Der Traum von einer harmonischen Welt kennzeichnet alle Werke, die Albrecht Mayer für seine jüngste Einspielung ausgesucht hat: „Wie reagiert man als emotionaler, fühlend-romantischer Komponist, wenn man mit der Kriegssituation und einer zerstörten Heimat konfrontiert wird?“, fragt sich der Oboist. „Dieser Gedanke und die damit verbundene Sehnsucht nach Schönheit vereint alle Stücke auf diesem Album.“
Die Musik, die Mayer auf dieser CD zusammengetragen hat, ist alles andere als leichtgewichtig. So schrieb Richard Strauss (1864 bis 1949) kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs sein einziges Oboenkonzert, „ein Stück voller Schönheiten, vielleicht eine Ahnung vom Paradies“, begeistert sich Mayer. Der Komponist selbst nannte das Werk eine „Werkstattarbeit“, geschrieben, „damit das vom Taktstock befreite rechte Handgelenk nicht vorzeitig einschläft“.
Die Nachkriegssituation spiegelt das Konzert für Oboe und kleines Orchester eher indirekt: „Das ist eines der wenigen Stücke von Strauss, bei denen ich nirgends den Ansatz einer Doppelbödigkeit erkennen kann“, meint Mayer. „Vielmehr verlangt dieses Stück ein Höchstmaß an Mühelosigkeit, womöglich schwebte Strauss selbst beim Komponieren so etwas wie die reine Fülle des Wohllauts vor.“
Albrecht Mayer spielt dieses Konzert, das von Anfang bis Ende höchste Anforderungen an den Solisten stellt, mit einem wunderschönen, runden Ton, herrlicher Kantilene und geradezu magischer Schwerelosigkeit. Er lässt den Hörer zu keinem Zeitpunkt daran denken, dass es sich dabei um eines der anspruchsvollsten Werke der gesamten Oboen-Literatur handelt.
In den Bamberger Symphonikern unter Jakub Hrůša steht dem Oboisten dabei ein erstklassiges Orchester als Musizierpartner zur Seite. Man kennt sich, und man schätzt sich: Mayer begann dort seinerzeit 1990 als Solo-Oboist seine Karriere.
An den Anfang seines Programmes, vor das Strauss-Konzert, stellte Mayer Edward Elgars (1857 bis 1934) Soliloquy. Dabei handelt es sich um eine Elegie, die lange Fragment geblieben ist. Erst 1967 erklang sie in einer vervollständigten Fassung von Gordon Jacob erstmals öffentlich – gespielt von Léon Goossens.
Für diesen Oboenvirtuosen schrieb sein Bruder Eugène Goossens (1893 bis 1962) ein ebenfalls höchst anspruchsvolles Konzert, das Mayer am Schluss seiner CD platzierte. „Man stelle sich vor, Strawinksy hätte ein Konzert für Oboe geschrieben, mit einer Prise britischen Humors gewürzt und um einige regionale Klangzutaten ergänzt“, so beschreibt der Oboist diese Musik.
Mein ganz persönlicher Favorit aber, neben dem Strauss-Konzert, ist die Neubearbeitung von Maurice Ravels (1875 bis 1937) Le Tombeau de Couperin für Oboe und Orchester. Das Arrangement stammt von Joachim Schmeißer, und es ist unglaublich gut. Ravel nutzte die Tradition, verstorbenen Musikern ein Tombeau, eine Trauermusik, zu schreiben. Doch in dem Stück geht es nur vordergründig um Couperin und die Musik des 18. Jahrhunderts. Denn Ravel schrieb es nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst; und jeder Satz ist einem gefallenen Kameraden gewidmet.
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Sonntag, 28. Juli 2019
Samstag, 23. Juni 2018
Max Reger - Orchestral Edition (Deutsche Grammophon)
Das Orchesterwerk von Max Reger (1873 bis 1916) ist umfangreich und vielfältig. Schon beim Auspacken dieser 12-CD-Box, die jetzt die Deutsche Grammophon quasi als verspätete Gabe zum hundertsten Todestag des Komponisten, nach- gereicht hat, gerät man ins Staunen. Denn der Komponist ignorierte sowohl Gattungsgrenzen als auch stilistische Moden.
