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Sonntag, 5. September 2021

Stille Klagen (Passacaille)

 

Buße, Reue und Erlösung stehen im Zentrum der vorliegenden CD. Für diese Aufnahme haben Griet de Geyter und das Ensemble Il Gardellino drei Kantaten aus der Barockzeit ausgewählt: Dieterich Buxtehude vertonte für O dulcis Jesu BuxWV 83 einen Text, der dem Zisterzienser Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wird. Ein Bußpsalm ist die Textgrundlage für Georg Philipp Telemanns Ach Herr, strafe mich nicht TWV 7:2. Johann Sebastian Bachs Kantate Mein Herze schwimmt im Blut BWV 199 wiederum basiert auf dem biblischen Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner. 

Es ist durchaus möglich, dass die alten Texte einen Menschen heutzutage zunächst wenig ansprechen; zu fremd erscheint ihr Ausdruck, überwältigend oft ihre Metaphernwelt. Desto beredter kann allerdings die Musik wirken, die in ihrer emotionalen Kraft die Botschaft des Textes quasi übersetzt. Die Musiker von Il Gardellino sowie Organist Leo van Doeselaar bringen den schlanken, klaren Sopran von Griet de Geyter exquisit zur Geltung. Besonders schön erklingt die Gesangsstimme dabei im Duett mit der Oboe von Marcel Ponseele (Telemann) bzw. Lidewei De Sterck (Bach). Zum Programm gehören zudem eine Buxtehude-Sonate und zwei Orgelwerke von Johann Sebastian Bach, ebenfalls hinreißend musiziert. Bravi! 


Freitag, 20. November 2020

Nunc dimittis - Music from the Düben Collection (Passacaille)

 

Sammlungen zusammenzutragen, das war einstmals nicht nur repräsentatives Hobby gekrönter Häupter, sondern auch für Musiker eine Notwendigkeit. Denn über Jahrhunderte wurden Noten ausschließlich in Form von Abschriften weitergegeben. Wer also die Aufgabe hatte, einer Kapelle vorzustehen, der wurde damit fast automatisch notgedrungen auch zu einem Knotenpunkt in einem europäischen Netzwerk, in dem Kompositionen weiterverbreitet worden sind. 

Besonders sichtbar wird dies am Beispiel von Gustav Düben (1628 bis 1690). Er war der Sohn eines Organisten, der aus Deutschland stammte, bei Jan Pieterszoon Sweelinck in Amsterdam studiert hatte und dann in schwedische Dienste getreten war. Nach einer Studienreise durch Norddeutschland konnte auch Gustav Düben Mitglied der königlichen Hofkapelle werden. 1663 wurde er als Organist der deutschen Kirche von Stockholm sowie als Hofkapellmeister Amtsnachfolger seines Vaters. 

Die Musikaliensammlung, die Gustav Düben im Verlaufe seiner Amtszeit zusammengetragen hat, ist erhalten geblieben. Sie wurde von der Familie 1732 als Schenkung an die Universitätsbibliothek Uppsala übergeben, und sie gilt heute als in Qualität und Umfang einzigartiges Zeugnis europäischer Musikgeschichte. Knapp 2.000 Manuskripte und Notendrucke umfasst die Sammlung Düben. Die Musikstücke stammten dabei nicht nur von Musikerkollegen aus dem Osterseeraum, sondern auch aus wichtigen europäischen Musikmetropolen wie Paris, Wien oder Rom. 

Die Noten kann man sich im Internet anschauen; ediert ist nur ein kleiner Teil davon. Dass die Beschäftigung mit dieser musikalischen Schatzkammer aber lohnt, beweist die vorliegende CD, veröffentlicht bei Passacaille durch Dominik Wörner und das Kirchheimer Dübenconsort. Das mit namhaften „Alte-Musik“-Spezialisten erstklassig besetzte Ensemble lädt unter der Leitung von Jörg-Andreas Bötticher zu Entdeckungen ein – und davon gibt es eine ganze Menge. 

