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Dienstag, 10. Dezember 2019

Regina Coeli (Tyxart)

Kirchenmusik erklang in der Regensburger Stiftskirche Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle bereits im Mittelalter. So gab es dort jahrhundertelang einen Knabenchor. Und im 19. Jahrhundert engagierten sich einige der Stiftskanoniker für die Wiederentdeckung lang vergessener Musik, von der Gregorianik bis zu Palestrina und seinen Zeitgenossen. Diese kirchenmusikalische Reformbewegung, der sogenannte Cäcilianismus, pflegte vor allem auch den A-cappella-Gesang. 
In Regensburg entwickelte sich damals eine ganz eigene Tradition der Vokalpolyphonie; sogar im Dom begann man wieder, a cappella zu singen. 
Dort sind die Regensburger Domspatzen ansässig, bei denen Josef Kohlhäufl einst nach dem Studium seine Musikerlaufbahn begann. Er wirkte von 1984 bis 2011 als Stiftskapellmeister an der Basilika Unserer Lieben Frau zur Alten Kapelle. Und er leitete etliche Chöre, so den Regensburger Motettenchor, Choralschola und Männerchor ehemaliger Regensburger Domspatzen sowie die von ihm gegründeten (semiprofessionellen) Regensburger Vokalsolisten. 
Kohlhäufl engagierte sich stark für die Weitergabe des musikalischen Erbes und die Traditionspflege, wie diese CD zeigt. Zu hören sind „seine“ Ensembles mit Werken von Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 bis 1594), Francesco Suriano (1549 bis 1621) und Gregor Aichinger (1564 bis 1628). Außerdem erklingen Kompositionen von Michael Haller (1840 bis 1915), der als „Palestrina des 19. Jahrhunderts“ gilt. Musikhistorisch ist diese Produktion sehr interessant. 

Dienstag, 22. März 2016

Bach: Magnificat; Händel: Dixit Dominus (BR Klassik)

Die fünfköpfige Solistenriege steht hier ausnahmsweise einmal nicht im Mittelpunkt; prächtige Chorklänge prägen diese CD, für die Peter Dijkstra, der vormalige Leiter des Chores des Bayerischen Rundfunks, zwei bekannte Werke von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach ausgewählt hat. 
Händel schrieb seine Psalmver- tonung Dixit Dominus im April 1707 in Rom, zum Auftakt seiner Reise nach Italien. Es wird vermutet, dass er in einem besonders feierlichen Vesper-Gottesdienst erklungen sein soll. Besetzt ist das Werk mit fünf Solisten sowie jeweils fünf Chor- und Streicherstimmen; es wirkt wie eine Art monumentales Concerto grosso. Der junge Händel hat dabei allerdings auch die Singstimmen über weite Strecken kaum anders behandelt als die Violinen. Dem Chor des Bayerischen Rundfunks bereitet das keine Probleme; die Sänger sind exzellent. Aber der Chorklang ist mir im Dixit Dominus mitunter beinahe etwas zu massiv, meinem Empfinden nach könnte er schlanker sein, beweglicher und bewegter. 
Das Magnificat war einst das erste großformatige Werk, mit dem sich Johann Sebastian Bach nach seiner Bestellung zum Thomaskantor dem Leipziger Publikum präsentierte. Solisten und Chor ließ er dabei gemeinsam mit einem üppig besetzten Orchester musizieren, inklusive Oboen, Traversflöten, Pauken und Trompeten. Das Barockorchester Concerto Köln ist hier in seinem Element, und setzt Glanzpunkte.

Sonntag, 16. September 2012

Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Pentatone)

Marek Janowski und das Rund- funk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) setzen den konzertanten Wagner-Zyklus mit zehn bedeu- tenden Bühnenwerken fort. Bei Pentatone sind vor einiger Zeit Die Meistersinger von Nürnberg er- schienen. Es handelt sich um den Livemitschnitt der Aufführung vom 3. Juni 2011 - und man muss sagen: Da ist dem Ensemble ein großer Wurf gelungen. 
Das beginnt bei der wirklich erst- klassigen Besetzung, bis hinein in die kleinste Nebenrolle. Albert Dohmen ist ein grandioser Hans Sachs, doch selbst für den Nacht- wächter fand sich mit Matti Salminen ein großartiger Solist. Eigentlich müsste man hier die ganze Sängerriege preisen, die an dieser Aufnah- me mitgewirkt hat. Doch wer die Meistersinger kennt, der weiß um die Länge der Namensliste. So seien hier stellvertretend noch Robert Dean Smith als Ritter Walther von Stolzing benannt, der mit seinem Tenor das Ensemble angemessen überstrahlt, Edith Haller und Michelle Breedt als Eva und Magdalena. Erfreulich ist zudem, dass Dietrich Henschel den Sixtus Beckmesser ziemlich ernsthaft singt, und es weitgehend der Musik überlässt, aufzuzeigen, wie komisch dieser Stadtschreiber ist. Im deutschen Stadttheater wird diese Rolle bedauerlicherweise oft zur Knallcharge - hier kann man erleben, wieviel Potential sie eigentlich hat. 
Großartig sind auch die Chöre, die der Rundfunkchor Berlin, bestens präpariert durch Chorleiter Eberhard Friedrich, kraftvoll und lustvoll zelebriert. Und Marek Janowski ist auf dem besten Wege, mit dem RSB eine Legende zu erschaffen. Statt die Ohren mit Geheimnis- gewaber und Klangmulm zuzukleistern, erfreut dieser Dirigent durch Strukturen; an die Seite der Leitmotive stellt Janowski die Klangrede - was sich bei dieser Oper geradezu anbietet. Köstlich gelingt so die Szene vor Sachs' Werkstatt, wo Eva erst versucht, den Meister auszu- horchen, dann auf Walther trifft, wo Beckmesser sein Ständchen leiert - ständig gestört von den Hammerschlägen des Schusters - und schließlich die Prügelei losbricht, wohl nicht so ganz zufällig, wie die Musik verrät. Das alles wird phänomenal differenziert umgesetzt; man fühlt sich manchmal beinahe wie in einem Hörspiel. So lebendig war Wagner selten zu hören. Auf die Aufführung des gesamten kompletten Ring des Nibelungen in der Saison 2012/13, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, darf man sich schon freuen. Janowski hat den Ring in den 80er Jahren bereits einmal mit der Staatskapelle Dresden ein- gespielt. Diese Version gilt bis heute als Referenzaufnahme.