Wer schreibt, der bleibt – über dieses Motto konnte Silvius Leopold Weiss (1687 bis 1750) vermutlich milde lächeln. Der Lautenspezialist, ausgebildet vermutlich von seinem Vater, reiste 1708 im Gefolge des polnischen Prinzen Alexander Sobieski nach Italien. Nach dem Tode seines Mäzens 1714 kehrte der Musiker nach Deutschland zurück, um sich an bedeutenden Höfen vor- zustellen. In Dresden wurde Weiss schließlich 1718 als Kammerlautenist engagiert; am sächsischen Hof blieb er bis an sein Lebensende.
Im Druck erschienen ist zu Lebzeiten des Virtuosen nur ein einziges seiner Werke. Weiss hatte kein Interesse daran, seine Kompositionen zu veröffentlichen. Wer seine Musik heute spielen möchte, der muss sich daher auf die mühevolle Suche nach den Tabulatur-Manuskripten machen. Vieles ist leider auch endgültig verloren.
So sind in Dresden vier Sonaten für zwei Lauten unvollständig überliefert. Karl-Ernst Schröder hat für diese Aufnahme den fehlenden Lautenpart sorgsam rekonstruiert. Gemeinsam mit Robert Barto, und bei einer Sonate auch mit dem Cellisten Gaetano Nasillo, präsentiert er die Werke auf CD. Freunde der Lautenmusik dürfen sich freuen – denn mit diesem Projekt haben die Musiker wundervolle, erstklassige Kammermusik aus dem Spätbarock wieder verfügbar gemacht.
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Montag, 29. Oktober 2018
Mittwoch, 21. März 2018
Bach meets Vivaldi - Lautten Compagney Berlin ( K&K)
Wenn man diese Aufnahme aus der Edition Kloster Maulbronn angehört hat, weiß man, warum das Sprich- wort sagt, der Himmel hänge voller Geigen. Die Lautten Compagney Berlin war am 26. Mai 2017 zu Gast in der Klosterkirche – und spielte gemeinsam mit Julia Schröder unter dem Titel „Bach meets Vivaldi“ einige der schönsten Violinkonzerte überhaupt.
Das Programm beginnt mit dem berühmten Doppelkonzert in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, als Solisten sind Birgit Schnurpfeil, die Konzertmeisterin der Lautten Compagney, und Julia Schröder zu hören. Die Freiburger Violinprofessorin spielt auch die Soloparts der beiden anderen Bach-Konzerte BWV 1041 und 1042. Im Programm wechseln sie sich ab mit Violinkonzerten von Antonio Vivaldi. Und hier sind zunächst alle Streicher Solisten, denn das Concerto in h-Moll RV 580 für vier (!) Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo aus der Sammlung L'Estro Armonico hält für alle Beteiligten höchst anspruchsvolle Aufgaben bereit.
Das Concerto in d-Moll RV 565 für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo gestalten Birgit Schnurpfeil und Matthias Hummel. Es ist sehr interesssant, diese Werke neben Bachs Konzerten zu hören, denn dieser hat sich mit Vivaldis Musik sehr eingehend beschäftigt – das Konzert RV 565 hat Bach sogar für die Orgel bearbeitet (BWV 596).
Das g-Moll-Konzert RV 157 folgt noch der ursprünglichen Idee der damals neuen Gattung, ein Streicherorchester mit Basso continuo musizieren zu lassen. Das gelingt traumhaft. Und daher sollen an dieser Stelle auch die weiteren Mitwirkenden benannt werden: Daniela Gubatz, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Magdalena Schenk-Bader, Violine/Viola, Ulrike Becker, Violoncello, Alf Brauner, Kontrabass, Johannes Gontarski, Laute und Elina Albach, Cembalo.
Musiziert wird durchweg kammermusikalisch und in historischer Aufführungspraxis – engagiert, sehr präzise, aber auch ausgesprochen lustvoll, lebendig und abwechslungsreich. Kurzum: Es war ein rundum gelungenes Konzert. Und es wurde in gewohnt exzellenter Qualität mitgeschnitten. Unbedingt anhören, diese Aufnahme ist wirklich hinreißend!