Denn für diese Aufnahme haben die Musiker gemeinsam mit dem Bassbariton zwölf Stücke aus der Düben-Sammlung ausgewählt; die meisten davon erklingen in Weltersteinspielung. In dem Programm stehen Solo-Kantaten von Samuel Capricornius (1628 bis 1665), Johann Krieger (1651 bis 1735), Kaspar Förster (1616 bis 1673) und Carlo Pallavicino (1630 bis 1688) neben anspruchsvoller Instrumentalmusik beispielsweise von Johann Michael Nicolai (1629 bis 1685) oder Sebastian Knüpfer (1633 bis 1735). Zu hören ist auch die Vertonung des Nunc dimittis durch Heinrich Schütz (1585 bis 1672), allerdings in einer Version mit drei zusätzlichen Mittelstimmen, die Gustav Düben hinzugefügt hat.


Freitag, 29. Dezember 2017

Frescobaldi: Capricci (1624) (Passacaille)

Die außerordentliche Vielfalt kompositorischer Mittel, die Girolamo Frescobaldi in seinen Capricci anwendet, wird in der vorliegenden Aufnahme mit Liuwe Tamminga auch durch die Vielfalt der Instrumente betont. Der Organist hat dafür Orgeln ausgewählt, die er sehr gut kennt, denn er wirkt an der Basilika San Petronio in Bologna. Dort befinden sich zwei ganz besondere historische Instrumente: Auf der Epistelseite erklingt eine Orgel von Lorenzo da Prato aus den Jahren 1471-75, ergänzt von Giovanni Battista Facchetti 1531, und auf der Evangelienseite eine weitere Orgel von Baldassare Malamini aus dem Jahre 1596. Zu hören ist zudem die Orgel von Giovanni Cipri in der Basilika San Martino, erbaut 1556; ebenfalls eine der klangschönsten und dazu am besten erhaltenen Renaissance-Orgeln der Welt. 
Noch farbenreicher wird die Einspielung durch ein Cembalo von Giovanni Battista Giusti aus dem Jahre 1679, das heute in Bologna im San Colombano Museum ausgestellt ist. Liuwe Tamminga spielt darauf, als Zugabe, das Capriccio VII noch einmal. Er macht so deutlich, dass dieses Stück mit seinen Variationen auch auf dem  Cembalo gut aufzuführen ist – wie überhaupt die Capricci offenbar die beliebtesten Werke Frescobaldis waren; immer wieder wurden sie neu gedruckt. Tamminga präsentiert diese kunstvollen Musikstücke, die ebenso verspielt wie raffiniert Möglichkeiten und mitunter auch Grenzen der damals gebräuchlichen Kompositionstechniken ausloten, gekonnt und inspiriert. 

Sonntag, 17. Juli 2016

Mannheim Cellists (Passacaille)

Was waren das doch für Zeiten, als Herrscher darum wetteiferten, die besten Musiker an ihre Höfe zu engagieren – man muss sich das in der Tat so ähnlich vorstellen, wie heute Transfers von Fußballstars. Ein solcher Regent war Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, der die einstige Festung Mannheim in eine Kunst- metropole verwandelte und dort innerhalb weniger Jahre eine Hofkapelle etablierte, die in ganz Europa bewundert wurde. 
„Kein Orchester der Welt hat es je in der Ausführung dem Mannheimer zuvorgethan“, schwärmte Christian Friedrich Daniel Schubart 1784. „Sein Forte ist ein Donner, sein Crescendo ein Catarakt, sein Diminuendo ein in der Ferne plätschernder Krystallfluss, sein Piano ein Frühlingshauch.“ Und Charles Burney, der Mannheim natürlich ebenfalls besucht hat, berichtete, in diesem Orchester „there are more solo players and good composers, then perhaps in any other orchestra in Europe. It is an army of generals, equally fit to plan a battle, as to fight it.“ 
Karl Theodor holte Musiker aus den verschiedensten Ländern in sein Orchester; er ermöglichte ihnen dann ein Studium in Italien, oder aber er gestattete ihnen, auf Konzertreisen zu gehen – eine clevere Strategie, denn Erfolge seiner Musiker in Wien oder in Paris mehrten letztendlich auch den Ruhm des Kurfürsten. 
Die vorliegende CD stellt Cellisten vor, die in Mannheim wirkten. Dazu gehörten Innocenz Danzi, auf dieser CD nicht vertreten, und der ihm als Zweiter Cellist nachgeordnete Anton Filtz (1733 bis 1760). Zu hören ist auch ein Werk von Filtz' Schüler Johann Georg Christoph Schetky (1737 bis 1824), der 1772 auf einer Konzertreise nach London eine Stelle in Edinburgh annahm – und dort blieb.
Jean Balthasar Triklir (1750 bis 1813) stammte aus Dijon; er ging mit 15 Jahren nach Mannheim, wo er erst studierte und dann in der Hofkapelle musizierte, bis er schließlich 1783 als Erster Cellist nach Dresden wechselte. In Mannheim blieb hingegen Peter Ritter (1763 bis 1846) – er wurde in der Stadt geboren, er lernte und musizierte, und er starb dann auch dort. Er war ein Schüler Danzis. Ritter entschied sich 1783, nicht mit der Hofkapelle nach München umzuziehen, sondern im Orchester des neugegründeten Nationaltheaters in Mannheim zu spielen. Er war dort zunächst Erster Cellist, dann ab 1801 Konzertmeister und schließlich Kapellmeister. 
Marco Testori, Violoncello, und Davide Pozzi, Hammerklavier, zeigen anhand der ausgewählten Sonaten, dass das Violoncello seinerzeit rasant Karriere machte: Es wurde nicht länger vorrangig als Continuo-Cello eingesetzt, sondern es bekam solistische Aufgaben, die immer höhere technische Anforderungen stellten. Auch die Begleitung sagte dem Generalbass-Zeitalter Adieu; das Tasteninstrument wird schließlich nicht mehr kontrapunktisch, sondern eher dialogisch geführt. Spannend! 

