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Dienstag, 29. März 2016

Hummel: Mozart's Symphonies Nos. 36 Linz, 35 Haffner and 41 Jupiter - Arranged for Flute, Violin, Cello and Piano (Naxos)

Und weil es so schön ist, soll an dieser Stelle gleich noch eine weitere Aufnahme von Arrangements von Johann Nepomuk Hummel nach Werken seines Lehrers Wolfgang Amadeus Mozart vorgestellt werden – diesmal sind es Sinfonien, die Hummel elegant für ein kleines Ensemble bearbeitet hat. Uwe Grodd, Flöte, Friedemann Eichhorn, Violine, Martin Rummel, Violoncello, und Roland Krüger, Klavier, haben bei Naxos mittlerweile auf zwei CD die Sinfonien mit den Nummern 38 bis 40 sowie die Nummern 36, bekannt als Linzer Sinfonie, 35,  Haffner-Sinfonie, und 41, Jupiter-Sinfonie, veröffentlicht. 
Diese Bearbeitungen Hummels sind sehr gelungen. Dank der gekonnten Instrumentierung bewahren sie erstaunlich viel von den Klangfarben des jeweiligen Originals, und sie vermitteln trotz der kleinen Besetzung nicht den Eindruck, dass es sich um eine Notlösung oder ein Arrangement für den Hausgebrauch handelt. Die vier Musiker tragen mit einer exzellenten Interpretation das Ihre dazu bei, wieder ein Publikum für diese attraktiven Werke zu begeistern. Unbedingt anhören, es lohnt sich! 

Montag, 9. November 2015

Michael: Musicalische Seelenlust (Raumklang)

Tobias Michael (1592 bis 1657) war den Sohn des Dresdner Hofkapell- meisters Rogier Michael. Seine musikalische Laufbahn begann er 1601 als Sängerknabe in der Hofkapelle; 1609 schickte ihn der Kurfürst zur weiteren Ausbildung an die Landesschule in Pforta. Anschließend studierte Michael ab 1613 erst in Wittenberg, und dann in Jena. 1619 erhielt er die Stelle des Kapellmeisters an einer soeben neu errichteten Kirche in Sondershausen. 1621 fielen allerdings das Schloss und fast die gesamte Stadt einem verheerenden Brand zum Opfer; danach setzten seine Dienstherren, die Grafen zu Schwarzburg, die den Musiker ungern ziehen lassen wollten, Michael als Kanzleibeamten ein. 
Nach dem Tode von Johann Hermann Schein wurde Tobias Michael 1631 zum neuen Thomaskantor gewählt. So konnte er aus dem bedrängten Sondershausen nach Leipzig umziehen, wo er trotz Krieg und Seuchen dafür sorgte, dass das Kantorat an Bedeutung gewann – und dass die Thomaner wieder erstklassig sangen. So widmete Heinrich Schütz, der neue Hofkapellmeister in Dresden, der Stadt Leipzig und ihrem „berühmbten Chor“ seine Geistliche Chormusik von 1648. Der erzielte Qualitätszuwachs ist umso erstaunlicher, wenn man in der Leichpredigt liest, dass Tobias Michael in seinen 30 letzten Lebensjahren immer wieder von schweren Gichtanfällen geplagt wurde, und zum Schluss das Krankenlager gar nicht mehr verlassen konnte. 
Das bedeutendste Werk Michaels ist die Musicalische Seelenlust, 1634/35 und 1637 in zwei Teilen im Druck veröffentlicht. Der erste Teil enthält 30 geistliche Madrigale – biblische Texte in Vertonungen für fünf Stimmen, gesetzt nach dem seinerzeit innovativen italienischen Vorbild. Insofern erinnert dieser Teil an Scheins berühmtes Israelsbrünnlein. Im zweiten Teil fasste Michael 50 geistliche Konzerte für sehr unterschiedliche Besetzungen zusammen. Auf dieser CD erklingen Werke aus beiden Teilen, vorgetragen vom Ensemble Polyharmonique.

