Johann Joachim Quantz (1697 bis 1773) war der Flötenlehrer Friedrichs des Großen. Der Monarch hatte den Musiker, den er schon seit 1728 kannte und sehr schätzte, nach seiner Thronbesteigung 1740 umgehend engagiert. Ein Jahresgehalt von sagenhaften 2000 Talern konnte selbst August III., der Sohn Augusts des Starken, wie dieser polnischer König und ein großer Kunstmäzen, nicht bieten, so dass Quantz aus kursächsischen in preußische Dienste wechselte.
Er gab seinem König Flötenunter- richt, fertigte Instrumente für ihn an und er war auch für die königliche Kammermusik zuständig. So komponierte Quantz mehr als 200 Flöten- konzerte, die nur Friedrich der Große spielen durfte. Auf dieser CD stellt der amerikanische Flötist Eric Lamb vier dieser Werke vor.
Die ausgewählten Stücke geben einen guten Überblick über das Schaffen des Musikers für den König. Obwohl Quantz sich formal stets an dem gleichen Schema orientierte, wie es auch Vivaldi genutzt hatte, sind seine Konzerte erstaunlich abwechslungsreich und höchst raffiniert individuell gestaltet. Virtuose Ecksätze im traditionellen italienischen Ritornello-Stil umrahmen einen langsamen Mittelsatz, bei dessen Gestaltung Quantz enormen Einfallsreichtum beweist.
Das ist kein Zufall – denn am Adagio und nicht an seiner Fingerfertigkeit wurde damals ein Virtuose gemessen. Eric Lamb musiziert hinreißend schön; er spielt bei dieser Aufnahme eine Holzflöte der Firma Sankyo Handmade Flutes. Dieser Traversflöte entlockt er herrliche, eher dunkle und runde Töne; sie hat nicht das Strahlende einer Böhmflöte, sondern beinahe etwas Geheimnisvolles. Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens begleitet den Solisten mit Eleganz und kammermusikalisch transparent. Sehr gelungen!
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Sonntag, 23. September 2018
Mittwoch, 21. Dezember 2016
Jauchze du Tochter Zion. Homilius - Stölzel - Rolle: Christmas Cantatas (cpo)
Musikwissenschaftler waren einst der Meinung, in der Zeit nach Bach sei es zu einem Verfall der Kirchenmusik gekommen. Michael Alexander Willens macht mit dieser CD deutlich, dass es sich bei diesem Diktum um ein Vorurteil handelt. Fünf Kantaten sind hier in Ersteinspielung zu hören – und jede von ihnen überzeugt. Ausgewählt wurden Werke der Bach-Zeitgenossen Christoph Förster (1693 bis 1745) und Gottfried Heinrich Stölzel (1690 bis 1749) sowie Kanta- ten der nachfolgenden Generation, sie stammen von Gottfried August Homilius (1714 bis 1785) und Johann Heinrich Rolle (1716 bis 1785). Entstanden sind sie für den Gebrauch im evangelischen Gottesdienst; auch ihre Struktur ist jeweils ähnlich: Auf einen üppigen Eingangschor folgen abwechselnd Rezitative und Arien, und zum Schluss erklingt eine Choral- strophe.
Überaus prächtig beginnt die CD mit Kreuzkantor Homilius' Erhöhet die Tore der Welt, besetzt sogar mit drei Trompeten nebst Pauken – eine beeindruckende Huldigung an den kommenden Herrscher der Erden, die mit einer deutschen Nachdichtung des Te Deum endet. Die Kantate Künd- lich groß ist das gottselige Geheimnis von dem Gothaer Hofkapellmeister Gottfried Heinrich Stölzel hingegen ist für den dritten Weihnachtstag bestimmt und daher kunstvoll mit kammermusikalischen Mitteln gestaltet, sie weicht auch in ihrer Struktur vom oben beschriebenen Schema ab: Auf Rezitative wird verzichtet, dafür erklingt zwischen den beiden Arien, die das Geheimnis und seine Auswirkungen beschreiben, eine zusätzliche Choralstrophe.
Christoph Förster, zunächst Kammermusiker und Konzertmeister in Merseburg, nach dem Tode seines Dienstherrn dann ab 1743 Vize-Kapellmeister ohne feste Besoldung in Rudolstadt, setzt für seine Kantate Ehre sei Gott in der Höhe ganz auf festlichen Glanz. Pauken und Trompe- ten erklingen in den Chören, und in der zentralen Arie wetteifert der Sopran in Koloraturen mit einer konzertierenden Traversflöte.
Gleich mit zwei Kantaten vertreten ist Johann Heinrich Rolle, Musikdirek- tor in Magdeburg. Wer sich für Details der Biographien aller vier Musiker interessiert, der kann sie hier im Blog an anderer Stelle finden – am ein- fachsten übrigens durch Klicken auf den jeweiligen Namen unten bei den Labels. Einmal mehr fragt man sich beim Anhören dieser stimmungsvollen Musik, wie es sein kann, dass Rolle und sein Schaffen derart in Vergessen- heit geraten konnten. In seiner Weihnachtskantate Siehe, Finsternis bedecket das Erdreich stellt er eindrucksvoll – auch klanglich – die dunk- len Mächte der Hölle und das strahlende Licht der Gnade Gottes einander gegenüber. In Jauchze, du Tochter Zion hingegen steht der Weihnachts- jubel im Mittelpunkt. Mit dem exzellenten Vokalisten-Doppelquartett, ergänzt durch den Tenor Georg Poplutz, und den ebenfalls exquisiten Instrumentalisten der Kölner Akademie hat Willens einmal mehr die Raritätenkollektion des Labels cpo um eine wertvolle Einspielung berei- chert. Grandios!
Überaus prächtig beginnt die CD mit Kreuzkantor Homilius' Erhöhet die Tore der Welt, besetzt sogar mit drei Trompeten nebst Pauken – eine beeindruckende Huldigung an den kommenden Herrscher der Erden, die mit einer deutschen Nachdichtung des Te Deum endet. Die Kantate Künd- lich groß ist das gottselige Geheimnis von dem Gothaer Hofkapellmeister Gottfried Heinrich Stölzel hingegen ist für den dritten Weihnachtstag bestimmt und daher kunstvoll mit kammermusikalischen Mitteln gestaltet, sie weicht auch in ihrer Struktur vom oben beschriebenen Schema ab: Auf Rezitative wird verzichtet, dafür erklingt zwischen den beiden Arien, die das Geheimnis und seine Auswirkungen beschreiben, eine zusätzliche Choralstrophe.
Christoph Förster, zunächst Kammermusiker und Konzertmeister in Merseburg, nach dem Tode seines Dienstherrn dann ab 1743 Vize-Kapellmeister ohne feste Besoldung in Rudolstadt, setzt für seine Kantate Ehre sei Gott in der Höhe ganz auf festlichen Glanz. Pauken und Trompe- ten erklingen in den Chören, und in der zentralen Arie wetteifert der Sopran in Koloraturen mit einer konzertierenden Traversflöte.
Gleich mit zwei Kantaten vertreten ist Johann Heinrich Rolle, Musikdirek- tor in Magdeburg. Wer sich für Details der Biographien aller vier Musiker interessiert, der kann sie hier im Blog an anderer Stelle finden – am ein- fachsten übrigens durch Klicken auf den jeweiligen Namen unten bei den Labels. Einmal mehr fragt man sich beim Anhören dieser stimmungsvollen Musik, wie es sein kann, dass Rolle und sein Schaffen derart in Vergessen- heit geraten konnten. In seiner Weihnachtskantate Siehe, Finsternis bedecket das Erdreich stellt er eindrucksvoll – auch klanglich – die dunk- len Mächte der Hölle und das strahlende Licht der Gnade Gottes einander gegenüber. In Jauchze, du Tochter Zion hingegen steht der Weihnachts- jubel im Mittelpunkt. Mit dem exzellenten Vokalisten-Doppelquartett, ergänzt durch den Tenor Georg Poplutz, und den ebenfalls exquisiten Instrumentalisten der Kölner Akademie hat Willens einmal mehr die Raritätenkollektion des Labels cpo um eine wertvolle Einspielung berei- chert. Grandios!
