Und noch eine weitere CD aus dem Hause Brilliant Classics rückt uns das Schaffen Georg Philipp Telemanns (1681 bis 1767) erfreulich ins Licht: Erik Bosgraaf hat mit seinem Ensem- ble Cordevento sowie mit weiteren Musikerfreunden Doppelkonzerte Telemanns eingespielt, in denen der Komponist Blockflöten zumindest einen Solopart zugeschrieben hat – mitunter sind es auch gleich beide.
Neben Bosgraaf, ohne Zweifel einer der besten Blockflötisten der Welt, brillieren die Solisten Anna Besson, Traversflöte, Yi-Chang Liang, Blockflöte, Robert Smith, Viola da gamba und Marije van der Ende, Fagott. Auch das Ensemble Cordevento spielt seinen Part exzellent. Das ist bei diesen Konzerten besonders wichtig, denn sie zeichnen sich durch einen lebhaften Dialog zwischen Solostimmen und Orchester aus.
Musiziert wird temperamentvoll und mit Leidenschaft. Bei Bosgraaf ist Telemanns Einfallsreichtum in besten Händen; nach seinem Album mit Blockflöten-Suiten und Konzerten setzt der Musiker mit dieser CD erneut einen Glanzpunkt.
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Samstag, 27. Mai 2017
Sonntag, 25. November 2012
In the World of Spirits (Naxos)
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Wer hört, wie perfekt hier musi- ziert wird, der staunt, wenn er dann liest, dass dieses Album von Studierenden und Musikschülern, verstärkt durch einige Alumni, eingespielt worden ist. Mehr als hundert junge Musiker haben bei den Proben und Aufnahmen im Sommer 2011 unter dem Namen Emory Symphonic Winds gemeinsam musiziert.
Das ist durchaus programmatisch zu nennen, denn mit dem klassi- schen Bläsersound hat der Klang dieses Ensembles eher wenig gemein. Und in dem Programm gibt es viel zu entdecken - von Gustav Holsts Christmas Day: Fantasy on Old Carols über Mysterium, ein Werk der 1962 geborenen Komponistin Jennifer Higdon, die sowohl mit dem Pulitzer-Preis als auch mit dem Grammy ausgezeichnet worden ist, bis hin zur kraftvollen Russian Christmas Music von Alfred Reed, der darin Motive aus der russisch-orthodoxen liturgi- schen Musik aufgreift. Die Titelmusik In the World of Spirits stammt von Bruce Broughton, der besonders als Komponist von Filmmusiken (Silverado) sehr erfolgreich ist. Die CD beginnt mit dem Symphonic Prelude on Adeste Fideles von Claude T. Smith - und endet schwung- voll mit Leroy Andersons berühmtem Sleigh Ride. Was man Blas- instrumenten doch an Klangfarben und Ausdruck entlocken kann! Diese CD wird nicht nur Experten verzaubern.
Sonntag, 16. September 2012
Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg (Pentatone)
Marek Janowski und das Rund- funk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) setzen den konzertanten Wagner-Zyklus mit zehn bedeu- tenden Bühnenwerken fort. Bei Pentatone sind vor einiger Zeit Die Meistersinger von Nürnberg er- schienen. Es handelt sich um den Livemitschnitt der Aufführung vom 3. Juni 2011 - und man muss sagen: Da ist dem Ensemble ein großer Wurf gelungen.
Das beginnt bei der wirklich erst- klassigen Besetzung, bis hinein in die kleinste Nebenrolle. Albert Dohmen ist ein grandioser Hans Sachs, doch selbst für den Nacht- wächter fand sich mit Matti Salminen ein großartiger Solist. Eigentlich müsste man hier die ganze Sängerriege preisen, die an dieser Aufnah- me mitgewirkt hat. Doch wer die Meistersinger kennt, der weiß um die Länge der Namensliste. So seien hier stellvertretend noch Robert Dean Smith als Ritter Walther von Stolzing benannt, der mit seinem Tenor das Ensemble angemessen überstrahlt, Edith Haller und Michelle Breedt als Eva und Magdalena. Erfreulich ist zudem, dass Dietrich Henschel den Sixtus Beckmesser ziemlich ernsthaft singt, und es weitgehend der Musik überlässt, aufzuzeigen, wie komisch dieser Stadtschreiber ist. Im deutschen Stadttheater wird diese Rolle bedauerlicherweise oft zur Knallcharge - hier kann man erleben, wieviel Potential sie eigentlich hat.
