Montag, 12. Juni 2017

András Schiff piano Live (Melodija)

„Contest stage has never been part of my world“, bekannte einst András Schiff. „In fact, life would be much better without music contests. Why? Naturally, music in not a kind of sports. It cannot be measured in seconds, metres or kilograms.“ 
Dennoch hat der Philosoph unter den Musikern, Jahrgang 1953, einst selbst an etlichen Wettbewerben teilgenommen und auch Rekorde gebrochen. So wurde er bereits im Alter von 14 Jahren Student an der Franz-Liszt-Musikakademie in Budapest – der jüngste, den die Hochschule jemals hatte. Ein Jahr später gewann er seinen ersten Preis in einem ungarischen TV-Wettbewerb. 
Diese CD dokumentiert seine Beteiligung an einem der berühmtesten Wett- bewerbe überhaupt: 1974 musizierte András Schiff beim Tschaikowski-Wettbewerb in Moskau. Er errang dort einen vierten Preis; gewonnen hat damals Andrei Gawrilow. 
Sämtliche Wettbewerbsbeiträge wurden mitgeschnitten. Das Programm, das András Schiff seinerzeit gespielt hat, wurde nun bei Melodija veröffentlicht. Die Aufnahmen zeigen, dass der Pianist schon in diesen jungen Jahren sehr eigene Wege ging. Das beginnt bereits bei der Auswahl der Stücke, soweit sie den Wettbewerbsteilnehmern überlassen war. Doch auch bei der Interpretation wird deutlich, dass es Schiff schon damals nicht darum ging, sein Publikum mit einem Feuerwerk an Brillanz zu überwäl- tigen - man höre nur die Liszt-Konzertetüde. 

Claire Huangci - A Chopin Diary (Berlin Classics)

Werke von Frédéric Chopin waren für Claire Huangci stets besondere Begleiter auf ihrem künstlerischen Weg. Das Wunderkind wuchs mit ihnen auf, und schätzt sie noch immer. „Seine Musik ist so ehrlich, so direkt, und auch so freimütig, dass man sich ihr einfach nicht entziehen kann“, schreibt die Pianistin im Beiheft zu ihrer jüngsten Veröffentlichung: Auf zwei CD hat Claire Huangci die 21 Nocturnes des Komponisten eingespielt. Dieses Programm ergänzte sie um das Nocturne Oubliée in cis-Moll und um die Étude in cis-Moll op. 26 Nr. 7, die sie gemeinsam mit dem Cellisten Tristan Cornut vorträgt. 
Die amerikanische Pianistin präsentiert sich als ausdrucksstarke Chopin-Interpretin. „Es verwundert mich immer wieder, dass eine scheinbar einfache Folge von Noten so eine Fülle von Emotionen auslösen kann“, schreibt die Musikerin. „Der Zauber ist für mich komplett, wenn ich merke, wieviele unterschiedliche Gefühle bei diversen Menschen ein Werk verursachen kann.“ 
In ihrem „Chopin-Diary“ deutet Claire Huangci an, wie sie selbst diese Klänge wahrnimmt. Dazu hat sie jedem Nocturne Chopins Gedichtzeilen seiner Zeitgenossen zugeordnet; leider kann man sie im Beiheft nur im französischen Original sowie in englischer Übersetzung nachlesen. Wer keine dieser beiden Sprachen versteht, der hat in diesem Falle das Nachsehen. 
Und die Musik? Sie lässt mich an einen lauen Sommerabend denken, wo nach einer langen Dämmerung allmählich der Mond aufgeht. Man sitzt einsam am Steg, genießt die Wärme, die nächtliche Ruhe und die Einsamkeit. Die Wellen plaudern leise, und die Mücken stechen heute andernorts – kurz und gut: Es sind Klänge voll Poesie, technisch perfekt vorgetragen, mit berückender Phrasierung, wohldosierten Rubati und, ja, auch mit ein klein wenig Flitter. Claire Huangci ist hier ein großer Wurf gelungen.