Nicht nur Musiker, auch den Adel zog es einst aus deutschen Landen nach Italien. Mitunter kam es so zu über- raschenden Begegnungen. So traf im Jahre 1716 der sächsische Kurprinz Friedrich August in Venedig auf Johann David Heinichen (1683 bis 1729). Der Sohn eines Pfarrers aus Krössuln bei Weißenfels hatte sechs Jahre lang unter den Kantoren Johann Schelle und Johann Kuhnau an der Leipziger Thomasschule gelernt. Bei Kuhnau nahm Heinichen zusätzlich Privatunterricht im Orgel- und Cembalospiel; gemeinsam mit dem späteren Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner wurde er durch Kuhnau zudem im Fach Komposition unterwiesen.
Von 1702 bis 1705 studierte Heinichen dann Jura an der Universität Leipzig, und musizierte in Telemanns studentischem Collegium musicum. Noch als Student bewarb er sich um die Nachfolge Telemanns als Musik- direktor der Neukirche; allerdings erhielt er das Amt nicht; wir wissen jedoch, dass er in den darauffolgenden Jahren etliche Werke für die Leipziger Oper geschrieben hat. Auch im Opernhaus vorm Salztor des Herzogs Moritz Wilhelm zu Sachsen-Zeitz in Naumburg wurden Opern von Heinichen aufgeführt. Als dort aber 1710 der Thronfolger starb, und Landestrauer ausgerufen wurde, entschied sich Heinichen, nach Italien zu reisen.
Er hielt sich einige Zeit in Rom auf, wo er kurzzeitig für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen musizierte, Bachs späteren Dienstherrn. Ansonsten scheint Heinichen überwiegend in Venedig gelebt zu haben. Im Karneval 1713 präsentierte er erfolgreich zwei Opern. Immer wieder traf er auch Kollegen wieder, die er bereits aus Leipzig kannte. So war Gottfried Heinrich Stölzel 1713/14 in Venedig, und Johann Georg Pisendel traf 1716 im Gefolge des sächsischen Kurprinzen dort ein.
Friedrich August weilte auf Kavalierstour in Venedig; im Hause der Bankiersgattin Angioletta Bianchi, die eine hervorragende Sängerin und Cembalistin war, hörte der Kurprinz und spätere König August III. einige Kantaten Heinichens – und engagierte den Musiker umgehend als Kapellmeister auf Lebenszeit. Eigens dafür holte er aus der Heimat die Zustimmung seines Vaters August der Starke ein.
Heinichen revanchierte sich mit diversen musikalischen Huldigungen, nicht zuletzt an Maria Josepha von Habsburg. Die Gattin des Kurprinzen war Heinichen sehr gewogen. Der Musiker, der leider zunehmend unter der Tuberkulose litt, schuf in den zwölf Lebensjahren, die ihm noch verblieben, neben Musiken für höfische Feste und für den Gottesdienst in der katholi- schen Hofkirche insbesondere auch Kantaten und Instrumentalwerke, die für das intime Musizieren in den Räumen des Kurprinzen-Paares bestimmt waren. Sie sind, gemeinsam mit ähnlichen Werken aus Heinichens Zeit in Venedig, in zwei dicken Sammelbänden überliefert.
Die Batzdorfer Hofkapelle hat nun eine Auswahl dieser kurfürstlichen Privatmusik eingespielt. Die vier Kantaten versetzen den Zuhörer in ein ländliches Idyll, das von Nymphen und Hirten bevölkert wird. Sopranistin Marie Friederike Schröder, leider in den Koloraturen nicht wirklich sattel- fest, und Alto Terry Wey, sehr hörenswert, singen diese Kabinettstückchen höfischen Ziergesanges. Insbesondere der abschließende Dialog zwischen Clori und Tirsi, man hören nur das finale Duetto O mio ben, ist auch in der Instrumentierung von betörender Wirkung.
Neben diesen Gesangsstücken erklingen auch zwei Concerti Heinichens; überliefert sind diese in Abschriften der Darmstädter Hofkapelle. Die kurzen Werke geben den Instrumentalsolisten, hier sind es Geige und Oboe, Gelegenheit, sowohl mit virtuosen Passagen als auch mit schönen Tönen zu glänzen. Die Soli spielen Daniel Deuter, Violine, bzw. Xenia Löffler, Oboe. Die gesamte Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr in Hochform und bester Spiellaune – aus einem regionalen Projekt ist mittlerweile ohne Zweifel ein Spitzenensemble von europäischem Format herangewachsen. Bravi!