Großartig sind auch die Chöre, die der Rundfunkchor Berlin, bestens präpariert durch Chorleiter Eberhard Friedrich, kraftvoll und lustvoll zelebriert. Und Marek Janowski ist auf dem besten Wege, mit dem RSB eine Legende zu erschaffen. Statt die Ohren mit Geheimnis- gewaber und Klangmulm zuzukleistern, erfreut dieser Dirigent durch Strukturen; an die Seite der Leitmotive stellt Janowski die Klangrede - was sich bei dieser Oper geradezu anbietet. Köstlich gelingt so die Szene vor Sachs' Werkstatt, wo Eva erst versucht, den Meister auszu- horchen, dann auf Walther trifft, wo Beckmesser sein Ständchen leiert - ständig gestört von den Hammerschlägen des Schusters - und schließlich die Prügelei losbricht, wohl nicht so ganz zufällig, wie die Musik verrät. Das alles wird phänomenal differenziert umgesetzt; man fühlt sich manchmal beinahe wie in einem Hörspiel. So lebendig war Wagner selten zu hören. Auf die Aufführung des gesamten kompletten Ring des Nibelungen in der Saison 2012/13, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, darf man sich schon freuen. Janowski hat den Ring in den 80er Jahren bereits einmal mit der Staatskapelle Dresden ein- gespielt. Diese Version gilt bis heute als Referenzaufnahme.
Das beginnt bei der wirklich erst- klassigen Besetzung, bis hinein in die kleinste Nebenrolle. Albert Dohmen ist ein grandioser Hans Sachs, doch selbst für den Nacht- wächter fand sich mit Matti Salminen ein großartiger Solist. Eigentlich müsste man hier die ganze Sängerriege preisen, die an dieser Aufnah- me mitgewirkt hat. Doch wer die Meistersinger kennt, der weiß um die Länge der Namensliste. So seien hier stellvertretend noch Robert Dean Smith als Ritter Walther von Stolzing benannt, der mit seinem Tenor das Ensemble angemessen überstrahlt, Edith Haller und Michelle Breedt als Eva und Magdalena. Erfreulich ist zudem, dass Dietrich Henschel den Sixtus Beckmesser ziemlich ernsthaft singt, und es weitgehend der Musik überlässt, aufzuzeigen, wie komisch dieser Stadtschreiber ist. Im deutschen Stadttheater wird diese Rolle bedauerlicherweise oft zur Knallcharge - hier kann man erleben, wieviel Potential sie eigentlich hat.
Großartig sind auch die Chöre, die der Rundfunkchor Berlin, bestens präpariert durch Chorleiter Eberhard Friedrich, kraftvoll und lustvoll zelebriert. Und Marek Janowski ist auf dem besten Wege, mit dem RSB eine Legende zu erschaffen. Statt die Ohren mit Geheimnis- gewaber und Klangmulm zuzukleistern, erfreut dieser Dirigent durch Strukturen; an die Seite der Leitmotive stellt Janowski die Klangrede - was sich bei dieser Oper geradezu anbietet. Köstlich gelingt so die Szene vor Sachs' Werkstatt, wo Eva erst versucht, den Meister auszu- horchen, dann auf Walther trifft, wo Beckmesser sein Ständchen leiert - ständig gestört von den Hammerschlägen des Schusters - und schließlich die Prügelei losbricht, wohl nicht so ganz zufällig, wie die Musik verrät. Das alles wird phänomenal differenziert umgesetzt; man fühlt sich manchmal beinahe wie in einem Hörspiel. So lebendig war Wagner selten zu hören. Auf die Aufführung des gesamten kompletten Ring des Nibelungen in der Saison 2012/13, zum 200. Geburtstag Richard Wagners, darf man sich schon freuen. Janowski hat den Ring in den 80er Jahren bereits einmal mit der Staatskapelle Dresden ein- gespielt. Diese Version gilt bis heute als Referenzaufnahme.
Montag, 2. Juli 2012
Arias for Guadagni (Hyperion)
Die Paraderolle des Kastraten Gae- tano Guadagni (1728 bis 1792) war der Orpheus - Gluck hat seine Oper Orfeo ed Euridice für diesen Sänger geschaffen, was nicht ohne Risiko war: "Die Rolle passte ihm wie an- gegossen", meinte Textdichter Calzabigi, "in anderer Hand wäre sie eine Katastrophe gewesen."
