Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff.
Sonntag, 3. Oktober 2021
Grand Tour (Genuin)
Auf der sogenannten Kavalierstour reisten einstmals Sprösslinge aus gutem Hause quer durch Europa. Die angehenden Regenten lernten dabei fremde Sprachen und fremde Sitten kennen; sie erlebten allerlei Abenteuer und erhielten weltmännischen Schliff.
Montag, 26. Oktober 2020
Apparatus Musico-Organisticus (Musikmuseum)
Zwei ebenso klangschöne wie charaktervolle Orgeln aus dem Tirol hat Peter Waldner für diese Einspielung ausgewählt. Die historische Orgel der Pfarrkirche St. Blasius in Taufers (Münstertal) wurde von Johann Caspar Humpel 1709 errichtet, und 1807 durch Andreas Mauracher ergänzt. Weitere Umbauten erfolgten 1844 durch Alois Schönach sowie im Jahre 1952 durch Carl Schäfer. 2001 wurde das Instrument durch die Orgelbauwerkstatt Martin Vier restauriert und dabei in jenen guten Zustand gebracht, der auf dieser CD nun zu erleben ist.
Die Orgel der reformierten Kirche San Flurin in Ramosch (Graubünden) wurde um 1680 von Carlo Prati angefertigt, wohl der bedeutendste Orgelbauer jener Zeit in der Region. Davon blieb aber nur das Pfeifenwerk erhalten, das Andreas Mauracher um 1800 in ein neu errichtetes Instrument übernahm. 1908 passte Jakob Metzler diese Orgel dem veränderten musikalischen Geschmack an. Die Restaurierung 1987 durch Arno Caluori berücksichtigte all diese Besonderheiten, und stellte im Wesentlichen den Zustand um 1800 wieder her. Sogar eine Balganlage mit zwei großen Keilbälgen wurde rekonstruiert.
Wie sehr nicht nur die Tiroler Orgellandschaft, sondern auch die Musik, die in der Region beheimatet ist, durch die benachbarten Regionen mit geprägt wurde, das demonstriert Peter Waldner mit einer Auswahl barocker Orgelwerke aus Tiroler Quellen. So befindet sich in der Bibliothek des Klosters Marienberg oberhalb von Burgeis das einzige in Tirol erhaltene Exemplar von Georg Muffats Apparatus musico-organisticus.
In Marienberg fanden sich auch fünf kunstvolle Fugen aus der Anmuthigen Clavier-Übung des Zittauer Komponisten Johann Krieger. Komplettiert wird das Programm durch eine Passacaglia seines Bruders Johann Philipp Krieger, sowie durch eine Canzona von Ingenuin Molitor aus dem Brixner Orgelbuch und ein anonymes Ricercare aus dem Stamser Orgelbuch.
Mit dieser Musikauswahl gibt Peter Waldner nicht nur einen Einblick in das Repertoire, das zur Zeit der Entstehung beider Instrumente in der Region üblich war. Er stellt auch die beiden Orgeln mit ihren Klangmöglichkeiten aufs Beste vor. Rundum gelungen!
Dienstag, 26. November 2019
Muffat: Armonico Tributo (Pan Classics)
Nach Studien bei Lully in Paris sowie bei Pasquini und Corelli in Rom wirkte Muffat im Elsaß, in Wien, Prag, Salzburg und Passau. In den fünf Kammersonaten, die Muffat 1682 nach seiner Rückkehr aus Italien in Salzburg unter dem Titel Armonico Tributo veröffentlichte, kombinierte er französische Grazie und italienische Formen; vor allem Corellis Concerti grossi waren ihm dabei offensichtlich ein wichtiges Vorbild.
Bei der Wahl der Instrumente räumte Muffat den Interpreten sehr viel Spielraum ein; Armonico Tributo ist sowohl als Kammermusik als auch mit einem Orchester aufführbar. Gunar Letzbor und sein Ensemble Ars Antiqua Austria haben sich für eine schlank besetzte Version entschieden. Diese Einspielung möchte man immer wieder anhören, denn sie sprüht geradezu von Musizierlust. Grandios!
