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Donnerstag, 23. Mai 2019

Rameau: Le Temple de la Gloire (Philharmonia)

Es war eine Sensation, als im April 2017 in Berkeley die Oper Le Temple de la Gloire von Jean-Philippe Rameau (1683 bis 1764) in der originalen Version aus dem Jahre 1745 erklang. In dieser Fassung ist die Oper, deren Libretto immerhin von Voltaire stammt, seit ihrer Uraufführung nicht mehr zu hören gewesen. 
Die „Ur-Version“ galt als verloren; doch sie wurde in den Beständen der Jean Gray Hargrove Music Library an der University of California in Berkeley aufgespürt. Julien Dubruque von der Université Paris-Sorbonne hat sich damit eingehend wissenschaftlich auseinandergesetzt, und eine Notenedition erstellt. Sie bildet die Grundlage für die Aufführung sowie den Live-Mitschnitt, der das musikalische Geschehen auf zwei CD dokumentiert. 
Entstanden ist das Werk zur Ehre Ludwigs XV., und zur Erinnerung an die Schlacht von Fontenoy im Jahre 841. Mit dem Vertrag von Verdun zerteilten die Nachfolger Karls des Großen das fränkische Reich; es geht also im Kern um die Wurzeln und Ursprünge des Königreichs Frankreich. 
Davon freilich berichtet Rameaus Ballet héroïque nicht direkt. Es geht vielmehr sehr allegorisch-mythologisch zu: Drei Herrscher wollen dem Tempel des Ruhmes betreten, den Apollon errichtet hat, und den die Musen bewachen. Zwei von ihnen scheitern; der Kaiser Trajan jedoch, als Optimus Princeps, hat Erfolg. Im letzten Akt tritt der Ruhm auch persönlich in Erscheinung. 
Im Beiheft wird übrigens berichtet, Voltaire habe im Anschluss an diese Vorstellung, in festlicher Runde, laut die Frage gestellt, ob denn Trajan nun glücklich sei. Betretenes Schweigen und ein frostiger Blick des Königs sollen die Reaktion darauf gewesen sein. --
Macht Rameaus Musik uns heute glücklich? Zu hören sind Philharmonia Baroque Orchestra & Chorale unter der Leitung von Nicholas McGegan. Die Musiker des Orchesters und auch die Chorsänger sind mit dem barocken Gestus bestens vertraut. Leider lässt sich das von den Vokal- solisten nur teilweise sagen; nicht alle Stimmen sind so klangschön, schlank und beweglich, wie man sich das eigentlich erhofft. Man bedauert ein wenig, dass diese Vorstellung nicht als Video-Mitschnitt vorliegt. Die Fotos jedenfalls zeigen, dass La Temple de la Gloire auch ein Fest für das Auge gewesen sein muss. Prächtige Kostüme, Kulissen nach historischem Vorbild und barocke Choreographien leisten zum Gesamteindruck ohne Zweifel einen erheblichen Beitrag. 

Donnerstag, 23. Juni 2016

Saint-Saens - Lalo - Martin (Oehms Classics)

Zwei renommierte Musiker präsentieren ein rein französisches Programm. Den Cellisten Wen-Sinn Yang und den Dirigenten Michael Hofstetter eint offenbar die Lust an Entdeckungen ebenso wie die Vorliebe für schnörkelloses Auf-den-Punkt-Musizieren. Der Solist hat mit dem Philharmonischen Orchester Gießen, das Hofstetter derzeit als Generalmusikdirektor leitet, roman- tisches Repertoire erkundet – und dabei Interessantes aufgespürt. 
Auf das berühmte Cellokonzert Nr. 1 a-Moll op. 33 von Camille Saint-Saëns (1835 bis 1921) folgt die Ballade für Cello und Orchester von Frank Martin (1890 bis 1974). Der Pfarrerssohn stammt aus Genf, er ist einer der bekanntesten Schweizer Komponisten. Seine ausdrucksstarke Ballade wird vom Violoncello dominiert; das Stück erscheint im Mittelteil geradezu dramatisch, doch dann endet es rundum harmonisch. Édouard Lalo (1823 bis 1892) ist in Lille geboren. Seine Familie kommt aus Spanien. Und als sein „wahres musikalisches Heimatland“ betrachtete Lalo Deutschland; er engagierte sich sehr dafür, das Publikum für die Werke der deutschen Romantik zu begeistern. In seinem Cellokonzert d-Moll hat all dies Spuren hinterlassen. Man hört Gitarrenklänge und spanische Leidenschaft, Melodien, die auch von Schumann stammen könnten – und im letzten Satz wird dann getanzt. 
Wen-Sinn Yang erweist sich einmal mehr als ein großartiger Cellist; technisch ist er jeder Herausforderung gewachsen. Und er gestaltet mit noblem Ton und mit Temperament, aber ohne Zuckerguss und ohne überzogenes Pathos. Damit liegt er hörbar auf einer Linie mit Hofstetter. Bravi! 

