Eine exzellente junge Musikerin stellt sich vor: Hiyoli Togawa, Schülerin von Antoine Tamestit, legt bei Naxos ihr Debütalbum vor. Die Wahl-Berlinerin, die wichtige Wettbewerbe gewonnen hat, ist als Solistin auf bedeutenden Konzertpodien mittlerweile sehr gefragt.
Auf dieser CD präsentiert sie sich allerdings als leidenschaftliche Kammermusikerin mit Werken der Romantiker George Onslow (1784 bis 1853), Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) und Johann Wenzel Kalliwoda (1801 bis 1866). Dabei musiziert sie gemeinsam mit ihrer langjährigen Klavierpartnerin Lilit Grigoryan.
Die beiden Sonaten von Onslow und Mendelssohn zeichnen sich dadurch aus, dass das Klavier in diesen Werken einen gewichtigen Part übernimmt. So treten die Musikerinnen in einen Dialog, der beide durchaus umfassend zu Wort kommen lässt – und den sie ebenso präzise wie sensibel gestalten. Besonders zu rühmen ist ihr feinsinniges Zusammenspiel, wie aus einem Puls und einem Gedanken. Ein Debüt, das rundum begeistert!
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Freitag, 30. März 2018
Sonntag, 25. Oktober 2015
Kalliwoda: Violin Concertinos - Overtures (cpo)
Johann Wenzel Kalliwoda (1801 bis 1866) gehörte zum ersten Schüler-Jahrgang des Konservatoriums in Prag. Der junge Musiker spielte exzellent Geige; und schon bald spielte er eigene Werke, wenn er als Solist vor das Publikum trat. 1822 ging er erstmals auf Konzertreise. Dabei machte er Station in Donau- eschingen, wo er seinen Bruder besuchte – nicht ganz zufällig, denn dieser arbeitete in der fürstlichen Kanzlei, und Hofkapellmeister Conradin Kreutzer hatte soeben seinen Posten verlassen. Kalliwoda durfte sich im Hofkonzert vorstellen, und er wurde sogleich engagiert.
Obwohl der Musiker im Laufe seines Lebens zahlreiche attraktive Angebote erhielt, blieb er 44 Jahre lang in dieser Position, bis zu seiner Pensionie- rung im Jahre 1866. Fürst Karl Egon II. von Fürstenberg wusste seinen Kapellmeister zu schätzen, und bewilligte diesem zeitlebens großzügig, was er erbat – sei es eine Gehaltserhöhung, oder Urlaub für eine Konzertreise. Allerdings brachte die Revolution 1848 das Musikleben in Donaueschin- gen zum Erliegen; auch in späteren Jahren erreichte die Hofkapelle wohl nicht wieder ihr früheres Niveau. Kalliwoda, der ab 1854 mit seiner Familie in Karlsruhe lebte, war schon in seinen besten Jahren aus der Mode geraten. Dabei umfasst sein Werkverzeichnis 243 Kompositionen mit Opuszahlen, und mehr als 200 weitere, zumeist ungedruckte Werke. Schon in den 1840er Jahren wurde diese Musik immer weniger gespielt; heute ist sie in Vergessenheit geraten.
Das mag mit daran liegen, dass Kalliwoda einer Generation angehört, die sozusagen im Schatten Beethovens komponierte – und dann durch die Romantiker abgelöst wurde. Erst allmählich wird Musik aus jenen Jahren wiederentdeckt. Diese CD macht deutlich, dass sich die Mühe auch lohnt. Denn die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens präsentiert hier drei der 24 Ouvertüren Kalliwodas. Der Musiker hat sich mit dieser Gattung intensiv beschäftigt; er schrieb seine Ouvertüren, um damit Sinfoniekonzerte zu eröffnen. Es sind musikalische Amuse-Gueules, Grüße also an das Publikum aus der Werkstatt des Komponisten; sie sollen neugierig machen auf das Nachfolgende, aber selbst dabei nicht zuviel Gewicht haben. Diese Aufgabe hat Kalliwoda geschickt gelöst, wie die Beispiele zeigen.