Und obwohl sich das Traumteam Gluck-Calzabigi-Guadagni schon wenig später, nach dem Misserfolg der Oper Telemaco, in der der Kastrat ebenfalls die Titelrolle sang, erledigt hatte, behielt der Sänger die Partie des Orpheus mehr als 20 Jahre lang in seinem Repertoire. Dass er sich mit dieser Figur derart identifizierte, mag auch in seiner Biographie begründet liegen.
Guadagni stammte aus einer Musikerfamilie; auch die drei Schwe- stern und sein Bruder waren Opernsänger. Der Kastrat begann seine Karriere 1746 als Mitglied des renommierten Chores der Basilika des Heiligen Antonius zu Padua. Zugleich sang er aber mit Begeisterung Opern, was dazu führte, dass er seine Stelle in der cappella bald wieder verlor. 1748 kam der Sänger mit einer Buffa-Truppe nach London. Sie ging dort bald bankrott, doch Guadagni wurde Händel vorgestellt, der von seiner Stimme sehr angetan war.
Diese CD enthält eine Reihe von Arien, die der Komponist speziell für den Kastraten geschrieben hat. Sie zeigen, dass er keineswegs nur die Phrasierung und das Legato-Singen in großen Bögen exzellent beherrschte. Auch Koloraturen und Verzierungen wusste er offenbar kunstvoll zu gestalten.
In den europäischen Musikmetropolen wurde Guadagni bald schon gefeiert. So sang er unter anderem in Paris und Versaille, in Wien, München - und in Padua, wo er 1768 in Gnaden wieder aufgenommen und mit einem Gehalt ausgestattet wurde, das deutlich über dem des Konzertmeisters Tartini und auch des Kapellmeisters Valotti lag. An seinen Konzertreisen störte sich nun niemand mehr. Guadagni war ein Star. Davon profitierte seine Wahlheimat Padua, denn der Künst- ler glänzte nicht nur mit seinem Gesang an den großen Kirchenfesten. Er stiftete zudem große Summen und kümmerte sich um städtische Projekte.
Auch Iestyn Davies begann seine Karriere in einem Chor: Er war choral scholar im St. John's College der Cambridge University, wo er zunächst Archäologie und Anthropologie studierte, bevor er sich dazu entschloss, an die Royal Acadamy of Music zu wechseln. Mittlerweile hat der Countertenor bedeutende Partien an etlichen wichtigen Opernhäusern dieser Welt gesungen. Mit dem Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen hat Davies bereits Kantaten von Porpora aufgenommen; die Guadagni-Arien führen diese erfreuliche Zusammenarbeit nun in der denkbar schönsten Weise weiter. Hier sind Partner am Werk, die aufeinander hören, und miteinander gestalten - und das Ergebnis begeistert einmal mehr. Die eingestreute Orchester-Sinfonie in D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach zeigt zudem, dass auch Arcangelo durchaus spannende Akzente zu setzen versteht. Von diesen jungen Musikern darf man noch viel erwarten.
Und obwohl sich das Traumteam Gluck-Calzabigi-Guadagni schon wenig später, nach dem Misserfolg der Oper Telemaco, in der der Kastrat ebenfalls die Titelrolle sang, erledigt hatte, behielt der Sänger die Partie des Orpheus mehr als 20 Jahre lang in seinem Repertoire. Dass er sich mit dieser Figur derart identifizierte, mag auch in seiner Biographie begründet liegen.
Guadagni stammte aus einer Musikerfamilie; auch die drei Schwe- stern und sein Bruder waren Opernsänger. Der Kastrat begann seine Karriere 1746 als Mitglied des renommierten Chores der Basilika des Heiligen Antonius zu Padua. Zugleich sang er aber mit Begeisterung Opern, was dazu führte, dass er seine Stelle in der cappella bald wieder verlor. 1748 kam der Sänger mit einer Buffa-Truppe nach London. Sie ging dort bald bankrott, doch Guadagni wurde Händel vorgestellt, der von seiner Stimme sehr angetan war.
Diese CD enthält eine Reihe von Arien, die der Komponist speziell für den Kastraten geschrieben hat. Sie zeigen, dass er keineswegs nur die Phrasierung und das Legato-Singen in großen Bögen exzellent beherrschte. Auch Koloraturen und Verzierungen wusste er offenbar kunstvoll zu gestalten.