Sonntag, 20. November 2016
Hoffmann: Symphony - Ouvertures (cpo)
Für ein Festkonzert zum Geburtstag des preußischen Königs im Jahre 1806 komponierte Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1766 bis 1822) seine Sinfonie in Es-Dur. Der Jurist war in Warschau als Regierungsrat tätig, und fand nebenbei noch genug Muße zum Musizieren, Komponieren und dafür, die Musikalische Gesell- schaft zu gründen und zu leiten, ein Liebhaberorchester. Dieses Ensemble hat auch, dem König zum Preise und zur Feier der Einrichtung eines Konzertsaales im Mniszekschen Palais, Hoffmanns einzige Sinfonie uraufgeführt.
Sie hat Haydns Londoner Sinfonien zum Vorbild, ist aber dennoch in der musikalischen Substanz und in den durchaus auch witzigen Ideen ein echter Hoffmann. Und wer genauer hinhört, der wird feststellen, dass sie sehr sorgfältig gearbeitet worden ist. Insofern ist das Werk ein Solitär, und man kann Michael Alexander Willens nur dankbar dafür sein, dass er sie mit der Kölner Akademie eingespielt hat, in Begleitung der Ouvertüren zu den Opern Undine und Aurora. Es sind dies die beiden letzten Opern Hoff- manns; sie gelten als die beiden ersten deutschsprachigen romantischen Opern überhaupt.
Komplettiert wird die CD durch die Sinfonia in A-Dur von Friedrich Witt (1770 bis 1836). Er war Cellist, wirkte zeitweilig in der Oettingen-Waller- steinschen Hofkapelle, und wurde 1802 Kapellmeister in Würzburg. Die Kölner Akademie musiziert auch hier historisierend, sehr klar strukturiert und mit einem guten Gespür für die Tempi und für Details. Sehr gelungen!
Sie hat Haydns Londoner Sinfonien zum Vorbild, ist aber dennoch in der musikalischen Substanz und in den durchaus auch witzigen Ideen ein echter Hoffmann. Und wer genauer hinhört, der wird feststellen, dass sie sehr sorgfältig gearbeitet worden ist. Insofern ist das Werk ein Solitär, und man kann Michael Alexander Willens nur dankbar dafür sein, dass er sie mit der Kölner Akademie eingespielt hat, in Begleitung der Ouvertüren zu den Opern Undine und Aurora. Es sind dies die beiden letzten Opern Hoff- manns; sie gelten als die beiden ersten deutschsprachigen romantischen Opern überhaupt.
Komplettiert wird die CD durch die Sinfonia in A-Dur von Friedrich Witt (1770 bis 1836). Er war Cellist, wirkte zeitweilig in der Oettingen-Waller- steinschen Hofkapelle, und wurde 1802 Kapellmeister in Würzburg. Die Kölner Akademie musiziert auch hier historisierend, sehr klar strukturiert und mit einem guten Gespür für die Tempi und für Details. Sehr gelungen!
Mittwoch, 23. März 2016
Rolle: Matthäuspassion (cpo)
Es ist sehr verdienstvoll, dass cpo mittlerweile bereits mit der dritten Veröffentlichung an Johann Heinrich Rolle (1716 bis 1785) erinnert. Der Kantor und Organist hat nicht nur attraktive Musik geschrieben. Als sich der preußische Hof während des Siebenjährigen Krieges nach Magdeburg zurückzog, inklusive der exzellenten Hofkapelle, etablierte Rolle öffentliche Konzerte, die sehr beliebt waren und denen die Bürgerschaft ebenso wie der Adel lauschte.
Rolle war der Sohn eines Kantors, und wuchs zunächst in Quedlinburg, später in Magdeburg auf. Sein Vater übernahm die musikalische Ausbildung des Knaben, der in jungen Jahren bereits als Komponist und ab 1734 auch als Organist an der Magdeburger Petrikirche wirkte. 1737 begann Rolle in Leipzig mit dem Studium der Jurisprudenz. Ob er während seiner Studienjahre an der Pleiße auch musiziert hat, im Collegium musicum oder beispielsweise bei Kantaten- aufführungen, und ob er Bach kennengelernt hat, darüber ist nichts bekannt.
Nach dem Studium ging Rolle nach Berlin, eigentlich als Justitiar. Doch schon 1740 wurde er als Violinist und Bratschist Kammermusikus in der Hofkapelle Friedrichs II. 1746 erhielt der Musiker einen Ruf als Organist an die Hauptkirche St. Johannis in Magdeburg. Dort befand sich damals eine große dreimanualige Orgel von Arp Schnitger mit 62 Registern. Als sein Vater 1751 starb, wurde Rolle als Kantor am Altstädtischen Gymna- sium sowie als städtischer Musikdirektor dessen Amtsnachfolger.
Rolle hat eine große Anzahl an Liedern, Motetten, Kantaten, Oratorien und Passionsmusiken sowie diverse Instrumentalwerke komponiert. Nach einer Auswahl an Motetten sowie seinem Weihnachtsoratorium ist nun bei cpo auch die Matthäuspassion aus dem Jahre 1748 in Ersteinspielung erschienen. Sie erzählt das Passionsgeschehen in größeren dramatischen Szenen, wobei die einzelne Abschnitte nahtlos ineinander übergehen, gereiht durch Choralstrophen. In Arien und Chören wird zudem, ganz im Sinne der Aufklärung, das Evangelium kommentiert und erklärt.
Die Musik, die Rolle dafür geschaffen hat, ist ausgesprochen reizvoll, originell und wirklich gelungen. Solisten sind Ana-Marija Brkic, Sopran, Sophie Harmsen, Alt, die Tenöre Georg Poplutz, Evangelist, und Joachim Streckfuß, Petrus, sowie die Bassisten Thilo Dahlmann, Jesus, und Raimonds Spogis, Pilatus/Hohepriester. Mit Ausnahme von Streckfuß singen sie auch im Chor der Kölner Akademie, der bei dieser Aufnahme als Doppelquartett agiert – schlank, beweglich, ausdrucksstark und zugleich mit ausreichender Klangfülle. Unter Leitung von Michael Alexander Willens musiziert zudem das Orchester der Kölner Akademie. Und selbst wenn die Arien und die Rahmenchöre mitunter nach Graun klingen und ihre Texte für heutige Ohren etwas schwächeln - sie sind so knapp bemessen, kurz und kompakt, dass man darüber ganz gut hinweghören kann. Auch bei Bach ist schließlich nicht jede Textzeile die reine Poesie. In jedem Falle ist diese Matthäuspassion tatsächlich eine Entdeckung; sie macht sehr neugierig auf die anderen Werke Rolles. Seine Musik würde man gern auch im Konzert wieder hören.
Rolle war der Sohn eines Kantors, und wuchs zunächst in Quedlinburg, später in Magdeburg auf. Sein Vater übernahm die musikalische Ausbildung des Knaben, der in jungen Jahren bereits als Komponist und ab 1734 auch als Organist an der Magdeburger Petrikirche wirkte. 1737 begann Rolle in Leipzig mit dem Studium der Jurisprudenz. Ob er während seiner Studienjahre an der Pleiße auch musiziert hat, im Collegium musicum oder beispielsweise bei Kantaten- aufführungen, und ob er Bach kennengelernt hat, darüber ist nichts bekannt.
Nach dem Studium ging Rolle nach Berlin, eigentlich als Justitiar. Doch schon 1740 wurde er als Violinist und Bratschist Kammermusikus in der Hofkapelle Friedrichs II. 1746 erhielt der Musiker einen Ruf als Organist an die Hauptkirche St. Johannis in Magdeburg. Dort befand sich damals eine große dreimanualige Orgel von Arp Schnitger mit 62 Registern. Als sein Vater 1751 starb, wurde Rolle als Kantor am Altstädtischen Gymna- sium sowie als städtischer Musikdirektor dessen Amtsnachfolger.