Donnerstag, 24. September 2015

Rode: Violin Concertos Nos. 1, 5 and 9 (Naxos)

Pierre Rode (1774 bis 1830) gehört zu den Vätern der französischen Violinschule. Er kam in Bordeaux als Sohn eines Parfumeurs zur Welt. Sein musikalisches Talent wurde schon früh erkannt und gefördert; sein erster Lehrer war André-Joseph Fauvel, der den begabten Jungen 1787 nach Paris brachte. Dort unterrichtete ihn Giovanni Battista Viotti, der ihn bald schon zu seinem Meisterschüler machte. 
Von 1789 bis 1792 musizierte Rode im Orchester am Théâtre de Monsieur; 1792 spielte er bei den traditionellen Passionskonzerten sehr erfolgreich als Solist. Das war der Startschuss für eine Karriere als reisender Virtuose. Außerdem wurde Rode im November 1795 als Professor an das neu gegründete Pariser Conservatoire berufen. Dort erarbeitete er gemeinsam mit seinen Kollegen Pierre Baillot und Rodolphe Kreutzer eine Méthode du violon; dieses bedeutende Lehrwerk wurde 1802 veröffentlicht. Als Solist war Rode ebenfalls sehr erfolgreich. Er wirkte als Konzertmeister und Sologeiger an der Pariser Oper, und musizierte als Solist in der Privatkapelle Napoleons. Von 1804 bis 1808 hielt er sich in Russland auf, wo er vom Zaren zum Hofgeiger ernannt wurde. 
Doch nach seiner Rückkehr konnte er an seinen früheren Erfolg nicht an- knüpfen. So konstatierte der Virtuose Louis Spohr, der Rode sehr verehrte, in seiner Selbstbiographie: „Ich fand sein Spiel jetzt kalt und manierirt, vermisste die frühere Kühnheit in Besiegung großer Schwierigkeiten und fühlte mich besonders unbefriedigt vom Vortrage des Cantabile.“ 
Rode reiste wieder durch Europa. In Berlin heiratete er, und stand in engem Kontakt zur Familie Mendelssohn. 1819 kehrte er zurück in die Umgebung von Bordeaux, wo er die Jahre mehr oder minder im Ruhestand verbrachte. 1828 versuchte Rode noch einmal, in Paris ein Konzert zu geben – und erlebte damit eine solche Katastrophe, dass einige seiner Biographen darin die Ursache für den frühen Tod des Geigers 1830 sehen. 
Pierre Rode hat auch komponiert, nahezu ausschließlich Musik für Violine, darunter die berühmten 24 Capricen, aber auch Sonaten, Quartette und 13 Konzerte. Erstaunlicherweise sind diese anspruchsvollen Werke bislang auf CD gar nicht und auch nur teilweise als Noteneditionen erhältlich gewesen. Friedemann Eichhorn, Professor an der Hochschule für Musik in Weimar und Leiter der Meisterkurse an der renommierten Kronberg Academy, hat die Konzerte Rodes neu ediert und gemeinsam mit der Jenaer Philharmonie unter Nicolás Pasquet bei Naxos eingespielt. Mittlerweile ist die Serie mit vier CD komplett. 
Es sind tatsächlich Weltersteinspielungen – was angesichts der herrlichen Melodien erstaunt. Wie kann derartige Musik komplett in Vergessenheit geraten? Eichhorn hat sie nun in Zusammenarbeit mit Pasquet und mit dem größten Konzertorchester Thüringens zurück auf die Bühne gebracht. Das war ganz sicher ein langer Weg, doch das Ergebnis ist überaus erfreulich. Rodes Konzerte sind ansprechend, und technisch sehr anspruchsvoll – eine lohnende Aufgabe für Violinvirtuosen, die heute wahrscheinlich, was die reine Fingerfertigkeit betrifft, so versiert sind wie nie zuvor. Man darf sich also wünschen, dass man diese Musik in Zukunft auch wieder im Konzertsaal hören kann. Und wer Spaß an musikalischen Knobeleien hat, der wird Eichhorns Kadenzen mit doppeltem Vergnügen lauschen. Großen Dank an die Musiker – und gern mehr davon. 

