Posts mit dem Label Ortega Quero werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ortega Quero werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 25. Februar 2015

Bach: New Oboe Sonatas (Berlin Classics)

Oboensonaten von Johann Sebastian Bach? Wer da erstaunt die Stirn runzelt, der hat wohl das Wörtchen „new“ übersehen. Denn der berühmte Thomaskantor hat zwar viele traum- haft schöne Partien für die Oboe geschrieben. Aber Sonaten für dieses Instrument sind von ihm leider nicht überliefert. Und so spielen Oboisten mitunter Bachs Flötensonaten – was zur Entstehungszeit dieser Werke durchaus üblich war; auch Bach selbst hat munter seine Komposi- tionen bearbeitet und bei Bedarf die Instrumentierung geändert. 
Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayeri- schen Rundfunks, hat daher Bachs Kammermusik mit wachem Blick studiert – und so einige interessante Werke ausfindig gemacht, um sie auf seinem Instrument zu spielen. Die CD startet mit der Suite in c-Moll BWV 997, von der Experten annehmen, dass sie für das Lautenwerk entstanden sind, eine Art Cembalo mit einem lautenähnlichen Resonanzkörper. Diese Musik ist bereits mehrfach für andere Besetzungen bearbeitet worden; Quero hat nun eine Version für Oboe und Cembalo geschaffen, die enorm gut klingt und durchweg überzeugt. Die Sonate BWV 1034 wurde für Traversflöte und Basso continuo geschrieben. 
Die Triosonate in G-Dur BWV 1039 gibt es in derselben Tonart auch in einer Variante für Gambe. An diesem Beispiel hat sich der Flötist Henrik Wiese orientiert, und Bachs Gambensonaten sehr kompetent für die Flöte bearbeitet. Quero spielt eines dieser Werke, BWV 1029, nun auf der Oboe. Dieser Transfer funktioniert auch bei der Triosonate Nr. 3 für zwei Traversflöten und Basso continuo hervorragend. Bei diesem Stück musiziert Ramón Ortega Quero gemeinsam mit seiner Frau Tamar Inbar, die ebenfalls exzellent Oboe spielt. Es ist faszinierend, den beiden Solisten zuzuhören, denn bei aller Harmonie unterscheiden sie sich doch im Klang recht deutlich. 
Musikalische Partner bei dieser Einspielung waren Quero zudem Luise Buchberger am Barockcello und Peter Kofler am Cembalo. Das passt sehr gut, denn sie übernehmen ihren Part mit Elan, mit sehr viel Sachverstand und auch mit Temperament. Entstanden ist somit eine CD, die man wirklich gern und mit Gewinn anhört, von außergewöhnlich hoher musikalischer Qualität. Bravi!

Montag, 26. Januar 2015

Janina Jansen - Bach Concertos (Decca)

Janine Jansen hat mit einem kleinen Ensemble handverlesener Musiker- freunde Violinkonzerte von Johann Sebastian Bach eingespielt. Gemeinsam mit Ramón Ortega Quero ist sie zudem im c-Moll-Konzert für Violine und Oboe zu hören, das aus einem Cembalo-Konzert rekonstruiert worden ist. Die beiden Solisten harmonieren exzellent miteinander. Auch sonst ist diese CD geprägt von fröhlicher Gelassenheit und ent- spannter Musizierlust. Sie überzeugt weniger durch vordergründige Virtuosität als durch Geschmeidigkeit und Eleganz. Eine gelungene CD, die obendrein durch zwei der Bachschen Violinsonaten abgerundet wird – quasi als Hausmusik, denn den Cembalo-Part hat Jan Jansen, der Vater der Solistin, übernommen. 