Das Programm beginnt mit dem berühmten Doppelkonzert in d-Moll BWV 1043 von Johann Sebastian Bach, als Solisten sind Birgit Schnurpfeil, die Konzertmeisterin der Lautten Compagney, und Julia Schröder zu hören. Die Freiburger Violinprofessorin spielt auch die Soloparts der beiden anderen Bach-Konzerte BWV 1041 und 1042. Im Programm wechseln sie sich ab mit Violinkonzerten von Antonio Vivaldi. Und hier sind zunächst alle Streicher Solisten, denn das Concerto in h-Moll RV 580 für vier (!) Violinen, zwei Violen, Violoncello und Basso Continuo aus der Sammlung L'Estro Armonico hält für alle Beteiligten höchst anspruchsvolle Aufgaben bereit.
Das Concerto in d-Moll RV 565 für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Basso continuo gestalten Birgit Schnurpfeil und Matthias Hummel. Es ist sehr interesssant, diese Werke neben Bachs Konzerten zu hören, denn dieser hat sich mit Vivaldis Musik sehr eingehend beschäftigt – das Konzert RV 565 hat Bach sogar für die Orgel bearbeitet (BWV 596).
Das g-Moll-Konzert RV 157 folgt noch der ursprünglichen Idee der damals neuen Gattung, ein Streicherorchester mit Basso continuo musizieren zu lassen. Das gelingt traumhaft. Und daher sollen an dieser Stelle auch die weiteren Mitwirkenden benannt werden: Daniela Gubatz, Violine, Bettina Ihrig, Viola, Magdalena Schenk-Bader, Violine/Viola, Ulrike Becker, Violoncello, Alf Brauner, Kontrabass, Johannes Gontarski, Laute und Elina Albach, Cembalo.
Musiziert wird durchweg kammermusikalisch und in historischer Aufführungspraxis – engagiert, sehr präzise, aber auch ausgesprochen lustvoll, lebendig und abwechslungsreich. Kurzum: Es war ein rundum gelungenes Konzert. Und es wurde in gewohnt exzellenter Qualität mitgeschnitten. Unbedingt anhören, diese Aufnahme ist wirklich hinreißend!
Dienstag, 14. November 2017
Sinfonie Concertante - Mozart, Holzbauer, Pleyel (Sony)
Die Sinfonia Concertante, entstanden aus der Verflechtung von Sinfonie, Solokonzert und Divertimento, erlebte ihre Blütezeit zwischen 1770 und 1825. Sie erfreute Musiker wie Publikum durch einen gefälligen Orchestersatz und brillante Solo-Partien. Die Konzertante, wie sie auch genannt wird, kam zunächst in Paris in Mode. Derartige Werke erklangen aber bald überall, wo exzellente Musiker verfügbar waren – so in Mannheim, in Wien oder aber in London.
Das Kammerorchester Basel stellt auf dieser CD drei besonders schöne Exemplare vor. Zu hören ist an erster Stelle die Sinfonia Concertante in Es-Dur des Mannheimer Hofkapell- meisters und Hofkomponisten Ignaz Holzbauer (1711 bis 1783). Bei diesem Stück konzertieren Violine, Viola und Violoncello.
Flöte, Oboe, Fagott, gleich zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass hat hingegen Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) mit Solo-Aufgaben betraut. Die Sinfonia Concertante in F-Dur B. 113 des Haydn-Schülers und Straßburger Domkapellmeisters bietet aber nicht nur farbenreiche Soli, sondern dazu auch eine wunderschöne dezente Orchesterbegleitung.
