Posts mit dem Label Burkhart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Burkhart werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 28. April 2019

Loewe: Das Sühnopfer des Neuen Bundes (Oehms Classics)

Wer Lust hat, zum Osterfest einmal nicht Bachs Matthäuspassion anzuhören, und wer eine große Portion romantisches Pathos verkraftet, dem sei an dieser Stelle Carl Loewes Passionsoratorium Das Sühnopfer des neuen Bundes empfohlen. 
Der Komponist ist heute vor allem für seine großartigen Balladen- vertonungen bekannt. Er hat mehr als 500 Lieder komponiert, und außerdem 17 Oratorien, etliche Kantaten, sechs Opern, diverse Kammermusik sowie je zwei Sinfonien und Klavierkonzerte, die leider alle in Vergessenheit geraten sind. Diese Einspielung mit den Arcis-Vocalisten München sowie dem Barock- orchester L'arpa festante unter der Leitung von Thomas Gropper zeigt, dass sich eine Sichtung dieser Notenbestände durchaus lohnen könnte. 
Johann Carl Gottfried Loewe (1796 bis 1869) war der Sohn eines Kantors. Er stammte aus Löbejün bei Magdeburg, und ging zunächst in Köthen zur Schule. Dank eines Stipendiums konnte der höchst begabte Knabe seine Ausbildung 1809 an der Latina der Franckeschen Stiftungen in Halle/Saale fortsetzen. Er sang als Sopranist im Stadtsingechor, und war auch ein gefragter Solist. Daniel Gottlob Türk und Johann Friedrich Reichardt gehörten zu seinen Lehrern. 
1816 bewarb sich Loewe um die Organistenstelle an der Marktkirche, die er aber nicht bekam. So begann er dann ein Jahr später, nach bestandener Reifeprüfung, ein Theologiestudium an der Universität der Saalestadt. Außerdem wirkte er auch weiterhin als Sänger, und komponierte. 1820 erfuhr Loewe, dass für die Stettiner Hauptkirche St. Jacobi ein Kantor gesucht wird. Auf Wunsch des dortigen Magistrats reiste der junge Musiker zunächst nach Berlin, wo Carl Friedrich Zelter, Leiter der Singakademie und Berater der preußischen Regierung in musikalischen Angelegenheiten, Loewes Eignung prüfte. Das Zeugnis fiel offenbar positiv aus – Loewe erhielt die Stelle, und blieb in Stettin sagenhafte 46 Jahre lang. Der Musiker war dort nicht nur Kantor und Organist, er unterrichtete auch am Gymnasium und am Lehrerbildungsseminar und war städtischer Musikdirektor. Außerdem gründete er den Pommerschen Chorverband, und organisierte zahlreiche Musikfeste. In den Ferien ging er auf Konzertreisen; er war ein exzellenter Tenor und auch ein begnadeter Pianist. 1837 wurde Loewe Ehrendoktor der Universität Greifwald, und Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 
1864 erlitt Loewe einen Schlaganfall, und wurde in Kiel von seinen Töchtern gepflegt.  Als er dann nach seiner Genesung den Dienst in Stettin wieder antreten wollte, forderte ihn der Magistrat auf, in den Ruhestand zu treten. Und so kehrte Loewe 1866 nach Kiel zurück, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. In Kiel ist er auch begraben, doch sein Herz wurde in einem Pfeiler unter „seiner“ Orgel in Stettin beigesetzt. Eine Gedenktafel erinnert dort noch heute an den großen Musiker. 
Das Libretto für Das Sühnopfer des neuen Bundes lieferte Wilhelm Telschow, eigentlich ein Experte für Buchhaltung und kaufmännische Rechnen. Es ist eine Kombination aus Bibelzitaten, Psalmtexten, Choralstrophen und freier Dichtung. Die Bibelworte hat Telschow sprachlich meist vereinfacht; die Rede Jesu allerdings ließ er unangetastet. Ansonsten fällt die betont schlichte Sprache auf, für die sich der Dichter entschied. 
Die Musik hingegen ist kunstvoll; Loewe zeigt in seiner Kirchenmusik, neben seiner Bach-Verehrung, Sinn für Dramatik. Doch auch die Gefühle jener Menschen, die Christus auf dem Wege vom Hause Simonis, wo eine Frau Jesus mit duftendem Wasser übergossen hat, über Gefangennahme und Kreuzigung bis zur Grablegung begleiten, spiegelt er ausdrucksvoll in seinem Werk. 
Monika Mauch, Ulrike Malotta, Georg Poplutz und Andreas Burkhart als Solisten sowie die Arcis-Vokalisten und das Barockorchester L'arpa festante stellen das Oratorium höchst ansprechend vor. Wer eine andere Facette des Balladenspezialisten Loewe kennenlernen möchte, der sollte diese Doppel-CD unbedingt anhören. Eine Entdeckung, nicht nur für Freunde sakraler Chormusik. 

