„Besuch im Zoo“ gehörte einstmals, als wir noch Kinder waren, zu unseren absoluten Lieblingsplatten. Pony Hopp, Teddy Brumm, der auf einem Bein stehende Storch und der Elefant, der das Trompetensolo zum Tierkonzert besteuern kann, waren unsere Favoriten unter den vielen, vielen humorvollen Tierliedern. Hans Sandig (1914 bis 1989), der Gründer des Leipziger Rundfunk-Kinder- chores, hat diese Zookantate seiner- zeit für dieses Ensemble auf Texte von Richard Hambach komponiert. (Und wer den Leipziger Zoo kennt, der weiß, welch großartiges Vorbild er dabei vor Augen hatte.)
Mit „seinem“ Rundfunk-Kinderchor hat Sandig das Werk dann natürlich auch eingespielt. Nun wagte sich der Nachfolger, der MDR Kinderchor, an eine Neueinspielung der Kantate. Es singt der Nachwuchschor 2 unter Leitung von Wieland Lemke – und man muss leider feststellen, dass diese Aufnahme an das Sandig-Original nicht heranreicht. Das ist alles ein wenig zu brav und farblos geraten, und die Balance zwischen den kleinen Sängern und Sprechern und dem Instrumentalensemble „Tierisch musika- lisch“ stimmt ebenfalls nicht; die Musiker sind mir zu laut. Schade!
Ergänzt wird das Programm durch die Weltersteinspielung von Hans Sandigs später Winterkantate nach Texten von Christian Morgenstern, gesungen vom Konzertchor, also den älteren und bereits erfahrenen Mitgliedern des MDR Kinderchores, unter Leitung von Ulrich Kaiser. Am Klavier begleitet werden die jungen Sängerinnen und Sänger von Christian Otto, und Wieland Lemke ist hier mit einem Bariton-Solo zu hören. Auch wenn die Vertonungen nur ein- bis zweistimmig sind, so sind sie doch keineswegs simpel. Denn Sandig setzte in seinem Morgenstern-Zyklus auf eine relativ moderne Tonsprache. Dem Konzertchor bereitet dies keine Probleme – und das ist eindeutig der spannendere Teil dieser CD.
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Dienstag, 28. März 2017
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Jauchze du Tochter Zion. Homilius - Stölzel - Rolle: Christmas Cantatas (cpo)
Musikwissenschaftler waren einst der Meinung, in der Zeit nach Bach sei es zu einem Verfall der Kirchenmusik gekommen. Michael Alexander Willens macht mit dieser CD deutlich, dass es sich bei diesem Diktum um ein Vorurteil handelt. Fünf Kantaten sind hier in Ersteinspielung zu hören – und jede von ihnen überzeugt. Ausgewählt wurden Werke der Bach-Zeitgenossen Christoph Förster (1693 bis 1745) und Gottfried Heinrich Stölzel (1690 bis 1749) sowie Kanta- ten der nachfolgenden Generation, sie stammen von Gottfried August Homilius (1714 bis 1785) und Johann Heinrich Rolle (1716 bis 1785). Entstanden sind sie für den Gebrauch im evangelischen Gottesdienst; auch ihre Struktur ist jeweils ähnlich: Auf einen üppigen Eingangschor folgen abwechselnd Rezitative und Arien, und zum Schluss erklingt eine Choral- strophe.
Überaus prächtig beginnt die CD mit Kreuzkantor Homilius' Erhöhet die Tore der Welt, besetzt sogar mit drei Trompeten nebst Pauken – eine beeindruckende Huldigung an den kommenden Herrscher der Erden, die mit einer deutschen Nachdichtung des Te Deum endet. Die Kantate Künd- lich groß ist das gottselige Geheimnis von dem Gothaer Hofkapellmeister Gottfried Heinrich Stölzel hingegen ist für den dritten Weihnachtstag bestimmt und daher kunstvoll mit kammermusikalischen Mitteln gestaltet, sie weicht auch in ihrer Struktur vom oben beschriebenen Schema ab: Auf Rezitative wird verzichtet, dafür erklingt zwischen den beiden Arien, die das Geheimnis und seine Auswirkungen beschreiben, eine zusätzliche Choralstrophe.