Rolle hat eine große Anzahl an Liedern, Motetten, Kantaten, Oratorien und Passionsmusiken sowie diverse Instrumentalwerke komponiert. Nach einer Auswahl an Motetten sowie seinem Weihnachtsoratorium ist nun bei cpo auch die Matthäuspassion aus dem Jahre 1748 in Ersteinspielung erschienen. Sie erzählt das Passionsgeschehen in größeren dramatischen Szenen, wobei die einzelne Abschnitte nahtlos ineinander übergehen, gereiht durch Choralstrophen. In Arien und Chören wird zudem, ganz im Sinne der Aufklärung, das Evangelium kommentiert und erklärt.
Die Musik, die Rolle dafür geschaffen hat, ist ausgesprochen reizvoll, originell und wirklich gelungen. Solisten sind Ana-Marija Brkic, Sopran, Sophie Harmsen, Alt, die Tenöre Georg Poplutz, Evangelist, und Joachim Streckfuß, Petrus, sowie die Bassisten Thilo Dahlmann, Jesus, und Raimonds Spogis, Pilatus/Hohepriester. Mit Ausnahme von Streckfuß singen sie auch im Chor der Kölner Akademie, der bei dieser Aufnahme als Doppelquartett agiert – schlank, beweglich, ausdrucksstark und zugleich mit ausreichender Klangfülle. Unter Leitung von Michael Alexander Willens musiziert zudem das Orchester der Kölner Akademie. Und selbst wenn die Arien und die Rahmenchöre mitunter nach Graun klingen und ihre Texte für heutige Ohren etwas schwächeln - sie sind so knapp bemessen, kurz und kompakt, dass man darüber ganz gut hinweghören kann. Auch bei Bach ist schließlich nicht jede Textzeile die reine Poesie. In jedem Falle ist diese Matthäuspassion tatsächlich eine Entdeckung; sie macht sehr neugierig auf die anderen Werke Rolles. Seine Musik würde man gern auch im Konzert wieder hören.
Donnerstag, 21. Januar 2016
Mozart: Piano Concertos; Brautigam (BIS)
In der Serie „Aus dem Wald in die Konzerthalle – baue Dein eigenes Fortepiano“ ist mittlerweile Schritt neun erreicht: Das Titelbild dieser CD zeigt, wie die Beine befestigt werden. Deutlich ernsthafter angelegt ist die Einspielung, die erneut drei Konzerte Wolfgang Amadeus Mozarts so vorstellt, wie sie einstmals geklungen haben könnten. Ronald Brautigam spielt sie auf einem Hammerflügel, den Paul McNulty 2013 als Nachbau eines Exemplares angefertigt hat, das in der Werkstatt Anton Walter und Sohn um 1802 entstanden ist. Gabriel Anton Walter (1752 bis 1826) stammte aus Neuhausen auf den Fildern, südöstlich von Stuttgart. Er ließ sich 1778 als Klavierbauer in Wien nieder und war damit sehr erfolgreich. Mozart hat seine Instrumente sehr geschätzt; auch Haydn und Beethoven spielten sie.
Das helle, transparente Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat – doch ehrlicherweise bleibt festzustellen, dass es Mozarts Musik sehr zustatten kommt, wenn man die romantischen Puderzuckerschichten weglässt und einmal wirklich nach den Noten fragt. Brautigam macht dies, unterstützt und begleitet von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens, recht konsequent und bringt so ganz erstaunliche Details zutage.
Auf dieser CD stellt Brautigam drei Konzerte vor, die 1776 bzw. 1782/83 entstanden sind. Das C-Dur-Konzert KV 415 und das F-Dur-Konzert KV 413 gehören zu den drei Subskriptionskonzerten, die Mozart um die Jahreswende 1782/83 angekündigt hat. An seinen Vater schrieb er, die „Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer, und zu leicht – sind sehr Brillant – angenehm in die ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen – hie und da – können auch kenner allein satisfaction erhalten – doch so – daß die nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen, warum.“
Das Konzert KV 415 ist imposant, feierlich und groß besetzt. Zur Urauf- führung am 23. März 1783 war Kaiser Joseph II. höchstselbst anwesend – Mozart wollte beeindrucken, und ergänzte eigens für die Majestät das Orchester um Trompeten und Pauken.
Im Kontrast dazu ist das Konzert in F-Dur ausgesprochen kammermusi- kalisch angelegt; Mozart selbst warb dafür, man könne es auch à quattro spielen. Insbesondere das Larghetto gehört zu den ganz großen Würfen des Komponisten – das ist Musik, wie sie kein anderer jemals schreiben konnte.
Die Super Audio-CD endet mit dem Konzert in C-Dur KV 246, geschrieben für Gräfin Antonia Lützow, eine der Schülerinnen von Leopold Mozart. Es ist ein Stück für den Unterricht, mit relativ geringen technischen Anfor- derungen und umfangreichen Reprisen. Überliefert sind drei Kadenz- varianten für die beiden ersten Sätze, was ebenfalls als eine Hilfe für Lernende gedacht gewesen sein könnte. In Salzburg scheint das Werk rege gespielt worden zu sein; auch Mozarts Schwester Nannerl trug es vor und übte es mit ihren Schülerinnen. Mozart hat das Konzert offenbar aber auch gern und oft selbst gespielt.
Das helle, transparente Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat – doch ehrlicherweise bleibt festzustellen, dass es Mozarts Musik sehr zustatten kommt, wenn man die romantischen Puderzuckerschichten weglässt und einmal wirklich nach den Noten fragt. Brautigam macht dies, unterstützt und begleitet von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens, recht konsequent und bringt so ganz erstaunliche Details zutage.
Auf dieser CD stellt Brautigam drei Konzerte vor, die 1776 bzw. 1782/83 entstanden sind. Das C-Dur-Konzert KV 415 und das F-Dur-Konzert KV 413 gehören zu den drei Subskriptionskonzerten, die Mozart um die Jahreswende 1782/83 angekündigt hat. An seinen Vater schrieb er, die „Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer, und zu leicht – sind sehr Brillant – angenehm in die ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen – hie und da – können auch kenner allein satisfaction erhalten – doch so – daß die nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen, warum.“
Das Konzert KV 415 ist imposant, feierlich und groß besetzt. Zur Urauf- führung am 23. März 1783 war Kaiser Joseph II. höchstselbst anwesend – Mozart wollte beeindrucken, und ergänzte eigens für die Majestät das Orchester um Trompeten und Pauken.
Im Kontrast dazu ist das Konzert in F-Dur ausgesprochen kammermusi- kalisch angelegt; Mozart selbst warb dafür, man könne es auch à quattro spielen. Insbesondere das Larghetto gehört zu den ganz großen Würfen des Komponisten – das ist Musik, wie sie kein anderer jemals schreiben konnte.
Die Super Audio-CD endet mit dem Konzert in C-Dur KV 246, geschrieben für Gräfin Antonia Lützow, eine der Schülerinnen von Leopold Mozart. Es ist ein Stück für den Unterricht, mit relativ geringen technischen Anfor- derungen und umfangreichen Reprisen. Überliefert sind drei Kadenz- varianten für die beiden ersten Sätze, was ebenfalls als eine Hilfe für Lernende gedacht gewesen sein könnte. In Salzburg scheint das Werk rege gespielt worden zu sein; auch Mozarts Schwester Nannerl trug es vor und übte es mit ihren Schülerinnen. Mozart hat das Konzert offenbar aber auch gern und oft selbst gespielt.
