Weihnachten im elisabethanischen England und im Reich der Stuarts - das sind einerseits höfischer Glanz und festliche Pracht, andererseits aber Besinnung, Ruhe und Einkehr. Diese beiden Pole bestimmen auch diese CD, die das Barocktrompeten Ensemble Berlin unter Johann Plietzsch bei Raumklang einge- spielt hat. Da sind einerseits die Masques und Morality Plays, und die feierlichen Gottesdienste - mit Pauken und Trompeten repräsen- tiert dort der Hof, und auch die Posaunen unterstreichen mit ihrem kraftvollen Klang den Machtan- spruch, der hier demonstriert wird.
Da sind aber auch die ruhigen Stücke, wo Lauten zu hören sind, und mitunter auch die Orgel. Das Barocktrompeten Ensemble Berlin setzt für diese CD bewusst auf Kontraste. Musiziert wird mit der gewohnten Professionalität; die Bläser spielen ihre historischen Instrumente versiert und klangschön. Das ist mit Sicherheit nicht einfach und technisch kein Spaziergang, aber es verleiht dieser Einspielung auch eine einzigartige Aura - man höre nur The Cold Genius aus Henry Purcells King Arthur-Suite. Grandios!
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Samstag, 29. Dezember 2012
Samstag, 13. Oktober 2012
Two Lutes (Sono Luminus)
Lautenmusik aus Englands Goldenem Zeitalter präsentiert Dorian/Sono Luminus auf dieser CD. Gespielt wird diese phantasti- sche Musik von Ronn McFarlane und William Simms. Eine bessere Besetzung ist für Lautenduette kaum denkbar.
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody."
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012!
McFarlane startete als Autodidakt auf einer "cranky sixteen-dollar steel-string guitar". Er spielte Blues und Rockmusik, doch zugleich studierte er "klassische" Gitarre - bis er die Laute für sich entdeckte. Simms gehört zu den etablierten Early Music-Spezialisten; er spielt Laute ebenso wie Theorbe und Gitarre, und hat, insbesondere auch im Continuo, an zahlreichen Projekten im Bereich der "Alten" Musik mitgewirkt.
Die Werke, die auf dieser CD erklingen, charakterisiert McFarlane wie folgt: "Elizabethan lute duets yield the most companionable and friendly kind of music-making for the players. In equal duets each lutenist plays nearly the same music, alternating playing the melody and the harmonic accompaniment. It feels like a conversation, with each lutenist posing musical questions and answers throughout. Each player is free to improvise upon the written part, so the con- versation can be very individual and spontaneous! On the other hand, in the treble-ground style of lute duet, one lutenist plays a single line melodic part (usually including some virtuosic passages) while the second lutenist plays a chordal accompaniment. Some- times the chordal accompaniment is very simple and repetitive, and it is likely that a skilled player would vary his part to make a more musically satisfying accompaniment. In this recording, the continuo background and improvising skills of William Simms come to the fore, as two- and three-cord accompaniments become highly ima- ginative counterparts to the single-line melody."
Besser könnte das auch der Kritiker nicht beschreiben. Zu ergänzen bleibt, dass es sich hier nicht nur um faszinierende Musik, sondern darüber hinaus auch um eine wundervolle Einspielung handelt. Die beiden Lautenisten harmonieren exzellent miteinander, und ihre Musizierlust spürt selbst der Zuhörer. Kein Zweifel: Dies ist eine der besten Lauten-CD des Jahres 2012!
Dienstag, 3. Juli 2012
Graun: Trios - Les Récréations (Raumklang)
Etwa 130 Triosonaten von Johann Gottlieb Graun (1703 bis 1771) sind überliefert. Vier seiner Werke haben die Musiker des Ensembles Les Récréations für diese CD nach Handschriften aus der Berliner Amalienbibliothek eingespielt. Die Auswahl fiel ihnen offenbar nicht leicht: "Nous avons échangé des pièces jusqu'au dernier moment et arions probablement fait un choix encore différent une semaine plus tard", meint Matthieu Camilleri. Er ist ebenso wie Clara Mühlethaler, Emily Robinson und Philippe Grisvard ausgewiesener Experte für "Alte" Musik. Beim Quatro ergänzt der Gambist Atsushi Sakai die Be- setzung. Auch eine gewisse Vorliebe für originelle Kompositionen scheinen die Musiker ja zu teilen; nach Spätbarock klingen diese Stücke jedenfalls nur noch andeutungsweise.
Grauns Werke sind gekennzeichnet durch ausgedehnte konzertante Passagen, in die sich alle Stimmen ziemlich fair teilen. Dabei ähnelt das gemeinsame Musizieren stark einer zwar virtuosen, aber auch sehr gepflegten Konversation - hier darf jeder ausreden, und der Gesprächspartner ist weniger darauf erpicht, eigene Ideen ins Spiel zu bringen; er greift vielmehr das zuvor Gesagte auf und führt es weiter. Der Kontrapunkt als Strukturprinzip bringt da interessante Effekte.