Posts mit dem Label Batzdorfer Hofkapelle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Batzdorfer Hofkapelle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Sonntag, 21. Februar 2016
Dienstag, 14. Juli 2015
Handel: My Favourite Instrument - Concertos, Sonatas & Arias with Oboe (Accent)
Schon in seiner Jugend schätzte Georg Friedrich Händel ein Instru- ment ganz besonders: „I used to write like the Devil in those days, but chiefly for the hautbois, which was my favorite instrument“, so sagte der Komponist zu dem deutschen Flötisten Carl Friedrich Wiedemann, als dieser ihm ein Manuskript mit Triosonaten zeigte, das wohl aus Händels Hallenser Jahren stammte. Die Sympathie war wohl gegenseitig, denn die besten Solisten seiner Zeit haben Händels Werke gespielt – in Rom Ignazio Rion, in Dresden Fran- cois le Riche und Franz Richter, und in London Johann Ernst Galliard und Jean Christian Kytch.
Xenia Löffler hat für diese CD gemeinsam mit der Sopranistin Marie Friederike Schröder und der Batzdorfer Hofkapelle ein abwechslungsrei- ches Programm zusammengestellt. Zu hören sind Konzerte – ob nun authentisch oder nicht –, Sonaten und auch vier Arien de Komponisten, in denen die Oboe mit der Sopranistin schier um die Wette singt. Musiziert wird schwungvoll und engagiert. Diese CD wird nicht nur Freunde der Barockmusik entzücken.
Xenia Löffler hat für diese CD gemeinsam mit der Sopranistin Marie Friederike Schröder und der Batzdorfer Hofkapelle ein abwechslungsrei- ches Programm zusammengestellt. Zu hören sind Konzerte – ob nun authentisch oder nicht –, Sonaten und auch vier Arien de Komponisten, in denen die Oboe mit der Sopranistin schier um die Wette singt. Musiziert wird schwungvoll und engagiert. Diese CD wird nicht nur Freunde der Barockmusik entzücken.
Montag, 16. Februar 2015
Sarri: Dixit Dominus / Missa (cpo)
Im Juni 1738 heirateten die sächsische Prinzessin Maria Amalia und Carlo IV., König von Neapel. Kurprinz Christian geleitete seine Schwester auf der beschwerlichen Reise in den Süden. Und im Gefolge der hohen Herrschaften befanden sich selbstverständlich auch Musiker, wie der Dresdner Hoforganist Giovanni Alberti Ristori oder Gottlob Harrer, der spätere Kapellmeister des Grafen Brühl. Johann Adolf Hasse, der seine Ausbildung in Neapel vollendet hatte, war seit 1733 Hof- kapellmeister in Dresden. Kurz und gut – die Verbindungen zwischen Italien und dem sächsischen Herrscherhaus waren eng. So kam auch manches ansprechende Musik- stück nach Dresden.
Ein interessantes Beispiel dafür ist eine Missa von Domenico Sarri (1679 bis 1744), maestro di cappella am Hofe in Neapel, deren Partitur sich in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden befindet. Es erscheint ein wenig kurios, dass dieser Komponist, der in erster Linie für seine Opern gefeiert wurde, am sächsischen Hof, der ebenfalls verrückt nach italienischen Opern war, ausgerechnet mit Kirchenmusik zu hören gewesen ist. Komplettiert wird die CD durch Sarris Dixit Dominus. Eine Abschrift dieser Psalmvertonung wird in Prag im Archiv der Kirche St. Nikolaus aufbewahrt.
Das Sächsische Vocalensemble unter Matthias Jung demonstriert mit dieser Aufnahme, dass es seinerzeit von der Oper in die Kirche musikalisch nicht unbedingt ein großer Schritt war. Die Solisten Anja Zügner und Maria Perlt, Sopran, Annekathrin Laabs, Mezzosopran, Andreas Post, Tenor und Wolf Matthias Friedrich, Bass, sparen daher nicht am Pathos. Das Sächsische Vocalensemble singt die Chöre engagiert, präzise und mit erfreulicher Textverständlichkeit. Und die Batzdorfer Hofkapelle musiziert einmal mehr, dass es eine Freude ist.
Ein interessantes Beispiel dafür ist eine Missa von Domenico Sarri (1679 bis 1744), maestro di cappella am Hofe in Neapel, deren Partitur sich in der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden befindet. Es erscheint ein wenig kurios, dass dieser Komponist, der in erster Linie für seine Opern gefeiert wurde, am sächsischen Hof, der ebenfalls verrückt nach italienischen Opern war, ausgerechnet mit Kirchenmusik zu hören gewesen ist. Komplettiert wird die CD durch Sarris Dixit Dominus. Eine Abschrift dieser Psalmvertonung wird in Prag im Archiv der Kirche St. Nikolaus aufbewahrt.