Erstaunlich erscheint, dass der Musiker eine Gattung sorgsam mied: Kalliwoda hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, in jungen Jahren. Für sein Solo-Instrument schrieb er andere Werke, wie Rondos, Variationen oder Concertini, verkürzte Konzerte mit einem knapp gehaltenen ersten Satz, nicht unbedingt in Sonatenhauptsatzform, und mit einem dritten Satz, der ebenfalls relativ kurz gestaltet ist. Ariadne Daskalakis stellt gemeinsam mit der Kölner Akademie zwei dieser Concertini vor; sie sind beide weder besonders kurz, noch verzichten sie auf virtuose Passagen. Offenbar war Kalliwoda die gestalterische Freiheit wichtiger als das Etikett. Daskalakis spielt flüssig und mit Esprit; das reicht aus, um die hübschen Stücke ansprechend zu präsentieren. Im Beiheft allerdings ist dem Label diesmal einiges durcheinander geraten, mit etwas Sorgfalt beim Korrekturlesen wäre diese Wirrnis sicherlich zu vermeiden gewesen.
Obwohl der Musiker im Laufe seines Lebens zahlreiche attraktive Angebote erhielt, blieb er 44 Jahre lang in dieser Position, bis zu seiner Pensionie- rung im Jahre 1866. Fürst Karl Egon II. von Fürstenberg wusste seinen Kapellmeister zu schätzen, und bewilligte diesem zeitlebens großzügig, was er erbat – sei es eine Gehaltserhöhung, oder Urlaub für eine Konzertreise. Allerdings brachte die Revolution 1848 das Musikleben in Donaueschin- gen zum Erliegen; auch in späteren Jahren erreichte die Hofkapelle wohl nicht wieder ihr früheres Niveau. Kalliwoda, der ab 1854 mit seiner Familie in Karlsruhe lebte, war schon in seinen besten Jahren aus der Mode geraten. Dabei umfasst sein Werkverzeichnis 243 Kompositionen mit Opuszahlen, und mehr als 200 weitere, zumeist ungedruckte Werke. Schon in den 1840er Jahren wurde diese Musik immer weniger gespielt; heute ist sie in Vergessenheit geraten.
Das mag mit daran liegen, dass Kalliwoda einer Generation angehört, die sozusagen im Schatten Beethovens komponierte – und dann durch die Romantiker abgelöst wurde. Erst allmählich wird Musik aus jenen Jahren wiederentdeckt. Diese CD macht deutlich, dass sich die Mühe auch lohnt. Denn die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens präsentiert hier drei der 24 Ouvertüren Kalliwodas. Der Musiker hat sich mit dieser Gattung intensiv beschäftigt; er schrieb seine Ouvertüren, um damit Sinfoniekonzerte zu eröffnen. Es sind musikalische Amuse-Gueules, Grüße also an das Publikum aus der Werkstatt des Komponisten; sie sollen neugierig machen auf das Nachfolgende, aber selbst dabei nicht zuviel Gewicht haben. Diese Aufgabe hat Kalliwoda geschickt gelöst, wie die Beispiele zeigen.
Erstaunlich erscheint, dass der Musiker eine Gattung sorgsam mied: Kalliwoda hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, in jungen Jahren. Für sein Solo-Instrument schrieb er andere Werke, wie Rondos, Variationen oder Concertini, verkürzte Konzerte mit einem knapp gehaltenen ersten Satz, nicht unbedingt in Sonatenhauptsatzform, und mit einem dritten Satz, der ebenfalls relativ kurz gestaltet ist. Ariadne Daskalakis stellt gemeinsam mit der Kölner Akademie zwei dieser Concertini vor; sie sind beide weder besonders kurz, noch verzichten sie auf virtuose Passagen. Offenbar war Kalliwoda die gestalterische Freiheit wichtiger als das Etikett. Daskalakis spielt flüssig und mit Esprit; das reicht aus, um die hübschen Stücke ansprechend zu präsentieren. Im Beiheft allerdings ist dem Label diesmal einiges durcheinander geraten, mit etwas Sorgfalt beim Korrekturlesen wäre diese Wirrnis sicherlich zu vermeiden gewesen.
