An einen großartigen Sänger, der leider viel zu früh von der Bühne abtreten musste, erinnert die Deutsche Grammophon mit einem Weihnachtsalbum. Dazu hat das Label gleich zwei bedeutende Weihnachtsmusik-Einspielungen der 60er Jahre miteinander verbunden: Die Weihnachtslieder hat Fritz Wunderlich im Sommer 1966, kurz vor seinem überraschenden Tod, gemeinsam mit dem Bariton Hermann Prey für das Label Polydor eingesungen. Dabei begleitete ihn sein Lehrer Fritz Neumeyer mit einem kleinen Ensemble. Und das Weihnachtsoratorium mit Karl Richter, dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester gehört zu jenen raren Einspielungen, die durch ihre unglaubliche Vitalität und musika- lische Brillanz für alle Zeit unter meinen ganz persönlichen Referenz- aufnahmen sein werden.
Die Deutsche Grammophon hat nun die weihnachtlichen Melodien der Neumeyer-Produktion sowie Arien und Rezitative Wunderlichs aus dem Weihnachtsoratorium auf einem Album zusammengefasst. Und Barbara Wunderlich, die jüngste Tochter des Sängers, berichtet im Beiheft über die Bedeutung, die die weihnachtlichen Klänge einst im Hause Wunderlich hatten, und über ihre Entstehung. Im Grunde ist das auch das einzige Neue. Aber Wunderlichs herrlichen Tenor hört man doch immer wieder gern.
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Dienstag, 15. Dezember 2015
Sonntag, 29. November 2015
Grand musical entertainment - Händel for Organ & Orchestra (Oehms Classics)
Die berühmten Orgelwerke von Georg Friedrich Händel (1685 bis 1759) sind eigentlich eine Notlösung: Viele Jahre lang war der Komponist in London mit seinen Opern sehr erfolgreich – doch um 1730 strömte das Publikum nicht mehr herbei, wie gewohnt. Zum einen hatte 1734 ein Konkurrent Händel beinahe alle italienischen Sänger abgeworben. Zum anderen fanden die Leute die neuartigen englischen Singspiele interessanter als die italienische Oper. Händel reagierte darauf, indem er groß besetzte Oratorien auf die Bühne brachte – in englischer Sprache. Und weil er für sein Orgelspiel gefeiert wurde, setzte sich der Komponist an das Instrument und improvisierte, oder aber er integrierte Orgelklänge ins Vorspiel oder in die Zwischenaktmusik.
Und tatsächlich: Diese Idee brachte Händel die erhoffte Resonanz. „Beim Lesen der damaligen Aufführungsberichte könnte man meinen, das Publikum sei vor allem wegen Händels grandioser Orgelkünste in die Vorstellungen gekommen“, schreibt Hansjörg Albrecht im Beiheft zu dieser CD. Der Organist ließ sich von Händels Orgel-Spektakeln inspi- rieren, weitere Werke des Komponisten nach dem Vorbild des Meisters zu bearbeiten. So gesellt er zum Concerto in C-Dur aus Saul noch drei üppige Suiten mit Musik aus dem Oratorium. Das Ensemble muss Händel von der Orgel aus geleitet haben. Das macht Albrecht nicht; er lässt Martin Schmeding spielen. Der frühere Dresdner Kreuzorganist wirkt seit 2004 als Professor für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik Freiburg. Für diese Aufnahme musiziert er an der Eule-Orgel der Himmelfahrtskirche München-Sendling. Schmeding dirigiert „sein“ Münchner Bach-Orchester.
Er lässt es sich allerdings nicht nehmen, zwei Arrangements von Orchesterwerken Händels selbst zu spielen – die Ankunft der Königin von Saba, ein „Hit“ aus dem Oratorium Solomon, sowie das Konzert in D-Dur aus der Feuerwerksmusik. Dafür wählte er die Schuke-Sauer-Orgel der Marktkirche Halle/Saale. Dort steht auch noch die kleine Orgel, erbaut 1663/64 von Georg Reichel, auf der Händel selbst einst bei Friedrich Wilhelm Zachow seine ersten Orgelstunden absolviert haben soll.
„Mögen diese klangprächtigen Solowerke sowie die neu arrangierten Konzerte für Orgel und Orchester etwas von der unbändigen Spielfreude Händels vermitteln“, so Albrecht im Beiheft: „als Pendant zu Farinellis göttlicher Stimme und den Zuhörern als Grand Musical Entertainment.“ Eines jedenfalls sei hier verraten: Langweilig ist diese CD nicht.