Das Sächsische Vocalensemble unter Matthias Jung demonstriert mit dieser Aufnahme, dass es seinerzeit von der Oper in die Kirche musikalisch nicht unbedingt ein großer Schritt war. Die Solisten Anja Zügner und Maria Perlt, Sopran, Annekathrin Laabs, Mezzosopran, Andreas Post, Tenor und Wolf Matthias Friedrich, Bass, sparen daher nicht am Pathos. Das Sächsische Vocalensemble singt die Chöre engagiert, präzise und mit erfreulicher Textverständlichkeit. Und die Batzdorfer Hofkapelle musiziert einmal mehr, dass es eine Freude ist.
Freitag, 7. März 2014
Graun: Oboe Concertos (Accent)
„Das umfangreiche, erst 2006 von Christoph Henzel erstellte Graun-Werkverzeichnis dürfte wohl das einzige sein, das sich gleich zwei Komponisten widmet“, schreibt Bernhard Blattmann in dem informativen Beiheft zu dieser CD. „In ihm verzeichnet sind die Werke der beiden komponierenden Brüder Johann Gottlieb (1701 bis 1771) und Carl Heinrich Graun (1703 bis 1759).“
Sie wirkten beide die am Hof Friedrichs II. Ihre Werke sind oftmals nur in Abschriften überliefert, wo als Autor dann „Sign. Graun“ genannt ist – aber welcher? Diese Frage stellten sich aber schon ihre Zeitgenossen. Schon Johann Georg Pisendel, Konzertmeister am Dresdner Hof, meinte in einem Brief an seinen Kollegen Telemann: „Mit denen Herren Grauens wird gemeiniglich eine Confusion, die schönsten u feurigsten mit Douceur melierten Sinfonien sind nicht von dem berühmten Herrn CapellMr Graun, sondern von seinem Bruder dem ConcertMr.“
Oftmals lässt sich aber selbst die Autorschaft eines der beiden Brüder nicht zweifelsfrei nachweisen. Von solchen Authentizitätsfragen un- beeindruckt, hat die Oboistin Xenia Löffler auf dieser CD gemeinsam mit der Batzdorfer Hofkapelle einige Werke eingespielt, die zwar möglicherweise von umstrittener Echtheit, jedoch garantiert sehr reizvoll sind. Auch wenn es mit keinem Wort erwähnt wird – aber zumeist dürfte es sich um Weltersteinspielungen handeln. Musiziert wird gekonnt, wie man es bei den „Alte“-Musik-Enthusiasten um Stefan Maass mittlerweile erwartet. Eine gelungene CD, die ich nur empfehlen kann.
Sie wirkten beide die am Hof Friedrichs II. Ihre Werke sind oftmals nur in Abschriften überliefert, wo als Autor dann „Sign. Graun“ genannt ist – aber welcher? Diese Frage stellten sich aber schon ihre Zeitgenossen. Schon Johann Georg Pisendel, Konzertmeister am Dresdner Hof, meinte in einem Brief an seinen Kollegen Telemann: „Mit denen Herren Grauens wird gemeiniglich eine Confusion, die schönsten u feurigsten mit Douceur melierten Sinfonien sind nicht von dem berühmten Herrn CapellMr Graun, sondern von seinem Bruder dem ConcertMr.“
Oftmals lässt sich aber selbst die Autorschaft eines der beiden Brüder nicht zweifelsfrei nachweisen. Von solchen Authentizitätsfragen un- beeindruckt, hat die Oboistin Xenia Löffler auf dieser CD gemeinsam mit der Batzdorfer Hofkapelle einige Werke eingespielt, die zwar möglicherweise von umstrittener Echtheit, jedoch garantiert sehr reizvoll sind. Auch wenn es mit keinem Wort erwähnt wird – aber zumeist dürfte es sich um Weltersteinspielungen handeln. Musiziert wird gekonnt, wie man es bei den „Alte“-Musik-Enthusiasten um Stefan Maass mittlerweile erwartet. Eine gelungene CD, die ich nur empfehlen kann.