Mittwoch, 15. April 2015

Graun: Der Tod Jesu (Oehms Classics)

Carl Heinrich Grauns Passions- oratorium Der Tod Jesu, uraufgeführt 1755 im Berliner Dom, war ein Auftragswerk von Prinzessin Anna Amalia. Die kunstsinnige Schwester Friedrichs II. von Preußen nutzte dafür ein Libretto von Karl Wilhelm Ramler (1725 bis 1798); der Dichter war seinerzeit eine Berühmtheit und galt als der deutsche Horaz. Zu seinen geistlichen Kantatentexten, die allesamt von etlichen bedeutenden Komponisten vertont wurden, gehören auch noch Die Hirten bey der Krippe zu Bethlehem (1757) und Die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu (1760). 
Das Passionsoratorium legt weniger Wert auf die Erzählung als vielmehr auf die Reflexion des Passionsgeschehens. Graun kombinierte dazu virtuose Arien mit emotional bewegenden Chören und feierlichen Chorälen. Nicht die strenge Form, sondern Leidenschaft und Ausdruck sollten die Zuhörer bewegen. Der Tod Jesu war ein großer Erfolg; das Oratorium wurde bis weit in das 19. Jahrhundert alljährlich in Berlin aufgeführt. Um 1850 begann das Publikum allerdings zu murren. Die Arien im Stile der opera seria und die empfindsamen Texte wurden als nicht mehr zeitgemäß empfunden. Und so verschwand dieses Werk des Hofkapellmeisters Friedrichs des Großen schließlich aus dem Repertoire. 
Erst jüngst haben einige Ensembles Grauns Oratorium wiederentdeckt – so auch die Münchner Arcis-Vocalisten, gegründet im Jahre 2005 von dem renommierten Gesangspädagogen Professor Thomas Gropper, der das Ensemble noch immer leitet. Dieser Projektchor hat nun Der Tod Jesu gemeinsam mit dem Barockorchester L'arpa festante in einer Koproduktion mit dem Bayerischen Rundfunk bei Oehms Classics veröffentlicht. Aus der gut besetzten Solistenriege sticht insbesondere Monika Mauch heraus, die selbst die schwierigsten Passagen mit Leichtigkeit und Eleganz singt. Zu hören sind zudem Georg Poplutz, Tenor, und Andreas Burkhart, Bass.

Freitag, 13. März 2015

Mayr: Il sogno di Partenope (Naxos)

Das Label Naxos engagiert sich seit Jahren für die Wiederentdeckung des Werkes von Johann Simon Mayr (1763 bis 1845). Mit dem Simon-Mayr-Chor & Ensemble Ingolstadt, gegründet und geleitet von Franz Hauk, und wechselnden Solisten hat Naxos mittlerweile eine Vielzahl der Opern des Komponisten sowie einige seiner Kantaten und Oratorien veröffentlicht. So ist jüngst Il sogno di Partenope erschienen. 
Mayr komponierte dieses melodram- ma allegorico nach einem Libretto, das ein renommierter Altphilologe und Autor eigens erstellt hatte, für die Einweihung des nach einem Brand wieder aufgebauten Teatro San Carlo in Neapel. Gewidmet ist es König Ferdinand I. zum Geburtstag, und wie bei einer derartigen Huldigungs- kantate üblich, wird ein beträchtlicher mythologischer wie musikalischer Aufwand betrieben, um den Herrscher angemessen zu feiern. Dummer- weise ist nur der zweite Akt überliefert – doch was da zu hören ist, das lässt den Verlust des ersten Teiles erst recht sehr bedauerlich erscheinen.  

