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Freitag, 10. November 2017

Moscheles: Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach (FCI)

Diese CD bietet gleich zwei Raritäten. Der Cellist Niklas Schmidt spielt gemeinsam mit Stepan Simonian, Klavier, eine Sonate für Violoncello und Klavier in D-Dur von Johann Christoph Friedrich Bach (1732 bis 1795), dem „Bückeburger Bach“. Unter den drei Bach-Söhnen, die als Musiker brillierten, gilt er als virtuos, aber unscheinbar; er wirkte fast
50 Jahre lang als Cembalist und Kapellmeister am schaumburg-lippischen Hof. 

Fast noch interessanter ist das andere Werk auf der CD, die Zehn Präludien aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S.Bach mit einer hinzukompo- nierten Violoncellostimme op.137a von Ignaz Moscheles (1794 bis 1870). Der Musiker war ein enger Freund von Felix Mendelssohn Bartholdy, und teilte dessen Bach-Begeisterung. Den Cellopart hat er eigens geschaffen, um die „herrlichen Präludien den Laien und dem grössern Publikum (wieder) zugänglich zu machen“. Dabei setzt er auf den „concertierenden Effect“ der Instrumente und „moderne“ Klangfarben, wie er schreibt. 
Mit diesem Projekt, das wir heute möglicherweise als ziemlich kühn empfinden, folgt Moscheles dem Beispiel auch anderer Romantiker, die sich Bachs Werke – die damals wiederentdeckt wurden – erschlossen, indem sie sie bearbeiteten. Das Beiheft zu dieser CD listet eine lange Reihe derartiger Arrangements auf. Sie folgen damit einer Tradition, die auch Bach selbst pflegte; so studierte er beispielsweise Vivaldis Konzerte, indem er sie auf Orgel und Cembalo übertrug. 
Bach aus der Perspektive der Romantik zu interpretieren, das ist ein Experiment, dem sich Niklas Schmidt und Stepan Simonian mit großem Können und dazu mit hörbarem Vergnügen stellen. Eine gelungene Aufnahme, die rundum erfreut. 

Montag, 28. August 2017

Bach: Six suites for unaccompanied cello (FCI)

Der Cellist Niklas Schmidt, Professor für Kammermusik und Violoncello an der Hochschule für Musik in Hamburg sowie künstlerischer Leiter des International Mendelssohn Festivals, hat bei seinem eigenen Label eine Aufnahme der sechs Suiten für Violoncello solo BWV 1007 – 1012 veröffentlicht. Dabei entschied er sich für die Teilung; zunächst erschienen die Suiten I, III und VI, und kürzlich komplettierte der Musiker den Zyklus durch die Suiten II, IV und V. 
„Ich begann im Jahr 2014 mit den Aufnahmen, angestachelt von der Idee meinem Freund und Bach-Kenner Jörn Braun zu seinem 80. Geburtstag eine Freude zu bereiten“, schreibt der Cellist im Beiheft zu dieser Edition. Er berichtet, dass er dieses Projekt zunächst mit der dritten Suite begonnen hat, und danach zum einen den Entschluss gefasst hat, sich Zeit zu nehmen, „intensiv vorzubereiten, um dem Geist dieser Musik auch wirklich gerecht zu werden“. 
Zum anderen wechselte er auf Empfehlung seines Tonmeisters Philipp Schulz den Raum. So sind fünf der Suiten in der Andreas-Kirche in Berlin-Wannsee eingespielt worden, einem „besonders schönen Raum“, so Schmidt, mit einer wunderbaren Akustik. Dort hat er auf seinem klangschönen italienischen Violoncello, gebaut um das Jahr 1700 von Giovanni Battista Rogeri in Brescia, Bachs Meisterwerke erkundet. 
Schmidt spielt die Suiten als Folge stilisierter Tänze; sie wirken bei ihm nicht grüblerisch-versunken, wie bei so manchem anderen Solisten, sondern schwungvoll und flüssig. Gerade weil der Cellist die musikalischen Strukturen klar herausarbeitet, und Bachs Stücke nuancenreich und mit tief empfundener Agogik vorträgt, erscheint diese Aufnahme frisch und lebendig. 