Christoph Förster, zunächst Kammermusiker und Konzertmeister in Merseburg, nach dem Tode seines Dienstherrn dann ab 1743 Vize-Kapellmeister ohne feste Besoldung in Rudolstadt, setzt für seine Kantate Ehre sei Gott in der Höhe ganz auf festlichen Glanz. Pauken und Trompe- ten erklingen in den Chören, und in der zentralen Arie wetteifert der Sopran in Koloraturen mit einer konzertierenden Traversflöte.
Gleich mit zwei Kantaten vertreten ist Johann Heinrich Rolle, Musikdirek- tor in Magdeburg. Wer sich für Details der Biographien aller vier Musiker interessiert, der kann sie hier im Blog an anderer Stelle finden – am ein- fachsten übrigens durch Klicken auf den jeweiligen Namen unten bei den Labels. Einmal mehr fragt man sich beim Anhören dieser stimmungsvollen Musik, wie es sein kann, dass Rolle und sein Schaffen derart in Vergessen- heit geraten konnten. In seiner Weihnachtskantate Siehe, Finsternis bedecket das Erdreich stellt er eindrucksvoll – auch klanglich – die dunk- len Mächte der Hölle und das strahlende Licht der Gnade Gottes einander gegenüber. In Jauchze, du Tochter Zion hingegen steht der Weihnachts- jubel im Mittelpunkt. Mit dem exzellenten Vokalisten-Doppelquartett, ergänzt durch den Tenor Georg Poplutz, und den ebenfalls exquisiten Instrumentalisten der Kölner Akademie hat Willens einmal mehr die Raritätenkollektion des Labels cpo um eine wertvolle Einspielung berei- chert. Grandios!
Überaus prächtig beginnt die CD mit Kreuzkantor Homilius' Erhöhet die Tore der Welt, besetzt sogar mit drei Trompeten nebst Pauken – eine beeindruckende Huldigung an den kommenden Herrscher der Erden, die mit einer deutschen Nachdichtung des Te Deum endet. Die Kantate Künd- lich groß ist das gottselige Geheimnis von dem Gothaer Hofkapellmeister Gottfried Heinrich Stölzel hingegen ist für den dritten Weihnachtstag bestimmt und daher kunstvoll mit kammermusikalischen Mitteln gestaltet, sie weicht auch in ihrer Struktur vom oben beschriebenen Schema ab: Auf Rezitative wird verzichtet, dafür erklingt zwischen den beiden Arien, die das Geheimnis und seine Auswirkungen beschreiben, eine zusätzliche Choralstrophe.
Christoph Förster, zunächst Kammermusiker und Konzertmeister in Merseburg, nach dem Tode seines Dienstherrn dann ab 1743 Vize-Kapellmeister ohne feste Besoldung in Rudolstadt, setzt für seine Kantate Ehre sei Gott in der Höhe ganz auf festlichen Glanz. Pauken und Trompe- ten erklingen in den Chören, und in der zentralen Arie wetteifert der Sopran in Koloraturen mit einer konzertierenden Traversflöte.
Gleich mit zwei Kantaten vertreten ist Johann Heinrich Rolle, Musikdirek- tor in Magdeburg. Wer sich für Details der Biographien aller vier Musiker interessiert, der kann sie hier im Blog an anderer Stelle finden – am ein- fachsten übrigens durch Klicken auf den jeweiligen Namen unten bei den Labels. Einmal mehr fragt man sich beim Anhören dieser stimmungsvollen Musik, wie es sein kann, dass Rolle und sein Schaffen derart in Vergessen- heit geraten konnten. In seiner Weihnachtskantate Siehe, Finsternis bedecket das Erdreich stellt er eindrucksvoll – auch klanglich – die dunk- len Mächte der Hölle und das strahlende Licht der Gnade Gottes einander gegenüber. In Jauchze, du Tochter Zion hingegen steht der Weihnachts- jubel im Mittelpunkt. Mit dem exzellenten Vokalisten-Doppelquartett, ergänzt durch den Tenor Georg Poplutz, und den ebenfalls exquisiten Instrumentalisten der Kölner Akademie hat Willens einmal mehr die Raritätenkollektion des Labels cpo um eine wertvolle Einspielung berei- chert. Grandios!