Die Sinfonia Concertante in Es-Dur KV 297b, von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert im April 1778 für Flöte, Oboe, Fagott, Horn und Orchester. Vorgesehen war sie für den Flötisten Johann Baptist Wendling, den Oboisten Friedrich Ramm, den Hornisten Johann Wenzel Stich, besser bekannt als Giovanni Punto, und den Fagottisten Georg Wenzel Ritter; erklingen sollte sie im Concert Spirituel. Die Solisten, so erfahren wir aus Mozarts Briefwechsel mit dem Vater, kennen ihre Partien bereits und „sind noch ganz darein verliebt“. Aber aber dann wird ein ganz anderes Werk aufgeführt, und Mozarts Partitur bleibt auch verschwun- den.
Im Nachlass des Mozart-Biographen Otto Jahn findet sich dann die Abschrift eines Werkes für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester. Musikwissenschaftler gehen heute davon aus, dass zwar die Solostimmen auf der ursprünglichen Fassung beruhen – aber dieser Orchesterpart nicht von Mozart stammt. Auf dieser CD erklingt nun das verschollene Werk in einer von Robert Levin rekonstruierten Fassung, dirigiert von Umberto Benedetti Michelangeli.
Das Kammerorchester Basel musiziert auf modernen Instrumenten, es hat dabei jedoch die historische Perspektive stets im Blick. Den Musikern um Konzertmeisterin Julia Schröder ist einmal mehr eine Produktion gelungen, die rundum überzeugt – und der Hörer darf sich über wirkliche Entdeckungen freuen.
Das Kammerorchester Basel stellt auf dieser CD drei besonders schöne Exemplare vor. Zu hören ist an erster Stelle die Sinfonia Concertante in Es-Dur des Mannheimer Hofkapell- meisters und Hofkomponisten Ignaz Holzbauer (1711 bis 1783). Bei diesem Stück konzertieren Violine, Viola und Violoncello.
Flöte, Oboe, Fagott, gleich zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass hat hingegen Ignaz Joseph Pleyel (1757 bis 1831) mit Solo-Aufgaben betraut. Die Sinfonia Concertante in F-Dur B. 113 des Haydn-Schülers und Straßburger Domkapellmeisters bietet aber nicht nur farbenreiche Soli, sondern dazu auch eine wunderschöne dezente Orchesterbegleitung.
Die Sinfonia Concertante in Es-Dur KV 297b, von Wolfgang Amadeus Mozart komponiert im April 1778 für Flöte, Oboe, Fagott, Horn und Orchester. Vorgesehen war sie für den Flötisten Johann Baptist Wendling, den Oboisten Friedrich Ramm, den Hornisten Johann Wenzel Stich, besser bekannt als Giovanni Punto, und den Fagottisten Georg Wenzel Ritter; erklingen sollte sie im Concert Spirituel. Die Solisten, so erfahren wir aus Mozarts Briefwechsel mit dem Vater, kennen ihre Partien bereits und „sind noch ganz darein verliebt“. Aber aber dann wird ein ganz anderes Werk aufgeführt, und Mozarts Partitur bleibt auch verschwun- den.
Im Nachlass des Mozart-Biographen Otto Jahn findet sich dann die Abschrift eines Werkes für Oboe, Klarinette, Horn, Fagott und Orchester. Musikwissenschaftler gehen heute davon aus, dass zwar die Solostimmen auf der ursprünglichen Fassung beruhen – aber dieser Orchesterpart nicht von Mozart stammt. Auf dieser CD erklingt nun das verschollene Werk in einer von Robert Levin rekonstruierten Fassung, dirigiert von Umberto Benedetti Michelangeli.
Das Kammerorchester Basel musiziert auf modernen Instrumenten, es hat dabei jedoch die historische Perspektive stets im Blick. Den Musikern um Konzertmeisterin Julia Schröder ist einmal mehr eine Produktion gelungen, die rundum überzeugt – und der Hörer darf sich über wirkliche Entdeckungen freuen.