Hört man seine Musik an, so wird man feststellen: Alles ist möglich – vom knappen Scherzino, launig „compostiert“ für Horn und ein Dilettantenorchester, bis hin zur großformatigen Vertonung des 100. Psalms op. 106, mit dem sich Reger 1908/09 für die Verleihung des Ehrendoktors durch die Universität Jena bedankte, und vom außer- ordentlich komplexen Violinkonzert op. 101 bis zur fein ziselierten Ballett-Suite op. 130, und vom Requiem nach einem Text von Friedrich Hebbel bis zu zahlreichen Orchesterliedern. Reger war ein wirklich bedeutender Meister, der sein Handwerk rundum beherrschte, der sich auf die Kunst der Instrumentierung verstand, das Spiel mit Klangfarben und Klangeffekten liebte, dabei sehr eigenwillig war – und mitunter auch ausgesprochen witzig.
Umso erfreulicher ist es, dass die Deutsche Grammophon mit dieser Edition einen Schatz gehoben hat, der lange Zeit nicht zugänglich war. Denn die Grundsubstanz entstammt der legendären Reger-Edition des Labels Koch-Schwann, dessen Katalog sich mittlerweile im Besitz von Universal Music befindet. Und somit sind nun die grandiosen Reger-Aufnahmen, die die Bamberger Symphoniker in den 90er Jahren unter Leitung von Horst Stein eingespielt haben, endlich wieder zugänglich.
Erweitert wurde diese Edition durch einige Werke, die mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Gerd Albrecht und Uroš Lajovic in den 80er Jahren aufgezeichnet worden sind. Neu hinzugekommen sind zudem Aufnahmen des Hebbel-Requiems op. 144B, des Requiem-Fragmentes, und die Erstveröffentlichung des Gesangs der Verklärten op. 71 auf CD überhaupt. Zu hören sind hier neben einem hochkarätigen Solisten- quartett der NDR Chor und das NDR Sinfonieorchester unter Leitung von Roland Bader.
Hört man seine Musik an, so wird man feststellen: Alles ist möglich – vom knappen Scherzino, launig „compostiert“ für Horn und ein Dilettantenorchester, bis hin zur großformatigen Vertonung des 100. Psalms op. 106, mit dem sich Reger 1908/09 für die Verleihung des Ehrendoktors durch die Universität Jena bedankte, und vom außer- ordentlich komplexen Violinkonzert op. 101 bis zur fein ziselierten Ballett-Suite op. 130, und vom Requiem nach einem Text von Friedrich Hebbel bis zu zahlreichen Orchesterliedern. Reger war ein wirklich bedeutender Meister, der sein Handwerk rundum beherrschte, der sich auf die Kunst der Instrumentierung verstand, das Spiel mit Klangfarben und Klangeffekten liebte, dabei sehr eigenwillig war – und mitunter auch ausgesprochen witzig.
Umso erfreulicher ist es, dass die Deutsche Grammophon mit dieser Edition einen Schatz gehoben hat, der lange Zeit nicht zugänglich war. Denn die Grundsubstanz entstammt der legendären Reger-Edition des Labels Koch-Schwann, dessen Katalog sich mittlerweile im Besitz von Universal Music befindet. Und somit sind nun die grandiosen Reger-Aufnahmen, die die Bamberger Symphoniker in den 90er Jahren unter Leitung von Horst Stein eingespielt haben, endlich wieder zugänglich.
Erweitert wurde diese Edition durch einige Werke, die mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter Gerd Albrecht und Uroš Lajovic in den 80er Jahren aufgezeichnet worden sind. Neu hinzugekommen sind zudem Aufnahmen des Hebbel-Requiems op. 144B, des Requiem-Fragmentes, und die Erstveröffentlichung des Gesangs der Verklärten op. 71 auf CD überhaupt. Zu hören sind hier neben einem hochkarätigen Solisten- quartett der NDR Chor und das NDR Sinfonieorchester unter Leitung von Roland Bader.