Sonntag, 6. November 2016
Beethoven: Serenata per Flauto Violino e Viola op. 25 (MDG)
Auf der Suche nach dem fernen Klang der Romantik hat das Ardinghello Ensemble einen Abstecher in die Zeit der Wiener Klassik gemacht: Kammermusik von Ludwig van Beethoven ist, abgesehen von den Streichquartetten, ziemlich rar – und dass der Musiker ausgerechnet für Flöte, Violine und Viola seine Serenade op. 25 geschrieben hat, das ist ein echtes Kuriosum.
Karl Kaiser rätselt im Geleitwort zu dieser CD darüber, aus welchem Anlass dieses Werk entstanden sein könnte: „Offensichtlich ist es seine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Typus, die ihn zur Komposition veranlasste“, vermutet der Flötist. Er hat das aparte Werk, das sich um Konventionen wenig schert, mit hörbarem Vergnügen eingespielt: „Insgesamt wirkt das Trio op. 25 wie ein fröhlich-rebellischer Gegenentwurf zur leicht verdaulichen Alltagskunst vieler Serenaden-Zeitgenossen.“
Kombiniert wurde die Serenade mit einem weiteren Trio – diesmal in „klassischer“ Besetzung, mit Violine, Viola und Violoncello. Es ist, meint Kaiser, eine direkte Antwort auf Mozarts großartiges Divertimento Es-Dur KV 563. „Der Spagat von ausdruckstiefer, hochartifizieller Kompositions- technik und der Anlage als Divertimento-Musik ist an sich paradox, aber konzeptionell offensichtlich gewollt“, merkt Kaiser an. Egal – so brillant, wie Annette Rehberger, Sebastian Wohlfarth und Gesine Queyras vom Ardinghello Ensemble musizieren, vergisst der Zuhörer rasch das Rätseln über der Musikgeschichte und genießt diese prachtvolle Einspielung. Unbedingt anhören!
Karl Kaiser rätselt im Geleitwort zu dieser CD darüber, aus welchem Anlass dieses Werk entstanden sein könnte: „Offensichtlich ist es seine sehr persönliche Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Typus, die ihn zur Komposition veranlasste“, vermutet der Flötist. Er hat das aparte Werk, das sich um Konventionen wenig schert, mit hörbarem Vergnügen eingespielt: „Insgesamt wirkt das Trio op. 25 wie ein fröhlich-rebellischer Gegenentwurf zur leicht verdaulichen Alltagskunst vieler Serenaden-Zeitgenossen.“
Kombiniert wurde die Serenade mit einem weiteren Trio – diesmal in „klassischer“ Besetzung, mit Violine, Viola und Violoncello. Es ist, meint Kaiser, eine direkte Antwort auf Mozarts großartiges Divertimento Es-Dur KV 563. „Der Spagat von ausdruckstiefer, hochartifizieller Kompositions- technik und der Anlage als Divertimento-Musik ist an sich paradox, aber konzeptionell offensichtlich gewollt“, merkt Kaiser an. Egal – so brillant, wie Annette Rehberger, Sebastian Wohlfarth und Gesine Queyras vom Ardinghello Ensemble musizieren, vergisst der Zuhörer rasch das Rätseln über der Musikgeschichte und genießt diese prachtvolle Einspielung. Unbedingt anhören!
Sonntag, 4. Januar 2015
Romberg: Quintets for flute, violin, 2 violas and violoncello (MDG)
Und noch eine Entdeckung findet sich bei Dabringhaus und Grimm: Das Ardinghello Ensemble um Karl Kaiser beschäftigt sich in einer Ersteinspielung mit den Flöten- quintetten von Andreas Romberg. Dass diese Werke nicht ganz leichte Kost sind, wird man schon anhand der Besetzung feststellen.