Sonntag, 21. Februar 2016
Heinichen: Italian Cantatas & Concertos (Accent)
Nicht nur Musiker, auch den Adel zog es einst aus deutschen Landen nach Italien. Mitunter kam es so zu über- raschenden Begegnungen. So traf im Jahre 1716 der sächsische Kurprinz Friedrich August in Venedig auf Johann David Heinichen (1683 bis 1729). Der Sohn eines Pfarrers aus Krössuln bei Weißenfels hatte sechs Jahre lang unter den Kantoren Johann Schelle und Johann Kuhnau an der Leipziger Thomasschule gelernt. Bei Kuhnau nahm Heinichen zusätzlich Privatunterricht im Orgel- und Cembalospiel; gemeinsam mit dem späteren Darmstädter Hofkapellmeister Christoph Graupner wurde er durch Kuhnau zudem im Fach Komposition unterwiesen.
Von 1702 bis 1705 studierte Heinichen dann Jura an der Universität Leipzig, und musizierte in Telemanns studentischem Collegium musicum. Noch als Student bewarb er sich um die Nachfolge Telemanns als Musik- direktor der Neukirche; allerdings erhielt er das Amt nicht; wir wissen jedoch, dass er in den darauffolgenden Jahren etliche Werke für die Leipziger Oper geschrieben hat. Auch im Opernhaus vorm Salztor des Herzogs Moritz Wilhelm zu Sachsen-Zeitz in Naumburg wurden Opern von Heinichen aufgeführt. Als dort aber 1710 der Thronfolger starb, und Landestrauer ausgerufen wurde, entschied sich Heinichen, nach Italien zu reisen.
Er hielt sich einige Zeit in Rom auf, wo er kurzzeitig für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen musizierte, Bachs späteren Dienstherrn. Ansonsten scheint Heinichen überwiegend in Venedig gelebt zu haben. Im Karneval 1713 präsentierte er erfolgreich zwei Opern. Immer wieder traf er auch Kollegen wieder, die er bereits aus Leipzig kannte. So war Gottfried Heinrich Stölzel 1713/14 in Venedig, und Johann Georg Pisendel traf 1716 im Gefolge des sächsischen Kurprinzen dort ein.
Friedrich August weilte auf Kavalierstour in Venedig; im Hause der Bankiersgattin Angioletta Bianchi, die eine hervorragende Sängerin und Cembalistin war, hörte der Kurprinz und spätere König August III. einige Kantaten Heinichens – und engagierte den Musiker umgehend als Kapellmeister auf Lebenszeit. Eigens dafür holte er aus der Heimat die Zustimmung seines Vaters August der Starke ein.
Heinichen revanchierte sich mit diversen musikalischen Huldigungen, nicht zuletzt an Maria Josepha von Habsburg. Die Gattin des Kurprinzen war Heinichen sehr gewogen. Der Musiker, der leider zunehmend unter der Tuberkulose litt, schuf in den zwölf Lebensjahren, die ihm noch verblieben, neben Musiken für höfische Feste und für den Gottesdienst in der katholi- schen Hofkirche insbesondere auch Kantaten und Instrumentalwerke, die für das intime Musizieren in den Räumen des Kurprinzen-Paares bestimmt waren. Sie sind, gemeinsam mit ähnlichen Werken aus Heinichens Zeit in Venedig, in zwei dicken Sammelbänden überliefert.
Die Batzdorfer Hofkapelle hat nun eine Auswahl dieser kurfürstlichen Privatmusik eingespielt. Die vier Kantaten versetzen den Zuhörer in ein ländliches Idyll, das von Nymphen und Hirten bevölkert wird. Sopranistin Marie Friederike Schröder, leider in den Koloraturen nicht wirklich sattel- fest, und Alto Terry Wey, sehr hörenswert, singen diese Kabinettstückchen höfischen Ziergesanges. Insbesondere der abschließende Dialog zwischen Clori und Tirsi, man hören nur das finale Duetto O mio ben, ist auch in der Instrumentierung von betörender Wirkung.