Montag, 17. Oktober 2016
Mahler: The 9 Symphonies (Tudor)
Chefdirigent Jonathan Nott schaut mit kühlem, ja, mit misstrauischem Blick in die Partitur. Nichts ist hier idyllisch und harmlos. Nott verzichtet auf auf- gesetztes Pathos und überflüssige Sentimentalisierung; er lotet akribisch aus, was im Notentext steht, und akzeptiert dabei insbesondere auch die Brüche und Abgründe. Damit macht er Klangeffekte hörbar, die Mahler offenbar wichtig waren, die aber beim Beharren auf der spätromantischen Aufführungspraxis mit ihren diversen Rubati eher verschmiert und verdeckt werden. Nott setzt auf Strukturen und Farben, und er hat ein grandioses Gespür für das richtige Zeitmaß. Das Ergebnis ist unglaublich spannend, dramatisch und mitreißend. Atemberaubend!
Freitag, 29. April 2016
Ouvertüren (Tudor)
Antike Sagengestalten stehen im Mittelpunkt dieser CD der Bamberger Symphoniker. Die Auswahl der Musik für ein solches Programm fällt sicherlich nicht leicht, denn schon für die allerersten Opern wählten die Komponisten Stoffe aus der griechi- schen oder römischen Mythologie. Dirigent Karl-Heinz Steffens prä- sentiert mit den Bamberger Sym- phonikern Werke aus dem 18. und
19. Jahrhundert. Die CD beginnt mit der Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) – in einer Bearbeitung von Richard Wagner. Aus Mozarts Oper Ideomeneo erklingt ebenfalls die Ouvertüre, sowie die abschließende Ballettmusik, die die Krönung Idaman- tes in Form einer Pantomime in Szene setzen soll.
Luigi Cherubini (1760 bis 1842) stammte aus Florenz. 1787 ging er nach Paris, und dort überlebte er die Revolution und die Schreckensherrschaft der Jakobiner. Im März 1797 stellte er dann seine Oper Médée vor. Dass die grausige Geschichte um die Zauberin Medea bis zum heutigen Tage ihren Platz auf der Opernbühne behauptet, ist auch das Verdienst von Maria Callas, die diese Partie einst phänomenal gesungen hat. Die Bamberger Symphoniker spielen die Ouvertüre, die bereits den Furor der Heldin ankündigt.
Deutlich ruhiger gestaltet hat Ludwig van Beethoven die Eröffungsmusik zu Die Ruinen von Athen, einem Huldigungs-Opus zur Eröffnung des Theaters im ungarischen Pest. Mit knapp fünf Minuten ist dies die kürzeste Ouvertüre des Komponisten überhaupt; sie ist knapp, aber reizvoll, und lässt das dazugehörige Stück aus der Feder von Kotzebue nicht vermissen, in dem Göttervater Zeus höchstpersönlich eine Büste des österreichischen Kaisers Franz I. aufstellt.
Shakespeares Sommernachtstraum stand Pate bei der romantischen Oper Oberon, die Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) schwerkrank in seinen letzten Lebensmonaten geschaffen hat. Die Handlung soll ein wenig verwirren – aber wenn die Musik insgesamt so ist wie das, was die Bamberger Symphoniker auf dieser CD vorstellen, dann könnte man vielleicht sogar über Schwächen des Textbuches hinwegsehen und dem Opus eine zumindest konzertante Wiederauferstehung wünschen.
Und da wir einmal bei Puck, Oberon und Titania sind – die CD endet mit dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Bamberger Symphoniker beweisen einmal mehr, dass sie zu den besten Orchestern Deutschlands gehören; musiziert wird mit Präzision und Esprit. Steffens erweist sich als Klangmagier, er vergisst aber auch nicht, hier und da mit einer Prise Dramatik zu würzen. Diese Einspielung ist ein kleines Juwel, hier passt einfach alles.
19. Jahrhundert. Die CD beginnt mit der Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) – in einer Bearbeitung von Richard Wagner. Aus Mozarts Oper Ideomeneo erklingt ebenfalls die Ouvertüre, sowie die abschließende Ballettmusik, die die Krönung Idaman- tes in Form einer Pantomime in Szene setzen soll.
