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Mittwoch, 29. April 2015

Carl Philipp Emanuel Bach: Magnificat (Brilliant Classics)

Zwei ältere Aufnahmen von Werken Carl Philipp Emanuel Bachs (1714
bis 1788) wurden bei Brilliant Classics wieder veröffentlicht. 
Das Magnificat in D-Dur Wq 215 erklingt als Mitschnitt von einem Konzert anlässlich des 200. Todestages des Komponisten mit den Solisten Venceslava Hrubá-Freiberger, Barbara Bornemann, Peter Schreier und Olaf Bär sowie dem Rundfunk- chor Berlin. Aufgezeichnet wurde es im Dezember 1988 im Schauspiel- haus Berlin. 
Carl Philipp Emanuel Bach hat das Magnificat 1749 komponiert; es wird spekuliert, ob er es geschrieben hat, um sich den Leipziger Stadträten als Nachfolger seines Vaters in der Position des Thomaskantors zu empfehlen, oder möglicherweise auch für eine Bewerbung als Hofkapellmeister bei Prinzessin Anna Amalia von Preußen, der jüngsten Schwester Friedrichs des Großen. Sie war musikalisch sehr versiert, gilt aber als konservativ. Uraufgeführt jedenfalls wurde das Werk noch vor dem Ableben Johann Sebastian Bachs in der Leipziger Thomaskiche. 
Komplettiert wird die CD durch eine sehr schöne Studioeinspielung der Sinfonien in G-Dur Wq 173 und 180, aufgenommen 1989. Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach unter seinem Gründer und Leiter Hartmut Haenchen macht hier seinem Namenspatron alle Ehre.

Montag, 9. Februar 2015

Mozart: Sinfonien 39 / 40 / 41 (Berlin Classics)

Diese CD ist das Dokument eines Abschiedes: Am 1. Mai 2014 dirigierte Hartmut Haenchen das Kammer- orchester Carl Philipp Emanuel Bach zum unwiderruflich letzten Male. Nach 34 Jahren gemeinsamer Arbeit und vielen, vielen Erfolgen löste sich das Ensemble auf. Wenn man dann im Begleitheft liest, dass sowohl die Musiker als auch die Solisten und der Dirigent all die Konzerte ohne Honorar und gänzlich ohne Verträge gespielt haben, dann reibt man sich schon verwundert die Augen. Denn im Berliner Musikleben war das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach fest verankert. Das Ensemble, das im Konzerthaus musizierte, hat nicht nur die Werke seines Namenspatrons, sondern auch vieler anderer Komponisten aus der Berliner und Brandenburger Musikgeschichte vom Archivstaub befreit und wieder ins Repertoire zurückgebracht. 
Nun verabschiedeten sich das Kammerorchester und sein künstlerischer Leiter von ihrem Publikum mit den drei letzten Sinfonien von Wolfgang Amadeus Mozart. Haenchen und seine Musiker haben bei jedem dieser drei Werke einen ganz eigenen Charakter herausgearbeitet: Die Sinfonie Nr. 39 KV 543 in Es-Dur freundlich-heiter, die Sinfonie Nr. 40 KV 550 in g-Moll leidenschaftlich und schmerzvoll, und die Sinfonie Nr. 41 KV 551 in C-Dur kraftvoll und sieghaft strahlend. Haenchen hält nichts von „historischer“ Aufführungspraxis; er lässt modern musizieren, wobei er aber sorgfältig in die Quellen schaut. Das kommt bei Mozart insbesondere der Phrasierung zugute – und einer gewissen, maßvollen, theatralischen Wirkung, an der die Musiker durchaus ihr Vergnügen haben. Ein würdiger Schlusspunkt für eine beeindruckende Orchestergeschichte, die nur durch das Engagement aller Beteiligten überhaupt zustande gekommen ist.

Montag, 9. Juni 2014

Wilhelm Friedemann Bach: Sinfonias (Brilliant Classics)

Wilhelm Friedemann Bach (1710 bis 1784), der älteste der Bach-Söhne, galt als schwierig und wohl auch ein wenig verlottert. Nach dem Tode des Musikers, der zu den ersten „echten“ Freiberuflern seines Standes gehörte, hielt sich das Interesse an seinem Schaffen sehr in Grenzen. Die meisten seiner Werke sind nie im Druck erschie- nen. Und nun sind etliche davon nicht mehr auffindbar. So wurden die Manuskripte von fünf Sinfonien Wilhelm Friedemann Bachs in der Berliner Staatsbibliothek aufbewahrt. In den Wirren des Zweiten Weltkriegs sind sie verschwunden. 
In mühsamer Arbeit ist es dennoch gelungen, einige dieser Werke zu rekonstruieren. Hartmut Haenchen hat insgesamt sechs Sinfonien und eine Suite mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach eingespielt. Sie zeigen Wilhelm Friedemann Bach als einen Kompo- nisten, den man als Vorboten der Romantik betrachten kann – der aber auch dazu neigt, Phrasen wieder und wieder zu repetieren; mitunter wirkt das wie eine Orchester-Etüde. Die CD, die aus den 90er Jahren stammt, ist nun bei Brilliant Classics wieder verfügbar. 