Montag, 11. April 2016

Bach: Solo Cantatas; Wörner (Passacaille)

Drei Kirchenkantaten für Solo-Bass sind im Gesamtwerk Johann Sebastian Bachs überliefert, dazu wird ihm ein weltliches Stück für diese Stimmlage zugeschrieben: Amore traditore BWV 203 ähnelt eher einer Arie, und könnte möglicherweise in Köthen entstanden sein. 
Bekannt sind Ich habe genung BWV 82 und Ich will den Kreuzstab gerne tragen BWV 56; Der Friede sei mit dir BWV 158 hingegen erklingt eher selten. Es wird diskutiert, ob es sich dabei um ein Fragment handelt. 
Dominik Wörner hat diese Werke bei Passacaille eingespielt. Der Bassba- riton, Gewinner des renommierten Leipziger Bach-Wettbewerbes im Jahre 2002, musiziert gemeinsam mit dem Ensemble Il Gardellino. Es wurde 1988 von dem Oboisten Marcel Ponseele und dem Traversflötisten Jan De Winne gegründet und wird von Konzertmeister Ryo Terakado geleitet. Marcel Ponseele prägt diese Aufnahme mit hinreißend gespielten Oboen- partien – ihn muss man fast noch vor dem Sänger loben, der seinen Part ebenfalls feinsinnig und tiefgründig ausdeutet. Unterstützt wird Wörner durch Franz Vitzthum, Sopran, Beat Duddeck, Altus, und Satoshi Mizu- koshi, Tenor.

Montag, 14. März 2016

Italian Sonatas (Passacaille)

Die Mandoline erlebte im 18. Jahr- hundert in Norditalien eine Blütezeit. Dabei stieg das Instrument vom Tanzboden in die „richtige“ Musik auf. Doch insbesondere in Neapel entstanden Kompositionen, in denen die Mandoline anspruchsvolle solistische Aufgaben erhielt. 
Musik aus jener Zeit präsentieren auf dieser CD Duilio Galfetti, Mandoline, und Luca Pianca, Laute und Theorbe. Es erklingen Sonaten von Francesco Piccone (um 1685 bis um 1745), Ludovico Fontanelli (um 1682 bis 1748), Carlo Arrigoni (11697 bis 1744), Giovanni Battista Gervasio (um 1725 bis um 1785) und Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Als Zwischenspiele trägt Luca Pianca auf der Laute drei elegante Solostücke vor, die einem Manuskript des Bologneser Komponi- sten Filippo Della Casa aus dem Jahre 1759 entstammen. Sie setzen zwischen all den virtuosen Musikstücken, in denen typischerweise die Mandoline dominiert, kleine noble Ruhe-Inseln. Sehr gelungen. 