Und tatsächlich: Diese Idee brachte Händel die erhoffte Resonanz. „Beim Lesen der damaligen Aufführungsberichte könnte man meinen, das Publikum sei vor allem wegen Händels grandioser Orgelkünste in die Vorstellungen gekommen“, schreibt Hansjörg Albrecht im Beiheft zu dieser CD. Der Organist ließ sich von Händels Orgel-Spektakeln inspi- rieren, weitere Werke des Komponisten nach dem Vorbild des Meisters zu bearbeiten. So gesellt er zum Concerto in C-Dur aus Saul noch drei üppige Suiten mit Musik aus dem Oratorium. Das Ensemble muss Händel von der Orgel aus geleitet haben. Das macht Albrecht nicht; er lässt Martin Schmeding spielen. Der frühere Dresdner Kreuzorganist wirkt seit 2004 als Professor für Orgel an der Hochschule für Kirchenmusik Freiburg. Für diese Aufnahme musiziert er an der Eule-Orgel der Himmelfahrtskirche München-Sendling. Schmeding dirigiert „sein“ Münchner Bach-Orchester.
Er lässt es sich allerdings nicht nehmen, zwei Arrangements von Orchesterwerken Händels selbst zu spielen – die Ankunft der Königin von Saba, ein „Hit“ aus dem Oratorium Solomon, sowie das Konzert in D-Dur aus der Feuerwerksmusik. Dafür wählte er die Schuke-Sauer-Orgel der Marktkirche Halle/Saale. Dort steht auch noch die kleine Orgel, erbaut 1663/64 von Georg Reichel, auf der Händel selbst einst bei Friedrich Wilhelm Zachow seine ersten Orgelstunden absolviert haben soll.
„Mögen diese klangprächtigen Solowerke sowie die neu arrangierten Konzerte für Orgel und Orchester etwas von der unbändigen Spielfreude Händels vermitteln“, so Albrecht im Beiheft: „als Pendant zu Farinellis göttlicher Stimme und den Zuhörern als Grand Musical Entertainment.“ Eines jedenfalls sei hier verraten: Langweilig ist diese CD nicht.
Samstag, 28. März 2015
Mozart: Requiem (Hänssler Profil)
Karl Richter (1926 bis 1981), der Sohn eines Pfarrers, begann seine musikalische Ausbildung als Kruzianer in Dresden. Nach dem Krieg studierte er in Leipzig bei Karl Straube und Günther Ramin. Schon früh galt er als überragender Bach-Interpret; 1949 wurde er Organist an der Leipziger Thomaskirche, 1951 ging er als Kantor nach München an die Markuskirche. Im gleichen Jahr übernahm er die Leitung des Hein- rich-Schütz-Kreises, 1954 umbenannt in Münchener Bach-Chor; 1953 gründete Richter dazu das Münchener Bach-Orchester. Mit den beiden Ensembles hat Karl Richter legendäre Konzerte, insbesondere auch mit Werken von Johann Sebastian Bach, gegeben. Dabei zeigte er sich von Musizier-Moden ziemlich unbeeindruckt – Richter orientierte sich strikt am Notentext, und das macht auch die Aufnahmen bis heute interessant, die unter seiner Leitung entstanden sind. In der Edition Günter Hänssler ist jüngst eine hörenswerte Einspielung aus dem Jahre 1961 erschienen – ausnahmsweise dirigierte Richter einmal nicht Bach, sonndern Mozarts berühmtes Requiem.
Dienstag, 17. Dezember 2013
Bach: Advent and Christmas Cantatas; Karl Richter (Deutsche Grammophon)
Endlich sind sie wieder erhältlich – die Bach-Kantaten, mit denen Karl Richter einst großes Aufsehen erregt hat, legt die Deutsche Grammophon nun in Form einer Box mit 26 CD dem Musikfreund unter den Tannenbaum. Die limitierte Edition umfasst den gesamten Kantatenzyklus, den Richter mit dem von ihm gegründeten Münchener Bach-Chor und -Orchester zwischen 1968 und 1976 für die Archiv-Produktion aufgenommen hat.
Eine weitere Box mit vier CD umfasst 14 Kantaten, die Bach für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis zum Fest Mariä Reinigung geschaffen hat – und man staunt, wie glutvoll und vital diese Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren noch immer wirken. Exzellente Solisten, handverlesene Instrumentalisten und ein inspiriert singender Chor machen jede einzelne Kantate zu einem Hörvergnügen.
Richter war bei drei großen Kantoren in die Lehre gegangen – bei Karl Straube und Günther Ramin in Leipzig sowie bei Rudolf Mauersberger in Dresden. Das prägte seine Musizierauffassung: Richter ging es nicht um Inszenierung, sondern ausschließlich um Inhalte. Das Ensemble überzeugt daher durch eine Intensität des Ausdrucks, wie sie später kaum noch erreicht worden ist. Diese Bach-Einspielungen sind noch immer ein Erlebnis; sie werden wohl für alle Zeiten zu den Referenz- aufnahmen zählen. Grandios!
Eine weitere Box mit vier CD umfasst 14 Kantaten, die Bach für die Zeit vom ersten Adventssonntag bis zum Fest Mariä Reinigung geschaffen hat – und man staunt, wie glutvoll und vital diese Aufnahmen aus den 60er und 70er Jahren noch immer wirken. Exzellente Solisten, handverlesene Instrumentalisten und ein inspiriert singender Chor machen jede einzelne Kantate zu einem Hörvergnügen.