Neben diesen Gesangsstücken erklingen auch zwei Concerti Heinichens; überliefert sind diese in Abschriften der Darmstädter Hofkapelle. Die kurzen Werke geben den Instrumentalsolisten, hier sind es Geige und Oboe, Gelegenheit, sowohl mit virtuosen Passagen als auch mit schönen Tönen zu glänzen. Die Soli spielen Daniel Deuter, Violine, bzw. Xenia Löffler, Oboe. Die gesamte Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr in Hochform und bester Spiellaune – aus einem regionalen Projekt ist mittlerweile ohne Zweifel ein Spitzenensemble von europäischem Format herangewachsen. Bravi!
Von 1702 bis 1705 studierte Heinichen dann Jura an der Universität Leipzig, und musizierte in Telemanns studentischem Collegium musicum. Noch als Student bewarb er sich um die Nachfolge Telemanns als Musik- direktor der Neukirche; allerdings erhielt er das Amt nicht; wir wissen jedoch, dass er in den darauffolgenden Jahren etliche Werke für die Leipziger Oper geschrieben hat. Auch im Opernhaus vorm Salztor des Herzogs Moritz Wilhelm zu Sachsen-Zeitz in Naumburg wurden Opern von Heinichen aufgeführt. Als dort aber 1710 der Thronfolger starb, und Landestrauer ausgerufen wurde, entschied sich Heinichen, nach Italien zu reisen.
Er hielt sich einige Zeit in Rom auf, wo er kurzzeitig für Fürst Leopold von Anhalt-Köthen musizierte, Bachs späteren Dienstherrn. Ansonsten scheint Heinichen überwiegend in Venedig gelebt zu haben. Im Karneval 1713 präsentierte er erfolgreich zwei Opern. Immer wieder traf er auch Kollegen wieder, die er bereits aus Leipzig kannte. So war Gottfried Heinrich Stölzel 1713/14 in Venedig, und Johann Georg Pisendel traf 1716 im Gefolge des sächsischen Kurprinzen dort ein.
Friedrich August weilte auf Kavalierstour in Venedig; im Hause der Bankiersgattin Angioletta Bianchi, die eine hervorragende Sängerin und Cembalistin war, hörte der Kurprinz und spätere König August III. einige Kantaten Heinichens – und engagierte den Musiker umgehend als Kapellmeister auf Lebenszeit. Eigens dafür holte er aus der Heimat die Zustimmung seines Vaters August der Starke ein.
Heinichen revanchierte sich mit diversen musikalischen Huldigungen, nicht zuletzt an Maria Josepha von Habsburg. Die Gattin des Kurprinzen war Heinichen sehr gewogen. Der Musiker, der leider zunehmend unter der Tuberkulose litt, schuf in den zwölf Lebensjahren, die ihm noch verblieben, neben Musiken für höfische Feste und für den Gottesdienst in der katholi- schen Hofkirche insbesondere auch Kantaten und Instrumentalwerke, die für das intime Musizieren in den Räumen des Kurprinzen-Paares bestimmt waren. Sie sind, gemeinsam mit ähnlichen Werken aus Heinichens Zeit in Venedig, in zwei dicken Sammelbänden überliefert.
Die Batzdorfer Hofkapelle hat nun eine Auswahl dieser kurfürstlichen Privatmusik eingespielt. Die vier Kantaten versetzen den Zuhörer in ein ländliches Idyll, das von Nymphen und Hirten bevölkert wird. Sopranistin Marie Friederike Schröder, leider in den Koloraturen nicht wirklich sattel- fest, und Alto Terry Wey, sehr hörenswert, singen diese Kabinettstückchen höfischen Ziergesanges. Insbesondere der abschließende Dialog zwischen Clori und Tirsi, man hören nur das finale Duetto O mio ben, ist auch in der Instrumentierung von betörender Wirkung.