Freitag, 27. April 2018
Süddeutsche Orgelmeister (Oehms Classics)
Bei allen Unterschieden eint die süddeutsche Orgelmusik ihre Orientierung am Vorbild Italien, berichtet Kelemen im Beiheft zu dieser Box: „Auch der süddeutsche Orgelbau zeigt Anlehnungen an Italien. Wie ihre italienische Schwester – ebenso wie das italienische Cembalo – ist die süddeutsche Orgel in der Regel einmanualig; ihr Pedal beschränkt sich im Umfang auf 1½ Oktaven und wird vornehmlich für Stütztöne zur Verstärkung der Basslinie eingesetzt. Die Diskrepanzen zum norddeutschen Orgelbau sind deutlich – hier finden wir meist mehrere Manuale und eine ausgebaute Pedalklaviatur von zwei Oktaven. Der Klang süddeutscher Orgeln wird oft als ,süß' beschrieben, wogegen das norddeutsche Instrument eher ,schneidend festlich' anmutet.“
Selbstverständlich hat Kelemen für seine Einspielungen passende Instrumente ausgesucht. Musik aus dem Buxheimer Orgelbuch, niedergeschrieben um 1460, spielt der Organist an einem Instrument in der St. Andreaskirche Soest-Ostönnen, erbaut von einem unbekannten Meister um 1425, einer der ältesten spielbaren Orgeln der Welt, sowie an der Ebert-Orgel von 1558 der Hofkirche Innsbruck. Für die Werke von Hans Leo Hassler (1564 bis 1612) wählte er die Orgel der Stiftskirche Klosterneuburg von Johann Freundt 1642 sowie die Günzer-Orgel von 1609 der Kirche St. Martin in Gabelbach bei Augsburg.
Die CD, die dem Schaffen von Johann Caspar Kerll (1627 bis 1693) gewidmet ist, entstand an der Egedacher-Orgel aus dem Jahre 1708 – sie enthält auch noch etliche Register des Vorgängerinstrumentes von Andreas Putz (1633) – die sich im Prämonstratenserstift Schlägl in Oberösterreich befindet. Bei der Einspielung der Musik von Johann Pachelbel (1653 bis 1706) entschied sich Kelemen für die Orgel in St. Petri, Erfurt-Büßleben, erbaut 1702 von Georg Christoph Stertzing, und die Crapp-Orgel von 1712 in der ehemaligen Klosterkirche zu Pappenheim im Altmühltal.
Gleich zwei CD enthalten Werke von Georg Muffat (1653 bis 1704). Für diese Aufnahmen nutzte der Organist noch einmal die Freundt-Orgel der Stiftskirche Klosterneuburg, und die Orgel der Abteikirche St. Mauritius in Ebersmünster bei Schlettstadt im Elsaß. Sie wurde in den Jahren 1730-32 von Andreas Silbermann angefertigt, und gehört zu den am besten erhaltenen Instrumenten dieses berühmten Orgelbauers.
Somit stellt Joseph Kelemen nicht nur wichtige Komponisten jener Zeit aus dem süddeutschen Raum und einige ihrer Werke vor. Er verbindet dies mit einer Auswahl klangschöner und charakteristischer historischer Orgeln. Mit ihren sehr unterschiedlichen Klangwelten, die Kelemen gekonnt in den Mittelpunkt stellt, sind sie die eigentlichen Stars dieser Aufnahmen. Und natürlich musiziert der Organist brillant und sehr differenziert. Hinreißend!
Montag, 13. November 2017
Passagio - Eine barocke Alpenüberquerung (Alpha)
17. Jahrhundert war dies noch ein strapaziöses und sicherlich auch nicht ganz ungefährliches Unter- fangen. Doch Instrumentalisten und Sänger aus Italien waren an europäischen Höfen gesucht, und umgekehrt reisten ihre Kollegen in den Süden, um in Italien zu lernen und sich mit den aktuellen Trends vertraut zu machen.
Das Duo Ombra e Luce spürt auf dieser CD den Auswirkungen nach, die dieser Austausch auf die Musik Europas hatte. Dazu haben Georg Kallweit und Björn Colell Musik für Violine und Laute eingespielt; die ausgewählten Werke zeigen, dass Komponisten seinerzeit nicht einmal selbst auf die Reise gehen mussten, um südliche Inspiration zu erfahren. Johann Heinrich Schmelzer beispielsweise, erst Geiger und später Hofkapellmeister in Wien, war nie in Italien.