Freitag, 1. Februar 2013

The Romantic Oboist (Genuin)

"Das europäische 19. Jahrhundert ist aus musikalischer Sicht ein äußerst interessantes", schreibt Ramón Ortega Quero im Begleitheft zu dieser CD: "Es ist die Zeit der Rebellion und der Befreiung des Komponisten von seinen Mäzenen und Auftraggebern: Dem Adel, den Königen, Kaisern und Kirchen. Komponisten verkaufen nicht mehr ihre Seele an denjenigen, der sie bezahlt oder folgen vorgegebe- nen Ideen, sondern enthüllen ihre intimsten Emotionen und Gefühle, nehmen sich Freiheit bei der Themenfindung, bei der Form und beim Stil ihrer Werke - die Musik wird persönlicher. Der Komponist schreibt in die Partitur, was er ausdrücken muss."
Ramón Ortega Quero lädt den Hörer ein, ihn auf eine musikalische Reise durch das Europa der Romantik zu begleiten - "aus meiner Perspektive, der Sicht eines Oboisten. Hierfür habe ich verschiedene Komponisten, welche in musikalischer Hinsicht die wichtigsten Länder repräsentieren, ausgewählt, und von jedem dieser Kompo- nisten ein besonders charakteristisches Werk." Gemeinsam mit Pianistin Kateryna Titova spielt der Oboist Werke von Robert Schumann, Johann Wenzel Kalliwoda, Casimir-Théophile Lalliet und Antonio Pasculli. Immerhin zwei dieser Komponisten waren selbst Oboenvirtuosen - was auf ein erstaunliches Phänomen hinweist.  Denn für die Oboe, dieses gefühlt gefühlvollste aller Blasinstrumente, gibt es verblüffend wenig Solo-Repertoire. So haben Lalliet und Pasculli bekannte Melodien anderer Komponisten als Grundlage für Variatio- nen genutzt, die man noch heute gern hört. 
Es ist und bleibt ein Manko: Die sogenannten Romantiker haben deutlich mehr Violinkonzerte geschrieben als Werke für Oboe. Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat auf seiner CD Schilflieder bereits einige dieser Stücke vorgestellt, darunter die Drei Romanzen op. 94 von Robert Schumann. Sie spielt auch Ramón Ortega Quero: "Drei kurze Lieder ohne Worte mit intimem Charakter und abruptem Wechsel der Emotionen - dieses Werk ist das beste originale Werk dieser Zeit für Oboe", begeistert sich der Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die Drei Fantasiestücke op. 73 hingegen hat Schumann für Klarinette komponiert. Ortega Quero meint, dass aber der Oboenton für diese Musik ideal ist - der Zuhörer wird gern bestätigen, dass er zumindest eine reizvolle Alternative darstellt. 
Und wie Musiker es stets gehalten haben - seltsamerweise glauben sie aber heute, sich dafür rechtfertigen zu müssen - hat Ramón Ortega Quero auch selbst zwei Werke für die Oboe bearbeitet - das Impromp- tu op. 90 Nr. 3 von Franz Schubert und die berühmte Lenski-Arie aus Tschaikowskis Oper Eugen Onegin. 
Ramón Ortega Quero beeindruckt mit enormer Virtuosität und mit einem einem schönen, singenden Oboenton, der etwas kerniger erscheint als der seines Berliner Kollegen. Kateryna Titova erweist sich als brillante musikalische Partnerin. Es lohnt sich, genauer hinzuhören, denn ihr Spiel ist nuancenreich - auch wenn sie es hier dem Solisten beiordnet. Wer den Klang der Oboe schätzt, der wird diese CD lieben. 

Montag, 12. September 2011

Oboenkonzerte (Genuin)

Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, hat erneut Barockkonzerte eingespielt. Doch nur das Konzert für Oboe d'amore und Basso continuo A-Dur, TWV 51:A2 von Georg Philipp Telemann ist ursprünglich für "sein" Instru- ment entstanden. Ansonsten macht sich der Solist einen Brauch zunutze, der zur Barockzeit gang und gäbe war. So hat Bach seine Oboenkonzerte für Cembalo oder Violine bearbeitet. Das Original aber ist verloren - und wer diese Werke heute auf der Oboe spielen will, der muss sich erst die entsprechende Fassung schreiben. Für das Konzert für Cembalo, Streicher und Basso continuo  BWV 1056 existierte bereits eine derartige Rekonstruktion; für das Violinkonzert BWV 1041 hat Ortega Quero selbst eine erarbeitet und hier gemein- sam mit der Kammerakademie Potsdam in Ersteinspielung aufgenom- men. Die CD beginnt mit dem Konzert für Flöte, Streicher und Cemba- lo d-Moll Wq. 22 von Carl Philipp Emanuel Bach, ebenfalls angepasst an die Möglichkeiten der Oboe. 
Der Ton von Ramón Ortega Quero ist in jüngster Zeit weicher gewor- den, runder, singender; nur in der Höhe gerät er zuweilen noch ein wenig spitz. Die Kammerakademie Potsdam sekundiert dem Solisten sachkundig und temperamentvoll.  