Montag, 10. September 2012

Suitner conducts Mozart (Berlin Classics)

Otmar Suitner (1922 bis 2010), ausgebildet bei Clemens Krauss am Mozarteum in Salzburg, folgte 1960 dem Ruf nach Dresden: Die Staatskapelle hatte den Dirigenten zu ihrem Generalmusikdirektor gewählt. Suitner, dessen Klangideal durch Strauss und Wagner geprägt war, schätzte das Dresdner Orche- ster offenbar sehr. Dennoch ging er 1964 nach Berlin, wo er General- musikdirektor der Staatsoper Unter den Linden wurde. 
Dieses Amt hatte er bis 1991 inne; hier formte er ein erstklassiges Ensemble, und engagierte sich zudem sehr für zeitgenössische Musik. So setzte er Opern von Paul Dessau sowie Hans Pfitzners Palestrina auf den Spielplan - was ihm wohl nur gelang, weil er mit seinem österreichischen Pass winken konnte. Dieser ermöglichte ihm zudem zahlreiche Konzertreisen. Doch ob- wohl Suitner in den 60er Jahren mehrfach in Bayreuth dirigierte, blieb er in Westdeutschland so gut wie unbekannt. Eine Parkinson-Erkrankung zwang ihn schließlich in den 90er Jahren, das Dirigieren aufzugeben. 
Diese Box mit sechs CD fasst Mozart-Aufnahmen zusammen, die Otmar Suitner in den 60er und 70er Jahren gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin eingespielt hat. Darunter sind etliche Sinfonien, die berühmte Kleine Nachtmusik und weitere Serenaden sowie Ein musikalischer Spaß. Auch die Klavierkonzerte KV 450 und 467 sind enthalten, gespielt von Annerose Schmidt. Die Solistin ist übrigens auch in der Gesamtaufnahme von Mozarts Klavierkonzerten zu hören, die mehr als zehn Jahre später mit der Dresdner Philharmonie unter Kurt Masur aufgezeichnet wurde. 
Dem Hörer wird die unglaubliche Bescheidenheit und Zurückhaltung auffallen, mit der Suitner sich Mozarts Werken naht. Da ist keine Selbstinszenierung zu spüren, keine plumpe Effekthascherei - selbst beim Musikalischen Spaß vermeidet Suitner Grobheit und Klamauk. Die Kleine Nachtmusik befreit er vom Kitsch; Suitner lässt sie leise spielen, spannungsvoll und zugleich filigran. Diese Aufnahme macht deutlich: Dies ist kein "Klassik-Pop", sondern Musik, die ernst ge- nommen werden will - und dafür schätze ich diese Aufnahmen seit vielen Jahren. 

Freitag, 18. Februar 2011

Cello Duello: Jens Peter Maintz, Wolfgang Emanuel Schmidt (Solo Musica)

Seit mehr als 20 Jahren musizieren Jens Peter Maintz und Wolfgang Emanuel Schmidt gemeinsam - zu- nächst in der Klasse von Professor David Geringas in Lübeck. Dann suchten die beiden Cellisten nach einem Stück, das einen würdigen Schlusspunkt hinter das Marathon- konzert eines Meisterkurses ihres Lehrers setzen sollte. Sie kamen auf die Idee, die Mosesfantasie von Niccolò Paganini zu zwei Celli zu arrangieren - und touren seitdem als "Cello Duello" durch die Lande.
Die Mosesfantasie spielen die beiden Cellisten immer noch. Mittler- weile sind sie international gefragte Solisten, und lehren selbst als Professoren an namhaften Musikhochschulen. Doch den Spaß am gemeinsamen Musizieren haben sie nicht verloren, wie diese CD be- weist. Maintz und Schmidt begeistern ebenso durch ihre musikalische Exzellenz wie durch ihre Spielfreude. Was sie da vorlegen, das ist furios, mitunter auch verwegen und durchweg von umwerfendem Charme. Die beiden Solisten wetteifern um die virtuosesten Passagen, die apartesten Einfälle und die schönsten Töne - selbst die Superlative sind zu schwach, um das Phänomen Cello Duello hinreichend zu be- schreiben.
Aus diesem Grunde sollte man diese CD schlicht genießen. Sie bietet Raritäten, die original für zwei Celli komponiert wurden, wie die Sonate in G-Dur von Jean Barrière, das Duo E-Dur op. 54 von Jacques Offenbach und die eigens für Cello Duello komponierte Sonate für zwei Violoncelli von Jan Müller-Wieland. Für zwei Barytone schrieb Joseph Haydn einst das elegante, klangschöne Duett in D-Dur Hob. X:11 und XII:3+5. In das Finale haben Maintz und Schmidt als Reverenz an Mstislaw Rostropowitsch dessen Kadenz zum ersten Satz des Haydnschen D-Dur-Cellokonzertes "eingebaut"; der Zuhörer wird staunen. 
Der norwegische Geiger Johan Halvorsen bearbeitete einst einen Satz aus Händels g-Moll-Cembalosuite für Violine und Cello. Die daraus resultierende Passacaglia aus dem Jahre 1894 erklingt hier in der Version von Cello Duello, ein hochvirtuoses Bravourstück - histo- risch gänzlich unkorrekt, aber so rasant, dass dieses Kabinettstück garantiert keinen Staub ansetzen wird. 
Natürlich spielen die beiden Cellisten auch die Mosesfantasie, mit der alles begonnen hat - und wechseln dann für das Finale der CD gänzlich das Fach. Denn am Schluss erklingt das berühmte Harmonica von Ennio Morricone, die Filmmusik aus Once Upon a Time in the West - in einem Arrangement für sechs Violoncelli von Wolfgang Emanuel Schmidt, aufgenommen im Mehrspurverfahren. Grandios! 