Georg Muffat hingegen hat sowohl bei Jean-Baptiste Lully als auch bei Arcangelo Corelli studiert. In seinem Schaffen integrierte er die verschiedensten stilistischen Einflüsse. Eine Lektion in Musikgeschichte freilich geben Georg Kallweit und Björn Colell eher im Hintergrund. In erster Linie präsentieren die beiden Musiker ein gut abgestimmtes Programm, in dem sie sowohl die Geige als auch Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre mit ebenso virtuosen wie wohlklingenden Musikstücken auf das Beste ins Licht rücken.
Und wie dieses Duo musiziert, das ist sensationell – Kallweit und Colell lassen die Klänge atmen; alles wirkt so lebendig und spontan, ganz als wäre diese Musik gerade eben entstanden. Das ist große Kunst, die den Hörer beglückt. Unbedingt anhören!
Montag, 25. Juli 2016
Muffat: Missa in labore requies (Audite)
Mit ihren vier Musizier-Emporen lädt diese Kirche zur Aufführung mehrchöriger Musik geradezu ein. Dazu kommt, dass das ehemalige Hauskloster der Habsburger im 18. Jahrhundert nicht nur mit Altären, Stuck, Schnitzwerk und Ausmalungen üppig ausgestattet wurde, sondern auch über fünf Orgeln verfügt. Zwei davon, die Epistel- und die Evangelienorgel, 1743 erbaut von Joseph und Viktor Ferdinand Bossart, und dazu drei Truhenorgeln, sind auf dieser CD zu hören.
Die Cappella Murensis, gegründet 2002 durch den Kirchenmusiker Johan- nes Strobl, hat den Raum genutzt, um die Missa In labore requies von Georg Muffat (1653 bis 1704) aufzuführen – eine Komposition mit 24 (!) Stimmen in fünf Chören. Die Partitur dieser Rarität befand sich zunächst im Besitz Joseph Haydns; heute ist sie ein Bestandteil der Musikalien- sammlung der Fürsten Esterházy und wird in der Széchényi-National- bibliothek in Budapest aufbewahrt. In welcher Weise die Sänger und Musiker dabei im Kirchenraum positioniert worden sind, das wurde mit einigem Aufwand im Beiheft zu dieser CD dokumentiert.
Außerdem erklingen groß besetzte Kirchensonaten von Antonio Bertali (1605 bis 1669), Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704) und Johann Heinrich Schmelzer (um 1623 bis 1680). Das Label Audite hat dieses musikalische Ereignis aufgezeichnet – angesichts der Raumsituation kein einfaches Unterfangen, wie auch das gemeinsame Musizieren derart ver- teilter Ensembles nicht ganz unkompliziert ist. Der Zuhörer aber hat den akustischen Eindruck, mitten im Kirchenraum zu sitzen. Dieses Klang- erlebnis sollte man sich nicht entgehen lassen, zumal sowohl die Sänger der (professionellen) Cappella Murensis als auch die Mitwirkenden vom Trompetenconsort Innsbruck und Les Cornets Noirs sehr hörenswert musizieren.
Mittwoch, 9. März 2016
Muffat: Missa in labore requies (Pan Classics)
Montag, 22. Februar 2016
Muffat: Florilegium Primum 1695 (Challenge Classics)
Die erste Aufnahme des Ensembles für Challenge Classics galt nun dem Florilegium Primum von Georg Muffat ( 1653 bis 1704) aus dem Jahre 1695. Mit diesem Opus, das fünfzig einzelne „Blumen“ – überwiegend Tanzsätze – in sieben Suiten bündelt, den Fasciculi, bedankt sich der Komponist nach seinem Wechsel von Salzburg nach Passau bei seinem neuen Dienstherrn, Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg. Dieser habe durch seine „sothane Gnadenreiche erwärm- und Befeuchtigung so viel reiffende Krafft disen Blumen mitgetheilet, daß sie durch häufige Vermehrung zu Büschlein erwachsen, und zu einem Bund worden seyn.“
Kathrin Tröger und Jochen Grüner, Violine, Clarissa Miller und Lothar Haass, Viola, Günter Holzhausen, Violone und Veronika Braß, Cembalo, präsentieren die Suiten, die hörbar französischer Tradition entstammen, versiert, aber mit erstaunlich breitem Strich. Ein bisschen mehr Esprit und deutlich mehr Mut zum Rhythmus könnten sie meiner Ansicht nach schon vertragen.