Montag, 6. Februar 2012
Handel: The complete Italian cantatas for bass (Accent)
Während seines zweimonatigen Aufenthaltes in Neapel, wo er die Aufführung einer Festmusik anlässlich einer Fürstenhochzeit vorbereitete, komponierte Georg Friedrich Händel im Sommer 1708 zwei spektakuläre Kantaten für Bass. Möglicherweise sind sie für den Bassisten Domenico Antonio Manna entstanden, der ebenfalls für die Festmusiken engagiert war. Wer auch immer Nell'africane selve und Cuopre tal volta il cielo gesungen hat - es muss ein grandioser Sänger gewesen sein. Denn die technischen Anforderungen, die diese Kabinettstückchen stellen, sind derart extrem, dass sich bis heute kaum ein Sänger an diese Werke heranwagt.
"Die beiden Kantaten sind ein völlig anderes Kaliber als die Basspar- tien, die Händel später in seinen Londoner Opern für so berühmte Sänger wie Boschi oder Montagnana geschrieben hat", stellt Rai- mund Nolte fest. Er muss es wissen, denn er ist der Solist der vorlie- genden Aufnahme. "In beiden Kantaten finden wir (...) den Kontrast zwischen einer recht hoch gelegenen Baritonarie und einer Arie mit absurd großem Umfang und außergewöhnlicher Tiefe. In der ersten Arie von Cuopre tal volta il cielo geht es noch vergleichsweise human zu mit Umfang Fis-fis'. Nur im Accompagnato findet sich ein tiefes D, das ein geübter Sänger des Barock leicht in die Höhe um- legen konnte. Die Schlussarie Per pietà de miei martiri liegt dagegen sehr hoch mit Umfang G-g'", erläutert der Sänger. "Viel drastischer sind die Verhältnisse in Nell'africane selve, wo die zweite Arie Chiedo amore den Umfang A-fis' verlangt, während die erste Arie gewissermaßen 'denVogel abschießt'. Es handelt sich um ein Lamento über das traurige Schicksal eines gefangenen Löwen, der nun nicht mehr der König des Dschungels ist. Mit Tonsprüngen von mehr als zweieinhalb Oktaven vom tiefen Cis bis a' verstrickt sich der Löwe im Netz."
Ob die afrikanische Wildnis oder ein Sturm vor der Küste Neapels - Händel setzt auf Naturbilder, brillant in Tonmalereien umgesetzt, um das Leiden von Liebenden zu schildern. In rasant-verwegenen Triolen- koloraturen und ebenso gewagten Sprüngen quer durch die Register zeigt er das aufgewühlte Meer. Lautmalereien und unge- wöhnliche Akkorde entführen das Publikum in ein hochartifizielles Afrika - die Zuhörer der Barockzeit, die derlei Kunstkniffe zu würdigen wussten, werden begeistert gewesen sein.
Doch selbst die meisten Solisten der Händel-Zeit dürften diese Partien mit ihren mörderischen Anforderungen gemieden haben. Der Maestro selbst schrieb auch in Rom zwei Bass-Kantaten; sie sind ebenfalls hörenswert, doch technisch lang nicht so anspruchsvoll. Bassbariton Raimund Nolte hat sich an alle vier Kantaten gewagt, und sich dabei sehr achtbar geschlagen. Auch die Batzdorfer Hofkapelle musiziert lustvoll, und ergänzt Händels Kantaten noch um zwei hübsche Instrumentalstücke, deren Grundsubstanz möglicherweise ebenfalls aus diesen frühen Jahren stammt.
"Die beiden Kantaten sind ein völlig anderes Kaliber als die Basspar- tien, die Händel später in seinen Londoner Opern für so berühmte Sänger wie Boschi oder Montagnana geschrieben hat", stellt Rai- mund Nolte fest. Er muss es wissen, denn er ist der Solist der vorlie- genden Aufnahme. "In beiden Kantaten finden wir (...) den Kontrast zwischen einer recht hoch gelegenen Baritonarie und einer Arie mit absurd großem Umfang und außergewöhnlicher Tiefe. In der ersten Arie von Cuopre tal volta il cielo geht es noch vergleichsweise human zu mit Umfang Fis-fis'. Nur im Accompagnato findet sich ein tiefes D, das ein geübter Sänger des Barock leicht in die Höhe um- legen konnte. Die Schlussarie Per pietà de miei martiri liegt dagegen sehr hoch mit Umfang G-g'", erläutert der Sänger. "Viel drastischer sind die Verhältnisse in Nell'africane selve, wo die zweite Arie Chiedo amore den Umfang A-fis' verlangt, während die erste Arie gewissermaßen 'denVogel abschießt'. Es handelt sich um ein Lamento über das traurige Schicksal eines gefangenen Löwen, der nun nicht mehr der König des Dschungels ist. Mit Tonsprüngen von mehr als zweieinhalb Oktaven vom tiefen Cis bis a' verstrickt sich der Löwe im Netz."
