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Sonntag, 3. Oktober 2021

Grand Tour (Genuin)


 Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff. 

Doch nicht nur den Adel, auch Musiker zog es in die Ferne: Von großen Meistern lernen, Vorbilder aus anderen Musikkulturen aufmerksam studieren, und daraus Inspiration und Anregung für das eigene Schaffen erfahren – insbesondere Italien war seinerzeit ein wichtiges Reiseziel, und Frankreich hatte ebenfalls viel zu bieten. 

Das Cicerone Ensemble nimmt uns mit auf eine musikalische Reise auf den Spuren von Komponisten, die ein selbst durch Europa gereist sind. Die drei jungen Musiker erweisen sich als ebenso kenntnisreiche wie leidenschaftliche Reiseführer. Thomas Wormitt, Traversflöte, Adrian Cygan, Violoncello, und Andreas Gilger, Cembalo, kombinieren musikwissenschaftliche Erkenntnisse und technische Exzellenz mit überraschenden Repertoire-Entdeckungen. Auf dieser CD präsentieren sie ein abwechslungsreiches Programm, das auch beim Zuhörer die Reiselust weckt. Mehr davon! 

Freitag, 21. Oktober 2016

Roman: The 12 Flute Sonatas - Nos 6 - 12 (BIS)

Johan Helmich Roman (1694 bis 1758) gilt als Vater der schwedischen Musik. Er kam in Stockholm als Sohn eines Hofmusikers zur Welt, und wurde schon als Knabe ebenfalls Mitglied der Hofkapelle. 1715 durfte er auf Weisung seines Dienstherrn, König Karl XII., zu einem Studien- aufenthalt ins Ausland reisen. Roman ging nach London, wo er zahlreiche bedeutende Musiker seiner Zeit kennenlernte – unter anderem Händel, Gemiani, Bononcini, Ariosti und Pepusch. 
1721 kehrte er in die Heimat zurück, wo er dann 1727 Hofkapellmeister wurde.  Nach dem Tod seiner Frau 1734 ging Roman noch einmal auf Reisen – über London und Frankreich nach Italien, wo er wohl auch zur Kur weilte, und dann über Wien, München, Augsburg, Dresden und Berlin zurück nach Stockholm. Weil Roman überall unterwegs Musikalien einkaufte, konnten Musikwissenschaftler seinen Reiseweg minutiös rekonstruieren. 1737 trat er wieder seinen Dienst an – hoch geehrt, 1739 wurde der Musiker sogar in die Königliche Wissen- schaftsakademie gewählt. 
Nach dem Tod seiner zweiten Frau 1744 zog sich Roman aufs Land zurück. Nur noch zweimal leistete er Beiträge zum Musikleben – zur Geburt des Kronprinzen Gustav, und zum Ableben von König Fredrik I. sowie der Krönung von Adolf Fredrik und Lovisa Ulrika. Komponiert hat Johan Helmich Roman eine große Anzahl an Werken. Im Druck erschienen ist zu Lebzeiten des Musikers nur eines davon: Seine Zwölf Sonaten für Travers- flöte, die er Königin Ulrika Eleonora 1727, im Jahre seiner Ernennung zum Hofkapellmeister, als Geburtstagsgeschenk überreichte. 
Dan Laurin hat sie nun mit dem Ensemble Paradiso Musicale eingespielt – auf der Blockflöte. Das passt sehr gut zu den Sonaten Romans, die sich weniger durch halsbrecherische Virtuosität als vielmehr durch Raffinesse und überraschende Wendungen auszeichnen. Seine Musik zeigt, bei aller Eigenständigkeit, zudem deutlich Romans Vorbilder; bei manchen Wendungen meint man, Händels Hallesche Sonaten hätten Pate gestanden. Temperamentvoll präsentiert Dan Laurin diese qualitätvollen Kompositionen, im Zusammenspiel mit Anna Paradiso, Cembalo, Mats Olofsson, Violoncello, und Jonas Nordberg, Barockgitarre und Theorbe.

Dienstag, 10. Juli 2012

A Cavalier's Tour trough Baroque Europe (Berlin Classics)