Graun war ein Geiger, seine Lehrer hießen Pisendel und Tartini. 1732 trat der junge Musiker gemeinsam mit seinem Bruder Carl Heinrich in die Dienste des preußischen Kronprinzen Friedrich, der sich damals noch in Neuruppin aufhielt. Die Gebrüder Graun folgten Friedrich dann nach Rheinsberg und Berlin. Am Hofe des preußischen Königs wirkte Johann Gottlieb Graun bis an sein Lebensende als Konzert- meister und Kammermusikus; seine Kompositionen, die Friedrich sehr schätzte, dürften so manches Konzert in Sanssouci bereichert haben.
Graun war ein Geiger, seine Lehrer hießen Pisendel und Tartini. 1732 trat der junge Musiker gemeinsam mit seinem Bruder Carl Heinrich in die Dienste des preußischen Kronprinzen Friedrich, der sich damals noch in Neuruppin aufhielt. Die Gebrüder Graun folgten Friedrich dann nach Rheinsberg und Berlin. Am Hofe des preußischen Königs wirkte Johann Gottlieb Graun bis an sein Lebensende als Konzert- meister und Kammermusikus; seine Kompositionen, die Friedrich sehr schätzte, dürften so manches Konzert in Sanssouci bereichert haben.
Diese CD wiederum dürfte die Sammlung musikhistorisch interes- sierter Hörer bereichern. Denn wer Grauns Werke hört, der lernt zugleich die Wurzeln der Klassik kennen. Sie sind zwar eher virtuos als galant - doch vom Kontrapunkt Grauns ist der Weg hin zu Haydn, ja selbst zum frühen Beethoven nicht mehr weit. Und so durchdacht und temperamentvoll vorgetragen, wie man Grauns Triosonaten hier er- leben kann, sind sie wirklich ein Genuss - bravi!
Freitag, 2. Juli 2010
Merry Melancholy (Hänssler)
Joachim Held spielt englische Lautenmusik des 16. Jahrhunderts. Er hat für diese CD Werke aus der Zeit Elisabeths I. ausgewählt, die das Goldene Zeitalter der (Renais- sance-)Laute in England repräsen- tieren. Es dauerte von der Blütezeit des Genres in den 80er Jahren des
16. Jahrhunderts bis ins frühe
17. Jahrhundert - knapp 30 Jahre also.
Dort setzt er einen Schlusspunkt, denn im Barock entwickelten sich die Laute und auch die Musik, die für das Instrument komponiert wurde, ganz erheblich weiter.
16. Jahrhunderts bis ins frühe
17. Jahrhundert - knapp 30 Jahre also.
Dort setzt er einen Schlusspunkt, denn im Barock entwickelten sich die Laute und auch die Musik, die für das Instrument komponiert wurde, ganz erheblich weiter.
Held beginnt mit einem charmanten Stück von einem Komponisten, von dem insgesamt nur neun Werke sowie der Name Lushier bekannt sind. Im Anschluss an seine Almaine erklingen fünf Werke des einzigen englischen Lautenisten, der seine Musik in einem Lauten- buch veröffentlichte: Das 1603 erschienene The Schoole of Musicke von Thomas Robinson enthält sowohl Unterweisungen im Lautenspiel als auch Soli und Duette für das Instrument. Auf dieser CD sind zwei Giguen sowie Variationen zu beliebten Melodien der damaligen Zeit zu hören. All diese Stücke sind ausgesprochen anspruchsvoll.
Es folgen eine Fantasia sowie Passymeasures Pavan und Galliard von Richard Allison - auch sie erweisen sich als kunstvoll ausgefeilte Werke, die wohl typisch sind für den Stil der elisabethanischen Zeit. Das musikalische Zentrum der CD aber bilden sechs Werke von John Dowland. Dieser Lautenist war in ganz Europa beliebt, und hat an vielen Höfen konzertiert. So sind insgesamt etwa hundert Soli für das Instrument von ihm in Handschriften und Notendrucken vom europäischen Festland zu finden; in England hingegen existiert wohl nur eine Handvoll Quellen. Held spielt unter anderem Dowlands berühmte Pavane Lachrimae sowie die chromatische Forlorn Hope Fancy, zwei Werke, die mit ihrer Melancholie geradezu zum Symbol jener Zeit geworden sind.
Auch der Lautenist Francis Cutting schrieb zauberhafte Musik, die jedoch sowohl in ihrer Widmung als auch in ihrer Gestaltung von einem gewissen Sinn für Humor zeugt. John Johnson war der erste englische Lautenist, der eine Anstellung bei Hofe erhielt. Auch der Niederländer Philip Rosseter konnte sich dieser Ehre erfreuen - zu Recht, will mir scheinen, denn seine Musik reicht durchaus an die Dowlands heran. Insbesondere sein A Fancy ist ein Lautentraum. Eine schöne Auswahl englischer Renaissancemusik, von Held perfekt vorgetragen. Es würde mich nicht wundern, wenn der Lauten-Spezialist dafür erneut mit einigen der begehrten Branchenpreise geehrt würde. Respekt!
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