Dienstag, 3. März 2015
Donaufahrt (Genuin)
An der schönen blauen Donau, da lebte einst so mancher talentierte Komponist. Rie Koyama, eine exzellente Fagottistin, hat für ihre zweite Genuin-CD gemeinsam mit dem Pianisten Clemens Müller das musikalische Idiom der ehemaligen k.u.k.-Staaten erkundet.
Die beiden Musiker haben dabei einige faszinierende Werke entdeckt. Nicht alle davon sind, zugegebener- weise, im Original für das Fagott entstanden. Doch warum soll man nicht aus einer Sonate für Horn und Klavier in F-Dur, die Ludwig van Beethoven seinerzeit für den brillanten böhmischen Hornisten Johann Wenzel Stich – bekannter unter seinem Künstlernamen Giovanni Punto – geschrieben hat, ein Werk für Fagott und Klavier machen? Schließlich hat Beethoven selbst seine Sonate auch für das Violoncello bearbeitet.
Das Andante e Rondo ongarese hat Carl Maria von Weber seinerzeit selbst für Fagott bearbeitet. Entstanden ist die charmante, theatralische Musik allerdings nicht an der Donau, sondern in Stuttgart. Weber schrieb es für seinen Bruder, der im nahen Ludwigsburg seine Brötchen als Bratscher verdiente.
In Ersteinspielung erklingt das Morceau de Salon für Fagott und Klavier op. 230 von Johann Wenzel Kalliwoda. Der Prager Geiger spielte zunächst im Orchester des Prager Opernhauses. 1822 wurde er Hofkapellmeister in Donaueschingen, dort, wo aus Brigach und Breg die Donau entsteht. Kalliwodas Salonstück wirkt wie eine Kreuzung aus böhmischem Volkstanz und Mendelssohns Liedern ohne Worte; angerichtet wird es von Koyama mit einer Prise virtuosem Spielvergnügen, man höre nur das Finale.
Glaubt man einem Brief Wolfgang Amadeus Mozarts an seinen Vater, dann hat der 25jährige eines seiner schönsten Kammermusikwerke in einer knappen Stunde zu Papier gebracht. Und weil die Sonate für Violine und Klavier G-Dur KV 379 so effektvoll und rundum gelungen ist, wagen sich Koyama und Müller an eine Fagott-Version. Hier können sich die Musiker bestens präsentieren. Das gilt nicht nur für die rasanten Passagen. Die Kantilene von Rie Koyama hat Schmelz und mitunter einen derart hell eingefärbten Ton, dass man beinahe vergisst, dass hier ein Instrument zu hören ist, das oftmals nur den Continuo-Part mitspielen darf.
Den Abschluss dieses mitreißenden Programmes bildet die Fantaisie Pastorale Hongroise op. 26 von Franz Doppler, ursprünglich entstanden für Flöte und Orchester. Der Komponist, der zu den Mitbegründern der ungarischen Musikkultur des 19. Jahrhunderts gehörte, zündet in diesem Werk ein wahres Feuerwerk. Das lässt sich erstaunlicherweise auch auf dem Fagott spielen, wie Koyama beweist. Was für ein Temperament! Und ein Bravo auch an Clemens Müller, der die junge Musikerin sehr versiert begleitet.
Die beiden Musiker haben dabei einige faszinierende Werke entdeckt. Nicht alle davon sind, zugegebener- weise, im Original für das Fagott entstanden. Doch warum soll man nicht aus einer Sonate für Horn und Klavier in F-Dur, die Ludwig van Beethoven seinerzeit für den brillanten böhmischen Hornisten Johann Wenzel Stich – bekannter unter seinem Künstlernamen Giovanni Punto – geschrieben hat, ein Werk für Fagott und Klavier machen? Schließlich hat Beethoven selbst seine Sonate auch für das Violoncello bearbeitet.
Das Andante e Rondo ongarese hat Carl Maria von Weber seinerzeit selbst für Fagott bearbeitet. Entstanden ist die charmante, theatralische Musik allerdings nicht an der Donau, sondern in Stuttgart. Weber schrieb es für seinen Bruder, der im nahen Ludwigsburg seine Brötchen als Bratscher verdiente.