Dienstag, 3. November 2015
Weichlein: Opus 1, 1695 (Alpha)
Allerdings wirkt die Musik, wie sie das Ensemble Masquerades auf dieser CD präsentiert, eher meditativ als vordergründig konzertant. Eine Ent- deckung ist das allemal; und vielleicht werden irgendwann einmal auch die nur handschriftlich überlieferten Werke von Romanus Weichlein erschlos- sen – es könnte sich lohnen.
Sonntag, 29. Juni 2014
Muffat: Componimenti Musicali (Naxos)
Muffat scheint ein brillanter Cembalist gewesen zu sein. Fux berichtet über ihn, er sei in der Oper und Kammermusik ein gefragter Begleiter gewesen; auch habe man bei Hofe seine Werke sehr geschätzt. Wer diese CD mit einer Auswahl seiner Kompositionen angehört hat, der wird sich erstaunt fragen, wieso ein solches Werk nur noch absoluten Insidern bekannt ist. Denn die Musik Muffats kann man Bach und Händel durchaus zur Seite stellen. Der Musiker, der Wien möglicher- weise niemals zu einer längeren Studienreise verlassen hat – ein Aufenthalt in Italien wird zwar vermutet, ließ sich aber bislang nicht belegen – bewegt sich flexibel zwischen dem deutschen, dem franzö- sischen und dem italienischen Stil.
Händel schätzte Muffats Musik derart, dass er Zitate daraus in seinen eigenen Werken verwendete. Naoko Akutagawa, eine hervorragende Cembalistin aus Japan, spielt hier Ausschnitte aus seinen ebenso virtuosen wie noblen Suiten, die er unter dem Titel Componimenti Musicali 1739 in Augsburg veröffentlicht hat. Dazu erklingen zwei „Parthien“, das sind ebenfalls Suiten, in Weltersteinspielung. Unbe- dingt anhören, denn sowohl die Werke als auch die Interpretation setzen Maßstäbe.
Montag, 15. Juli 2013
Alte Meister - In Bearbeitung durch Karl Straube (MDG)
Auch ohne Musikstudium ist Straube dann eine atemberaubende Karriere gelungen. 1897 wurde er Organist am Willibaldi-Dom in Wesel. 1903 übernahm er das Amt des Organisten an der Thomaskirche zu Leipzig, und er wurde zudem Dirigent des Chores des Leipziger Bachvereins, den er später in den Gewandhauschor integrierte. Seit 1907 lehrte er zudem Orgelspiel am Leipziger Konservatorium; Straube war auf Jahrzehnte der bedeutendste Orgellehrer Deutschlands, und prägte so die musikalische Landschaft bis in die 70er Jahre ganz entscheidend.
1918 wurde Karl Straube als Nachfolger von Gustav Schreck Thomas- kantor. 1919 gründete er das Kirchenmusikalische Institut Leipzig, das er nach dem Zweiten Weltkrieg entschlossen wieder etablierte und bis 1948 leitete. Sein Wirken ist geprägt durch die Suche nach dem perfekten Klang. Einerseits förderte er moderne Musik, wie die von Max Reger. Andererseits beschäftigte sich Straube intensiv mit den Werken der sogenannten Alten Meister – wie Buxtehude, Pachelbel, Muffat, aber auch Bach. Das führte ihn in der Konsequenz zur Abkehr von einer allzu romantischen Musik- auffassung.
Dabei nutzte Straube allerdings die klanglichen und spieltechnischen Möglichkeiten der spätromantischen Instrumente weidlich aus, die typischerweise über eine pneumatische Traktur und eine Crescendowalze verfügten. „Wie ich auf der Orgel artikulierte, habe ich in meiner Ausgabe ,Alte Meister des Orgelspiels’ vom Jahre 1904 und in der 1907 veröffent- lichten Sammlung ,Choralvorspiele alter Meister’ niederzulegen ver- sucht“, schrieb Straube schließlich in seinen Erinnerungen. „Ich gab damit Aufführungsvorschriften, die nicht einer nüchternen Überlegung am Schreibtisch entsprangen, sondern Ausdruck eines von dem nachprüfen- den Verstande kontrollierten, ursprünglich spontanen Empfindens waren.“
Domorganist Andreas Sieling hat einige der Werke aus Straubes Samm- lung „Alte Meister“ an der Großen Sauer-Orgel im Berliner Dom eingespielt – einem Instrument, das der Sauer-Orgel der Leipziger Thomaskirche so ähnlich ist, dass Sieling detailgetreu den Vorgaben Straubes folgen konnte. Der hatte seinen Notenband seinerzeit akribisch mit Angaben zu Register- wahl, Artikulation sowie zahlreichen dynamischen und agogischen Hin- weisen versehen.