Ob die afrikanische Wildnis oder ein Sturm vor der Küste Neapels - Händel setzt auf Naturbilder, brillant in Tonmalereien umgesetzt, um das Leiden von Liebenden zu schildern. In rasant-verwegenen Triolen- koloraturen und ebenso gewagten Sprüngen quer durch die Register zeigt er das aufgewühlte Meer. Lautmalereien und unge- wöhnliche Akkorde entführen das Publikum in ein hochartifizielles Afrika - die Zuhörer der Barockzeit, die derlei Kunstkniffe zu würdigen wussten, werden begeistert gewesen sein.
Doch selbst die meisten Solisten der Händel-Zeit dürften diese Partien mit ihren mörderischen Anforderungen gemieden haben. Der Maestro selbst schrieb auch in Rom zwei Bass-Kantaten; sie sind ebenfalls hörenswert, doch technisch lang nicht so anspruchsvoll. Bassbariton Raimund Nolte hat sich an alle vier Kantaten gewagt, und sich dabei sehr achtbar geschlagen. Auch die Batzdorfer Hofkapelle musiziert lustvoll, und ergänzt Händels Kantaten noch um zwei hübsche Instrumentalstücke, deren Grundsubstanz möglicherweise ebenfalls aus diesen frühen Jahren stammt.
Samstag, 7. Mai 2011
Pfeiffer: Overtures & Concertos (Accent)
In den 80er Jahren bemühten sich Künstler und Restauratoren, den Verfall von Schloß Batzdorf auf- zuhalten. Das Rittergut, gelegen in den Elbhängen zwischen Dresden und Meißen, bestand schon im Mittelalter - und entsprach nicht gerade dem Ideal sozialistischen Wohnraums. So war die Gemeinde Scharfenberg nicht abgeneigt, als sich 1983 die Künstler meldeten, die das Anwesen sanieren und sich dort niederlassen wollten. 1990 gründeten sie den Verein Schloß Batzdorf e.V., um das alte Gemäuer endgültig erwerben zu können.
Damals begannen die Bewohner dieser etwas anderen WG auch damit, in das alte Schloß mit seinem historischen Rittersaal zu Konzerten einzuladen. 1993 fand sich dort ein Ensemble zusammen, das sich mit einer gewissen Ironie Batzdorfer Hofkapelle nannte. Die Musiker hatten hervorragende Ideen; so starteten sie mit der szenischen Aufführung eines Hasse-Intermezzos die Batzdorfer Barockfestspiele. Was als "No-Budget"- Projekt befreundeter Musiker begann, das hat sich mittlerweile aufgrund der exzellenten künstlerischen Qualität zu einer regionalen Kultveranstaltung entwickelt. Später kamen Pfingst- spiele und der Batzdorfer Adventsmarkt dazu, die ebenfalls alljährlich zahlreiche Gäste in das wiedererstandene Schloss locken.
Die Batzdorfer Hofkapelle ist mit ihren Produktionen mittlerweile europaweit bekannt und etabliert. Hatten sich die Musiker, durchweg ausgewiesene Spezialisten für Alte Musik, anfänglich auf die Schätze konzentriert, die im reichen Handschriftenbestand der Dresdner Staatsbibliothek schlummerten, finden sie ihre Anregungen nunmehr auch jenseits der Grenzen Sachsens. So haben sie 2009 bei einem Konzert in Neumarkt Werke Johann Pfeiffers (1697 bis 1761) vorge-stellt. Es wurde vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und erschien nun als CD bei Accent.
Pfeiffer, Sohn eines Nürnberger Glasermeisters, studierte in Leipzig und Halle/Saale, und trat 1720 als Geiger in den Dienst Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. 1726 wurde er Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle, und begleitete den Herzog auf Reisen - 1733 beispielsweise nach Bayreuth. Dort begann die Schwester des preußi- schen Kronprinzen Friedrich als Gattin des Erbprinzen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth damals gerade mit dem Aufbau eines Hofes, der diesen Namen auch verdiente. Sie engagierte Pfeiffer 1734 als Hofviolinisten, und machte ihn bald darauf zum Kapellmeister. Wilhelmine, musikalisch offenbar bereits in Berlin sehr gut geschult, nahm Kompositionsunterricht bei Pfeiffer. Ihr Lieblingsinstrument war die Laute; sie war von dem berühmten Dresdner Lautenisten Sylvius Leopold Weiss ausgebildet worden, und selbstverständlich nahm Hoflautenist Adam Falkenhagen, ein Kollege Pfeiffers bereits in Weimar, in der Hierarchie der Hofkapelle des Markgrafen hinter dem Kapellmeister den zweiten Rang ein.
