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Donnerstag, 15. August 2013

Portrait (Genuin)

10 for Brass – das sind zwölf exzellente junge Blechbläser, die sich der Kammermusik ver- schrieben haben. Martin Gierden, Anne Heinemann, Rudolf Lörinc, Lukas Paulenz und Andre Schoch, Trompete, Swantje Vesper und Felix Wilmsen, Horn, Jan Donner, Matthias Haakh, Johannes Weidner und Florian Zerbaum, Posaune, sowie Alexander Tischendorf, Tuba, musizieren seit 2010 gemeinsam in dieser Formation. Sie studieren überwiegend an verschiedenen deutschen Musik- hochschulen. Einige der jungen Bläser haben bereits Engagements bei namhaften Orchestern. 
Die Musiker wurden mit einer Vielzahl von Preisen ausgezeichnet; so haben sie 2011 beim Deutschen Musikwettbewerb ein Stipendium erhalten. Ihre Konzerte kommen beim Publikum wie bei der Presse gut an – kein Wunder, dass sie nun auch eine CD vorlegen wollen. Das erste Album hat das Blechbläser-Ensemble teilweise über Crowd- funding finanziert. 
Die Mühe hat sich gelohnt, denn das Debüt ist gelungen. Die Werke, die die Zwölf dafür ausgewählt haben, reichen von Giovanni Gabrieli bis zu Duke Ellington, und von Händels bekannter Ankunft der Königin von Saba bis zur Bruckner-Etüde für das tiefe Blech aus der Feder von Enrique Crespo, dem langjährigen Spiritus rector von German Brass. Die Bläser von 10 for Brass begeistern mit ihrem satten, runden, harmonischen Ensembleklang. Ihr Spiel ist wirklich perfekt, und ihre Spielfreude überträgt sich auf den Hörer; allerdings dürfen sie gern noch etwas mehr Temperament entwickeln. Wer Bläsermusik liebt, der sollte dieses Album auf keinen Fall verpassen – es lohnt sich! 

Donnerstag, 26. Mai 2011

Concerti Curiosi (Signum Classics)

Allmählich werden sie wieder- entdeckt - jene barocken Solo- konzerte, die nicht (mehr) unseren Vorstellungen entsprechen, wie ein Solokonzert auszusehen hat. Mitunter liegt es am Solo-Instru- ment: Ein Fagott als Solist im Konzert des städtischen Sinfonie- orchesters? Da fliegen die Brauen in die Höhe. Schon eine Viola wäre ein Ereignis. Über eine Harfe, Violine, ein Violoncello oder ein Klavier hingegen wundert sich kein Mensch.
Vieles ist also Konvention, und es ist nicht zuletzt Ensembles wie Charivari Agréable unter Kah-Ming Ng zu verdanken, wenn wir darauf aufmerksam werden - und entdecken, dass da noch immer wunder- schöne Musik auf ihre Wiederaufführung wartet. Die Werke auf dieser CD sind geistreich, handwerklich perfekt gemacht, und so originell, dass man einige gleich noch einmal hören möchte, um sich verwun- dert die Augen zu reiben: Eine Sonate für Zink und Streicher, wie sie Pietro Baldassari (etwa 1683 bis nach 1768) komponiert hat, wäre vor hundert Jahren schon deshalb nicht aufführbar gewesen, weil kaum noch jemand in der Lage war, den Zink zu blasen. Dieses Instrument, das man sich wie eine Blockflöte mit Trompetenmundstück vorstellen muss, war bis Mitte des 17. Jahrhunderts sehr beliebt, weil es die menschliche Stimme besonders gut imitieren soll - und es ver- schwand mit dem Aufkommen der modernen Violine nahezu schlag- artig. 
Auch unter den wenigen überlieferten Werken von Johann Daniel Berlin (1714 bis 1787), einem dänisch-norwegischer Komponisten, findet sich eine Sinfonia à 5 für Zink. Die Violinen, damals noch neu und sozusagen in Erprobung, sind auf dieser CD ebenfalls mit zwei Werken präsent - beide stammen aus Großbritannien, und beide verwenden das Streichinstrument gleich im Rudel: Johann Christoph Pepusch (1667 bis 1752) schrieb ein Concerto für gleich vier Violinen (aber ohne Orchester); sein Kollege William Croft (1678 bis 1717) hingegen billigte den fünf Soloviolinen, die er für seine Sonata vorschreibt, immerhin noch die Unterstützung durch ein Continuo zu. 
Weniger experimentell, sondern eher solides Handwerk sind das Favoritkonzert für Orgel oder Cembalo von Pietro Domenico Paradisi (1707 bis 1791), das Concerto à 5 für Oboe von Anton Reichenauer (1694 bis 1730), das doch stark an Vivaldi erinnert, sowie das Con- certo Nr. 3 für Trompete von Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789). Bei der Auswahl sowie der Anzahl der Soloinstrumente und bei der Gestaltung der diversen Parts scheinen sich die Musiker seinerzeit wohl eher an den Vorlieben des Publikums, der Besetzung der je- weiligen Kapelle und den Fähigkeiten der Beteiligten orientiert zu haben als an abstrakten Regelwerken oder hochfliegenden ästheti- schen Konzepten. Mancher Virtuose schrieb sich schlicht die Kon- zerte für sein Instrument selbst. So scheinen denn die Handschriften aus jener fernen Zeit in erster Linie Auskunft über die Musizierpraxis zu geben. 
Wer solche Werke aufführen will, der muss freilich erheblichen Auf- wand treiben, um aus Autographen ein brauchbares Aufführungs- material zu erstellen. In diesem Falle hat sich die Mühe gelohnt. Kah-Ming Ng und seine Musiker haben für ihre 20. CD ein interessantes Konzept gefunden. Die Solisten sind durchweg exzellent, und die ausgewählten Raritäten werden frisch und schwungvoll präsentiert. Hörenswert! 