Sonntag, 25. Oktober 2015
Kalliwoda: Violin Concertinos - Overtures (cpo)
Johann Wenzel Kalliwoda (1801 bis 1866) gehörte zum ersten Schüler-Jahrgang des Konservatoriums in Prag. Der junge Musiker spielte exzellent Geige; und schon bald spielte er eigene Werke, wenn er als Solist vor das Publikum trat. 1822 ging er erstmals auf Konzertreise. Dabei machte er Station in Donau- eschingen, wo er seinen Bruder besuchte – nicht ganz zufällig, denn dieser arbeitete in der fürstlichen Kanzlei, und Hofkapellmeister Conradin Kreutzer hatte soeben seinen Posten verlassen. Kalliwoda durfte sich im Hofkonzert vorstellen, und er wurde sogleich engagiert.
Obwohl der Musiker im Laufe seines Lebens zahlreiche attraktive Angebote erhielt, blieb er 44 Jahre lang in dieser Position, bis zu seiner Pensionie- rung im Jahre 1866. Fürst Karl Egon II. von Fürstenberg wusste seinen Kapellmeister zu schätzen, und bewilligte diesem zeitlebens großzügig, was er erbat – sei es eine Gehaltserhöhung, oder Urlaub für eine Konzertreise. Allerdings brachte die Revolution 1848 das Musikleben in Donaueschin- gen zum Erliegen; auch in späteren Jahren erreichte die Hofkapelle wohl nicht wieder ihr früheres Niveau. Kalliwoda, der ab 1854 mit seiner Familie in Karlsruhe lebte, war schon in seinen besten Jahren aus der Mode geraten. Dabei umfasst sein Werkverzeichnis 243 Kompositionen mit Opuszahlen, und mehr als 200 weitere, zumeist ungedruckte Werke. Schon in den 1840er Jahren wurde diese Musik immer weniger gespielt; heute ist sie in Vergessenheit geraten.
Das mag mit daran liegen, dass Kalliwoda einer Generation angehört, die sozusagen im Schatten Beethovens komponierte – und dann durch die Romantiker abgelöst wurde. Erst allmählich wird Musik aus jenen Jahren wiederentdeckt. Diese CD macht deutlich, dass sich die Mühe auch lohnt. Denn die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens präsentiert hier drei der 24 Ouvertüren Kalliwodas. Der Musiker hat sich mit dieser Gattung intensiv beschäftigt; er schrieb seine Ouvertüren, um damit Sinfoniekonzerte zu eröffnen. Es sind musikalische Amuse-Gueules, Grüße also an das Publikum aus der Werkstatt des Komponisten; sie sollen neugierig machen auf das Nachfolgende, aber selbst dabei nicht zuviel Gewicht haben. Diese Aufgabe hat Kalliwoda geschickt gelöst, wie die Beispiele zeigen.
Erstaunlich erscheint, dass der Musiker eine Gattung sorgsam mied: Kalliwoda hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, in jungen Jahren. Für sein Solo-Instrument schrieb er andere Werke, wie Rondos, Variationen oder Concertini, verkürzte Konzerte mit einem knapp gehaltenen ersten Satz, nicht unbedingt in Sonatenhauptsatzform, und mit einem dritten Satz, der ebenfalls relativ kurz gestaltet ist. Ariadne Daskalakis stellt gemeinsam mit der Kölner Akademie zwei dieser Concertini vor; sie sind beide weder besonders kurz, noch verzichten sie auf virtuose Passagen. Offenbar war Kalliwoda die gestalterische Freiheit wichtiger als das Etikett. Daskalakis spielt flüssig und mit Esprit; das reicht aus, um die hübschen Stücke ansprechend zu präsentieren. Im Beiheft allerdings ist dem Label diesmal einiges durcheinander geraten, mit etwas Sorgfalt beim Korrekturlesen wäre diese Wirrnis sicherlich zu vermeiden gewesen.
Obwohl der Musiker im Laufe seines Lebens zahlreiche attraktive Angebote erhielt, blieb er 44 Jahre lang in dieser Position, bis zu seiner Pensionie- rung im Jahre 1866. Fürst Karl Egon II. von Fürstenberg wusste seinen Kapellmeister zu schätzen, und bewilligte diesem zeitlebens großzügig, was er erbat – sei es eine Gehaltserhöhung, oder Urlaub für eine Konzertreise. Allerdings brachte die Revolution 1848 das Musikleben in Donaueschin- gen zum Erliegen; auch in späteren Jahren erreichte die Hofkapelle wohl nicht wieder ihr früheres Niveau. Kalliwoda, der ab 1854 mit seiner Familie in Karlsruhe lebte, war schon in seinen besten Jahren aus der Mode geraten. Dabei umfasst sein Werkverzeichnis 243 Kompositionen mit Opuszahlen, und mehr als 200 weitere, zumeist ungedruckte Werke. Schon in den 1840er Jahren wurde diese Musik immer weniger gespielt; heute ist sie in Vergessenheit geraten.
Das mag mit daran liegen, dass Kalliwoda einer Generation angehört, die sozusagen im Schatten Beethovens komponierte – und dann durch die Romantiker abgelöst wurde. Erst allmählich wird Musik aus jenen Jahren wiederentdeckt. Diese CD macht deutlich, dass sich die Mühe auch lohnt. Denn die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens präsentiert hier drei der 24 Ouvertüren Kalliwodas. Der Musiker hat sich mit dieser Gattung intensiv beschäftigt; er schrieb seine Ouvertüren, um damit Sinfoniekonzerte zu eröffnen. Es sind musikalische Amuse-Gueules, Grüße also an das Publikum aus der Werkstatt des Komponisten; sie sollen neugierig machen auf das Nachfolgende, aber selbst dabei nicht zuviel Gewicht haben. Diese Aufgabe hat Kalliwoda geschickt gelöst, wie die Beispiele zeigen.
Erstaunlich erscheint, dass der Musiker eine Gattung sorgsam mied: Kalliwoda hat nur ein einziges Violinkonzert geschrieben, in jungen Jahren. Für sein Solo-Instrument schrieb er andere Werke, wie Rondos, Variationen oder Concertini, verkürzte Konzerte mit einem knapp gehaltenen ersten Satz, nicht unbedingt in Sonatenhauptsatzform, und mit einem dritten Satz, der ebenfalls relativ kurz gestaltet ist. Ariadne Daskalakis stellt gemeinsam mit der Kölner Akademie zwei dieser Concertini vor; sie sind beide weder besonders kurz, noch verzichten sie auf virtuose Passagen. Offenbar war Kalliwoda die gestalterische Freiheit wichtiger als das Etikett. Daskalakis spielt flüssig und mit Esprit; das reicht aus, um die hübschen Stücke ansprechend zu präsentieren. Im Beiheft allerdings ist dem Label diesmal einiges durcheinander geraten, mit etwas Sorgfalt beim Korrekturlesen wäre diese Wirrnis sicherlich zu vermeiden gewesen.
Dienstag, 14. Juli 2015
Mozart: Piano Concertos (BIS)
Auf der Suche nach dem perfekten Klang hat Ronald Brautigam schon so manche Entdeckung vorzuweisen. So hat der niederländische Pianist bei BIS Records bereits Klavierwerke von Haydn, Mendelssohn und Beethoven auf dem Hammerklavier eingespielt. Mit dieser Super Audio CD setzt er nun seinen ebenfalls hochgelobten Mozart-Zyklus fort. Ausgewählt hat er für diese Aufnahme das Klavier- konzert Nr. 18 KV 456, komponiert 1784 für die blinde Pianistin Maria Theresia von Paradis, und das Klavierkonzert Nr. 22 KV 482 aus dem Jahre 1785. Beide Werke zeichnen sich durch die gekonnte Verwen- dung der einzelnen Orchesterstimmen, insbesondere der Bläser, aus.