Für Falkenhagen schuf Pfeiffer möglicherweise sein Konzert für Laute, Streicher und Basso continuo B-Dur, das Möglichkeiten und Stärken dieses Instrumentes sehr schön zur Geltung bringt. Überhaupt zeu- gen die Werke des Komponisten davon, dass dieser oftmals seine Musik für die verfügbare Besetzung und nach dem Geschmack seines jeweiligen Dienstherrn geschaffen hat - und zwar so, dass trotz diverser Beschränkungen letzten Endes ein repräsentables Ergebnis entstand: Klangvoll, mehr oder weniger modern, stets originell, ge- legentlich sogar überraschend. Ein Bravi! an die Musiker der Batz- dorfer Hofkapelle für diese Entdeckung.
Damals begannen die Bewohner dieser etwas anderen WG auch damit, in das alte Schloß mit seinem historischen Rittersaal zu Konzerten einzuladen. 1993 fand sich dort ein Ensemble zusammen, das sich mit einer gewissen Ironie Batzdorfer Hofkapelle nannte. Die Musiker hatten hervorragende Ideen; so starteten sie mit der szenischen Aufführung eines Hasse-Intermezzos die Batzdorfer Barockfestspiele. Was als "No-Budget"- Projekt befreundeter Musiker begann, das hat sich mittlerweile aufgrund der exzellenten künstlerischen Qualität zu einer regionalen Kultveranstaltung entwickelt. Später kamen Pfingst- spiele und der Batzdorfer Adventsmarkt dazu, die ebenfalls alljährlich zahlreiche Gäste in das wiedererstandene Schloss locken.
Die Batzdorfer Hofkapelle ist mit ihren Produktionen mittlerweile europaweit bekannt und etabliert. Hatten sich die Musiker, durchweg ausgewiesene Spezialisten für Alte Musik, anfänglich auf die Schätze konzentriert, die im reichen Handschriftenbestand der Dresdner Staatsbibliothek schlummerten, finden sie ihre Anregungen nunmehr auch jenseits der Grenzen Sachsens. So haben sie 2009 bei einem Konzert in Neumarkt Werke Johann Pfeiffers (1697 bis 1761) vorge-stellt. Es wurde vom Bayerischen Rundfunk mitgeschnitten und erschien nun als CD bei Accent.
Pfeiffer, Sohn eines Nürnberger Glasermeisters, studierte in Leipzig und Halle/Saale, und trat 1720 als Geiger in den Dienst Herzogs Ernst August von Sachsen-Weimar. 1726 wurde er Konzertmeister der Weimarer Hofkapelle, und begleitete den Herzog auf Reisen - 1733 beispielsweise nach Bayreuth. Dort begann die Schwester des preußi- schen Kronprinzen Friedrich als Gattin des Erbprinzen Friedrich von Brandenburg-Bayreuth damals gerade mit dem Aufbau eines Hofes, der diesen Namen auch verdiente. Sie engagierte Pfeiffer 1734 als Hofviolinisten, und machte ihn bald darauf zum Kapellmeister. Wilhelmine, musikalisch offenbar bereits in Berlin sehr gut geschult, nahm Kompositionsunterricht bei Pfeiffer. Ihr Lieblingsinstrument war die Laute; sie war von dem berühmten Dresdner Lautenisten Sylvius Leopold Weiss ausgebildet worden, und selbstverständlich nahm Hoflautenist Adam Falkenhagen, ein Kollege Pfeiffers bereits in Weimar, in der Hierarchie der Hofkapelle des Markgrafen hinter dem Kapellmeister den zweiten Rang ein.
Für Falkenhagen schuf Pfeiffer möglicherweise sein Konzert für Laute, Streicher und Basso continuo B-Dur, das Möglichkeiten und Stärken dieses Instrumentes sehr schön zur Geltung bringt. Überhaupt zeu- gen die Werke des Komponisten davon, dass dieser oftmals seine Musik für die verfügbare Besetzung und nach dem Geschmack seines jeweiligen Dienstherrn geschaffen hat - und zwar so, dass trotz diverser Beschränkungen letzten Endes ein repräsentables Ergebnis entstand: Klangvoll, mehr oder weniger modern, stets originell, ge- legentlich sogar überraschend. Ein Bravi! an die Musiker der Batz- dorfer Hofkapelle für diese Entdeckung.