Samstag, 12. März 2011

Friedrich Hermann: 3 Capriccios, Grand Duo Brillant, Suite in D minor (Naxos)

Diese CD erweist sich als eine ganz erstaunliche Sammlung musikali- scher Schätze. Sie startet rasant mit Hermanns Burleske op. 9 für drei Violinen - und der Hörer be- ginnt zu schmunzeln, denn aus dem Lautsprecher tönen Varia- tionen über das Lied O du lieber Augustin - und was für welche! Der Geiger und Bratschist Friedrich Valentin Hermann (1828 bis 1907) erweist sich schon in diesem ersten Stückchen, das nicht einmal fünf Minuten lang ist, als Miniaturist von allergrößtem Format. Hermann, der aus Frankfurt/Main stammt, hat in Leipzig bei Moritz Hauptmann, Niels Wilhelm Gade, Felix Men- delssohn Bartholdy und Ferdinand David studiert. Anschließend trat er als Bratschist ins Gewandhaus-Orchester ein, wo er mehr als dreißig Jahre lang spielte - bald auch als 1. Bratscher und als Mitglied des Gewandhaus-Quartetts. Ab 1848 unterrichtete er zudem am Leipziger Konservatorium, 1883 wurde er zum Professor ernannt. 
Seine Kompositionen zeugen von seinem exzellenten Handwerk ebenso wie von einem herausragenden Humor und großer Liebe zum Instrument. Denn Hermann arrangiert stets so, dass die Stärken der Streichinstrumente voll zur Geltung kommen - und dass die Partien trotz aller Brillanz halbwegs fingerfreundlich bleiben. Mendelssohn- sche Klangwelten und Paganinis Virtuosität kombinieren die drei Capriccios op. 2, 5 und 13, ebenfalls für drei Violinen, und die Suite in d-Moll für drei Violinen op. 17 zeigt, wie sich mit drei gleichgestimm- ten Streichern ein geradezu orchestrales Gefüge aufbauen lässt. Eine Entdeckung ist auch das Grand Duo Brillant in g-Moll für Violine und Violoncello op. 12, das Hermann Louis Spohr gewidmet hat - aber möglicherweise ist es für das gemeinsame Musizieren mit einem Kollegen entstanden. Denn nicht nur der Geiger, sondern auch der Cellist bekommt hier gut zu tun. 
Friedemann Eichhorn und Reto Kuppel, Violine, Alexia Eichhorn, Violine und Viola,  sowie Alexander Hülshoff am Violoncello haben hier Kabinettstückchen ausgegraben, die doch tatsächlich größten- teils noch nie eingespielt worden sind. Diese CD beschließen sie mit zwei Werken von Johann Paul Eichhorn (1787 bis 1861), die sich ebenfalls als kleine Perlen erweisen, aber aus dem Repertoire voll- kommen verschwunden waren. 
Eichhorn war der Ausgangspunkt einer Musikerdynastie aus den fränkischen Coburg. Der Sohn eines Leinewebers brachte sich selbst das Geigenspiel bei, und spielte - nach der Arbeit am Webstuhl - auf dem Dorf zum Tanz auf. Dann wurde er zum Militär eingezogen. Weil er unbedingt eine Anstellung in der Militärkapelle erreichen wollte, übte er auf Horn und Posaune - und erhielt 1810 eine Stelle als Bläser in der Coburger Hofkapelle. Zwei seiner Kinder waren sehr talentiert, und reisten schließlich als geigende Wunderkinder bis an den Zaren- hof. Die zwei Stücke sind für die beiden geschrieben - doch das erkennt man nur daran, dass jene technischen Elemente fehlen, für die unbedingt Erwachsenenhände erforderlich sind. Die Knaben, noch im Grundschulalter, die durch ihren Vater auf der Viola begleitet wurden, dürften mit diesen Bravourstückchen ihre Zuhörer ganz erheblich beeindruckt haben. 