Freitag, 28. Mai 2010

Paganini/Schumann: 24 Caprices for Violin Solo (MDG)

"Jedes dieser Werke behandelt einen speziellen technischen Stoff und stellt gleichzeitig eine zweck- dienliche Studie sowie musikali- sche Kostbarkeit und gehaltvolle Komposition dar. Diese ständigen Begleiter des Geigers bilden zusammen mit den sechs Sonaten und der Partita von Bach den Grundstock des Übungsmaterials für den Geiger, seine Bibel, sein Altes und Neues Testament. Mit ihren hohen Anforderungen vermitteln sie jene Inspiration und Energie, die uns zwingen, unserem wundervollen Instrument seine letzten Möglichkeiten abzuringen." Das schrieb Yehudi Menuhin im Geleitwort zur Faksimile-Ausgabe des Paganini-Autographs über die 24 Capricen - und besser lässt sich das Wesen dieser Stücke kaum beschreiben. 
Sie sind "den Künstlern" - "agli Artisti" - gewidmet, und waren nicht nur den Violinisten vieler Generationen eine Inspirationsquelle. Auch zahlreiche Komponisten, von Franz Liszt über Sergej Rach- maninow bis hin zu Witold Lutoslawski waren von dem Werk sehr angetan, und würdigten seine Musik in ihrem Schaffen. Am Oster- sonntag 1830 erlebte Robert Schumann Paganinis Konzert in Frankfurt. Er zeigte sich schockiert, weil das Auftreten des Virtuosen so gar nicht zu seinen Vorstellungen von der "grossen, edeln priester- lichen Kunstruhe" passte - und inspiriert, wie sein Lebenswerk beweist. Da finden sich neben Variationen zum Glöckchenthema - begonnen, aber nie vollendet - diverse Capricen für Klavier, das sechzehnte Stück aus Carnaval sowie die Klavierbegleitung zu den Violin-Capricen, geschrieben für seinen Freund Joseph Joachim. Begonnen hat sie Schumann noch zu Hause. Vollendet hat er sie in der Psychiatrie; Clara Schumann erhielt das Manuskript nach seinem Tode, und lange Jahre blieb es unter Verschluss - bis es 1941 Georg Schünemann publizierte.
Schumanns Klavierpart reicht über eine bloße Harmonisierung weit hinaus. Mitunter ergänzt er Paganinis Melodien, manchmal führt er auch seine Ideen weiter. Auf dieser CD spielt daher die Pianistin Lisa Smirnova eine erstaunlich dominante Rolle. Trotz Stradivari und zahlreichen Preisen kann Benjamin Schmid da leider nicht ganz mithalten; er spielt zu brav, zu unscheinbar, und zu sehr nur mit. Aus diesem Grunde enttäuscht mich diese CD - was mir bei einer Aufnahme aus dem Hause Dabringhaus und Grimm eigentlich noch nie passiert ist.

Dienstag, 9. Februar 2010

Fanny Mendelssohn-Hensel: Piano Sonatas in C and G minor (Naxos)

Es waren einmal ein Bruder und eine Schwester aus großbürger-lichem Elternhaus, beide hoch- musikalisch, und beide ähnlich ausgebildet. Er wird Gewandhaus- kapellmeister - sie wird Ehefrau und Mutter. Er tritt vor das Orchester - ihr Podium ist der Salon. Seine Kompositionen werden  gefeiert und publiziert - ihre Werke kursieren, bis auf wenige Ausnahmen, ausschließlich im Freundeskreis, in Abschriften. Die Geschwister starben kurz nacheinander. Seine Musik ist bis heute im Konzertsaal präsent; ihre weitgehend vergessen. 
Das mag nicht zuletzt mit darin begründet sein, dass die traditions-geprägte Musikwelt die Werke von Fanny Hensel als "Salonmusik" deklassierte - wer ihre Etüden und Sonaten freilich jemals gehört hat, der wird darüber den Kopf schütteln. Denn diese Stücke haben so gar nichts gefälliges; sie stehen Chopin oder Liszt erkennbar näher als dem "Gebet einer Jungfrau". Etliche davon sind höllisch schwer, und sie sind durchweg von enormer musikalischer Substanz. 
Die Komponistin und Pianistin Heather Schmidt hat sich an einige dieser Werke gewagt. Ihre Interpretation zeugt von solidem instrumentalen Handwerk ebenso wie von einem ausgeprägten Sinn für musikalische Strukturen. Beides kann die Pianistin hier gut gebrauchen. Meine Empfehlung! Denn diese Musik ist wirklich hörenswert.