Freitag, 18. Juli 2014

La voce del violoncello (Passacaille)

„It is in the 1665 publication of instrumental music by Bolognese organist Giulio Cesare Arresti that we first find the term violoncello“, berichtet Elinor Frey im Beiheft zu dieser CD. Wie dieses Instrument konkret ausgesehen hat, darüber freilich streiten sich die Gelehrten. Die Musiker aber scheinen von dem Bassinstrument aus der Violinen-Familie, dass dank der metallumsponnenen Saiten ziem- lich handlich geworden war, recht angetan gewesen zu sein. Sie schrieben dafür immer kühnere Soli – und bald auch Stücke für Violoncello allein. Nicht einmal hundert Jahre später hatte sich das neue Instrument in ganz Europa durch- gesetzt. 
Diese Zeitspanne hat Frey erkundet, und dabei etliche interessante und klangschöne Werke entdeckt. Auf dem Barockcello präsentiert die Cellistin unter anderem Werke von Giovanni Battista Vitali (1632 bis 1729), Giuseppe Colombi (1635 bis 1694), Domenico Galli (1649 bis 1697), Francesco Paolo Supriani (1678 bis 1753), Domenico Gabrielli (1651 bis 1690), Giulio Ruvo (Lebensdaten unbekannt) und Giuseppe Maria Dall'Abaco (1710 bis 1805). Begleitet wird sie bei einigen Stücken von Esteban La Rotta, Theorbe und Barockgitarre, und Susie Napper, ebenfalls Barockcello. Ein abwechslungsreiches Programm, mit vielen Raritäten. 

Montag, 7. Juli 2014

Bach: Sonatas for viola da gamba and harpsichord (Passacialle)

Ob die Werke Johann Sebastian Bachs auf einem Fortepiano oder auf einem Cembalo zu spielen sind, das ist eine Frage, die von Exper- ten gern und mit Ausdauer diskutiert wird. Fakt ist: Bach kannte das Fortepiano, den Urahn des modernen Konzertflügels. So hat er 1747 vor König Friedrich von Preußen auf einem solchen Instrument improvisiert. Mögli- cherweise besaß er sogar selbst ein „Silbermännisches Piano et Forte“; experimentierfreudig jedenfalls war der Musiker ohne jeden Zweifel. 
Experimentierfreude zeichnet auch die Aufnahme der drei Sonaten für Viola da gamba und obligates Cembalo BWV 1027 bis 1029 aus, die Vittorio und Lorenzo Ghielmi bei dem Label Passacaille einge- spielt haben. Ergänzt wird das Programm durch die Präludien und Fugen BWV 871, 884 und 847. Die Musiker nehmen sich die Freiheit und nutzen beide Instrumente; so kann der Hörer entscheiden, ob ihm der Klang einer Kopie des Silbermann-Fortepianos oder eines Cembalos nach einem Original von Christian Vater aus dem Jahre 1738 besser gefällt. „Die Bezeichnung Cembalo schließt, wie wir schon erklärt haben, den Einsatz des Fortepianos nicht aus“, be- gründen die Gebrüder Ghielmi, „vielmehr erweist er sich hier als besonders eindrucksvoll, weil er ein perfektes Gleichgewicht zwischen den drei Stimmen – der rechten und der linken Hand des Klavierspielers und der Viola da gamba – ermöglicht, außerdem noch eine Präzision in Phrasierung und Kontrapunkt, die dem Cem- balo nicht gegeben ist.“  

Dienstag, 24. Juni 2014

Devil's Trill (Passacaille)

Rasante Läufe, schier unglaubliche Figurationen, Doppel- und Tripel- griffe – im Zeitalter der reisenden Virtuosen ließen sich Geiger immer neue Höchstschwierigkeiten ein- fallen, um Publikum anzulocken und zu beeindrucken. 
Dass die Geschichte der virtuosen Violinmusik aber schon lange vor Paganini, Viotti und Vieuxtemps begonnen hat, das beweist die vorliegende CD. Enrico Onofri präsentiert in seiner Einspielung mit dem Imaginarium Ensemble Kompositionen, die die künstleri- schen Ahnen des „Teufelsgeigers“ geschaffen haben. Die drei Italiener spielen auf historischen Instrumenten, wobei das Cembalo der moderne Nachbau eines italienischen Vorbilds aus dem 17. Jahr- hundert ist. Sie zeigen mit sehr viel Spielfreude, dass es dem barocken Geiger in erster Linie um den Ausdruck von Affekten gegangen ist. Diesem Ziel ordnete sich alles virtuose Rankenwerk unter; ein expressives messa di voce, kunstvolle Triller und ein perfekt geformter Klang waren den Musikern ebenso wichtig wie schwierige Doppelgriffe oder schnelle Passagen. In Briefen und mit Werken für ihre Schüler gaben sie ausführliche Anleitungen, wie all das gespielt werden sollte. Wie es sich anhörte, das demonstriert Onofri am Beispiel von zwei Sonate Accademiche aus der Feder von Francesco Maria Veracini (1690 bis 1778). Es erklingen zudem eine Sonate von Giovanni Mossi (1680 bis 1742) und eine Invention von Francesco Antonio Bonporti (1672 bis 1749). Und natürlich darf auch die berühmte Teufelstriller-Sonate von Giuseppe Tartini (1692 bis 1770) nicht fehlen.  