Das Ensemble Concerto Grosso Berlin legt bei Berlin Classics seine Debüt-CD vor: A Cavalier's Tour vollzieht eine Bildungsreise durch Europa nach, wie sie zur Zeit des Barock nicht mehr nur für Adlige, sondern zunehmend auch für die Söhne wohlhabender Stadtbürger und auch für Künstler zum Pflicht- programm gehörte. Man nahm die Unbequemlichkeiten einer solchen Kavalierstour auf sich, um fremde Länder, fremde Sprachen und fremde Sitten kennenzulernen - und Verbindungen zu knüpfen, die man im Zeitalter der Fußwanderungen und der Postkutsche nicht ohne weiteres erwartet hätte.
Uns verrät die Musik auf dieser CD, dass selbst Musiker damals viel und weit reisten. So waren sie miteinander oft gut bekannt, und tauschten Noten, Ideen und mitunter auch Sticheleien aus. Die Ent- wicklung der Musik europaweit hat dieser Kreuz-und-Quer-Transfer sehr befördert. Auf diese Weise kamen beispielsweise Werke des Wiener Hofkompositeurs Johann Joseph Fux in die Musikaliensamm- lung des Dresdner Violinvirtuosen Pisendel. Georg Philipp Telemann, der selbst eifrig Kopien sammelte und verschickte, kombinierte Elemente der polnischen, französischen, italienischen und deutschen Musik. Damit war er keineswegs allein - selbst Preußens Hofflötist Johann Joachim Quantz begeisterte sich für diesen "vermischten" Stil, den er als eine "künstliche Sprache" ansah, die in ganz Europa ver- standen wird. 
Folgen wir also dem Concerto Grosso Berlin auf eine musikalische Reise durch das Europa der Händel-Zeit.  Das Ensemble musiziert historisch informiert, aber nicht museal, sondern frisch und lebendig. Besetzung und das Instrumentarium werden jeweils dem Repertoire angepasst. Das klingt sehr erfreulich - und als Zugabe gibt's eine wundervolle Ariette von Jean Philippe Rameau, gesungen von der jungen Hallenser Sopranistin Marie Friederike Schöder. 

Samstag, 23. Oktober 2010

Johan Helmich Roman: Drottningholmsmusiken (cpo)

Staatsereignisse benötigen auch eine entsprechende Musik - die Drottningholmsmusiken lieferte 1744 Hofkapellmeister Johan Helmich Roman für die Feier- lichkeiten anlässlich der Hochzeit zwischen dem schwedischen König Adolf Fredrik und Prinzessin Luise Ulrike von Preußen. Friedrich der Große war ihr Bruder, und Katha- rina die Große war ihre Cousine.
Entsprechend wenig beeindruckt zeigte sich die gebildete und kulturell interessierte Prinzessin, die regelmäßig gemeinsam mit ihrem Mann musiziert haben soll, vom Kunstleben am schwedischen Hof. An ihren Bruder jedenfalls schrieb Lovisa Ulrika, es gebe dort einen tauben Kapellmeister, einen hinken- den Tanzmeister und einen blinden Hofmaler. 
Ganz so schlimm wird es dann doch nicht gewesen sein; hört man die Bilägers Musiken, so stellt man fest, dass es bei Hofe zumindest versierte Streicher und Bläser gegeben haben muss. Romans Werke beeindrucken durch ihre eigentümliche melodische Sprache, und die Balance zwischen tänzerischem Esprit und höfischer Zeremonialität. 
Das Ensemble 1700 Lund, geleitet von Göran Karlsson, spürt dem Geist dieser in Schweden heute offenbar populären Suite nach. Die Musiker inszenieren die 24 Tanz- und Zeremoniensätze zwischen Melancholie und höfischem Glanz - keine Museumsklänge, sondern höchst lebendige Werke, vergnüglich anzuhören.

Montag, 28. Juni 2010

Roman: Drottningholmsmusiken (BIS)

Am 28. August 1744 wurde im schwedischen Drottningholm ein gewaltiges Fest gefeiert: Die Ver- mählung von Luise Ulrike von Preußen, der Schwester Friedrichs des Großen, mit Kronprinz Adolf Fredrik - genauer gesagt, das "Bei- lager", also der Vollzug einer Ehe, die schon vor mehr als einem Monat in Berlin geschlossen wor- den war, allerdings in Abwesenheit des Bräutigams, der bei der Zere- monie durch Luises jüngeren Bruder repräsentiert wurde. Derartiges war bei den Hochzeiten des europäischen Hochadels nicht unüblich.
Doch nun waren sich die Eheleute begegnet, und dieses Treffen war offensichtlich zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen. Nun galt es zu feiern - und die Musik für dieses höfische Fest schrieb Johan Helmich Roman, der Leiter der königliche Hofkapelle. Die "Beilager-Musik", sein bekanntestes und beliebtestes Werk, erweist sich als hübsche Suite aus 24 kurzen Sätzen - der längste davon dauert gut fünf Minuten. Sie sind wohl eher nicht dafür komponiert worden, zusammenhängend aufgeführt zu werden. 
Dennoch wechseln schnelle und ruhige Stücke; auf Moll folgt Dur, und auf einen Dreiertakt in der Regel ein Vierertakt - abwechslungs- und einfallsreich ist diese Musik. Und wenn sich doch einmal die Stimmung dieser überwiegend heiteren Werke eintrübt, dann zu einer dem Anlass sehr angemessenen, leichten Wehmut und Melancholie. Das Symphonieorchester Helsingborg, geleitet von seinem Chef- dirigenten Andrew Manze, spielt die "Beilager-Musik" mit hellem, klaren und lebendigen Ton. Das passt sehr gut zu Romans Werk; eine schöne CD, die ich gern empfehle.