Donnerstag, 5. Juni 2014

Hoffmann: Missa / Miserere (cpo)

Ernst Theodor Amadeus Hoffmann (1776 bis 1822) ist ohne Zweifel einer der ganz großen Schriftsteller der deutschen Romantik. Der Jurist und spätere preußische Kammergerichtsrat liebäugelte allerdings zeitlebens mit einer ganz anderen Muse. Nicht nur seine Figuren wie der Kapellmeister Johannes Kreisler bezeugen seine Leidenschaft für die Musik. Auch seine Namenswahl – eigentlich hatte Hoffmann die Vornamen Ernst Theodor Wilhelm – sowie viele eigene Kompositionen geben Auskunft darüber, wo er seine Vorbilder sah. 
Hoffmann, obwohl selbst evangelisch, hat seine Kirchenmusik kurioserweise für den Gebrauch im katholischen Gottesdienst geschrieben. Entsprechend prächtig klingt sie auch, mitunter wie eine Kombination aus Mozart und Palestrina – doch es ist keine Kopie der großen Meister, es bleibt immer Hoffmann. Der Romantiker war ein versierter Komponist; man staunt, dass er mit seinen Werken zu Lebzeiten nicht mehr Erfolg hatte. Dass er musikalisch durchaus eigene Wege ging, zeigt nun eine CD aus dem Hause cpo. Sie enthält die Messe in d-Moll sowie das Miserere, in einer sehr schönen Einspielung mit einer handverlesenen Sängerriege sowie dem WDR Rundfunkchor und dem WDR Sinfonieorchester Köln unter Rupert Huber. 

Dienstag, 12. Juli 2011

Leibniz Trio (Genuin)

Mit dieser CD stellt sich das Leibniz Trio aus Hannover vor, Preisträger des Deutschen Musikwettbewerbs 2010. Hwa-Won Pyun, Violine, Lena Wignjosaputro, Violoncello und Nicholas Rimmer, Klavier, haben für ihr Debüt ein abwechs- lungsreiches Programm zusam- mengestellt: Ein Trio nach irischen Volksweisen von Frank Martin (1890 bis 1974), das Trio in f-Moll op. 65 von Antonín Dvorák, und ein Klaviertrio von Joseph Finlay, Jahrgang 1981. "Die Auswahl der Werke haben wir gemeinsam vorgenommen. Das erste Werk, das feststand, war das große Trio von Dvorák", berichtet Pyun. "Wir wollten gern etwas Ungewöhnliches aufnehmen, Das Trio in f-Moll ist längst nicht so bekannt wie etwa das ,Dumky'-Trio. Wir haben es in den letzten zwei Jahren sehr oft gespielt und intensiv daran gearbeitet - aber es ist auch ein Werk, an dem man ein Leben lang arbeitet." 
In das Trio von Frank Martin sind mehrere irische Volkslieder ein- geflossen. "Martin findet einen für damalige Verhältnisse ganz neuen und überzeugenden Weg, alte Melodien in eine andere, nämlich kammermusikalische Form zu gießen", erläutert Rimmer. So löst er sich von den traditionellen Strukturen, wie der Sonatenhauptsatz- form, und setzt beispielsweise im ersten Satz ganz auf die Beschleu- nigung: Jeder neue Abschnitt  erklingt schneller. "Es hat Spaß gemacht, uns mit der irischen Musik vertraut zu machen", sagt die Geigerin. "Wir haben uns im Vorfeld etliche Aufnahmen mit irischem  Folk angehört und uns auch Rat und Inspiration bei einem echten Fiddler geholt." 
Joseph Finlay hat gemeinsam mit Nicholas Rimmer in Cambridge studiert. "Sein Klaviertrio entstand in dem Jahr, in dem sich auch unser Trio formierte", meint der Pianist. "Da lag meine Frage an ihn ziemlich nahe, ob er mir nicht sein neues Trio schicken könne. Die Uraufführung spielten wir dann schon 2006 in London. da es noch nicht aufgenommen wurde und bislang auch von niemandem sonst gespielt wurde, war die Entscheidung schnell gefällt, es mit auf die CD zu nehmen." Das spannende Werk wirkt wie improvisiert; es bringt die Gegenwart mit ihren Auseinandersetzungen, Klängen und Träumen mit ins Spiel. 
Das Leibniz Trio begeistert nicht nur durch die Professionalität, sondern vor allem auch durch die Frische und Lebendigkeit, mit der es musiziert. Die Spielfreude der drei jungen Musiker ist überwälti- gend - diese CD sollte man unbedingt anhören! Es lohnt sich. 