Nicht das Divertimento stand hier Pate, die leichte Unterhaltung, son- dern das ernsthafte Streichquintett – und so musiziert Traversflötist Kaiser hier gemeinsam mit Annette Reh- berger, Violine, Sebastian Wohlfahrt und Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello.
Andreas Jakob Romberg (1767 bis 1821) entstammte einer Musiker- dynastie. Den ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater, einem Militärmusiker, der hervorragend Klarinette und auch Geige spielte. Die ersten Erfolge seines Leben feierte Romberg junior gemeinsam mit seinem Vetter Bernhard Romberg, der Violoncello spielte. Sie musizierten zusammen, gingen gemeinsam auf Konzertreisen quer durch Europa, und sie spielten in der Münsteraner Hofkapelle. Im Herbst 1790 wurden die Rombergs Mitglieder der Bonner Hofkapelle. Dort trafen sie auf eine illustre Kollegenschar; in dem Orchester musizierten seinerzeit unter anderem der junge Beethoven, Anton und Josef Reicha, der Geiger Franz Anton Ries sowie der Hornist und spätere Musikverleger Nikolaus Simrock.
Leider bereiteten die französischen Truppen dem rheinischen Idyll bald ein Ende. Die Rombergs gingen nach Hamburg, wo sie etliche Jahre wirkten, immer wieder unterbrochen durch ausgedehnte Konzertreisen. Andreas Romberg erwarb sich nicht nur als Geiger einen exzellenten Ruf, sondern bald auch als Komponist. Allerdings wurde das Leben in Hamburg nach 1810 infolge der Kontinentalsperre schwierig. 1815 nahm Romberg daher, nach langem Zögern, die Nachfolge von Louis Spohr als Konzertmeister der Gothaer Hofkapelle an. Er erhielt ein großzügiges Gehalt, aber er hatte auch eine große Familie zu ernähren, was ihm wohl erhebliches Kopf- zerbrechen bereitete. Schließlich erkrankte er; Cousin Bernhard meinte, Andreas sei letztendlich vor Kummer gestorben, weil er nicht wusste, wie er seine in Gotha angehäuften Schulden bezahlen sollte.
Romberg hat insgesamt sechs Flötenquintette geschrieben. Entstanden sind sie in seinen Hamburger Jahren. „Romberg zeigt sich hier auf einer kompositorischen Höhe, die tatsächlich Vergleiche mit den Großmeistern der Epoche nicht zu scheuen braucht“, urteilt Kaiser in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD. Die Flöte führt in diesen Werken allerdings klar und eindeutig; die anderen vier Instrumente dürfen sich an dem motivischen Geschehen zwar gelegentlich ein Stück weit beteiligen, haben ansonsten aber eher Begleitfunktion. Auch sonst wird man erstaunt feststellen, wie sehr diese Quintette schon der Romantik vorgreifen. Die klassischen Formen werden sehr persönlich, in op. 41,1 sogar hoch- politisch, genutzt. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man jedenfalls sehr gespannt sein.
Nicht das Divertimento stand hier Pate, die leichte Unterhaltung, son- dern das ernsthafte Streichquintett – und so musiziert Traversflötist Kaiser hier gemeinsam mit Annette Reh- berger, Violine, Sebastian Wohlfahrt und Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello.
Andreas Jakob Romberg (1767 bis 1821) entstammte einer Musiker- dynastie. Den ersten Unterricht erhielt er bei seinem Vater, einem Militärmusiker, der hervorragend Klarinette und auch Geige spielte. Die ersten Erfolge seines Leben feierte Romberg junior gemeinsam mit seinem Vetter Bernhard Romberg, der Violoncello spielte. Sie musizierten zusammen, gingen gemeinsam auf Konzertreisen quer durch Europa, und sie spielten in der Münsteraner Hofkapelle. Im Herbst 1790 wurden die Rombergs Mitglieder der Bonner Hofkapelle. Dort trafen sie auf eine illustre Kollegenschar; in dem Orchester musizierten seinerzeit unter anderem der junge Beethoven, Anton und Josef Reicha, der Geiger Franz Anton Ries sowie der Hornist und spätere Musikverleger Nikolaus Simrock.