Donnerstag, 17. März 2011
Hasse: Te Deum - Sacred Works (cpo)
Johann Adolf Hasse (1699 bis 1783) war einer der wenigen Komponisten, die in der Zeit zwischen Händel und Haydn überregional bekannt, ja berühmt waren. Hasse stammt aus Berge- dorf bei Hamburg, er gehörte einer weitverzweigten norddeutschen Organistenfamilie an, und wurde zunächst durch seinen Vater unterrichtet.
1718 debütierte er als Tenor an der Hamburger Oper am Gänsemarkt, ein Jahr später erhielt er ein Enga- gement an der Braunschweiger Hofoper. 1722 reiste Hasse nach Italien: In Neapel nahm er Kompositionsunterricht bei Alessandro Scarlatti und Nicola Porpora. Dort schrieb er auch seine ersten Opern, die sehr erfolgreich waren. Für die Oper Artaserse, erstmals aufgeführt 1730 zum Karneval in Venedig, wurde Hasse weithin gefeiert. Dort lernte "Il divino Sassone" zudem die als "La nuova Sirena" gefeierte Sängerin Faustina Bordoni kennen - und heiratete sie noch im gleichen Jahr.
Erfolgreich verlief auch ein Gastspiel 1731 in Dresden, wo Hasse seine Oper Cleofide uraufführte. Unter König August III. wirkte der Musiker dann 30 Jahre lang als Hofkapellmeister in Dresden, was sowohl der Kapelle als auch der Oper ausgezeichnet bekam. Hasse und seine Frau wurden großzügig alimentiert, und wenn sich der Hof in Warschau aufhielt, dann hatte das Ehepaar die Gelegenheit auch zu längeren Auslandsreisen. Hasse hielt sich oft in Venedig auf, wo er seit 1735 ein Haus besaß, und mehrfach als maestro di coro am Ospedale degl'Incurabili wirkte. Auch nach Paris reiste Hasse 1750, auf Einla- dung des französischen Hofes.
In Dresden endete die Ära Hasse mit dem Siebenjährigen Krieg. 1756 besetzte Friedrich II. von Preußen die Stadt, der Hasse sehr verehrt und oft gemeinsam mit ihm musiziert haben soll. Doch infolge des Kanonenbeschusses brannte am 19. Juli 1760 Hasses Wohnhaus ab, mitsamt den zum Stich vorbereiteten Abschriften seiner gesammel- ten Werke. Der Musiker ging mit seiner Familie nach Wien; unmittel- bar nach dem Tode des sächsischen Königs 1763 wurden die Sängerin und der Hofkapellmeister dann durch dessen Nachfolger entlassen.
Im Januar 1771 erhielt Hasse von Maria Theresia den Auftrag, anläss- lich der Hochzeit von Erzherzog Ferdinand mit Prinzessin Maria Beatrice d'Este eine Festoper zu komponieren. Ruggiero, als Höhe- punkt des musikalischen Rahmenprogramms der Hochzeitsfeier- lichkeiten vorgesehen, fand aber weit weniger Beifall als das Werk eines Fünfzehnjährigen, das ebenfalls zum Fest erklang: Ascanio in Alba von Wolfgang Amadeus Mozart. Hasse soll daraufhin gesagt haben: „Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen.“
Und damit behielt der Komponist Recht. Denn obwohl Hasse gemein- sam mit seinem Freund, dem Librettisten Pietro Metastasio, die Opera seria zur Blüte führte, wird heute faktisch nur noch seine Kirchenmusik gelegentlich aufgeführt. Die meisten dieser Werke schrieb Hasse für den Gottesdienst in der Katholischen Hofkirche zu Dresden.
So auch die Werke auf dieser CD, in deren Zentrum "das" Dresdner Te Deum steht, geschaffen von Hasse für die Weihe der neuen Hofkirche 1751. Es wird flankiert von einer Vertonung der Lauretanischen Litanei sowie Sub tuum praesidium, Tantum ergo und Regina coeli. Zu hören sind das Sächsische Vocalensemble sowie die Batzdorfer Hofkapelle unter Matthias Jung. Obwohl die Mitglieder dieses semi- professionellen Kammerchores durchweg exzellent singen, haben sie sich für diese Aufnahme Verstärkung geholt - Barbara Christina Steude, Sopran, Susanne Langner, Alt, Georg Poplutz, Tenor und Matthias Lutze, Bass. Ihre Stimmen passen sich in den Gesamtklang sehr schön ein, und die Batzdorfer Hofkapelle ergänzt den für Hasse typischen dezenten Orchesterpart. Eine Einspielung von beein- druckender Noblesse, die dieser Figuralmusik sehr gut gerecht wird.