Sonntag, 28. November 2010

Shadows - Baroque Music by Vivaldi, Blavet, Dieupart and Veracini (Solo Musica)

"Aus Liebe zur Barockmusik habe ich dieses Programm eingespielt", schreibt Ramón Ortega Quero, Solo-Oboist des Symphonie- orchesters des Bayerischen Rund- funks und Rising Star der European Concert Hall Organization 2010/11. "Wir haben die drei italienischen Sonaten und drei französische Stücke aufgenommen und versucht, Ähnlichkeiten und Unterschiede beider Stilrichtun- gen deutlich zu machen."
Das ist offenbar gar nicht so einfach, denn die Musiker der Barockzeit reisten umher, um zu lernen, einander zuzuhören und Arbeiten berühmter Kollegen zu kopieren. Italien galt damals als das Maß aller Dinge. Concerti grossi nach Corelli, die Kirchensonate oder die nea- politanische Oper wurden bald in ganz Europa nachgeahmt. 
Die Franzosen bevorzugten Suiten, Folgen von Tanzsätzen; sie über- nahmen aber bald die Innovationen aus Italien. So steht auf dieser CD nur noch ein Werk für den französischen Stil - und die Suite VI in f-Moll stammt lustigerweise von Charles Dieupart, der in London lebte und arbeitete. Die beiden Werke von Michel Blavet, damals der berühmteste Flötist in Frankreich, folgen bereits dem Modell der Sonate. Die CD enthält zudem Sonaten von Francesco Maria Veracini und Antonio Vivaldi - darunter auch die Sonate c-Moll RV 53, das einzige der sechs Werke, das ursprünglich für Oboe entstanden ist.
Alle sechs Werke stehen zudem im Tongeschlecht Moll, was das Label veranlasste, den Titel Schatten für die CD zu wählen. Nach der Affektenlehre, die im Beiheft sogar zitiert wird, haben aber nicht alle Moll-Tonarten etwas Düsteres; erst die Wiener Klassik bevorzugte die Dur-Tonarten, und degradierte Moll zum Kontrast. Johann Mattheson beschreibt in seinem Neu-Eröffneten Orchestre (1713) aber nicht nur die Charaktere der einzelnen Tonarten: "Der gleichsam redende Haut- bois, ital. Oboe, ist bey den Frantzosen, und nunmehro auch bey uns, das, was vor diesem in Teutschland die Schalmeyen (von den alten Musicis Piffari genandt) gewesen sind, ob sie gleich etwas anders eingerichtet. Die Hautbois kommen, nach der Flute Allemande, der Menschen-Stimme wol am nähesten, wenn sie mannierlich und nach der Sing-Art tractiert werden, wozu ein großer Habitus und sonder- lich die gantze Wissenschaft der Singe-Kunst gehöret. Werden aber die Hautbois nicht auff das aller delicateste angeblasen, (es sei denn im Felde oder inter pocula, wo mans eben so genau nicht nimmt) so will ich lieber eine gute Maultrummel oder ein Kamm-Stückchen davor hören, und glaube, es werden ihrer mehr also verwehnet seyn." 
Was die Qualität des Oboenspiels angeht, so ist bei dieser CD nicht viel zu befürchten; auch wenn der Ton vielleicht noch ein wenig weicher, singender, samtiger werden könnte. Und mit Luise Buchberger am Violoncello und Peter Kofler am Cembalo steht Ramón Ortega Quero ein versiertes Continuo zur Seite.