Leider bereiteten die französischen Truppen dem rheinischen Idyll bald ein Ende. Die Rombergs gingen nach Hamburg, wo sie etliche Jahre wirkten, immer wieder unterbrochen durch ausgedehnte Konzertreisen. Andreas Romberg erwarb sich nicht nur als Geiger einen exzellenten Ruf, sondern bald auch als Komponist. Allerdings wurde das Leben in Hamburg nach 1810 infolge der Kontinentalsperre schwierig. 1815 nahm Romberg daher, nach langem Zögern, die Nachfolge von Louis Spohr als Konzertmeister der Gothaer Hofkapelle an. Er erhielt ein großzügiges Gehalt, aber er hatte auch eine große Familie zu ernähren, was ihm wohl erhebliches Kopf- zerbrechen bereitete. Schließlich erkrankte er; Cousin Bernhard meinte, Andreas sei letztendlich vor Kummer gestorben, weil er nicht wusste, wie er seine in Gotha angehäuften Schulden bezahlen sollte.
Romberg hat insgesamt sechs Flötenquintette geschrieben. Entstanden sind sie in seinen Hamburger Jahren. „Romberg zeigt sich hier auf einer kompositorischen Höhe, die tatsächlich Vergleiche mit den Großmeistern der Epoche nicht zu scheuen braucht“, urteilt Kaiser in dem sehr infor- mativen Beiheft zu dieser CD. Die Flöte führt in diesen Werken allerdings klar und eindeutig; die anderen vier Instrumente dürfen sich an dem motivischen Geschehen zwar gelegentlich ein Stück weit beteiligen, haben ansonsten aber eher Begleitfunktion. Auch sonst wird man erstaunt feststellen, wie sehr diese Quintette schon der Romantik vorgreifen. Die klassischen Formen werden sehr persönlich, in op. 41,1 sogar hoch- politisch, genutzt. Auf die Fortsetzung dieser Edition darf man jedenfalls sehr gespannt sein.
Freitag, 20. Juni 2014
Praise the Lord - Luthers Lieder auf dem Weg in die Welt (Carus)
Mit dieser CD verweist der Stadt- singechor Halle/Saale auf Tradi- tionen, die die Hallorenstadt geprägt haben. Denn sie war einst ein Zentrum des Pietismus. Dort gründete der Theologe August Hermann Francke (1663 bis 1727) eine Anstalt zur Betreuung von Armen und Waisen. Diese soge- nannten Franckeschen Stiftungen, einst vor den Toren gelegen, heute eine kleine Stadt mitten in der Stadt, trugen ganz entscheidend dazu bei, dass Halle in ganz Europa als „neues Jerusalem“ gerühmt wurde.
Im Hallenser Waisenhaus wurden Lieder gesungen – natürlich die aus der Feder Martin Luthers, aber auch die kunstvollen Vertonungen durch Johann Walther (1496 bis 1570). Der kursächsische Hofkapell- meister gilt als „Urkantor“ der Reformation. Hundert Jahre später entstand eine neue Art von Kirchenliedern. Sie war weniger für den Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht bestimmt und reflektierte die persönliche Beziehung des Christen zu Christus – was dem Geist des Pietismus sehr nahe lag.
Insbesondere die Lieder Paul Gerhardts (1607 bis 1676) wurden von den Hallensern sehr geschätzt. Francke und sein Mitarbeiter Johann Anastasius Freylinghausen schufen auch eigene Lieder, die den frommen Lebenswandel so erfolgreich lobten, dass die örtlichen Drucker es kaum schafften, ausreichend Gesangbücher zu liefern – so groß war die Nachfrage. Und die Pietisten verbreiteten dieses Liedgut weltweit; diese CD zeigt anhand von Beispielen aus dem englisch- sprachigen Raum, wie die Ideen aus Mitteldeutschland singend bis in die Neue Welt gelangten. Der Stadtsingechor zu Halle, einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands, derzeit unter Leitung von Frank-Steffen Elster, hat gemeinsam mit der Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner sowie einem Solistenquartett eine Auswahl Kirchenlieder aus dieser Tradition eingespielt.