1718 debütierte er als Tenor an der Hamburger Oper am Gänsemarkt, ein Jahr später erhielt er ein Enga- gement an der Braunschweiger Hofoper. 1722 reiste Hasse nach Italien: In Neapel nahm er Kompositionsunterricht bei Alessandro Scarlatti und Nicola Porpora. Dort schrieb er auch seine ersten Opern, die sehr erfolgreich waren. Für die Oper Artaserse, erstmals aufgeführt 1730 zum Karneval in Venedig, wurde Hasse weithin gefeiert. Dort lernte "Il divino Sassone" zudem die als "La nuova Sirena" gefeierte Sängerin Faustina Bordoni kennen - und heiratete sie noch im gleichen Jahr.
Erfolgreich verlief auch ein Gastspiel 1731 in Dresden, wo Hasse seine Oper Cleofide uraufführte. Unter König August III. wirkte der Musiker dann 30 Jahre lang als Hofkapellmeister in Dresden, was sowohl der Kapelle als auch der Oper ausgezeichnet bekam. Hasse und seine Frau wurden großzügig alimentiert, und wenn sich der Hof in Warschau aufhielt, dann hatte das Ehepaar die Gelegenheit auch zu längeren Auslandsreisen. Hasse hielt sich oft in Venedig auf, wo er seit 1735 ein Haus besaß, und mehrfach als maestro di coro am Ospedale degl'Incurabili wirkte. Auch nach Paris reiste Hasse 1750, auf Einla- dung des französischen Hofes.
In Dresden endete die Ära Hasse mit dem Siebenjährigen Krieg. 1756 besetzte Friedrich II. von Preußen die Stadt, der Hasse sehr verehrt und oft gemeinsam mit ihm musiziert haben soll. Doch infolge des Kanonenbeschusses brannte am 19. Juli 1760 Hasses Wohnhaus ab, mitsamt den zum Stich vorbereiteten Abschriften seiner gesammel- ten Werke. Der Musiker ging mit seiner Familie nach Wien; unmittel- bar nach dem Tode des sächsischen Königs 1763 wurden die Sängerin und der Hofkapellmeister dann durch dessen Nachfolger entlassen.
Im Januar 1771 erhielt Hasse von Maria Theresia den Auftrag, anläss- lich der Hochzeit von Erzherzog Ferdinand mit Prinzessin Maria Beatrice d'Este eine Festoper zu komponieren. Ruggiero, als Höhe- punkt des musikalischen Rahmenprogramms der Hochzeitsfeier- lichkeiten vorgesehen, fand aber weit weniger Beifall als das Werk eines Fünfzehnjährigen, das ebenfalls zum Fest erklang: Ascanio in Alba von Wolfgang Amadeus Mozart. Hasse soll daraufhin gesagt haben: „Dieser Knabe wird uns alle vergessen machen.“
Und damit behielt der Komponist Recht. Denn obwohl Hasse gemein- sam mit seinem Freund, dem Librettisten Pietro Metastasio, die Opera seria zur Blüte führte, wird heute faktisch nur noch seine Kirchenmusik gelegentlich aufgeführt. Die meisten dieser Werke schrieb Hasse für den Gottesdienst in der Katholischen Hofkirche zu Dresden.
So auch die Werke auf dieser CD, in deren Zentrum "das" Dresdner Te Deum steht, geschaffen von Hasse für die Weihe der neuen Hofkirche 1751. Es wird flankiert von einer Vertonung der Lauretanischen Litanei sowie Sub tuum praesidium, Tantum ergo und Regina coeli. Zu hören sind das Sächsische Vocalensemble sowie die Batzdorfer Hofkapelle unter Matthias Jung. Obwohl die Mitglieder dieses semi- professionellen Kammerchores durchweg exzellent singen, haben sie sich für diese Aufnahme Verstärkung geholt - Barbara Christina Steude, Sopran, Susanne Langner, Alt, Georg Poplutz, Tenor und Matthias Lutze, Bass. Ihre Stimmen passen sich in den Gesamtklang sehr schön ein, und die Batzdorfer Hofkapelle ergänzt den für Hasse typischen dezenten Orchesterpart. Eine Einspielung von beein- druckender Noblesse, die dieser Figuralmusik sehr gut gerecht wird.
Abonnieren
Posts (Atom)






