Posts mit dem Label Borodin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Borodin werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 28. Dezember 2019

Les Vendredis (SWR Music)

Mitrofan Petrowitsch Beljajew (1836 bis 1904), Sohn und Erbe eines reichen Holzhändlers, war nicht nur ein erfolgreicher Kaufmann, sondern auch ein großer Musikfreund und Mäzen. Um Musik russischer Kompo- nisten zu publizieren, gründete er 1885 sogar einen Musikverlag in Leipzig. 
Immer freitags gab es bei Beljajew für den Freundeskreis ein Hauskonzert sowie Essen und Trinken. Der Hausherr selbst wirkte im Streichquartett mit – er spielte ausgezeichnet Bratsche. Neben Klassikern der Gattung, wie den Streichquartetten von Haydn oder Mozart, erklang dort natürlich regelmäßig auch ganz neue Musik. Die Komponisten des Beljajew-Kreises, wie Nikolai Rimski-Korsakow, Alexander Borodin, Alexander Glasunow, Anatoli Ljadow, Nikolai Sokolow oder der Pianist Felix Blumenfeld, schrieben sogar Musikstücke dafür. 
Immer wieder veröffentlichte Beljajew ihre Werke in seinem Verlag. So publizierte er 1899 in zwei Heften eine Kollektion von Musikstücken der bedeutenden russischen Komponisten für Streichquartett. Sie erhielt den Titel „Les Vendredis“, nach den berühmten Freitags-Konzerten des Verlegers. 
Das Szymanowski Quartett hat nun eine Auswahl aus dieser wichtigen Sammlung eingespielt. Mit Staunen folgt man den kunstvollen Miniaturen, die nicht nur musikhistorisch außerordentlich bedeutsam sind, sondern auch wirklich zauberhafte Musik. Das Szymanowski Quartett musiziert mit Leidenschaft und technischer Perfektion. Mit schönem, beseelten Ton bringt das Ensemble insbesondere auch die lyrischen Momente dieser Kompositionen wunderbar zur Geltung. Unbedingt anhören, es lohnt sich!

Dienstag, 30. August 2016

Fantasia - Alliage Quintett & Sabine Meyer (Sony)

Was denn – das sollen wirklich nur vier Saxophone plus ein Klavier sein? Das Alliage Quintett überrascht mit sattem orchestralen Sound; Daniel Gauthier, Magdalena Lapaj, Asya Fateyeva und Sebastian Pottmeier können allerdings auch verblüffend schlank und lieblich musizieren, ebenso wie Jang Eun Bae am Klavier. 
Auf ihrem neuen Album Fantasia laden die zweifachen Echo-Klassik-Preisträger zu einer musikalischen Märchenreise ein – und dafür haben sie sich mit der Klarinettistin Sabine Meyer zusammengetan. Die CD beginnt mit den Polowetzer Tänzen aus Alexander Borodins Fürst Igor, für diese Besetzung arrangiert von Stéphane Gassot und Camille Pépin. 
Ebenso populär ist Der Feuervogel von Igor Strawinsky, hier zu hören in einer Bearbeitung von Sebastian Gottschick. Goethes Zauberlehrling inspirierte einst Paul Dukas zu einer Komposition; sie erklingt auf dieser CD in einem Arrangement von Rainer Schottstädt. Ihm ist es beispiels- weise kongenial gelungen, den wankenden Besen, im Original hörbar gemacht durch Fagott und Klarinette, auf Bariton-Saxophon und Klarinette zu übertragen. 
Die Ouvertüre zu Candide von Leonard Bernstein arrangierte Itai Soboi speziell für die sechs Musiker. Die Fünf Stücke für Orchester von Dmitri Schostakowitsch entstammen seinen Filmmusiken und Balletten; davon existiert eine Fassung für zwei Violinen und Klavier von Schostakowitschs Freund Levon Atovmian. Das Alliage Quintett setzte diese mit Blasinstru- menten um, in unterschiedlichen Besetzungen. Die Aufnahme verbindet kammermusikalische Intimität und Raffinesse mit magischem Orchester- klang. Faszinierend! 