Donnerstag, 29. Mai 2014

Carl Philipp Emanuel Bach: Berlin Symphonies (Brilliant Classics)

Auf dem Wege von der barocken Sinfonia – die ursprünglich die Funktion eines Vor- oder Zwischenspiels hatte – zur Sinfonie der Wiener Klassik sind die sogenannten Berliner Sinfonien von Carl Philipp Emanuel Bach (1714 bis 1788) ein wichtiger Meilenstein. Diese Werke, die Bach während seiner Zeit als Cembalist Friedrichs des Großen zu Papier gebracht hat, wirken bereits erstaunlich modern. Das Kammer- orchesters Carl Philipp Emanuel Bach unter Hartmut Haenchen hat sie 1985 für das DDR-Label Eterna eingespielt. Musiziert wird zwar auf modernen Instrumenten, aber historisch-informiert und mit einer Präzision, die begeistert. Die Aufnahme war bislang als Teil der Carl Philipp Emanuel Bach Edition erhältlich; nun gibt es sie auch als separate CD.  

Montag, 28. April 2014

C.P.E. Bach: Die letzten Leiden des Erlösers (Berlin Classics)

Der Geburtstag von Carl Philipp Emanuel Bach jährte sich am
8. März 2014 zum dreihundersten Male. An diesem Tage erklang im Berliner Konzerthaus die Passions- kantate Die letzten Leiden des Erlösers – und bei Berlin Classics ist der Mitschnitt dieses Konzertes kürzlich, rechtzeitig vor Ostern, auf zwei CD erschienen. Unter der Leitung von Hartmut Haenchen musizierten „sein“ Kammer- orchester, dessen Namenspatron der große Bach-Sohn ist, der RIAS Kammerchor sowie eine große Schar renommierter Solisten. 

„Die Musik hat höhere Absichten, sie soll nicht das Ohr füllen, son- dern das Herz in Bewegung setzen“, soll Carl Philipp Emanuel einmal im Gespräch geäußert haben. Damit kritisierte Bach junior nicht nur seinen Halbbruder Johann Christian, der im sogenannten „galanten“ Stil komponierte – er wendete sich zugleich gegen seinen langjährigen Dienstherrn, Friedrich den Großen, der die galante Musik schätzte, mit dem „empfindsamen“ Stil hingegen, den sein Cembalist derart offensiv vertrat, wenig anfangen konnte und auch wollte. Und wie geht es uns heute mit den Werken von Carl Philipp Emanuel Bach, der ja von Musikhistorikern gern in die Schublade der „Vorklassik“ gesteckt wird? 
Im Konzert ist seine Musik nur sehr selten zu hören; in den Kirchen werden selbst die Passionen von Heinrich Schütz, dem Urvater der kunstvollen deutschen Kirchenmusik, öfter aufgeführt als die des Bach-Sohnes. Woran das liegt? Diese Aufnahme gibt eine mögliche Antwort auf diese Frage. Denn statt gerührt zeigt sich das Individuum gelangweilt. Trotz hervorragender Musiker zieht sich die Aufführung hin. Woran liegt es nur, dass die Arien eher peinlich als anrührend erscheinen? Am Text, in dem Anna Louise Karsch „reicht“ auf „neigt“ und „wach“ auf „schwach“ reimt? Dieses Libretto als „zeitgebunden“ zu bezeichnen, das ist sicherlich freundlich, aber es heilt seine Schwächen nicht: „Muster der Geduld und Liebe, / Möchten wir dir ähnlich sein! / Flöß' uns sanfte, sanfte Triebe / deines guten Geistes ein!“ 
Bachs Vertonung ist nicht dazu angetan, dass man solche Zeilen ignorieren kann, denn die Musik bietet nicht wirklich ein spannungs- volles Gegenstück zu diesen Worten. Einige Chöre allerdings wirken geradezu atemberaubend modern aufgrund ihrer harmonischen Gestaltung. Warum die Soli nicht gleichermaßen interessante Musik haben – wir werden es nicht mehr herausfinden. 
Für dieses Konzert stand mit Christina Landshamer, Christiane Oelze, Anke Vondung, Maximilian Schmitt und Roman Trekel ein außer- ordentlich versiertes Solistenensemble zur Verfügung. Dennoch spricht mich die Aufnahme nicht an, an dieser Kantate kann ich so gar nichts reizvolles finden. Nach all den vielen großartigen Entdeckun- gen ist dies ein blasses Finale für eine langjährige künstlerische Partnerschaft. Denn dieses Jubiläumskonzert war zugleich eine der letzten Gelegenheiten, das engagierte Ensemble zu hören. In drei Tagen, am 1. Mai 2014, wird sich das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach mit einem Mozart-Konzert vom Podium verabschieden und auflösen. Was für ein Verlust! 

