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Samstag, 6. Mai 2017

Praetorius: Gloria sei dir gesungen (Carus)

Choralkonzerte von Michael Praetorius gehören in Konzert- programmen eher zu den Raritäten. Das Ensemble Gli Scarlattisti hat gemeinsam mit der Capella Principale unter der Leitung von Jochen M. Arnold dieses selten gespielte Repertoire erkundet, und einige dieser spannenden Musikstücke nun bei Carus auf CD veröffentlicht. 
Interessant sind die Choralkonzerte des Wolfenbütteler Komponisten aus mehreren Gründen. Zum einen sind sie Zeugnisse des Epochenwechsels von der Renaissance zum Barock, der in allen Bereichen der Kunst deutlich wurde – von der Architektur bis hin zur Musik. Zum anderen nimmt Praetorius in seinen Choralkonzerten Bezug auf die damals aktuellste Musik aus Italien. 
Es wird vermutet, dass er die Werke seiner italienischen Zeitgenossen über Heinrich Schütz kennengelernt haben könnte, mit dem er in Dresden zusammengetroffen ist. Denn selbst nach Rom oder Venedig gereist ist Michael Praetorius nicht. Er erkannte aber den hohen Wert der Innova- tionen aus dem Süden, übernahm Elemente dieses neuen Stils und inte- grierte sie in seine eigenen Werke. So kombinierte er, deutlich erkennbar im Spätwerk, italienische Stilmittel und protestantischen Choral – was die deutsche Kirchenmusik jener Zeit weithin geprägt hat. 
„Wir möchten mit der vorliegenden CD einen großen Querschnitt dieses Œuvres darstellen“, schreibt Jochen Arnold im Begleitheft. „das Haupt- augenmerk gilt dabei – angesichts des bevorstehenden Reformations- jubiläums – den choralbezogenen Werken, namentlich zu Luthers Kirchenliedern.“ So finden sich auf dieser CD auch insgesamt sechs Melodien Luthers, prachtvoll ausgestaltet durch Praetorius' Bearbeitung. Dazu kommen Choralkonzerte auf der Grundlage weiterer bekannter Lieder, wie Nun lob mein Seel, den Herren, Allein Gott in der Höh sei Ehr oder das Deutsche Magnificat, und als Rahmen stehen um das dramatur- gisch geschickt gebaute Programm zwei Konzerte nach populären Liedern von Philipp Nicolai, Wie schön leuchtet der Morgenstern sowie Wachet auf, ruft uns die Stimme

Montag, 11. Juli 2016

Schubert: Four Impromptus - Sonata in G (Avi-Music)

„Diese Werke begleiten mich seit meiner frühesten Jugend – natur- gemäß hat mein ,Verhältnis' zu ihnen einige Wandlungen durchlaufen, wird es in der Zukunft hoffentlich auch weiterhin tun“, schreibt Sheila Arnold im Beiheft zu dieser CD. „Die vorliegende Momentaufnahme spiegelt aber neben den Einflüssen des Lebens, durch menschliche und literarische Begegnungen, insbe- sondere meine Erfahrungen mit historischen Instrumenten wider.“ 
Die Pianistin hat die Impromptus D 899 und die Sonate für Klavier G-Dur D 894 von Franz Schubert (1797 bis 1828) auf einem Steinway D einge- spielt – dem Standard-Konzertflügel. Sie musiziert aber so farbenreich und so differenziert, dass man mitunter meint, ein Fortepiano zu hören. 
„Seien es die hörbaren Registerwechsel, die Klarheit der Bassregion, die bisweilen zu einer unerhört grollenden und präsenten Lesart führen muss, der seelenvolle Klang, die präzise und minutiöse Setzung der Artikulationszeichen, die klaren Bezeichnungen der Dynamik und nicht zuletzt das relativ schnelle Verklingen des einzelnen Tones“, schildert Arnold Details ihres Spiels, die sie aus der Beschäftigung mit dem Hammerflügel herleitet. „Diese Erfahrungen ziehen auch Konsequenzen der Pedalisierung, des Timings oder der Tempowahl nach sich.“ 
Die Pianistin liest tiefgreifende existenzielle Konflikte aus dem Notentext heraus, die sie im Beiheft sehr gelungen erläutert. „Gerade in der Subjek- tivität liegt das Herz dieser Musik“, betont Sheila Arnold. Die Form ist nur noch Hülle: „Das Assoziative, das Fragmentarische, die innere Zerrissen- heit, die Aufhebung der Grenzen zwischen Realität und Scheinwelt, zwischen Leben und Tod, das Erleben der Natur als Projektion des Innenlebens“, beschreibt die Musikerin, was die Werke Schuberts kenn- zeichnet: „Keine Affektenlehre mehr, sondern Psychogramm.“ Daran orientiert sich auch ihr Klavierspiel. Es singt, und es poltert, es murmelt und grollt, mal überirdisch schwebend, mal irdisch zornig. Sehr hörens- wert! 