Neben diesen Gesangsstücken erklingen auch zwei Concerti Heinichens; überliefert sind diese in Abschriften der Darmstädter Hofkapelle. Die kurzen Werke geben den Instrumentalsolisten, hier sind es Geige und Oboe, Gelegenheit, sowohl mit virtuosen Passagen als auch mit schönen Tönen zu glänzen. Die Soli spielen Daniel Deuter, Violine, bzw. Xenia Löffler, Oboe. Die gesamte Batzdorfer Hofkapelle zeigt sich einmal mehr in Hochform und bester Spiellaune – aus einem regionalen Projekt ist mittlerweile ohne Zweifel ein Spitzenensemble von europäischem Format herangewachsen. Bravi!
Dienstag, 24. Juni 2014
Latin And Spanish Fantasies (Musicaphon)
Maximilian Mangold, Gitarre, und Mirjam Schröder, Harfe, musizie- ren seit 2006 zusammen. Das Duo hat sich in erster Linie der spani- schen Musik verschrieben. Der einzigartige Klang, der sich aus der Kombination der beiden Instru- mente ergibt, bezaubert nicht nur Publikum und Kritiker; er hat auch etliche Komponisten inspiriert. So enthält diese CD ausschließlich Werke, die für das Duo entstanden sind. Mangold und Schröder erweitern ihr Repertoire ständig und bringen jährlich mehrere Kompositionen zur Uraufführung.
Mittwoch, 7. März 2012
Andreas Scholl - Bach Cantatas (Decca)
Beim ersten Anhören dieser CD ist man geneigt, den Countertenor Andreas Scholl einen Schönsinger zu schelten. Doch hört man seine Interpretationen der Bach-Kanta- ten BWV 82 Ich habe genug und BWV 169 Gott soll allein mein Herze haben sowie einiger ergän- zender Zugaben mehrfach an, wird man bald feststellen, dass sie klare Akzente setzen, und offensichtlich trotz allen Wohlklanges auch wohl- durchdacht sind.
"Ganz wichtig ist meiner Meinung nach, sich sehr viel Zeit für das Studium von Bachs Musik zu neh- men", erklärte der Sänger einmal in einem Aufsatz, der seine Erfah- rungen mit dem Werk des Komponisten zusammenfasst. "Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn man ein Werk nahezu auswendig lernt und sich dann eine bestimmte Zeit lang immer wieder mit ihm befasst. Gerade in Rezitativen entdecke ich beständig neue Details und gewinne neue Einsichten und Ideen für eine Interpretation. (...) Insbesondere die Rezitative gewinnen unendlich, wenn man sie viele Male laut liest."
Diese Sorgfalt macht sich bemerkbar. Denn die Botschaft, die der Sänger und die Musiker des Kammerorchesters Basel um Julia Schröder vermitteln, kommt an - auch wenn Scholls Stimme heute nicht mehr ganz so brillant klingt wie bei jener legendären Aufnahme aus dem Jahre 1997 mit Philipp Herreweghe und dem Collegium Vocale, auf der er bereits drei Bach-Kantaten in herausragenden Interpretationen vorgestellt hat. Auch an der grandiosen Bach-Gesamteinspielung unter Ton Koopman hatte Scholl seinerzeit mitgewirkt. Mit dieser CD komplettiert Scholl nun seine Einspielungen der Bach-Kantaten für Altstimme; leider erfährt man aber nicht, wer die Solo-Oboe geblasen hat (sehr ordentlich), und wer die obligate Orgel gespielt hat (exzellent) - soviel Korrektheit sollte gerade ein großes Label wie Decca auszeichnen.
"Ganz wichtig ist meiner Meinung nach, sich sehr viel Zeit für das Studium von Bachs Musik zu neh- men", erklärte der Sänger einmal in einem Aufsatz, der seine Erfah- rungen mit dem Werk des Komponisten zusammenfasst. "Man ist immer auf der sicheren Seite, wenn man ein Werk nahezu auswendig lernt und sich dann eine bestimmte Zeit lang immer wieder mit ihm befasst. Gerade in Rezitativen entdecke ich beständig neue Details und gewinne neue Einsichten und Ideen für eine Interpretation. (...) Insbesondere die Rezitative gewinnen unendlich, wenn man sie viele Male laut liest."