Sieling zeigt, wie sein berühmter Kollege vor hundert Jahren Alte Musik auf die deutschen sinfonischen Großinstrumente „übersetzt“ hat. Diese brillante Interpretation der Interpretation erweist sich als ein spannendes musikhistorisches Experiment. Denn unsere Hörgewohnheiten lassen uns bei „Alter“ Orgelmusik, etwa von Georg Muffat, Johann Gottfried Walther, Johann Pachelbel oder Dieterich Buxtehude, andere Klänge erwarten. Lässt man sich auf die Version ein, die Sieling auf dieser CD präsentiert, dann wird man feststellen, dass die romantischen Klangfarben durchaus ihren Reiz haben.
Donnerstag, 5. Januar 2012
Muffat: Propitia Sydera - Concerti grossi (Stradivarius)
Sein Dienstherr scheint den Musi- ker geschätzt zu haben, denn er finanzierte ihm einen längeren Aufenthalt in Italien, wo Muffat bei Bernardo Pasquini, einem der besten Organisten und Cembalisten der damaligen Zeit, "die Welsche Manier auf dem Clavier erlernet". In Rom lernte Muffat unter ande- rem Arcangelo Corelli kennen, der ihn sehr beeindruckte und sein Werk prägte.
1690 ging Muffat nach Passau an den Hof des Kardinals Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg, wo er bis an sein Lebensende als Hof- kapellmeister und Pagenoberhofmeister wirkte. Muffat war ein Mittler zwischen der italienischen und der französischen Musiktradition. Dabei bewies er viel Stilgefühl, wie diese CD beweist: Das Ensemble La Concordanza, das von Irene De Ruvo am Cembalo geleitet wird, hat für Stradivarius einige seiner Werke im italienischen Stil eingespielt. Dabei handelt es sich um vier Concerti grossi und eine Sonata a violino solo - ein Solitär im Werk des Komponisten; vielleicht hat er das Werk für den berühmten Violinvirtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber geschrieben, der ebenfalls am Hof in Salzburg wirkte. Stefano Rossi, der erste Geiger von La Concordanza, trägt das Werk hier vor.
Die Werke Muffats verbinden italienische Leichtigkeit mit französi- scher Eleganz (und gelegentlich, vor allem im Orgelwerk, auch deut- scher Formstrenge). Diese Aufnahme macht uns auf wundervolle Musik aufmerksam, die bislang auch unerklärlichen Gründen nicht die Beachtung gefunden hat, die sie verdient. La Concordanza überzeugt mit einer Interpretation voll Charme und Delikatesse. Bravi!
Donnerstag, 21. Juli 2011
Salzburg Barock (Berlin Classics)
Nach Bibers Tod übernahm Matthias Siegmund Biechteler sein Amt; ihm folgte Carl Heinrich Biber nach. Wenig bekannt ist allerdings, dass Töchter dieser Kapellmeister in das Benediktinerinnenstift Nonnberg eingetreten sind, wo ebenfalls auf höchstem Niveau musiziert wurde. So wirkte die älteste Tochter Bibers dort 13 Jahre lang als Kapell- meisterin und Regens chori. Diese CD bietet gleich zwei Kostproben ihrer Kunst - und natürlich eine dramaturgisch geschickt zusammen- gestellte Auswahl von Werken der oben benannten Komponisten.
Sie werden von Emma Kirkby und den Musikern von Bell'arte Salz- burg in der erwarteten Qualität vorgetragen. Wer sich für - überwie- gend geistliche - Barockmusik begeistern kann, der sollte sich das Album unbedingt besorgen.