Freitag, 12. Juli 2013

Hammerschmidt: Also hat Gott die Welt geliebt (Carus)

Einmal mehr hat das Ensemble Gli Scarlattisti sich Werken von Andreas Hammerschmidt (1611/12 bis 1675) und Johann Rosenmüller (1619 bis 1684) zugewandt. Erschienen ist bei Carus bereits eine ähnliche CD mit Vokalmusik für die Adventszeit und das Weihnachtsfest. Die vorliegende Aufnahme enthält nun vor allem Psalmvertonungen in Form von groß besetzten Motetten sowie anspruchs- voll vertonten geistlichen Konzerten. Es wird erneut deutlich, dass sowohl Hammerschmidt als auch Rosen- müller in die Gruppe der großen lutherischen Kirchenkomponisten vor Bach gehören. Das Ensemble Gli Scarlattisti überzeugt durch makellose Intonation und Professionalität. Auch bei der Arbeit an dieser zweiten Einspielung konnten die Sänger und Musiker um Jochen Arnold eine Hammerschmidt-Edition nutzen, die im Carus-Verlag erschienen ist.

Freitag, 7. Dezember 2012

Hammerschmidt: Machet die Tore weit (Carus)

"Des Edlen Schwanes Thon hat nun hier aufgehöret, / Weil Er vor Gottes Thron der Engel Chor vermehret. (...) Der Deutschen Ehre, Ruhm und Zier, / Amphion ruht und schläft allhier. / Ach! Orpheus wird nicht mehr gehört / den Zittau vorhin hat geehrt", so war es auf dem Grabstein des Orga- nisten und Komponisten Andreas Hammerschmidt (1611 bis 1675) zu lesen.
Er war in Böhmen zur Welt gekom- men, doch flohen seine Eltern 1626 vor der Gegenreformation nach Freiberg in Sachsen. Über Kindheit und Jugend Hammerschmidts ist nichts bekannt; seine erste Stelle erhielt er 1633 als Organist bei Graf Rudolf von Bünau auf Schloss Weesenstein. Bereits ein Jahr später wurde Hammerschmidt Organist der Freiberger Petrikirche. Später ging er als Organist nach Zittau, wo er bis an sein Lebensende wirkte. 
Das umfangreiche Werk, das seinem Urheber Ansehen und auch Wohlstand brachte, ist noch nicht vollständig erschlossen. Für die vorliegende Aufnahme konnte Gli Scarlattisti unter Jochen Arnold auf eine Edition zurückgreifen, die im Carus-Verlag erschienen ist. 
Die CD konzentriert sich auf Vokalmusik für die Adventszeit und das Weihnachtsfest. Sie beginnt mit Hammerschmidts berühmter sechs- stimmiger Motette Machet die Tore weit, enthält weiter unter anderem zwei Vertonungen des Magnificats, Fürchtet euch nicht, ein geistliches Konzert für zwei Soprane und Generalbass in bester Schütz-Tradition, auf das - wie eine Antwort - das doppelchörige Ehre sei Gott in der Höhe folgt. Hammerschmidts geistliche Kompositionen sind an das Wort eng gebunden, sie setzen es in Musik um und legen es mit musikalischen Mitteln kunstvoll aus. Ähnliches lässt sich auch für das Magnificat feststellen, das Johann Rosenmüller (1619 bis 1684) in lateinischer Sprache vertonte. Dieses Werk wurde ebenfalls mit auf- genommen, und rundet die CD sehr schön ab. 
Das Ensemble Gli Scarlattisti begeistert mit makelloser Intonation, professioneller Geläufigkeit und stimmlicher Strahlkraft. Wer Lust auf eine Entdeckung im Bereich der eher "klassischen" Weihnachtsmusik hat, der sollte diese Hammerschmidt-Einspielung unbedingt anhören - es lohnt sich. 