In den europäischen Musikmetropolen wurde Guadagni bald schon gefeiert. So sang er unter anderem in Paris und Versaille, in Wien, München - und in Padua, wo er 1768 in Gnaden wieder aufgenommen und mit einem Gehalt ausgestattet wurde, das deutlich über dem des Konzertmeisters Tartini und auch des Kapellmeisters Valotti lag. An seinen Konzertreisen störte sich nun niemand mehr. Guadagni war ein Star. Davon profitierte seine Wahlheimat Padua, denn der Künst- ler glänzte nicht nur mit seinem Gesang an den großen Kirchenfesten. Er stiftete zudem große Summen und kümmerte sich um städtische Projekte.
Auch Iestyn Davies begann seine Karriere in einem Chor: Er war choral scholar im St. John's College der Cambridge University, wo er zunächst Archäologie und Anthropologie studierte, bevor er sich dazu entschloss, an die Royal Acadamy of Music zu wechseln. Mittlerweile hat der Countertenor bedeutende Partien an etlichen wichtigen Opernhäusern dieser Welt gesungen. Mit dem Ensemble Arcangelo unter Jonathan Cohen hat Davies bereits Kantaten von Porpora aufgenommen; die Guadagni-Arien führen diese erfreuliche Zusammenarbeit nun in der denkbar schönsten Weise weiter. Hier sind Partner am Werk, die aufeinander hören, und miteinander gestalten - und das Ergebnis begeistert einmal mehr. Die eingestreute Orchester-Sinfonie in D-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach zeigt zudem, dass auch Arcangelo durchaus spannende Akzente zu setzen versteht. Von diesen jungen Musikern darf man noch viel erwarten.
Mittwoch, 6. Juni 2012
Wagner: Der fliegende Holländer (Pentatone)
Einen konzertanten Wagner-Zyklus haben das Rundfunk-Sinfonie- orchester Berlin und Marek Ja- nowski vor zwei Jahren mit der Oper Der fliegende Holländer be- gonnen. Der Mitschnitt der konzer- tanten Aufführung vom 13. No- vember 2010 ist mittlerweile bei Pentatone Classics erschienen.
Der Dirigent hat bereits einen Ring mit der Staatskapelle Dresden eingespielt, der viel Lob erhielt - und auch viel Bedauern, weil hier und da ein Sänger nicht ganz so perfekt passte. Für den Berliner Wagner-Zyklus hingegen steht Janowski die internationale Wagner-Sängerelite zur Verfügung. Und weil auf eine szenische Deutung verzichtet wird, konzentriert sich diese Aufführung allein auf die Musik.
Das hat Vorteile. So wird die Kontemplation des Zuhörers nicht durch schnöde Bühnengeräusche gestört. Und der Dirigent ist ganz Herr der Interpretation; er muss sich nicht mit beispielsweise einem Regisseur abstimmen, der möglicherweise Figuren und Situationen ganz anders anlegen möchte. Hier zählt die Partitur - und nur die Partitur. Nie zuvor hat man beispielsweise eine Senta und einen Holländer gehört, die im großen Duett, im zweiten Akt, derart aneinander vorbeisingen. Das hat Format. Und musiziert wird durchweg großartig, das Orche- ster folgt Janowski mit einer Hingabe, die sich auszahlt.
Die Sänger sind ganz überwiegend exzellent, allen voran Matti Salmi- nen, der seinen Daland als braven Familienvater singt, durch und durch bieder, und auf Sicherheit und Wohlstand bedacht. Während er die Schätze des Holländers betrachtet und ihm von seiner Tochter schwärmt, kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass er sie soeben ver- schachtert wie eine Ware.
Albert Dohmen als Holländer hat die notwendige Tiefe und Leiden- schaft; Überdruss und Verzweiflung nimmt man ihm ab. Das gilt übrigens auch für den Jäger Erik, der hier von dem Tenor Robert Dean Smith kraftvoll männlich gezeigt wird und nicht als softer Jammerlappen, wie auf der Bühne nur zu oft zu erleben. Gegen das Traumbild aber kommt der Freund aus Kindertagen nicht an, und so scheitert sein Versuch, um seine Liebe zu kämpfen.
Ricarda Merbeth singt die Senta; in der Spinnstube kann sie überzeu- gen, aber in den großen Ensembles hat die Stimme ihre Grenzen hörbar erreicht - und der Text, bei Wagner stets im Zentrum der Interpretation, wird vollkommen unverständlich. Schade. Gern lauscht man hingegen Silvia Hablowetz als Amme Mary und Steve Davislim als Steuermann. Diese beiden "kleinen" Partien sind absolut stimmig besetzt.