Freitag, 10. Januar 2014

Bach: Keyboard works; Marville (Passacaille)

Es ist bekannt, dass Johann Sebastian Bach das Clavichord über alles schätzte. Sein Biograph Forkel berichtet: „Die sogenanten Flügel“ - gemeint sind Cembali - „obgleich auch auf ihnen ein gar verschiedener Vortrag statt fin- det, waren ihm doch zu seelen- los, und die Pianoforte waren bey seinem Leben noch zu sehr in ihrer ersten Entstehung, und noch viel zu plump, als daß sie ihm hätten Genüge thun können. Er hielt daher das Clavichord für das beste Instrument zum Studiren, wie überhaupt zur musikalischen Privatunterhaltung. Er fand es zum Vortrag seiner feinsten Gedanken am bequemsten und glaubte nicht, daß auf irgend einem Flügel oder Pianoforte eine solche Mannig- faltigkeit in den Schattirungen des Tons hervor gebracht werden könne, als auf diesem zwar Ton-armen, aber im Kleinen außer- ordentlich biegsamen Instrument.“ 
Ein Blick auf das Tonträgerangebot aber zeigt, dass das Clavichord, wenn es um Aufnahmen von Bachs Musik geht, faktisch keine Rolle spielt. Das ist ein erstaunliches Phänomen, und es ist eigentlich nur dadurch zu erklären, dass zu der Zeit, als Bachs Werke wiederentdeckt wurden, der Konzertflügel längst sowohl das Clavichord als auch das Cembalo abgelöst hatte. Die Aufführungstradition, die dadurch ent- standen ist, prägt unsere Hörgewohnheiten bis heute. 
Dass es durchaus faszinierend sein kann, Bachs Musik auf dem Clavi- chord vorzutragen, beweist Jovanka Marville auf dieser CD. Sie hat aus der großen Schar der Bach-Werke dafür einige ausgewählt – so unorthodox, wie dies wohl auch der Thomaskantor selbst getan hätte – und sie spielt wirklich bezaubernd. Sie musiziert auf einem klangschönen bundfreien, zweichörigen Clavichord, dass Thomas Steiner 1999 in Basel nach einem Instrument von Christian Gottlob Hubert, Hof-Orgel- und Instrumentenmacher im Dienste des Mark- grafen zu Bayreuth, gebaut hat.

Samstag, 26. März 2011

De Profundis (Passacaille)

Marcel Ponseele gehört zu den führenden Barock-Oboisten. Mit seinem Bruder Francis baut er zudem Oboen nach Vorbildern aus dem 18. Jahrhundert. Nach gut 30 Jahren Tätigkeit als Berufsmusiker wagt er sich nun zum ersten Male selbst an eine Bach-Interpretation; dieses Projekt umfasst fünf CD mit unterschiedlichen inhaltlichen Akzenten. 
Auf dieser CD stellt er gemeinsam mit den Musikern, mit denen er bereits seit 1988 im Ensemble Il Gardellino musiziert, Kantaten von Bach und Graupner vor. "In ,De profundis' geht es um die Bitte um Befreiung", erläutert Ponseele sein Konzept. Und natürlich spielt die Oboe eine gewichtige Rolle: "Die Oboe ist vor allem ein Instrument, das singen muss; der leicht melancholische Klang rührt die Seele an, begeistert und reißt mit." 
Musiziert wird in schlanker Besetzung. Zu den zehn hervorragenden Instrumentalisten kommen vier Solisten sowie ein "Chor", der aus sieben Ripienisten besteht. Die Aufnahme ist durchweg exzellent; diese CD ist wirklich ein Erlebnis - und die Kantate von Christoph Graupner erweist sich als echte Bereicherung des Repertoires; es wäre wünschenswert, dass seine Werke nun endlich systematisch erschlossen und ediert werden.