Samstag, 12. Februar 2011

Encores & more (Solo Musica)

Ein Violinkonzert vor hundert Jahren hatte ein gänzlich anderes Programm, als wir das heute gewohnt sind: Nach einem meist barocken "Einspielstück" folgte eine große Violinsonate aus dem klassischen oder romantischen Repertoire, oder aber ein Violin- konzert - mit Klavierbegleitung. Der zweite Teil des Abends war dann üblicherweise kurzen Charak- terstücken vorbehalten, mit denen Virtuosen wie Jascha Heifetz oder Fritz Kreisler gern brillierten, und ihr Publikum höchst angenehm unterhielten. 
Sie haben auch selbst solche Piècen komponiert, oder Werke anderer Komponisten entsprechend arrangiert. Diese Doppel-CD hält da so manche Überraschung bereit, wie Bearbeitungen, in denen Heifetz Aram Chatschaturjans Säbeltanz, Sergej Rachmaninoffs Daisies oder George Gershwins It ain't necessarily so auf die musikalische Spitze treibt. Gern soll der Geiger auch Edward Elgars La Capricieuse gespielt haben - dieses Stück findet sich ebenfalls auf diesen beiden CD, die einen zwölfteiligen Konzertzyklus zusammenfassen, in dem Friedemann Eichhorn, Violine, und Peer Findeisen, Klavier, 1997/98 in den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim Werke aus den verschie- densten musikalischen Kulturkreisen vorstellten. 
Die erste CD gibt das "Ungarn-Konzert" wieder, und die zweite CD enthält ausgewählte Werke aus den anderen Programmen. Dass das Publikum enthusiastisch reagierte, wird der Hörer ebenfalls fest- stellen. Das ist kein Wunder, denn Eichhorn und Findeisen spielen mitreißend. Schon das erste Stück, die Konzertpolka Le Canari von Myron Poliakin, lässt aufhorchen. Spätestens das schmissig musi- zierte Grand Duo concertant Searle 128 sur la Romance de M. Lafont "Le Marin" von Franz Liszt aber strahlt so viel Spielfreude und Temperament aus, dass man sich auf jedes weitere Stück zu freuen beginnt. Bravi! 

Donnerstag, 21. Januar 2010

Servais with Ghys, Léonard, Vieuxtemps: Duos for Cello and Violin (Naxos)


Adrien Francois Servais (1807 - 1866) galt als "Paganini des Violoncellos" - und diese CD zeigt, warum. Denn wer diese Stücke hört, der kann kaum glauben, dass diese Klanglawinen von nur zwei Soloinstrumenten hervorgebracht werden - und nicht mindestens von einem Streichquartett, oder sogar von einem kleinen Orchester.
Kaskaden von Doppelgriffen, oft auf Violine und Cello zugleich, gebrochene Akkorde in rasantem Tempo zur Begleitung der jeweils melodie-führenden Stimme, Texturen, die bis zu nahezu orchestraler Dichte ausgefüllt werden, rasch wechselndes pizzicato- und arco-Spiel sowie simultane Kadenzen - diese Stücke sind ganz eindeutig von Virtuosen für Virtuosen geschrieben, um ein kunstsinniges Publikum zu begeistern.
Friedemann Eichhorn, Violine, und Alexander Hülshoff, Violoncello, sind den irrwitzigen technischen Anforderungen, die diese Werke stellen, jederzeit voll gewachsen. Mit Begeisterung hüpfen sie von Flageolett zu Flageolett, und mit einer Prise Ironie würzen sie jene Passagen, die man heutzutage als Übertreibung, als - pardon! - Virtuosenmätzchen empfinden mag. So gelingt ihnen eine lebendige Interpretation all jener Grand Duos und Variationes brillantes et concertantes, die typische Bestandteile des romantischen Repertoires waren, aber später aus den Konzertsälen verschwanden, weil sie aufgrund ihrer demonstrativen Virtuosität als oberflächlich in Verruf gerieten. Fürs Museum aber sind diese köstlichen Stücke in der Tat zu schade.