Samstag, 10. Dezember 2011

recital - Takeo Sato (Raccanto)

Takeo Sato begann bereits im Kin- desalter, Gitarre zu spielen. Den ersten Unterricht gab ihm sein Vater, der Gitarrenbauer Kazuo Sato. Schon vor Beginn seines Musikstudiums hat Takeo Sato einige der wichtigsten Wettbewer- be gewonnen; dennoch hat der junge Musiker sehr viel Zeit und Sorgfalt in seine weitere Ausbil- dung investiert. 
Dieser Aufwand war nicht vergeb- lich, wie seine Debüt-CD beweist. Sie zeigt einen handwerklich überaus souveränen und musikalisch reifen, ausdrucksstarken Solisten, der sich sowohl in der sogenannten Alten Musik als auch in der Moderne sicher bewegt. Es bereitet Freude, diesem jungen Gitarristen zuzuhören. Sato spielt übrigens ein phantastisches Instrument aus der Werkstatt seines Vaters. Diese Gitarre begeistert, weil sie so herrlich singen kann - und durch ein enormes Spektrum an Klangfarben, das der Solist abrufen kann. 

Sonntag, 18. April 2010

Chopin: Préludes op. 28, 2 Ballades; Sheila Arnold (Avi-Music)

Als Chopin 1838 zusammen mit George Sand nach Mallorca reiste, hatte er Bachs Wohltemperiertes Klavier im Gepäck - und erste Notizen für ein eigenes Werk: Die 24 Préludes op. 28, Charakter- stücke, über denen seitdem Pianisten und Musikwissenschaft- ler grübeln. So gaben Pianisten diesen Stücken diverse Untertitel, Alfred Cortot beispielweise von "Fieberhaftes Warten auf die Geliebte" bis "Vom Blut, von der Wollust und vom Tod". Und André Gides berühmte "Aufzeichnungen über Chopin" sind in erster Linie Notate zu den Préludes.
Die indisch-deutsche Pianistin Sheila Arnold gestaltet diese 24 Stücke sowie die Balladen Nr. 1 g-Moll op. 23 und Nr. 4 f-Moll op. 52, die sie voran- bzw. an den Schluss stellt, ausgesprochen souverän und ent- schieden. Konsequent spielt sie sich durch den Kosmos der Tonarten; sie gibt jedem Stück einen eigenen Charakter, nimmt aber Chopins Werke nicht als Grundmasse für eigene Reflexionen, sondern als das, was sie sind: Musik, und zwar enorm anspruchsvolle. Arnold musi- ziert auf einem Érard-Hammerflügel, gebaut in Paris 1839. Die Mechanik dieses Instruments nutzt die Pianistin, um musikalische Strukturen hörbar werden zu lassen - hier wird jedenfalls nichts überspielt oder zugelärmt, und jedes Rubato, jedes Zögern hat seine Funktion. 
Das 17. Prélude, in b-Moll, Presto con fuoco, beispielweise dauert nur 01:07. Es beginnt mit sechs Akkorden wie Peitschenschlägen - und dann rast die rechte Hand unaufhaltsam wie ein Hurrikan in Wellen- bewegungen Tonleitern hinauf und hinab, und durch diverse Modu- lationen und Figurationen, zornig rhythmisch versetzt kommentiert durch die Linke im Bass. Schließlich aber gerät der Furor ins Straucheln; und dann finden sich beide Hände vereint in einer auf- steigenden chromatischen Passage - Schluss. Grandios!