Im Hallenser Waisenhaus wurden Lieder gesungen – natürlich die aus der Feder Martin Luthers, aber auch die kunstvollen Vertonungen durch Johann Walther (1496 bis 1570). Der kursächsische Hofkapell- meister gilt als „Urkantor“ der Reformation. Hundert Jahre später entstand eine neue Art von Kirchenliedern. Sie war weniger für den Gottesdienst als vielmehr für die häusliche Andacht bestimmt und reflektierte die persönliche Beziehung des Christen zu Christus – was dem Geist des Pietismus sehr nahe lag.
Insbesondere die Lieder Paul Gerhardts (1607 bis 1676) wurden von den Hallensern sehr geschätzt. Francke und sein Mitarbeiter Johann Anastasius Freylinghausen schufen auch eigene Lieder, die den frommen Lebenswandel so erfolgreich lobten, dass die örtlichen Drucker es kaum schafften, ausreichend Gesangbücher zu liefern – so groß war die Nachfrage. Und die Pietisten verbreiteten dieses Liedgut weltweit; diese CD zeigt anhand von Beispielen aus dem englisch- sprachigen Raum, wie die Ideen aus Mitteldeutschland singend bis in die Neue Welt gelangten. Der Stadtsingechor zu Halle, einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands, derzeit unter Leitung von Frank-Steffen Elster, hat gemeinsam mit der Lautten Compagney Berlin unter Wolfgang Katschner sowie einem Solistenquartett eine Auswahl Kirchenlieder aus dieser Tradition eingespielt.
Freitag, 8. März 2013
Danzi: Flute Quartets op. 56 (MDG)
Franz Danzi (1763 bis 1826) war der Sohn eines italienischen Cellisten, der der Mannheimer Hofkapelle angehörte. Unterrichtet wurde er von seinem Vater, später dann auch von Abbé Vogler. Als der Kurfürst Carl Theodor mitsamt dem Hof 1778 nach München übersiedelte, blieb Danzi zunächst in Mannheim. Er musizierte am neuen Hof- und Nationaltheater, wo 1780 auch seine erste Oper auf- geführt wurde.
Ein Jahr später ging er nach München, wo er 1783 seinem Vater in der Position des Solocellisten nachfolgte. Danzi unternahm zudem einige Konzertreisen, gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Sängerin und Komponistin Maria Margarethe Marchand. Wieder in München, wurde er Vizekapellmeister. 1807 ging Danzi als Hofkapellmeister nach Stuttgart, wo er gleichzeitig als Kompositionslehrer und Inspektor der Bläserabteilung am Kunst- institut des Waisenhauses wirkte. 1812 wechselte er dann nach Karlsruhe, wo er bis ans Ende seiner Tage blieb. Dort sind viele seiner Werke für die Kammermusik entstanden, insbesondere seine neun Bläserquintette, die bis heute im Konzert erklingen.
Auf der vorliegenden CD hat das Ardinghello-Ensemble nun seine Flötenquartette op. 56 eingespielt. Diese bezaubernden Werke basieren zwar auf Formen, die man gemeinhin der Klassik zuordnen würde. Doch sowohl in ihrer Suche nach interessanten klanglichen Effekten als auch in ihren Anleihen bei der "Volksmusik" lassen sie bereits an die Romantiker und ihre Ideen denken. Für Musiker sind diese Werke attraktiv, denn Danzi hat alle vier Quartettpartner gleichermaßen mit anspruchsvollen Aufgaben betraut.