Der eigentliche Star dieser Aufführung aber ist der Rundfunkchor Berlin, geleitet von Eberhard Friedrich. Die Chöre sind eine Wucht - und das ist eine Stärke dieser Aufnahme, denn einen derart großen Chor dieser Qualität können selbst bedeutende Opernhäuser übli- cherweise nicht bieten.
Die Schwächen der Aufnahme? Nun, Wagners Holländer ist für die Bühne geschrieben. Seine Musik ist durch und durch szenisch. Und es ist doch zu spüren, dass aufgrund der konzertanten Aufführungs- situation die Intensität nicht das Niveau erreicht, das man von einem Opernabend erhofft. Das aber macht den eigentlichen Zauber einer solchen Aufnahme aus. Insofern kann ich die grenzenlose Begeiste- rung einiger Kritikerkollegen nicht wirklich teilen.
Der Dirigent hat bereits einen Ring mit der Staatskapelle Dresden eingespielt, der viel Lob erhielt - und auch viel Bedauern, weil hier und da ein Sänger nicht ganz so perfekt passte. Für den Berliner Wagner-Zyklus hingegen steht Janowski die internationale Wagner-Sängerelite zur Verfügung. Und weil auf eine szenische Deutung verzichtet wird, konzentriert sich diese Aufführung allein auf die Musik.
Das hat Vorteile. So wird die Kontemplation des Zuhörers nicht durch schnöde Bühnengeräusche gestört. Und der Dirigent ist ganz Herr der Interpretation; er muss sich nicht mit beispielsweise einem Regisseur abstimmen, der möglicherweise Figuren und Situationen ganz anders anlegen möchte. Hier zählt die Partitur - und nur die Partitur. Nie zuvor hat man beispielsweise eine Senta und einen Holländer gehört, die im großen Duett, im zweiten Akt, derart aneinander vorbeisingen. Das hat Format. Und musiziert wird durchweg großartig, das Orche- ster folgt Janowski mit einer Hingabe, die sich auszahlt.
Die Sänger sind ganz überwiegend exzellent, allen voran Matti Salmi- nen, der seinen Daland als braven Familienvater singt, durch und durch bieder, und auf Sicherheit und Wohlstand bedacht. Während er die Schätze des Holländers betrachtet und ihm von seiner Tochter schwärmt, kommt ihm gar nicht in den Sinn, dass er sie soeben ver- schachtert wie eine Ware.
Albert Dohmen als Holländer hat die notwendige Tiefe und Leiden- schaft; Überdruss und Verzweiflung nimmt man ihm ab. Das gilt übrigens auch für den Jäger Erik, der hier von dem Tenor Robert Dean Smith kraftvoll männlich gezeigt wird und nicht als softer Jammerlappen, wie auf der Bühne nur zu oft zu erleben. Gegen das Traumbild aber kommt der Freund aus Kindertagen nicht an, und so scheitert sein Versuch, um seine Liebe zu kämpfen.
Ricarda Merbeth singt die Senta; in der Spinnstube kann sie überzeu- gen, aber in den großen Ensembles hat die Stimme ihre Grenzen hörbar erreicht - und der Text, bei Wagner stets im Zentrum der Interpretation, wird vollkommen unverständlich. Schade. Gern lauscht man hingegen Silvia Hablowetz als Amme Mary und Steve Davislim als Steuermann. Diese beiden "kleinen" Partien sind absolut stimmig besetzt.
Der eigentliche Star dieser Aufführung aber ist der Rundfunkchor Berlin, geleitet von Eberhard Friedrich. Die Chöre sind eine Wucht - und das ist eine Stärke dieser Aufnahme, denn einen derart großen Chor dieser Qualität können selbst bedeutende Opernhäuser übli- cherweise nicht bieten.
Die Schwächen der Aufnahme? Nun, Wagners Holländer ist für die Bühne geschrieben. Seine Musik ist durch und durch szenisch. Und es ist doch zu spüren, dass aufgrund der konzertanten Aufführungs- situation die Intensität nicht das Niveau erreicht, das man von einem Opernabend erhofft. Das aber macht den eigentlichen Zauber einer solchen Aufnahme aus. Insofern kann ich die grenzenlose Begeiste- rung einiger Kritikerkollegen nicht wirklich teilen.
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