Der Komponist setzte sie immer ein wenig anders ein, als erwartet, und erreichte damit auch überraschende Klangfärbungen. So schrieb Mozarts Vater über das Konzert KV 456 im Jahre 1785 begeistert an Mozarts Schwester, Wolfgang habe „ein herrliches Concert“ gespielt: „Ich (..) hatte das vergnügen alle Abwechslungen der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir vor Vergnügen die thränen in den augen standen.“
KV 482 ist eines von nur drei Konzerten, in denen Mozart Klarinetten einsetzte – damals ein gänzlich neues Instrument, dessen „Effect“ der Musiker schon früh zu schätzen wusste. Dieses Konzert ist ohnehin erstaunlich umfangreich besetzt, mit Pauken und Trompeten, und mit Hörnern, die einen für die damalige Zeit ungewöhnlich selbständigen Part bekamen. Gemeinsam mit der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens erkundet Brautigam die Klangeffekte, die sich daraus ergeben. Der Pianist musiziert auf dem Nachbau eines Fortepianos aus der Werkstatt des berühmten Wiener Klavierbauers Anton Walter (1752 bis 1826). Angefertigt wurde dieses Instrument, das sich klanglich schon sehr von einem modernen Konzertflügel unterscheidet, 1992 von Paul McNulty. Die Einspielung ist insgesamt sehr farbenreich, und erfreut mit vielen kleinen Details, die normalerweise in den Klangfluten der modernen Instrumente untergehen. Unbedingt anhören!
Der Komponist setzte sie immer ein wenig anders ein, als erwartet, und erreichte damit auch überraschende Klangfärbungen. So schrieb Mozarts Vater über das Konzert KV 456 im Jahre 1785 begeistert an Mozarts Schwester, Wolfgang habe „ein herrliches Concert“ gespielt: „Ich (..) hatte das vergnügen alle Abwechslungen der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir vor Vergnügen die thränen in den augen standen.“
KV 482 ist eines von nur drei Konzerten, in denen Mozart Klarinetten einsetzte – damals ein gänzlich neues Instrument, dessen „Effect“ der Musiker schon früh zu schätzen wusste. Dieses Konzert ist ohnehin erstaunlich umfangreich besetzt, mit Pauken und Trompeten, und mit Hörnern, die einen für die damalige Zeit ungewöhnlich selbständigen Part bekamen. Gemeinsam mit der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens erkundet Brautigam die Klangeffekte, die sich daraus ergeben. Der Pianist musiziert auf dem Nachbau eines Fortepianos aus der Werkstatt des berühmten Wiener Klavierbauers Anton Walter (1752 bis 1826). Angefertigt wurde dieses Instrument, das sich klanglich schon sehr von einem modernen Konzertflügel unterscheidet, 1992 von Paul McNulty. Die Einspielung ist insgesamt sehr farbenreich, und erfreut mit vielen kleinen Details, die normalerweise in den Klangfluten der modernen Instrumente untergehen. Unbedingt anhören!
Mittwoch, 10. Dezember 2014
Agricola: Die Hirten bei der Krippe (cpo)
Wenn die Weihnachtszeit naht, prä- sentiert das Label cpo stets Wieder- entdeckungen, die sich als Alterna- tiven zu Bachs Weihnachtsoratorium empfehlen. In diesem Jahr sind es Uns ist ein Kind geboren, Die Hirten bei der Krippe und Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, drei große Kantaten des Bach-Schülers Johann Friedrich Agricola (1720 bis 1774).
Agricola war der Sohn eines Gerichts- direktors aus Dobritschen im Für- stentum Altenburg. Der Knabe erhielt nicht nur Privatunterricht in den üblichen Schulfächern, sondern auch eine solide musikalische Ausbildung auf Clavier und Orgel. Während seines Studiums an der Leipziger Universität komplettierte er diese durch Unterricht bei Johann Sebastian Bach. Er musizierte unter der Leitung des Thomaskantors im Collegium musicum und gelegentlich wohl auch in der Kirche.
Im Herbst 1741 ging Agricola nach Berlin. 1751 wurde er zum Hof- komponisten ernannt, und nach Grauns Tod 1759 leitete er die Hofkapelle – ohne freilich jemals den Titel des Hofkapellmeisters zu erhalten. Ab 1755 wandte sich Agricola verstärkt der Kirchenmusik zu. Seine Werke erklangen in der Kirche St. Petri, sowie bei der Königinmutter und bei Prinzessin Anna Amalia. Im Druck ist allerdings kaum etwas davon erschienen. Erfreulicherweise sind dank der Wiedergewinnung des Noten-Archivs der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 2001 etliche seiner Werke nun wieder greifbar. Denn er ist im Archivbestand als Komponist, Vorbe- sitzer und Schreiber zahlreicher Quellen auszumachen.
Agricola hatte 1742 eine der Opernsängerinnen des Königs geheiratet. Für seine Frau, Benedetta Emilia Molteni, schuf er eine Vielzahl wohlklingen- der Sopranpartien – auch davon legt diese CD Zeugnis ab. Sie ist musik- historisch durchaus interessant, obwohl man bald feststellen wird, dass die Kantaten Agricolas keineswegs der ganz großen Kunst zuzurechnen sind. Solides Handwerk aber sind sie allemal. Und in dieser gelungenen Aufnahme mit den Solisten Berit Solset, Myriam Arbouz, Nicholas Mulroy und Matthias Vieweg sowie der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hört man sie wirklich gern.
Agricola war der Sohn eines Gerichts- direktors aus Dobritschen im Für- stentum Altenburg. Der Knabe erhielt nicht nur Privatunterricht in den üblichen Schulfächern, sondern auch eine solide musikalische Ausbildung auf Clavier und Orgel. Während seines Studiums an der Leipziger Universität komplettierte er diese durch Unterricht bei Johann Sebastian Bach. Er musizierte unter der Leitung des Thomaskantors im Collegium musicum und gelegentlich wohl auch in der Kirche.
Im Herbst 1741 ging Agricola nach Berlin. 1751 wurde er zum Hof- komponisten ernannt, und nach Grauns Tod 1759 leitete er die Hofkapelle – ohne freilich jemals den Titel des Hofkapellmeisters zu erhalten. Ab 1755 wandte sich Agricola verstärkt der Kirchenmusik zu. Seine Werke erklangen in der Kirche St. Petri, sowie bei der Königinmutter und bei Prinzessin Anna Amalia. Im Druck ist allerdings kaum etwas davon erschienen. Erfreulicherweise sind dank der Wiedergewinnung des Noten-Archivs der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 2001 etliche seiner Werke nun wieder greifbar. Denn er ist im Archivbestand als Komponist, Vorbe- sitzer und Schreiber zahlreicher Quellen auszumachen.
Agricola hatte 1742 eine der Opernsängerinnen des Königs geheiratet. Für seine Frau, Benedetta Emilia Molteni, schuf er eine Vielzahl wohlklingen- der Sopranpartien – auch davon legt diese CD Zeugnis ab. Sie ist musik- historisch durchaus interessant, obwohl man bald feststellen wird, dass die Kantaten Agricolas keineswegs der ganz großen Kunst zuzurechnen sind. Solides Handwerk aber sind sie allemal. Und in dieser gelungenen Aufnahme mit den Solisten Berit Solset, Myriam Arbouz, Nicholas Mulroy und Matthias Vieweg sowie der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hört man sie wirklich gern.
Donnerstag, 26. Dezember 2013
Hertel: Die Geburt Christi (cpo)
Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789) entstammte einer Eise- nacher Musikerfamilie. Mit seinem Vater Johann Christian Hertel ging er 1742 an den Hof von Mecklen- burg-Strelitz, wo er wohl zeitweise als Geiger und Cembalist beschäf- tigt war. Seine Ausbildung setzte er in Zerbst bei Johann Friedrich Fasch und in Berlin bei Carl Heinrich Graun, Carl Philipp Emanuel Bach und Franz Benda fort. 1754 wurde er Hof- und Capell-Compositeur des Herzogs Christian Ludwig II. Er komponierte auch für dessen Nachfolger Friedrich, genannt „Der Fromme“, der den Hof von Schwerin nach Ludwigslust verlegte, weil er ein Leben in Ruhe und Abgeschiedenheit vorzog.