Luigi Cherubini (1760 bis 1842) stammte aus Florenz. 1787 ging er nach Paris, und dort überlebte er die Revolution und die Schreckensherrschaft der Jakobiner. Im März 1797 stellte er dann seine Oper Médée vor. Dass die grausige Geschichte um die Zauberin Medea bis zum heutigen Tage ihren Platz auf der Opernbühne behauptet, ist auch das Verdienst von Maria Callas, die diese Partie einst phänomenal gesungen hat. Die Bamberger Symphoniker spielen die Ouvertüre, die bereits den Furor der Heldin ankündigt.
Deutlich ruhiger gestaltet hat Ludwig van Beethoven die Eröffungsmusik zu Die Ruinen von Athen, einem Huldigungs-Opus zur Eröffnung des Theaters im ungarischen Pest. Mit knapp fünf Minuten ist dies die kürzeste Ouvertüre des Komponisten überhaupt; sie ist knapp, aber reizvoll, und lässt das dazugehörige Stück aus der Feder von Kotzebue nicht vermissen, in dem Göttervater Zeus höchstpersönlich eine Büste des österreichischen Kaisers Franz I. aufstellt.
Shakespeares Sommernachtstraum stand Pate bei der romantischen Oper Oberon, die Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) schwerkrank in seinen letzten Lebensmonaten geschaffen hat. Die Handlung soll ein wenig verwirren – aber wenn die Musik insgesamt so ist wie das, was die Bamberger Symphoniker auf dieser CD vorstellen, dann könnte man vielleicht sogar über Schwächen des Textbuches hinwegsehen und dem Opus eine zumindest konzertante Wiederauferstehung wünschen.
Und da wir einmal bei Puck, Oberon und Titania sind – die CD endet mit dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Bamberger Symphoniker beweisen einmal mehr, dass sie zu den besten Orchestern Deutschlands gehören; musiziert wird mit Präzision und Esprit. Steffens erweist sich als Klangmagier, er vergisst aber auch nicht, hier und da mit einer Prise Dramatik zu würzen. Diese Einspielung ist ein kleines Juwel, hier passt einfach alles.
Samstag, 10. Oktober 2015
Schumann, Madsen, Mozart (Genuin)
Die G-Hörner sollen „ganz rauh geploßen werden“, wies Leopold Mozart an, und „so forte alß immer möglich. Item kann auch ein hifthorn da bey sein. Dann soll man etliche Hunde haben die bellen, die übrigen schreyen zusam ho ho etl. Aber nur 6 Tact lang.“ Willkommen im Jagd- revier – ein Sujet, das Komponisten immer wieder gern aufgegriffen haben, denn es lädt zu allerlei Lautmalereien ein. Leopold Mozart inspirierte das weidmännische Geschehen zu einem Werk, in dem auf das Hundebellen, die Rufe der Treiber und die Schüsse allerlei Echos folgen, was nicht nur musikalisch reizvoll ist, sondern auch zu Vermutungen über die Größe des Jagdreviers anregt. Und nach getaner Arbeit feiert die Jagdgesellschaft, sie tanzt ein hübsches Menuett.
Die Jagd-Sinfonie / 4 Violini / 4 Corni ex D / 2 Corni ex G / 2 Violi / 1 Ku- gelbichse / et / Basso, so notierte Mozart Titel und Besetzung. Das Horn- quartett German Hornsound, gegründet 2009 von ehemaligen Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Stuttgarter Musikhoch- schule, hat an diesem verspielten Opus hörbares Vergnügen. Auf dieser CD musizieren Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger gemeinsam mit den exzellenten Bamberger Symphonikern unter Leitung von Michael Sanderling. Während die vier Hornisten bei der Jagdsinfonie sehr weitgehend mit dem Orchester musizieren, haben sie im nachfolgenden Konzertstück F-Dur für 4 Hörner und Orchester op. 86 von Robert Schumann eine ziemlich exponierte und obendrein sehr anspruchsvolle Partie. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, warum man dieses bezaubernde Stück nur sehr selten hören kann.