Die drei Quartette stecken voll Überraschungen, denn Danzi hat für die einzelnen Sätze so manchen kuriosen Einfall verarbeitet. Da erklingt ein venezianisches Gondellied, dramatische Ausbrüche stehen neben lieblichen Belcanto-Koloraturen, und auch die Klänge von Drehleier und Bordunbass sorgen für ein einzigartiges Flair. Das Ardinghello-Ensemble, das sich der Ideenwelt der Romantik beson- ders verbunden fühlt, zündet dieses Zitate-Feuerwerk mit Tempera- ment und Spiel-Lust. Karl Kaiser, Flöte, Annette Rehberger, Violine, Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello, zeigen mit dieser CD, dass klassische Musik durchaus auch geistreich, ja witzig sein kann. Mich jedenfalls hat diese hinreißende Aufnahme begei- stert. Bravi!
Ein Jahr später ging er nach München, wo er 1783 seinem Vater in der Position des Solocellisten nachfolgte. Danzi unternahm zudem einige Konzertreisen, gemeinsam mit seiner Ehefrau, der Sängerin und Komponistin Maria Margarethe Marchand. Wieder in München, wurde er Vizekapellmeister. 1807 ging Danzi als Hofkapellmeister nach Stuttgart, wo er gleichzeitig als Kompositionslehrer und Inspektor der Bläserabteilung am Kunst- institut des Waisenhauses wirkte. 1812 wechselte er dann nach Karlsruhe, wo er bis ans Ende seiner Tage blieb. Dort sind viele seiner Werke für die Kammermusik entstanden, insbesondere seine neun Bläserquintette, die bis heute im Konzert erklingen.
Auf der vorliegenden CD hat das Ardinghello-Ensemble nun seine Flötenquartette op. 56 eingespielt. Diese bezaubernden Werke basieren zwar auf Formen, die man gemeinhin der Klassik zuordnen würde. Doch sowohl in ihrer Suche nach interessanten klanglichen Effekten als auch in ihren Anleihen bei der "Volksmusik" lassen sie bereits an die Romantiker und ihre Ideen denken. Für Musiker sind diese Werke attraktiv, denn Danzi hat alle vier Quartettpartner gleichermaßen mit anspruchsvollen Aufgaben betraut.
Die drei Quartette stecken voll Überraschungen, denn Danzi hat für die einzelnen Sätze so manchen kuriosen Einfall verarbeitet. Da erklingt ein venezianisches Gondellied, dramatische Ausbrüche stehen neben lieblichen Belcanto-Koloraturen, und auch die Klänge von Drehleier und Bordunbass sorgen für ein einzigartiges Flair. Das Ardinghello-Ensemble, das sich der Ideenwelt der Romantik beson- ders verbunden fühlt, zündet dieses Zitate-Feuerwerk mit Tempera- ment und Spiel-Lust. Karl Kaiser, Flöte, Annette Rehberger, Violine, Bodo Friedrich, Viola, und Ursula Kaiser, Violoncello, zeigen mit dieser CD, dass klassische Musik durchaus auch geistreich, ja witzig sein kann. Mich jedenfalls hat diese hinreißende Aufnahme begei- stert. Bravi!
Samstag, 10. Juli 2010
Molino: Chamber Works for Flute, Violin & Guitar (CPO)
Francesco Molino war einer jener virtuosen Gitarristen, die Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Heimat Italien verließen, um in den musi- kalischen Zentren der damaligen Zeit, vor allem in Paris und Wien, Ansehen und Einkommen zu erwerben. Molino stammt aus einer Musikerfamilie; sein Vater war Militärmusiker beim Reggi- mento Piemonte. So wurde auch der Sohn zunächst Oboista; außerdem trat er als Geiger in das Orchester des Königlichen Theaters Turin ein. Es war damals nicht ungewöhnlich, dass Musiker die unterschiedlichsten Instrumente spielten; Paganini beispielsweise war Gitarrist und gleichzeitig ein berühmter Geiger.