Das hinderte Friedrich allerdings nicht daran, zweimal in der Woche in der Kirche von Ludwigslust ein (geistliches) Konzert zu veran- stalten. Die exzellente mecklenburgische Hofkapelle ließ dort Psalmvertonungen, Choräle und Kantaten erklingen. Und jedermann durfte zuhören – so er „rechtlich gekleidet“ war.
Hertel schrieb für den Herzog neun große Kantaten, sämtlich nach Texten des mecklenburgischen Pfarrers Heinrich Julius Tode (1733 bis 1797). Der Prediger war, wie sein Dienstherr, dem Pietistismus sehr zugewandt. Das prägt auch den Text seiner Weihnachtskantate Die Geburt Jesu. Für den heutigen Hörer ist diese Spielart der Frömmigkeit, nun ja, gewöhnungsbedürftig.
Das gilt auch für die Musik Hertels, der hier Andacht mit den Mitteln der Oper erzeugt. Zwar sind unter den 24 Sätzen der Kantate auch ein paar betont schlicht gesetzte Choräle. Doch schon der überwälti- gende, harmonisch kühne Eingangschor macht deutlich, dass man seinerzeit in der Provinz musikalisch durchaus nicht hinter dem Mond lebte. Hertel zieht alle Register seiner Kunst, vom Kontrapunkt bis hin zur flötenbegleiteten Hirtenidylle und vom barocken Affekt bis hin zu sinfonischer Dramatik.
Den Hofsängern schrieb Hertel offenbar maßgeschneiderte Arien – das Bravourstück Freuet seiner euch mit Beben, Höhepunkt der Kantate, war ganz sicher für die Primadonna bestimmt, die zum Fest mit umfangreichen Koloraturen glänzte. Die „Wetter seines Zorns“, die der Text Abtrünnigen androht, geraten über dieser Jubelarie eher in den Hintergrund, wie überhaupt Hertels Musik die strengen Mahnungen des Textdichters relativiert und die Freude über das Weihnachtsgeschehen herausstellt.
Die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hat das historische Stück sorgsam eingespielt. Die vier Gesangssolisten Berit Solset, Alexandra Rawohl, Marcus Ullmann und Wolf-Matthias Friedrich gestalten dabei nicht nur die Rezitative und Arien, sie singen auch die Chöre, mit Unterstützung durch jeweils einen Ripienisten. Das bewirkt einen fein abgestimmten und auch in den großen Chören stets durchhörbaren Klang. Sehr hörenswert – wer einen Sinn für Nostalgie hat und den Text nicht gar zu sehr auf die Goldwaage legt, wird diese Aufnahme schätzen.
Das hinderte Friedrich allerdings nicht daran, zweimal in der Woche in der Kirche von Ludwigslust ein (geistliches) Konzert zu veran- stalten. Die exzellente mecklenburgische Hofkapelle ließ dort Psalmvertonungen, Choräle und Kantaten erklingen. Und jedermann durfte zuhören – so er „rechtlich gekleidet“ war.
Hertel schrieb für den Herzog neun große Kantaten, sämtlich nach Texten des mecklenburgischen Pfarrers Heinrich Julius Tode (1733 bis 1797). Der Prediger war, wie sein Dienstherr, dem Pietistismus sehr zugewandt. Das prägt auch den Text seiner Weihnachtskantate Die Geburt Jesu. Für den heutigen Hörer ist diese Spielart der Frömmigkeit, nun ja, gewöhnungsbedürftig.
Das gilt auch für die Musik Hertels, der hier Andacht mit den Mitteln der Oper erzeugt. Zwar sind unter den 24 Sätzen der Kantate auch ein paar betont schlicht gesetzte Choräle. Doch schon der überwälti- gende, harmonisch kühne Eingangschor macht deutlich, dass man seinerzeit in der Provinz musikalisch durchaus nicht hinter dem Mond lebte. Hertel zieht alle Register seiner Kunst, vom Kontrapunkt bis hin zur flötenbegleiteten Hirtenidylle und vom barocken Affekt bis hin zu sinfonischer Dramatik.
Den Hofsängern schrieb Hertel offenbar maßgeschneiderte Arien – das Bravourstück Freuet seiner euch mit Beben, Höhepunkt der Kantate, war ganz sicher für die Primadonna bestimmt, die zum Fest mit umfangreichen Koloraturen glänzte. Die „Wetter seines Zorns“, die der Text Abtrünnigen androht, geraten über dieser Jubelarie eher in den Hintergrund, wie überhaupt Hertels Musik die strengen Mahnungen des Textdichters relativiert und die Freude über das Weihnachtsgeschehen herausstellt.
Die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hat das historische Stück sorgsam eingespielt. Die vier Gesangssolisten Berit Solset, Alexandra Rawohl, Marcus Ullmann und Wolf-Matthias Friedrich gestalten dabei nicht nur die Rezitative und Arien, sie singen auch die Chöre, mit Unterstützung durch jeweils einen Ripienisten. Das bewirkt einen fein abgestimmten und auch in den großen Chören stets durchhörbaren Klang. Sehr hörenswert – wer einen Sinn für Nostalgie hat und den Text nicht gar zu sehr auf die Goldwaage legt, wird diese Aufnahme schätzen.
Samstag, 5. Oktober 2013
Zani: Complete Cello Concertos (Capriccio)
Dies ist eine weitere Entdeckung, die wir Rudolf Franz Erwein, Graf von Schönborn (1677 bis 1754) verdanken. Denn der spielte nicht nur gern Violoncello, er sammelte auch Musikalien. Und in der Kollektion, die sich noch heute in Wiesentheid bei Würzburg befindet, wurde schon so manches Musikstück aufgespürt, das Cellisten ebenso wie das Publikum jubeln lässt.
Nun hat eine Musikwissenschaft- lerin aus Neuseeland in diesem Bestand zwölf concerti da camera für Violoncello und Streicher von Andrea Zani (1696 bis 1757) aufgefunden. Kurioserweise musste Dr. Jill Ward, die 2010 ihre Dissertation an der University of Canterbury in Christchurch geschrieben hat, dazu nicht einmal ihre Heimat verlassen – die modernen Kommunikationstechnologien machen's möglich. Mittlerweile hat Ward eine Gesamtausgabe aller derzeit bekannten Werke von Zani vorgelegt, sowie eine Biographie des Musikers.
Viel ist freilich über sein Leben nicht herauszufinden. Zani war der Sohn eines Geigers aus Casalmaggiore, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cremona. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, und setzte sie dann bei zwei Musikerkollegen fort. Irgendwann ging er nach Wien; Ward vermutet, dass ihn Antonio Caldara, Vizekapellmeister am kaiserlichen Hof, zu diesem Schritt ermutigt haben könnte. Und irgendwann ist er dann auch wieder nach Italien zurückgekehrt. Dort hat er ab 1738 einige Spuren hinterlassen. Belegt ist, dass er 1757 auf einer Reise nach Mantua an den Folgen eines Kutschenüberschlags gestorben ist.