Das dritte Werk auf dieser CD ist für das Ausnahme-Quartett entstanden: 2011 lernte Cristoph Eß, Solohornist der Bamberger Symphoniker, am Rande eines Konzertes der renommierten Festspiele Mecklenburg-Vor- pommern den norwegischen Komponisten Trygve Madsen kennen. Er schrieb für German Hornsound die Sinfonia Concertante, hier in Welt- ersteinspielung zu hören – eine Hommage an Richard Strauss, im Gedenken an dessen 150. Geburtstag im Jahre 2014. Es ist ein intelligentes Spiel mit Anspielungen und Zitaten, musikalisch sehr beachtlich, dabei ausgesprochen witzig, hier und da bis hin zum Schabernack.
Die vier Hornisten beeindrucken durch ihre Musizierlust ebenso wie durch ihr Musizieren. Sie zeigen, wie herrlich Hörner klingen können, wenn sie so perfekt geblasen werden – edel, kraftvoll und sehr ausdrucksstark. Bravi! und, bitte, unbedingt weitermachen.
Die Jagd-Sinfonie / 4 Violini / 4 Corni ex D / 2 Corni ex G / 2 Violi / 1 Ku- gelbichse / et / Basso, so notierte Mozart Titel und Besetzung. Das Horn- quartett German Hornsound, gegründet 2009 von ehemaligen Studenten der Hornklasse von Christian Lampert an der Stuttgarter Musikhoch- schule, hat an diesem verspielten Opus hörbares Vergnügen. Auf dieser CD musizieren Christoph Eß, Sebastian Schorr, Stephan Schottstädt und Timo Steininger gemeinsam mit den exzellenten Bamberger Symphonikern unter Leitung von Michael Sanderling. Während die vier Hornisten bei der Jagdsinfonie sehr weitgehend mit dem Orchester musizieren, haben sie im nachfolgenden Konzertstück F-Dur für 4 Hörner und Orchester op. 86 von Robert Schumann eine ziemlich exponierte und obendrein sehr anspruchsvolle Partie. Das ist sicherlich auch der Grund dafür, warum man dieses bezaubernde Stück nur sehr selten hören kann.
Das dritte Werk auf dieser CD ist für das Ausnahme-Quartett entstanden: 2011 lernte Cristoph Eß, Solohornist der Bamberger Symphoniker, am Rande eines Konzertes der renommierten Festspiele Mecklenburg-Vor- pommern den norwegischen Komponisten Trygve Madsen kennen. Er schrieb für German Hornsound die Sinfonia Concertante, hier in Welt- ersteinspielung zu hören – eine Hommage an Richard Strauss, im Gedenken an dessen 150. Geburtstag im Jahre 2014. Es ist ein intelligentes Spiel mit Anspielungen und Zitaten, musikalisch sehr beachtlich, dabei ausgesprochen witzig, hier und da bis hin zum Schabernack.
Die vier Hornisten beeindrucken durch ihre Musizierlust ebenso wie durch ihr Musizieren. Sie zeigen, wie herrlich Hörner klingen können, wenn sie so perfekt geblasen werden – edel, kraftvoll und sehr ausdrucksstark. Bravi! und, bitte, unbedingt weitermachen.
Mittwoch, 19. Januar 2011
Trumpet Concertos; Tarkövi (Tudor)
Diese CD erlaubt einen Blick auf die Entwicklung der Trompete und der für sie komponierten Musik. Sie beginnt mit einem Konzert für Trompete und Orchester in D-Dur aus dem Jahre 1762, das Leopold Mozart (1719 bis 1787) für den Salzburger Hoftrompeter Johann Andreas Schachtner geschrieben hat - einen versierten Solisten, der zur ersten Liga der Trompeter seiner Zeit gehörte.