Dienstag, 16. Juli 2013

Heinichen: La Gara degli Dei (Berlin Classics)

Ein ganz besonderes Präsent hat das Label Berlin Classics kürzlich dem Dirigenten Hartmut Haenchen zum 70. Geburtstag auf den Gabentisch gelegt. Es handelt sich dabei um die Ersteinspielung der Serenata La Gara degli Dei, eines bedeutenden Werkes von Johann Jakob Heinichen (1683 bis 1729). Der Kapellmeister am Hofe Augusts des Starken hat es für die Feierlichkeiten zur Hochzeit des Kronprinzen Friedrich August II. mit Maria Josepha, Tochter Josephs I. von Österreich, komponiert.
Der Wettstreit der Götter stand einst im September 1719 am Beginn des prächtigen Festes. Merkur, Diana, Mars, Venus, Jupiter, Saturn und auch die Sonne selbst wurden aufgeboten, um in einer Freiluft-Aufführung das Festprogramm zu eröffnen und die einzel- nen Höhepunkte anzukündigen. Das Werk erweist sich aber auch als Wett- streit der sieben Sänger sowie der Orchestersolisten, die ihre Virtuosität mit anspruchsvollen Partien unter Beweis stellen konnten.
Nach der Hochzeit verschwand das Werk im Archiv; diese CD enthält nun die Ersteinspielung nach dem Manuskript, das sich in der Sächsischen Landesbibliothek SLUB befindet. Es handelt sich um den Live-Mitschnitt eines Konzertes am 23. November 2003 im Berliner Konzerthaus durch Deutschlandradio Kultur. Haenchen, der mit dem Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach schon so manches Werk vom Archivstaub befreit hat, folgte in der Orchesterbesetzung mit 27 Musikern der historischen Überlieferung. Die Rollen der Götter haben Alexandra Coku, Carola Höhn, Simone Nold, Katharina Kammerloher, Annette Markert, Ralph Eschrig und Olaf Bär gesungen. Leider erweist sich das Sänger-Ensemble längst nicht als so ausgewogen und brillant wie das Orchester.
Dennoch wirkt die Musik beeindruckend; Heinichens Werk ist originell, und die Musiker wetteifern darin, es lebendig und mit Esprit vorzustellen. Jubilar Hartmut Haenchen war die CD wichtig genug, die Werkeinführung sowie einen kurzen Text über die langjährige Zusammenarbeit mit seinem Kammerorchester für das Beiheft eigenhändig beizusteuern. Zusätzlich enthält das Beiheft die Gesangstexte mit Erläuterungen. Soviel Sorgfalt erfreut; Dank und Glückwunsch an den Jubilar – und noch viele erfolg- reiche Jahre mit seinem hervorragenden Ensemble!

Mittwoch, 30. Mai 2012

Haydn: Name Symphonies (Edel Classics)

Mehr als hundert Sinfonien hat Joseph Haydn (1732 bis 1809) komponiert; diese Box fasst auf sechs CD all jene zusammen, die einen Beinamen haben. Die Aufnahmen stammen aus den 90er Jahren. Das Beiheft belegt das Ringen der Musiker um eine mög- lichst authentische Interpretation - dafür ist beispielsweise die Frage zu klären, ob mit oder ohne Cembalo musiziert wird. Dirigent Hartmut Haenchen begründet, welche Entscheidungen er gemeinsam mit dem Kammerorchester "Carl Philipp Emanuel Bach" jeweils und aus welchem Grunde getroffen hat. 
Die Musiker sind ohnehin sehr engagiert und mit historischem Sach- verstand bei der Sache, und so erscheint die Einspielung trotz der modernen Instrumente und der heute üblichen Stimmtonhöhe noch immer kein bisschen verstaubt. Haenchens Haydn steht allerdings der Klassik sehr nahe - mir persönlich sind die Interpretationen lieber, der auch die barocken Wurzeln aufzeigen, weil sie etwas freier, frischer und individueller wirken. Aber das ist Geschmackssache.