Die Violoncello-Konzerte, die Zani für den Grafen von Schönborn komponiert hat, sind abwechslungsreich und geradezu betörend gut gelungen. „Schon das Partiturstudium und das Lernen des Soloparts war nur mit dem beglückenden Gefühl zu vergleichen, das man beim Betreten eines sonnenbeschienenen Neuschneefeldes in den Bergen hat – und das gleich zwölf Mal“, begeistert sich Martin Rummel, der die Werke gemeinsam mit dem Ensemble Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens eingespielt hat. „Da aber, wie schon Gustav Mahler wusste, das Beste der Musik nicht in den Noten steht, war der Beginn der ersten Probe mit dem Orchester, als die ersten Töne eines Cellokonzerts von Andrea Zani wahrscheinlich zum ersten Mal seit fast dreihundert Jahren wieder erklungen, einer der reichsten Momente meines bisherigen musikalischen Lebens. Die daran anschließende Woche bis zur Aufnahme des letzten Takes wird in ihrer Beglückung unvergessen bleiben.“
Etwas von diesem Glücksgefühl überträgt sich auch auf den Hörer. Zanis Konzerte sind eher graziös als betont virtuos. Sie bieten alles, was Cellokonzerte attraktiv macht – schöne Melodien, einen bunten Strauss an musikalischen Ideen, so dass sie nie langweilig werden, und obendrein eine tänzerische Leichtigkeit, die gute Laune verbrei- tet. Bravi!
Nun hat eine Musikwissenschaft- lerin aus Neuseeland in diesem Bestand zwölf concerti da camera für Violoncello und Streicher von Andrea Zani (1696 bis 1757) aufgefunden. Kurioserweise musste Dr. Jill Ward, die 2010 ihre Dissertation an der University of Canterbury in Christchurch geschrieben hat, dazu nicht einmal ihre Heimat verlassen – die modernen Kommunikationstechnologien machen's möglich. Mittlerweile hat Ward eine Gesamtausgabe aller derzeit bekannten Werke von Zani vorgelegt, sowie eine Biographie des Musikers.
Viel ist freilich über sein Leben nicht herauszufinden. Zani war der Sohn eines Geigers aus Casalmaggiore, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cremona. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, und setzte sie dann bei zwei Musikerkollegen fort. Irgendwann ging er nach Wien; Ward vermutet, dass ihn Antonio Caldara, Vizekapellmeister am kaiserlichen Hof, zu diesem Schritt ermutigt haben könnte. Und irgendwann ist er dann auch wieder nach Italien zurückgekehrt. Dort hat er ab 1738 einige Spuren hinterlassen. Belegt ist, dass er 1757 auf einer Reise nach Mantua an den Folgen eines Kutschenüberschlags gestorben ist.
Die Violoncello-Konzerte, die Zani für den Grafen von Schönborn komponiert hat, sind abwechslungsreich und geradezu betörend gut gelungen. „Schon das Partiturstudium und das Lernen des Soloparts war nur mit dem beglückenden Gefühl zu vergleichen, das man beim Betreten eines sonnenbeschienenen Neuschneefeldes in den Bergen hat – und das gleich zwölf Mal“, begeistert sich Martin Rummel, der die Werke gemeinsam mit dem Ensemble Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens eingespielt hat. „Da aber, wie schon Gustav Mahler wusste, das Beste der Musik nicht in den Noten steht, war der Beginn der ersten Probe mit dem Orchester, als die ersten Töne eines Cellokonzerts von Andrea Zani wahrscheinlich zum ersten Mal seit fast dreihundert Jahren wieder erklungen, einer der reichsten Momente meines bisherigen musikalischen Lebens. Die daran anschließende Woche bis zur Aufnahme des letzten Takes wird in ihrer Beglückung unvergessen bleiben.“
Etwas von diesem Glücksgefühl überträgt sich auch auf den Hörer. Zanis Konzerte sind eher graziös als betont virtuos. Sie bieten alles, was Cellokonzerte attraktiv macht – schöne Melodien, einen bunten Strauss an musikalischen Ideen, so dass sie nie langweilig werden, und obendrein eine tänzerische Leichtigkeit, die gute Laune verbrei- tet. Bravi!
Sonntag, 30. Dezember 2012
Durante: Neapolitan Christmas II (cpo)
Kantaten und Motetten zur Weih- nacht haben auch in Neapel Tradition. Zu den wichtigsten Kirchenkomponisten, die jemals in der Stadt am Fuße des Vesuvs wirkten, gehörte Francesco Durante (1684 bis 1755). Er war zugleich einer der führenden Musikpädagogen seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Giovanni Paisiello, Giovanni Battista Pergolesi, Niccolò Piccinni - und viele andere. Obwohl Durante selbst nie eine Oper geschrieben hat, erscheint die lange Liste seiner Schüler beinahe wie das Who's who der neapolitanischen Oper.
Durante aber hat unbeirrt die Tradition der römischen Kirchenmusik in der Nachfolge Palestrinas weitergeführt. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Nieder- lande ebenso wie in Böhmen oder am Dresdner Hof. Selbst Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe des Komponisten. Aus unerfindlichen Gründen aber ist die Musik Durantes dann in Vergessenheit geraten.
Wer sich auf die Suche nach seinen Manuskripten begibt, der wird durchaus Überraschungen erleben. Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einer gelungenen CD einige seiner Werke vorgestellt. In diesem Jahr haben die Musiker weitere Stücke herausgesucht, die ebenfalls einen Bezug zum Weihnachtsfest haben.
Das hat sich erneut gelohnt. Denn Durante beherrscht zwar die Konventionen, aber er verlässt sie auch sehr gern, und erzielt damit überwältigende Effekte. Man höre nur Cito Pastores, eine reizvolle Motette für vier Singstimmen, Streicher und Continuo-Orgel mit einem umwerfenden Eingangschor. Die Kölner Akademie musiziert schwungvoll, und erneut ist auch die Sängerriege, die an dieser Aufnahme mitgewirkt hat, sehr ordentlich besetzt. Zu hören sind Monica Piccinini, Christina Kühne, Ursula Eittinger, Alberto ter Doest und Thilo Dahlmann. Eine sehr gelungene weihnachtliche Festmusik - bravi!
Durante aber hat unbeirrt die Tradition der römischen Kirchenmusik in der Nachfolge Palestrinas weitergeführt. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Nieder- lande ebenso wie in Böhmen oder am Dresdner Hof. Selbst Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe des Komponisten. Aus unerfindlichen Gründen aber ist die Musik Durantes dann in Vergessenheit geraten.
Wer sich auf die Suche nach seinen Manuskripten begibt, der wird durchaus Überraschungen erleben. Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einer gelungenen CD einige seiner Werke vorgestellt. In diesem Jahr haben die Musiker weitere Stücke herausgesucht, die ebenfalls einen Bezug zum Weihnachtsfest haben.
Das hat sich erneut gelohnt. Denn Durante beherrscht zwar die Konventionen, aber er verlässt sie auch sehr gern, und erzielt damit überwältigende Effekte. Man höre nur Cito Pastores, eine reizvolle Motette für vier Singstimmen, Streicher und Continuo-Orgel mit einem umwerfenden Eingangschor. Die Kölner Akademie musiziert schwungvoll, und erneut ist auch die Sängerriege, die an dieser Aufnahme mitgewirkt hat, sehr ordentlich besetzt. Zu hören sind Monica Piccinini, Christina Kühne, Ursula Eittinger, Alberto ter Doest und Thilo Dahlmann. Eine sehr gelungene weihnachtliche Festmusik - bravi!
Montag, 30. April 2012
Mozart: Piano Concertos Nos 24 in C minor & 25 in C major (BIS)
Aufnahmen der Mozart-Klavier- konzerte gibt es viele - wer eine Interpretation auf "zeitgenössi- schen" Instrumenten bevorzugt, der sollte sich diese hier unbedingt anhören. Denn der Kölner Akade- mie, geleitet von Michael Alexan- der Willens, und dem Pianisten Ronald Brautigam gelingt hier eine musikalisch gut ausbalancierte, inspirierte Einspielung, die rund- um hörenswert ist. Brautigam spielt ein Instrument, das Paul McNulty 1992 nach einem Vorbild von Gabriel Anton Walter (1752 bis 1826) angefertigt hat. Mozart war von den Fortepianos des Wiener Klavierbauers begeistert; 1782 er- warb er ein solches Instrument. Der Klang eines Hammerflügels aus der Werkstatt dieses Meisters unterscheidet sich von dem heutiger Standard-Konzertflügel wie Champagner von Cognac. Beides hat seinen Reiz, aber zu den Konzerten Mozarts passt das Prickeln und Perlen ganz eindeutig besser.
