fortsetzen – so hat beispielsweise auch Max Reger Klaviertranskriptionen ausgewählter Bach-Choralvorspiele geschrieben und veröffentlicht. 
Seltsamerweise ist diese althergebrachte Form der Auseinandersetzung mit musikalischem Material großer Komponisten zwischenzeitlich in Verruf geraten: Die Transkription, ein ebenso legitimes wir lehrreiches Verfahren, Werke zu erkunden und sie an veränderte Aufführungsbedingungen anzupassen, gilt seit der Romantik als minderwertig, als des Genies nicht würdig. 
Dabei zeigt diese CD, dass das Ergebnis dieses schöpferischen Prozesses durchaus originell und in gewisser Weise auch original sein kann: Für ihr Genuin-Debüt hat Christine Neumann ein Programm mit Klavier- transkriptionen Bach’scher Choräle, Chöre und Arien zusammengestellt; bei einigen Werken für Klavier zu vier Händen musiziert sie gemeinsam mit Anja Kleinmichel. Und natürlich hat sie selbst auch einige dieser Bearbei- tungen erstellt. 
Mit ihrem Spiel macht Neumann deutlich, dass diese Werke durchaus auch ohne Text sehr beredt sein können – Bach ohne Worte; das funktioniert selbst für Hörer, die von Chorälen gar keine Ahnung haben. „Bey einer andächtigen Musique ist allezeit Gott mit seiner Gnadengegenwart“, notierte der Thomaskantor einst als Randnotiz in seiner Handbibel. Da darf es gern auch spätromantisch tönen, denn der moderne Konzertflügel bietet gänzlich andere Gestaltungsmöglichkeiten als die Orgel oder das Cembalo. Neumann zeigt mit ihrer CD, dass viele Wege zum Wort führen. 

Montag, 25. Juni 2012

Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser (Musikmuseum)

Wenn es um Repräsentation ging, orientierten sich Klöster gern am höfischen Vorbild. Das galt nicht zuletzt für die dort gespielte Musik; und so hielt im 17. Jahrhundert die Figuralmusik auch hinter Kloster- mauern Einzug. Unter den Fratres und Patres waren stets einige ex- zellente Musiker, und nicht nur in großen Klöstern gab es üblicher- weise komponierende Mönche, die teilweise erstaunliche Werke schufen. Nur selten fand diese Musik den Weg aus dem Konvent. Das zu ändern, und damit zugleich interessante Werke dem Vergessen zu entreißen, war das Ziel eines Konzertprogrammes, das auf Initia- tive der Tiroler Landesmuseen entstand und 2010 aufgezeichnet wurde. 
Es galt in erster Linie Leopold von Plawenn und Ingenuin Molitor. "Der eine stammte aus Tirol und wirkte in Schwaben, der andere war ein gebürtiger Schwabe und in Tirol tätig", merkt das Beiheft launig an. Von Plawenn war Benediktiner, Molitor Franziskaner. Letzterer schrieb wundervolle Orgelmusik, und - den Ordensstatuten zum Trotz, die eigentlich nur das Choralsingen erlaubten - geistliche Musik für Solostimmen mit Instrumentalbegleitung im Stile der Zeit. Kom- plettiert wurden die Motetten und Canzonen der beiden Ordensmän- ner durch einige Werke von Johann Stadlmayr, Kapellmeister der damals weithin gerühmten Innsbrucker Hofkapelle. 
Was die Tiroler Landesmuseen hier in der Reihe Musikmuseum vor- stellen, das ist durchweg sehr hörenswert. Und das gilt nicht nur für die Stücke selber, sondern auch für die Interpretation für die Peter Waldner, Spiritus Rector der Innsbrucker Konzertreihe für Alte Musik sowie des Tiroler Ensembles für Alte Musik vita & anima. Die Schar seiner versierten Mitmusiker hat Waldner, der selbst am Orgelpositiv zu hören ist, für diese CD um drei exzellente Sänger verstärkt: Sabine Neumann, Mezzosopran, Satoshi Mizukoshi, Tenor, und Peter Kooij, Bass. 

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Gluck: Orfeo ed Euridice (Berlin Classics)


Eine Aufnahme aus dem Jahre 1966, die aber überraschend frisch und lebendig daher kommt. 
Das liegt zum einen ganz sicher am Dirigenten Václav Neumann, der, geprägt durch die enge Zusammen-arbeit mit Walter Felsenstein, sehr genau auf die Partitur schaut, und keine Manierismen duldet. Er leitete ein Ensemble von Weltrang: Es spielt das Gewandhausorchester Leipzig, und die Chöre singt der Rundfunkchor Leipzig. Sie werden von Neumann sehr schlank und durchhörbar geführt. 
Das liegt zu anderen aber auch an den brillanten Sängerinnen. Die Altistin Grace Bumbry singt einen ergreifenden Orfeo, Anneliese Rothenberger eine von Trauer und Leid zerissene Euridice, und Ruth-Margret Pütz dem Amor. Keine Originalinstrumente, keine historische Aufführungspraxis, keine Barockstimmen - aber dennoch eine stimmige, stimmungsvolle Aufnahme, die man noch heute gut anhören kann.