Diese Sorgfalt macht sich bemerkbar. Denn die Botschaft, die der Sänger und die Musiker des Kammerorchesters Basel um Julia Schröder vermitteln, kommt an - auch wenn Scholls Stimme heute nicht mehr ganz so brillant klingt wie bei jener legendären Aufnahme aus dem Jahre 1997 mit Philipp Herreweghe und dem Collegium Vocale, auf der er bereits drei Bach-Kantaten in herausragenden Interpretationen vorgestellt hat. Auch an der grandiosen Bach-Gesamteinspielung unter Ton Koopman hatte Scholl seinerzeit mitgewirkt. Mit dieser CD komplettiert Scholl nun seine Einspielungen der Bach-Kantaten für Altstimme; leider erfährt man aber nicht, wer die Solo-Oboe geblasen hat (sehr ordentlich), und wer die obligate Orgel gespielt hat (exzellent) - soviel Korrektheit sollte gerade ein großes Label wie Decca auszeichnen.
Freitag, 24. Juni 2011
Concerti per Flauto del Signor Vivaldi „Giorno e Notte“ (Divox)
Conrad Steinmann, ohne Zweifel einer der besten Blockflötisten der Welt, hat gemeinsam mit Chiara Banchini und Stefanie Pfister, Violine, David Courvoisier, Viola, Gaetano Nasillo, Violoncello, Michael Chanu, Kontrabass, Karl-Ernst Schröder, Theorbe und Jörg-Adreas Bötticher, Cembalo, einige Konzerte Vivaldis eingespielt. Schon bei den ersten Tönen wird man überrascht feststellen, dass hier keineswegs eine beliebige weitere Vivaldi-Super-Audio-CD beginnt. Denn einerseits spielen die Musiker faszinierend frisch und beschwingt. Andererseits bemüht sich Steinmann, das Geheimnis dieser Werke zu ergründen: „,Concerti per flauto’ sind zweifelsohne Konzerte für Blockflöte“, meint der Solist. „Aber was ist denn Vival- dis ,flauto’ für eine Flöte?“
Im Beiheft berichtet Steinmann von seiner Suche nach dem richtigen Instrument, und erläutert seine Entscheidungen. Das Resultat: „Soviel ist sicher: die Schatten, wie auch die Flöten, verkürzen sich während des Vormittages, und werden, wie die Flöten, nach der Siesta und bis in die Nacht hinein wieder länger, um sich in Schlaf und Traum ganz zu verlieren.“ Auch die Einspielung ist pure Poesie, gegründet freilich auf grundsolidem Handwerk – außergewöhnlich, klangschön, und reich an Nuancen, Schattierungen und Klangfarben. Bravi!
Montag, 9. November 2009
Die schönsten Kinderlieder; Heike Makatsch & derhundmarie (Diogenes)
Volkstümliche Hitparade für das Kinderzimmer: Fröhliche Rums-Wums-Arrangements, und dazu ein Gesang, dass man schon vom Anhören Halsschmerzen bekommt. Die lieben Kleinen freilich sehen das etwas anders: "Grün ja grün sind alle meine Kleider", jodelt es wenig später begeistert aus den Betten.
Ich fürchte, dass ich diese CD noch oft werde ertragen müssen. Nun ja. Geschmack ist bekanntlich relativ. Und nach einer Woche "bitte nochmal" ist man zudem geneigt, selbst dann aus dem Zimmer zu flüchten, wenn Nigel Kennedy die Lerche aufsteigen lässt...
Ich fürchte, dass ich diese CD noch oft werde ertragen müssen. Nun ja. Geschmack ist bekanntlich relativ. Und nach einer Woche "bitte nochmal" ist man zudem geneigt, selbst dann aus dem Zimmer zu flüchten, wenn Nigel Kennedy die Lerche aufsteigen lässt...
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