Freitag, 16. November 2012

Salvatore Accardo (Dynamic)

Diese Neun-CD-Box, erschienen anlässlich des siebzigsten Geburts- tages des großen Geigers Salvatore Accardo, bestätigt es wieder ein- mal: Virtuosität ist eine notwendi- ge, aber keine hinreichende Vor- aussetzung für den Musikerberuf. 
Das zeigt sich insbesondere an Accardos Auseinandersetzung mit dem Werk Nicoló Paganinis. Wir verdanken ihm viele Ersteinspie- lungen und Wiederentdeckungen - und wer darum weiß, wie der exzellent ausgebildete Nachwuchs diese Werke oftmals spielt, der wird bestätigen, dass es nichts von dem Zauber dieser Musik vermittelt, wenn man sie lediglich technisch brillant und so rasant wie eben möglich vorträgt. So erklingen Paga- ninis Drei Duette für Violine und Fagott als zwar virtuose, aber eben auch geistreiche Stücke, in denen Salvatore Accardo in einen spielerischen Wettstreit mit Claudio Gonella tritt, der die höllisch anspruchsvolle Fagott-Partie locker und mit Witz meistert. 
Auch die Kammermusik gehört offensichtlich zu den Leidenschaften Accardos. Ob das Concerto von Alberto Ginastera oder Werke von Dvorak, Verdi, Chausson, Borodin oder Rolla - in den Archiven von Dynamic fanden sich viele interessante Aufnahmen. Sie zeigen, mit welcher Sorgfalt und Hingabe der Geiger auch Werke erarbeitete, die viele namhafte Solisten gar nicht beachten. Vielen Dank an das Label für dieses großartige Porträt eines bedeutenden Musikers. 

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Borodin, Brahms: Cello-Sonaten (Ambitus)

Obwohl er eigentlich Mediziner und Professor für Chemie war, gehörte Alexander Borodin (1833 bis 1887) zu den führenden Köpfen des "Mächtigen Häufleins" - jener St. Petersburger Komponisten- gruppe, die eine von westeuropä- ischen Einflüssen freie, national eigenständige russische Musik schaffen wollte. Seine Sonate für Violoncello und Klavier h-Moll entstand wahrscheinlich in Hei- delberg, wo Borodin 1860 als Chemiker forschte. Das Werk ist in einer Handschrift überliefert, die nach der Exposition des dritten Satzes abbricht. Der Violinist und Komponist Michael Goldstein hat die Sonate vollendet und 1982 veröffentlicht.
Borodin, der selbst ein guter Cellist und mit den Möglichkeiten des Instrumentes daher bestens vertraut war, beginnt den ersten Satz mit einem Bach-Zitat. Bach bleibt auch Kern dieser Musik, die aber dennoch unverkennbar russisch-romantisch ist - jedenfalls in den beiden ersten Sätzen. Der dritte Satz ist moderner; außerdem hält Goldstein das Pathos, mit dem der Satz beginnt, nicht lange durch. So endet das Werk geradezu heiter, und hochvirtuos dazu. Das Leipziger Max-Reger-Duo - Hans-Georg Jaroslawski, Violoncello und Ulrich Urban, Klavier - musiziert, dass es eine Freude ist. Die beiden Solisten beeindrucken durch ihr exzellentes Zusammenspiel ebenso wie mit ihrem Sinn für musikalische Strukturen.
Jaroslawski, ein Schüler des legendären Friedemann Erben, und Urban, Professor für Klavier an der Hochschule für Musik Leipzig, zeigen auch anschließend bei der Sonate für Klavier und Violoncello F-Dur op. 99 von Johannes Brahms (1833 bis 1897), dass es durchaus vorteilhaft sein kann, wenn Musiker über einen langen Zeitraum regelmäßig gemeinsam konzertieren. Denn dieses Werk, das Brahms 1886 komponierte, fordert den Cellisten mit einem enorm schwieri- gen Part, den Pianisten mit einem Paradebeispiel für Brahms Neigung zum "vollgriffigen", orchestral angelegten Klaviersatz - und den Hörer aufgrund seiner Komplexität. In dieser Einspielung allerdings kann man das Werk genießen. Diese CD gehört für mich zu den besten Kammermusik-Aufnahmen des Jahres 2010. Unbedingt anhören!