Molino ging nach Paris - und wirkte dort immerhin 28 Jahre lang, bis zu seinem Tode 1847, erfolgreich als Gitarrenvirtuose, Komponist und als sehr gefragter Lehrer, der viele prominente Schüler unter- richtete. So widmete er die Grande Méthode Complette op. 33, eine große und bedeutende Gitarrenschule, seiner Schülerin und Gönnerin Madame la Duchesse de Berry.
Seine Werke zeigen, dass er die Tradition der italienischen Oper ebenso in seine Musik integrierte wie den für den Pariser und Wiener Salon jener Zeit typischen "brillanten" Stil. So erweist sich beispiels- weise sein Trio op. 4 Nr. 1 in G-Dur für Flöte, Viola und Gitarre als ein Kabinettstück à la Rossini. Molino beeindruckt mit musikalischen Ideen, die emporperlen wie die kleinen Gasbläschen im Champagner, und auch so prickeln; Flöte und Bratsche präsentieren sich in einem munteren Dialog, und das ganze Stück ist von geradezu ansteckender Heiterkeit. Sehr ähnlich wirken auch die beiden Nocturnes op. 37 in a-Moll für Violine und Gitarre und op. 38 in G-Dur für Flöte und Gitarre.
Das Trio D-Dur op. 45 für Flöte, Viola und Gitarre hingegen ist beste romantische Kammermusik, mit einer wunderbaren Romanze als Mittelsatz. Das Grand Trio concertant G-Dur op. 30 für Flöte, Viola und Gitarre wiederum erscheint als Pariser Salonmusik vom Allerfeinsten - von dem bildhübschen Sicilienne, mit dem das Werk beginnt, bis zum theatralischen Schlussrondo. Hier tritt jedes Instrument in den musikalischen Wettstreit mit den Kollegen - und erhält auch in etlichen Solo-Episoden Raum zum Brillieren.
Das Ensemble Sérénade à trois ist dabei hörbar in seinem Element. Petra Müllejans, Violine und Viola, Karl Kaiser, Traversflöte, und Sonja Prunnbauer, Romantische Gitarre, sind ausgewiesene Experten in ihrem Metier. Sie musizieren auf Originalinstrumenten bzw. Nachbauten solcher Musikinstrumente, und zeigen so, wie die Musik des frühen 19. Jahrhunderts zur Zeit ihrer Entstehung geklungen haben könnte. Sie beeindrucken durch Spielleidenschaft ebenso wie durch einen schönen, warmen Ton - eine traumschöne CD, die hier wärmstens empfohlen werden kann.
Donnerstag, 22. April 2010
Concert for Harp & Organ (K&K)
Ein stimmungsvoller Mitschnitt eines Konzertes in der Schloss- kirche Bad Homburg aus dem August 2007. Konzertorganistin Ulrike Northoff, die künstlerische Leiterin der Konzertreihe Musik
im Schloss, spielt gemeinsam mit der Soloharfenistin Olja Kaiser, ausgebildet am Moskauer Tschai- kowsky-Konservatorium, Werke für Orgel und Harfe.
Zum überwiegenden Teil sind es Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Beset- zungen entstanden sind - leider gibt das Beiheft keine Auskunft darüber, wer sie geschaffen hat. So bleibt einem nur, sich am harmo- nischen Musizieren der beiden Solistinnen zu erfreuen, und an einer stimmigen, geradezu sommerlichen Stückwahl. Nur soviel sei hier verraten: Es ist durchweg Musik mit Ausstrahlung - wunderschön!
im Schloss, spielt gemeinsam mit der Soloharfenistin Olja Kaiser, ausgebildet am Moskauer Tschai- kowsky-Konservatorium, Werke für Orgel und Harfe.
Zum überwiegenden Teil sind es Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Beset- zungen entstanden sind - leider gibt das Beiheft keine Auskunft darüber, wer sie geschaffen hat. So bleibt einem nur, sich am harmo- nischen Musizieren der beiden Solistinnen zu erfreuen, und an einer stimmigen, geradezu sommerlichen Stückwahl. Nur soviel sei hier verraten: Es ist durchweg Musik mit Ausstrahlung - wunderschön!
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