Sonntag, 6. Dezember 2009

Per il Santissimo Natale - Deborah York, Elbipolis (Berlin Classics)


Barockmusik zur Weihnacht - festlich, strahlend und wunderschön musiziert. Das Elbipolis Barockorchester Hamburg reiht Stücke aneinander, die zum einen für eine derart kleine Besetzung - zwei Violinen, Viola, zwei Trompeten, Traversflöte und diverse Continuo-Instrumente - geschrieben wurden. Zum anderen folgt die CD inhaltlich der Weihnachtsgeschichte. Und das sorgt zusätzlich für den perfekten Spannungsbogen.
Die CD beginnt mit dem energischem Trompetengeschmetter einer Sonate von Alessandro Melani. Es folgt das Magnificat, in einer hier zum ersten Male eingespielten Vertonung durch Melchior Hoffmann, einen ebenso einfallsreichen wie versierten Musikus, der vor Bach in Leipzig wirkte. Dann hört man die Hirten, wie sie dem Jesuskindchen aufspielen - und zwar die Sinfonia Pastorale per il Santissimo Natale von Francesco Onofrio Manfredini.
Und die Engel stimmen das Gloria an, berichtet die Weihnachtsgeschichte. Auf dieser CD stammt es aus der Feder von Händel; offensichtlich ein Jugendwerk des Komponisten, das erst vor wenigen Jahren im Archiv der Londoner Royal Academy of Music entdeckt wurde. Es verblüfft durch seine kammermusikalische Besetzung, und durch die virtuose Gestaltung des Gesangsparts.
Die CD endet mit einer Weihnachtskantate von Christian August Jacobi, die sozusagen das irdische Echo auf den Lobgesang der Engel darstellt: "Der Himmel steht  uns wieder offen", bekannt durch eine phänomenale Einspielung mit Peter Schreier, erklingt hier in der originalen Version für Sopran. Auch diese Partie kann durchaus  als anspruchsvoll bezeichnet werden.
Das Elbipolis-Orchester spielt mit Lust, und auch die Sopranistin Deborah York hat hörbar Vergnügen an dem Repertoire, das - für die Sängerin wie für die Instrumentalisten - so einige Herausforderungen bereit hält. Doch die Musiker sind dem jederzeit gewachsen. Insbesondere York überzeugt durch einen schlanken, knabenhaften Ton. In den Chorälen ist ihre Stimme gerade heraus zu hören, vollkommen frei von Vibrato, schmucklos schlicht; sie ist jedoch durchaus in der Lage, ihr Timbre einzufärben, wenn dies zum Stück passt. Und ihre Koloraturen perlen wie die winzigen Gasbläschen im Champagner, in perfekten Linien und in teilweise atemberaubendem Tempo.
Diese CD verbreitet Feststimmung, man hört sie gern, und wird sie auch im kommenden Jahr des öfteren wieder aus dem Regal holen. Wer noch ein Weihnachtsgeschenk sucht - diese Aufnahme ist zu empfehlen!

Dienstag, 14. Juli 2009

Bach: Weltliche Kantaten (Berlin Classics)

Und noch ein Schatz aus der wohlgefüllten Reserve des früheren VEB Deutsche Schallplatten: 8 CD mit den weltlichen Kantaten Bachs - ebenfalls meine besondere Empfehlung. Denn eine bessere Besetzung, als hier von Peter Schreier dirigiert wird, kann man sich kaum vorstellen. Gesangssolisten wie Edith Mathis, Arleen Augér, Peter Schreier, Theo Adam oder Siegfried Lorenz. Dazu die Berliner Solisten, ein vielfach ausgezeichneter Kammerchor, der aus zwölf Mitgliedern des Rundfunkchores Berlin bestand, von Dietrich Knothe geleitet wurde, und leider die Wiedervereinigung nicht überlebte. Und schließlich das Kammerorchester Berlin - mit Instrumentalsolisten, die zu den besten Musikern des Landes gehörten. Die Qualität der Aufnahme hält, was diese Namensliste verspricht.