In Ersteinspielung erklingt das Morceau de Salon für Fagott und Klavier op. 230 von Johann Wenzel Kalliwoda. Der Prager Geiger spielte zunächst im Orchester des Prager Opernhauses. 1822 wurde er Hofkapellmeister in Donaueschingen, dort, wo aus Brigach und Breg die Donau entsteht. Kalliwodas Salonstück wirkt wie eine Kreuzung aus böhmischem Volkstanz und Mendelssohns Liedern ohne Worte; angerichtet wird es von Koyama mit einer Prise virtuosem Spielvergnügen, man höre nur das Finale.
Glaubt man einem Brief Wolfgang Amadeus Mozarts an seinen Vater, dann hat der 25jährige eines seiner schönsten Kammermusikwerke in einer knappen Stunde zu Papier gebracht. Und weil die Sonate für Violine und Klavier G-Dur KV 379 so effektvoll und rundum gelungen ist, wagen sich Koyama und Müller an eine Fagott-Version. Hier können sich die Musiker bestens präsentieren. Das gilt nicht nur für die rasanten Passagen. Die Kantilene von Rie Koyama hat Schmelz und mitunter einen derart hell eingefärbten Ton, dass man beinahe vergisst, dass hier ein Instrument zu hören ist, das oftmals nur den Continuo-Part mitspielen darf.
Den Abschluss dieses mitreißenden Programmes bildet die Fantaisie Pastorale Hongroise op. 26 von Franz Doppler, ursprünglich entstanden für Flöte und Orchester. Der Komponist, der zu den Mitbegründern der ungarischen Musikkultur des 19. Jahrhunderts gehörte, zündet in diesem Werk ein wahres Feuerwerk. Das lässt sich erstaunlicherweise auch auf dem Fagott spielen, wie Koyama beweist. Was für ein Temperament! Und ein Bravo auch an Clemens Müller, der die junge Musikerin sehr versiert begleitet.
Freitag, 1. Februar 2013
The Romantic Oboist (Genuin)
"Das europäische 19. Jahrhundert ist aus musikalischer Sicht ein äußerst interessantes", schreibt Ramón Ortega Quero im Begleitheft zu dieser CD: "Es ist die Zeit der Rebellion und der Befreiung des Komponisten von seinen Mäzenen und Auftraggebern: Dem Adel, den Königen, Kaisern und Kirchen. Komponisten verkaufen nicht mehr ihre Seele an denjenigen, der sie bezahlt oder folgen vorgegebe- nen Ideen, sondern enthüllen ihre intimsten Emotionen und Gefühle, nehmen sich Freiheit bei der Themenfindung, bei der Form und beim Stil ihrer Werke - die Musik wird persönlicher. Der Komponist schreibt in die Partitur, was er ausdrücken muss."
Ramón Ortega Quero lädt den Hörer ein, ihn auf eine musikalische Reise durch das Europa der Romantik zu begleiten - "aus meiner Perspektive, der Sicht eines Oboisten. Hierfür habe ich verschiedene Komponisten, welche in musikalischer Hinsicht die wichtigsten Länder repräsentieren, ausgewählt, und von jedem dieser Kompo- nisten ein besonders charakteristisches Werk." Gemeinsam mit Pianistin Kateryna Titova spielt der Oboist Werke von Robert Schumann, Johann Wenzel Kalliwoda, Casimir-Théophile Lalliet und Antonio Pasculli. Immerhin zwei dieser Komponisten waren selbst Oboenvirtuosen - was auf ein erstaunliches Phänomen hinweist. Denn für die Oboe, dieses gefühlt gefühlvollste aller Blasinstrumente, gibt es verblüffend wenig Solo-Repertoire. So haben Lalliet und Pasculli bekannte Melodien anderer Komponisten als Grundlage für Variatio- nen genutzt, die man noch heute gern hört.