Denn nur die Hoftrompeter waren in der hohen Kunst des sogenann- ten Clarinblasens ausgebildet, und geübt darin, auf Naturtrompete und Corno da Caccia im hohen Register zu musizieren. Ähnliche Anforderungen stellt auch das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda (1707 bis 1780), kompo- niert für den Dresdner Hof und für Corno da Caccia. Mit der Weiter- entwicklung der Trompete verschwand dieses Instrument so gründlich, dass erst sein Nachbau durch den Leipziger Instrumenten- bauer Friedbert Syhre in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Trom- peter Ludwig Güttler dazu führte, das Repertoire jener Zeit wieder spielbar zu machen. Allerdings waren etliche Bläser mit Güttlers Version des Corno da Caccia nicht ganz glücklich; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument, das klanglich nicht hinreichend dem Original entspricht. Mittlerweile sind auch Nachbauten erhält- lich, die auf die Ventile verzichten.
Diese Innovation war seinerzeit eingeführt worden, um auf der Trompete nicht nur einige, sondern alle Töne blasen zu können - und um ein deutlich expressiveres Spiel zu ermöglichen. Zwischen der heute üblichen Ventiltrompete und ihren Vorfahren aber gab es einen Zwischenschritt - die Klappentrompeten des Wiener Hoftrompeters Anton Weidinger, an die diese CD mit zwei Werken erinnert, die spe- ziell dafür komponiert wurden. Joseph Haydn schrieb zur Demon- stration der damals unerhörten Möglichkeiten der Klappentrompete das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur (1796); Johann Nepomuk Hummel für das Neujahrskonzert 1804 auf Schloss Ester- hazy das Konzert für Trompete und Orchester E-Dur.
Gábor Tarkövi, Solo-Trompeter der Berliner Philharmoniker spielt diese musikhistorisch interessanten Werke auf modernen Instru- menten. Die eigentliche Entdeckung aber sind die Bamberger Symphoniker, die diese Konzerte begleiten. Sie spielen unter Karl-Heinz Steffens blitzsauber und kammermusikalisch inspiriert; diesem Orchester zu lauschen, ist wirklich eine Freude.
Denn nur die Hoftrompeter waren in der hohen Kunst des sogenann- ten Clarinblasens ausgebildet, und geübt darin, auf Naturtrompete und Corno da Caccia im hohen Register zu musizieren. Ähnliche Anforderungen stellt auch das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur von Johann Baptist Georg Neruda (1707 bis 1780), kompo- niert für den Dresdner Hof und für Corno da Caccia. Mit der Weiter- entwicklung der Trompete verschwand dieses Instrument so gründlich, dass erst sein Nachbau durch den Leipziger Instrumenten- bauer Friedbert Syhre in Zusammenarbeit mit dem Dresdner Trom- peter Ludwig Güttler dazu führte, das Repertoire jener Zeit wieder spielbar zu machen. Allerdings waren etliche Bläser mit Güttlers Version des Corno da Caccia nicht ganz glücklich; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument, das klanglich nicht hinreichend dem Original entspricht. Mittlerweile sind auch Nachbauten erhält- lich, die auf die Ventile verzichten.
Diese Innovation war seinerzeit eingeführt worden, um auf der Trompete nicht nur einige, sondern alle Töne blasen zu können - und um ein deutlich expressiveres Spiel zu ermöglichen. Zwischen der heute üblichen Ventiltrompete und ihren Vorfahren aber gab es einen Zwischenschritt - die Klappentrompeten des Wiener Hoftrompeters Anton Weidinger, an die diese CD mit zwei Werken erinnert, die spe- ziell dafür komponiert wurden. Joseph Haydn schrieb zur Demon- stration der damals unerhörten Möglichkeiten der Klappentrompete das Konzert für Trompete und Orchester Es-Dur (1796); Johann Nepomuk Hummel für das Neujahrskonzert 1804 auf Schloss Ester- hazy das Konzert für Trompete und Orchester E-Dur.
Gábor Tarkövi, Solo-Trompeter der Berliner Philharmoniker spielt diese musikhistorisch interessanten Werke auf modernen Instru- menten. Die eigentliche Entdeckung aber sind die Bamberger Symphoniker, die diese Konzerte begleiten. Sie spielen unter Karl-Heinz Steffens blitzsauber und kammermusikalisch inspiriert; diesem Orchester zu lauschen, ist wirklich eine Freude.
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