Richter war bei drei großen Kantoren in die Lehre gegangen – bei Karl Straube und Günther Ramin in Leipzig sowie bei Rudolf Mauersberger in Dresden. Das prägte seine Musizierauffassung: Richter ging es nicht um Inszenierung, sondern ausschließlich um Inhalte. Das Ensemble überzeugt daher durch eine Intensität des Ausdrucks, wie sie später kaum noch erreicht worden ist. Diese Bach-Einspielungen sind noch immer ein Erlebnis; sie werden wohl für alle Zeiten zu den Referenz- aufnahmen zählen. Grandios!
Sonntag, 1. April 2012
Bach: Matthäus-Passion BWV 244 (Profil)
Diese Aufnahme ist eine Legende. Karl Richter (1926 bis 1981) war der Sohn eines evangelischen Pfarrers aus Plauen. Er sang bei den Kruzianern, und studierte nach dem Krieg am Leipziger Kon- servatorium und am Institut für Kirchenmusik bei Karl Straube und Günther Ramin. Schon dort galt er als erstklassiger Bach-Interpret. 1949 wurde er Thomasorganist; 1951 ging er als Kantor an die Münchner Markuskirche. Mit dem Münchner Bach-Chor und dem Münchner Bach-Orchester prägte er die Bach-Rezeption in der Zeit vor der "historischen" Aufführungspraxis.
Natürlich würde man heute vieles anders machen. Und die Chöre, insbesondere der große Eingangschor Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen, stellen die Leidensfähigkeit des Zuhörers schon auf eine harte Probe. Doch wenn man sie ertragen hat, wird dies belohnt. Denn Richter hat, ausgehend von der spätromantischen Tradition, einige spannende Ideen, wie er Bachs Klangrede ausdeutet. Besonders auf- fällig wird dies, wenn die Jünger die Frau schelten, die das Glas mit köstlichem Wasser über Jesus ausgegossen hat. Hier zeigt er die Jünger als eine Gruppe übereifriger Spießer, ganz und gar unsympa- thisch - und das Orchester zetert herzhaft mit, ganz besonders die Flöten. Ihnen weist Richter immer wieder die Funktion des musikali- schen Kommentators zu; so klar und deutlich sind die Flöten in keiner anderen Einspielung von Bachs Matthäus-Passion zu hören.
Richter konnte bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1959 nicht nur auf den Münchner Bach-Chor, die Münchner Chorknaben und das Münchner Bach-Orchester mit seinen hervorragenden Instrumenta- listen bauen; ihm stand auch ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung. Irmgard Seefried, Sopran, Hertha Töpper, Alt, Ernst Haeflinger als Evangelist und Arientenor in Personalunion, Kieth Engen, Bass/Jesus und der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Bass/Arien - diese Sänger beeindrucken noch heute durch ihre enorme künstlerische Strahlkraft und ihr Gespür für musikalische Zusammenhänge, unbeeindruckt von jeder Mode.
Natürlich würde man heute vieles anders machen. Und die Chöre, insbesondere der große Eingangschor Kommt, ihr Töchter, helft mir klagen, stellen die Leidensfähigkeit des Zuhörers schon auf eine harte Probe. Doch wenn man sie ertragen hat, wird dies belohnt. Denn Richter hat, ausgehend von der spätromantischen Tradition, einige spannende Ideen, wie er Bachs Klangrede ausdeutet. Besonders auf- fällig wird dies, wenn die Jünger die Frau schelten, die das Glas mit köstlichem Wasser über Jesus ausgegossen hat. Hier zeigt er die Jünger als eine Gruppe übereifriger Spießer, ganz und gar unsympa- thisch - und das Orchester zetert herzhaft mit, ganz besonders die Flöten. Ihnen weist Richter immer wieder die Funktion des musikali- schen Kommentators zu; so klar und deutlich sind die Flöten in keiner anderen Einspielung von Bachs Matthäus-Passion zu hören.
Richter konnte bei dieser Aufnahme aus dem Jahre 1959 nicht nur auf den Münchner Bach-Chor, die Münchner Chorknaben und das Münchner Bach-Orchester mit seinen hervorragenden Instrumenta- listen bauen; ihm stand auch ein exzellentes Solistenensemble zur Verfügung. Irmgard Seefried, Sopran, Hertha Töpper, Alt, Ernst Haeflinger als Evangelist und Arientenor in Personalunion, Kieth Engen, Bass/Jesus und der junge Dietrich Fischer-Dieskau, Bass/Arien - diese Sänger beeindrucken noch heute durch ihre enorme künstlerische Strahlkraft und ihr Gespür für musikalische Zusammenhänge, unbeeindruckt von jeder Mode.
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