Es ist und bleibt ein Manko: Die sogenannten Romantiker haben deutlich mehr Violinkonzerte geschrieben als Werke für Oboe. Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat auf seiner CD Schilflieder bereits einige dieser Stücke vorgestellt, darunter die Drei Romanzen op. 94 von Robert Schumann. Sie spielt auch Ramón Ortega Quero: "Drei kurze Lieder ohne Worte mit intimem Charakter und abruptem Wechsel der Emotionen - dieses Werk ist das beste originale Werk dieser Zeit für Oboe", begeistert sich der Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die Drei Fantasiestücke op. 73 hingegen hat Schumann für Klarinette komponiert. Ortega Quero meint, dass aber der Oboenton für diese Musik ideal ist - der Zuhörer wird gern bestätigen, dass er zumindest eine reizvolle Alternative darstellt.
Und wie Musiker es stets gehalten haben - seltsamerweise glauben sie aber heute, sich dafür rechtfertigen zu müssen - hat Ramón Ortega Quero auch selbst zwei Werke für die Oboe bearbeitet - das Impromp- tu op. 90 Nr. 3 von Franz Schubert und die berühmte Lenski-Arie aus Tschaikowskis Oper Eugen Onegin.
Ramón Ortega Quero beeindruckt mit enormer Virtuosität und mit einem einem schönen, singenden Oboenton, der etwas kerniger erscheint als der seines Berliner Kollegen. Kateryna Titova erweist sich als brillante musikalische Partnerin. Es lohnt sich, genauer hinzuhören, denn ihr Spiel ist nuancenreich - auch wenn sie es hier dem Solisten beiordnet. Wer den Klang der Oboe schätzt, der wird diese CD lieben.
Ramón Ortega Quero lädt den Hörer ein, ihn auf eine musikalische Reise durch das Europa der Romantik zu begleiten - "aus meiner Perspektive, der Sicht eines Oboisten. Hierfür habe ich verschiedene Komponisten, welche in musikalischer Hinsicht die wichtigsten Länder repräsentieren, ausgewählt, und von jedem dieser Kompo- nisten ein besonders charakteristisches Werk." Gemeinsam mit Pianistin Kateryna Titova spielt der Oboist Werke von Robert Schumann, Johann Wenzel Kalliwoda, Casimir-Théophile Lalliet und Antonio Pasculli. Immerhin zwei dieser Komponisten waren selbst Oboenvirtuosen - was auf ein erstaunliches Phänomen hinweist. Denn für die Oboe, dieses gefühlt gefühlvollste aller Blasinstrumente, gibt es verblüffend wenig Solo-Repertoire. So haben Lalliet und Pasculli bekannte Melodien anderer Komponisten als Grundlage für Variatio- nen genutzt, die man noch heute gern hört.
Es ist und bleibt ein Manko: Die sogenannten Romantiker haben deutlich mehr Violinkonzerte geschrieben als Werke für Oboe. Albrecht Mayer, Solo-Oboist der Berliner Philharmoniker, hat auf seiner CD Schilflieder bereits einige dieser Stücke vorgestellt, darunter die Drei Romanzen op. 94 von Robert Schumann. Sie spielt auch Ramón Ortega Quero: "Drei kurze Lieder ohne Worte mit intimem Charakter und abruptem Wechsel der Emotionen - dieses Werk ist das beste originale Werk dieser Zeit für Oboe", begeistert sich der Solo-Oboist des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks. Die Drei Fantasiestücke op. 73 hingegen hat Schumann für Klarinette komponiert. Ortega Quero meint, dass aber der Oboenton für diese Musik ideal ist - der Zuhörer wird gern bestätigen, dass er zumindest eine reizvolle Alternative darstellt.
Und wie Musiker es stets gehalten haben - seltsamerweise glauben sie aber heute, sich dafür rechtfertigen zu müssen - hat Ramón Ortega Quero auch selbst zwei Werke für die Oboe bearbeitet - das Impromp- tu op. 90 Nr. 3 von Franz Schubert und die berühmte Lenski-Arie aus Tschaikowskis Oper Eugen Onegin.
Ramón Ortega Quero beeindruckt mit enormer Virtuosität und mit einem einem schönen, singenden Oboenton, der etwas kerniger erscheint als der seines Berliner Kollegen. Kateryna Titova erweist sich als brillante musikalische Partnerin. Es lohnt sich, genauer hinzuhören, denn ihr Spiel ist nuancenreich - auch wenn sie es hier dem Solisten beiordnet. Wer den Klang der Oboe schätzt, der wird diese CD lieben.
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