Freitag, 9. Dezember 2011
Durante: Neapolitan Christmas (cpo)
Francesco Durante (1684 bis 1755) gehört zu den bedeutendsten nea- politanischen Kirchenkomponi- sten, und war zugleich einer der führenden Musikpädagogen seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Giovanni Paisiello, Giovanni Battista Pergolesi, Nicco- lò Piccini - und viele andere. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Niederlande ebenso wie in Böhmen oder am Hofe der sächsischen Kurfürsten. Sogar Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe Durantes.
Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hat nun für cpo einige seiner Werke eingespielt - und zwar speziell diejenigen, die sich mit dem Weihnachtsfest in Verbindung bringen lassen. Es handelt sich dabei um wunderschöne Musik, sehr traditionsbewusst, aber auch kühn und modern komponiert. Diese Kombination macht die Werke ausgesprochen reizvoll. Durante hat offenbar nie eine Oper geschrieben - und vermeidet auch in der Kirchenmusik opernhafte Effekte; dabei setzt er aber durchaus die Singstimme eindrucksvoll in Szene.
Das lohnt sich auch, denn die Sänger, die an dieser Aufnahme mit- gewirkt haben, sind durchweg hörenswert. Roberta Mameli, Ursula Eittinger, Andreas Post und Stephan MacLeod lassen gemeinsam mit der Kölner Akademie die musikalischen Juwelen glitzern und funkeln, die Durante einst zu Papier gebracht hat. Bravi!
Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hat nun für cpo einige seiner Werke eingespielt - und zwar speziell diejenigen, die sich mit dem Weihnachtsfest in Verbindung bringen lassen. Es handelt sich dabei um wunderschöne Musik, sehr traditionsbewusst, aber auch kühn und modern komponiert. Diese Kombination macht die Werke ausgesprochen reizvoll. Durante hat offenbar nie eine Oper geschrieben - und vermeidet auch in der Kirchenmusik opernhafte Effekte; dabei setzt er aber durchaus die Singstimme eindrucksvoll in Szene.
Das lohnt sich auch, denn die Sänger, die an dieser Aufnahme mit- gewirkt haben, sind durchweg hörenswert. Roberta Mameli, Ursula Eittinger, Andreas Post und Stephan MacLeod lassen gemeinsam mit der Kölner Akademie die musikalischen Juwelen glitzern und funkeln, die Durante einst zu Papier gebracht hat. Bravi!
Sonntag, 19. Dezember 2010
Mattheson: Das größte Kind (cpo)
Johann Mattheson (1681 bis 1764), heute vor allem bekannt als ein bedeutender Musiktheoretiker der Barockzeit, nahm 1715 das Amt Musikdirektors am Hambur- ger Dom an. Zwar war es schlecht bezahlt, aber es brachte dem streitbaren Musikpublizisten den Status eines Canonicus minor am Domkapitel und somit einige Freiheiten ein, weil das Domkapitel nicht der städtischen Gerichts- barkeit unterstand. Auch war der Aufwand, den diese Tätigkeit mit sich brachte, nicht allzu groß - nur an sechs Tagen pro Jahr hatte im Dom Figuralmusik zu erklingen, und genau dafür war der Musikdi- rektor verantwortlich.1728 musste Mattheson dieses Amt allerdings wieder aufgeben, weil er kaum noch etwas hörte; für den Rest seines Lebens blieb er taub.
In den Werken, die Mattheson als Domkantor schuf, versuchte er, einen theatralischen, stark von der Oper beeinflussten Stil durchzu- setzen. Für die Aufführungen engagierte er Sänger und vor allem Sängerinnen von der Hamburger Oper - was zunächst einen hand- festen Skandal verursachte, bald aber offensichtlich akzeptiert wurde. Für den Nachmittagsgottesdienst am zweiten Weihnachtstage, also am 27. Dezember, komponierte Mattheson 1720 Das Gröste Kind, in einem Oratorio auf Weynacht musicalisch vorgestellet - ein zwei- teiliges, üppig instrumentiertes Oratorium, das im Stall zu Bethlehem nach der Geburt Christi spielt. Dieses prachtvolle Werk, das mit seinen virtuosen Arien auch den Sängern allerhand abfordert, liegt nun auf CD vor.
Die Einspielung ist ringsum gelungen. Es singen Susanne Rydén und Nele Gramß, Sopran, Anna Schmid und Melissa Hegney, Alt, Gerd Türk und Ulrich Cordes, Tenor sowie Wolf Matthias Friedrich und Thilo Dahlmann, Bass, und dazu musiziert die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens - und zwar mit so viel Temperament und Spielfreude, dass es trotz der angestaubten Texte das reine Vergnü- gen ist, dieses Werk anzuhören. Bravi!
Samstag, 11. Dezember 2010
Mattheson: Die heilsame Geburt (cpo)
Johann Mattheson, geboren 1681 und gestorben 1764 in Hamburg, war ein musikalisches Wunderkind. Sein Debüt gab er im Alter von neun Jahren als Sopran und Orga- nist - und als Mitglied des Ham- burger Opernchores. 1699 kom- ponierte er seine erste Oper, leitete ihre Aufführung selbst und sang darin auch gleich noch eine Haupt- rolle, so wird berichtet.
Berühmt wurde Mattheson als Freund und Rivale Georg Friedrich Händels. Mattheson und Händel bewarben sich im August 1703 um die Nachfolge von Dieterich Buxtehude als Organist an der Lübecker Marienkirche. Zu den Bedingungen für den Bewerber gehörte es allerdings, eine Tochter Buxtehudes zu heiraten. Und so blieb die Stelle weiter unbesetzt. Händel reiste 1706 nach Italien, Mattheson blieb in Hamburg, wo er ab 1704 als Hofmeister, bald auch als Sekretär und Korrespondent des englischen Gesandten tätig wurde.
Mattheson und Händel waren aber nicht immer einer Meinung, und wohl auch beide impulsiv und temperamentvoll. Während einer Aufführung von Matthesons Oper Cleopatra beispielsweise gab es einen lautstarken Streit, der sogar zu einem Duell vor dem Ham- burger Opernhaus führte. Die Legende besagt, dass ein Knopf an Händels Jacke den Degen Matthesons abgleiten ließ. So blieben beide Streithähne unversehrt - das enge kollegiale Verhältnis aber nahm wohl doch Schaden.
1715 wurde Mattheson Musikdirektor am Hamburger Dom. Dort sorgte er für einen handfesten Skandal, als er Weihnachten 1715 erstmals auch Sängerinnen für die Kirchenmusik engagierte. In diesem Jahr erklang Matthesons Weihnachtsoratorium Die heilsame Geburt und Menschwerdung unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi - ein geradezu klassischer Actus musicus, sehr gelehrt, und furchtbar spröde. Ein Jahr später entstand das Magnificat a due chori, das ebenfalls stark auf rhetorische Effekte abzielt, aber zugleich reichlich spätbarocke Klangpracht entfaltet, und so geneigt ist, den Hörer nicht nur zu belehren, sondern auch zu erfreuen und zu berühren. Die beiden letzten Aspekte kommen mir bei dem ersten Werk zu kurz.
Es singen Nicky Kennedy und Anna Markland-Crookes, Sopran, Ursula Eittinger und Dorothee Merkel, Alt, Andreas Post und Sven Hansen, Tenor sowie Stephan MacLeod und Johannes Gsänger, Bass. Und es musiziert die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens. Meine Lieblings-Weihnachts-CD wird das wohl nicht; so manches Werk, das im Staub der Archive vor sich hinschlummert, ist dem Vergessen gnädigerweise anheimgefallen. Diese beiden werden sicherlich auch umgehend wieder in dem mächtigen Strom versinken, der alles davonspült, was ein Publikum nicht begeistern kann.
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