Samstag, 26. Februar 2011

Frederic Belli - Trombone (Genuin)

Die Posaune ist ohne Zweifel von allen Blechblasinstrumenten das spannendste. Frederic Belli, der mit diesem Instrument den Deutschen Musikwettbewerb 2007 gewann, zeigt auf dieser CD der Edition Primavera gleich im ersten Stück,  was sie von ihren Verwand- ten unterscheidet: Die Posaune ist wandlungsfähig; ihr Klang kann erstaunlich stark verändert und verfremdet werden - wenn man es kann. 
Belli, seit 2006 Solo-Posaunist des SWR Sinfonieorchesters, beherrscht das Instrument so virtuos, dass man seinem Spiel gebannt lauscht - auch wenn die CD lauter wenig bekannte Werke von zumeist noch lebenden Komponisten enthält. "Erst das 20. Jahrhundert bietet für die Posaune das eigentlich große Solorepertoire", begründet Belli seine Vorliebe für die Moderne, "und auch im Orchester spielt die Posaune erst seit Ende der Romantik eine ernst zu nehmende Rolle. Die Neue Musik gehört für mich daher zur Grundsubstanz meines Repertoires." 
Belli spielt so exzellent, dass die "Neutöner" faszinieren. Es erklingen das Solo von Luciano Berio, das - entgegen seinem Namen - ein beeindruckendes Werk für Posaune und Orchester ist, ein Stück von Folke Rabe für Posaune solo, das der Komponist Basta genannt hat, die Ballade für Posaune und Klavier von Frank Martin, das klang- schöne Madrigal von Georges Delerue, sowie das Posaunenkonzert in C-Dur von Nino Rota, der insbesondere für seine Filmmusik berühmt wurde. 
Die beiden die CD einrahmenden Werke für Posaune und Orchester spielt Belli gemeinsam mit den SWR Sinfonieorchester unter Sylvain Chambreling bzw. Pablo Heras Casado. Am Klavier ist die japanische Pianistin Eriko Takezawa zu hören, und beim Madrigal sekundiert dem jungen Musiker die Trombone Unit Hannover, ein Posaunen- oktett von Studierenden und Absolventen der dortigen Musik- hochschule. Dort hat auch Belli bei Professor Jonas Bylund studiert. 

Dienstag, 1. Juni 2010

Bottesini: Fantasia on themes of Rossini (Naxos)

"Ich bedaure, meine Herren, so falsch gespielt zu haben - aber wenn ich erst einmal weiß, wohin ich meine Finger setzen muss, wird mir das nicht mehr passie- ren!" Diesen Satz, der in Sachen Kontrabass zum geflügelten Wort geworden ist, sprach der 13jährige Giovanni Bottesini bei seiner Aufnahmeprüfung am Mailänder Konservatorium.  
Dort wollte der Knabe studieren; doch Stipendien gab es nur für die Kontrabass- und die Fagottklasse. Bottesini war auf diese Beihilfe angewiesen - aber er war auf Geige und Bratsche ausgebildet worden. Aus diesem Grunde wechselte er in kürzester Zeit das Instrument, und wagte das Vorspiel auf dem Kontrabass. 
Die Prüfer konnte er überzeugen. Und das Publikum dann auch - für seine Kompositionen und Konzerte wurde der Paganini des Kontrabasses bis ins hohe Alter in der Alten und Neuen Welt gefeiert und verehrt.  Die Stücke für zwei Kontrabässe, die diese CD enthält, sind durchweg in Bottesinis Mailänder Studienjahren entstanden. 
Ein charmantes, aber auch hochvirtuoses Werk ist die Fantasie über Themen von Rossini, wo die beiden tiefen Streicher in Begleitung eines Klaviers musizieren. Sie beginnt rasant mit einer Tarantella; es folgen eine lyrische serenata, und ein stürmisches Finale im besten Rossinischen Witz und Temperament.  
Passioni amorose, ein dreisätziges Werk, ähnelt in seiner Struktur einem Konzert, und das Konzert für zwei Kontrabässe und Klavier erweist sich als ein sehr naher Verwandter. Das zweite von den Tre Grandi Duetti erklingt hier in der Originalversion für zwei dreiseitige Bässe. Bottesini hatte es seinem Lehrer Luigi Rossi gewidmet. Die Werke zeigen generell  eine gewisse Nähe zur italienischen Oper; sie sind technisch so anspruchsvoll, dass sie zu Beginn des 20. Jahr- hunderts als unspielbar galten.
Es musizieren zwei der besten Kontrabassisten der Welt. Thomas Martin war Solobassist der Academy of St Martin-in-the-Fields, des City of Birmingham Symphony Orchestra und des London Symphony Orchestra, und unterrichtet heute als Professor am London's Royal College of Music. Timothy Cobb ist Solobassist an der Met und unterrichtet an der legendären Juilliard School. Pianist Christopher Oldfather ist eigentlich ein ausgewiesener Spezialist für die Musik des 20. Jahrhunderts.