Mittwoch, 17. April 2013

Hasse: Didone abbandonata (Naxos)

Johann Adolph Hasse (1699 bis 1783) schrieb Didone abbando- nata 1742 anlässlich des Geburts- tages des polnischen Königs und sächsischen Kurfürsten August III. Die Oper erzählt die Geschichte der Didone, der verwitweten Königin von Karthago, die, von Enea ver- lassen und von dem afrikanischen König Iarba bedrängt, letztendlich in den Tod geht.
Das Werk ist insofern eine Rarität, als es auf das lieto fine, das für die Opera seria doch recht typisch ist, verzichtet - Textdichter Pietro Metastasio wagte sich hier einmal an einen tragischen Schluss. 
Hasse war mit dem Dichter eng befreundet, und vertonte etliche seiner Libretti. Die beiden Künstler hatten sich in Italien kennen- und schätzengelernt, wo Hasse, der Sohn eines Organisten aus Bergedorf bei Hamburg, von 1722 bis 1725 bei Nicola Porpora und Alessandro Scarlatti seine musikalische Ausbildung vervollständigte. In Neapel begann dann Hasses Karriere als Opernkomponist, die ihn schließlich als Hofkapellmeister nach Dresden führte. In Neapel heiratete Hasse auch die Sängerin Faustina Bordoni.
Für diese Sopranistin, die in ganz Europa gefeiert wurde, komponierte Hasse die Partie der Didone - es ist also eine schwierige Aufgabe, die die junge Sängerin Theresa Holzhauser achtbar meistert. Valer Barna-Sabadus ist in der Rolle des Iarba zu hören. Der junge Countertenor hat die halsbrecherischen Koloraturen des afrikanischen Königs bereits auf seiner Solo-CD "Hasse reloaded" vorgetragen - hier singt er sie noch einmal, live, ebenso souverän und nun ergänzt auch um die Rezitative. Wie er in seiner letzten Arie buchstäblich in den Trümmern steht, siegreich, und doch statt eines Triumphgesanges ein Klagelied anstimmt, das ist großes Kino.
Die Partie des Enea übernahm Flavio Ferri-Benedetti, ebenfalls ein Countertenor.  Dieser Held wird durch Hasses Musik entblättert, er erweist sich als ein Feigling und als eitler Gockel; der Sänger macht dies auch hörbar. Selene, die Schwester Didones, singt Magdalena Hinterdobler. Araspe, den Vertrauten Iarbas, singt Maria Celeng. Und als Osmida, Didones machtgieriger General, der zu Iarba überläuft, ist der Bariton Andreas Burkhart zu hören.
Lautes Gepolter erinnert den Zuschauer daran, dass es sich bei dieser Aufnahme um einen Live-Mitschnitt handelt. Die Inszenierung dürfte, wenn man die Bühnengeräusche recht interpretiert, wohl ziemlich bewegungsintensiv gewesen sein. Den Opernfreund wird das nicht weiter stören, denn Didone abbandonata war gut 240 Jahre lang überhaupt nicht auf der Bühne präsent. Und es war eine Hochschul- aufführung der Bayerischen Theaterakademie August Everding 2011 im Prinzregententheater München, der wir die Wiederentdeckung dieses Werkes verdanken. Insofern sind kleine Schwächen einiger Sänger absolut zu entschuldigen. 
Begleitet werden die jungen Gesangssolisten durch die Hofkapelle München unter der Leitung von Michael Hofstetter. Den Einsatz des Orchesters kann man nicht genug loben - nicht nur, weil es phantas- tisch spielt. Rüdiger Lotter, der Konzertmeister dieses Ensembles, hatte die Oper aufgespürt, und die Hasse-Gesellschaft München war dabei behilflich, das Notenmaterial nach der Handschrift, die sich in Venedig befindet, für eine Aufführung verfügbar zu machen. Besten Dank dafür - und vielleicht inspiriert diese Einspielung ja dazu, auch die anderen Opern Hasses auf die eine oder andere Bühne zu bringen. Das wäre wirklich wünschenswert.