Schon zum zweiten Mal hat der Vatikan die Tore der Sixtinischen Kapelle für eine Studioaufnahme der Deutschen Grammophon geöffnet. Auf dieser CD singt der älteste Chor der Welt, der Päpstliche Chor der Sixtinischen Kapelle, unter der Leitung von Massimo Palombella ausschließlich Werke von Giovanni Pierluigi da Palestrina (?1525 bis 1594). Er war selbst Mitglied der Päpstlichen Kapelle und gilt als Erneuerer und Retter der Kirchen- musik.
Diese war im Umfeld des Konzils von Trient in die Kritik geraten, weil die polyphonen Gesänge oft derart üppig erblühten, dass der Text nicht mehr zu verstehen war. Auch nahmen Kirchenvertreter Anstoß an der sogenannten Parodiemesse auf der Basis bekannter weltlicher Melodien, die im Original häufig alles andere als fromm waren. Mit der Missa Papae Marcelli, die die Forderungen der Kritiker geradezu vorbildlich erfüllte, zeigte Palestrina, dass polyphone Musik und Textverständlichkeit durchaus kein Widerspruch sein müssen.
Die Missa Papae Marcelli steht auch im Mittelpunkt dieser CD; sie erklingt hier zum ersten Male in der Fassung der kritischen Edition nach der Erstausgabe aus dem Jahre 1567. Anlässlich des Heiligen Jahres, das jüngst zu Ende gegangen ist, sind zudem Motetten zum Thema Barm- herzigkeit zu hören. Sie werden gerahmt von der Motette Tu es pastor ovium, komponiert zur Krönung von Papst Sixtus V. Im Jahre 1585, und einem abschließenden Ave Maria. Auch hier finden sich Erstaufnahmen.
Was die Qualität seines Chores angeht, ist der Heilige Vater derzeit leider eher nicht zu beneiden. Dennoch wird das Album, nicht zuletzt aufgrund der großen Tradition des Ensembles, nicht nur unter den Katholiken seine Liebhaber finden.
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Samstag, 26. November 2016
Montag, 25. Juli 2016
Music for Brass Septet 4 (Naxos)
„No series of brass recordigs would be complete without reference to the original golden age of brass ensem- ble music“, stellt Posaunist Matthew Knight fest. Die Bläser von Septura widmen also diese CD Italien, speziell Venedig, im 16. Jahrhundert.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Und da ist, neben Canzonen und Mo- tetten von Giovanni Gabrieli, auch noch einiges mehr zu entdecken, was in Bearbeitungen für sieben virtuose Blechbläser ganz ausgezeichnet klingt: Motetten des spanischen Komponisten Tomás Luis de Victoria, der Werke in Venedig drucken ließ, die berühmte Missa Papae Marcelli von Giovanni Pierluigi da Palestrina, der allerdings in Rom wirkte, und Lagrime di San Pietro von Orlando di Lasso, der als Sängerknabe aus den Niederlanden nach Italien kam, und dann etliche Jahre als Hofkapellmeister in München tätig war. Dass all diese Werke eigentlich nicht für Bläser geschrieben sind, ist nicht zu hören – die Arrangements von Trompeter Simon Fox und Matthew Knight sind exzellent. Zu Lebzeiten der Komponisten war es ohnehin üblich, die Singstimmen durch Instrumente mitspielen zu lassen. Mit dieser CD beweist Septura einmal mehr, dass das Ensemble zu den besten der Welt gehört.
Samstag, 3. Dezember 2011
Missa Papae Marcelli - Opus Vocale (Rondeau)
Im Zuge der Reformation entstand auch eine protestantische Kirchen- musik. Zwar bemühte sich die katholische Kirche, mit dem Konzil von Trient einige der Missstände abzustellen, die zur Spaltung der Kirche geführt hatten. Doch die Reformation war damit nicht mehr zu stoppen.
Zu den Streitpunkten gehörte auch das Musizieren in der Kirche. Die Entwicklung der (katholischen) Kirchenmusik missfiel selbst dem Klerus. So ließ am Karfreitag 1555 der frisch gewählte Papst Marcellus die Sänger seiner Cappella Sistina kommen, und rügte sie scharf, weil ihm die Musik zu festlich für einen Trauertag war. Er forderte von seinen Sängern zudem, sie sollen zukünftig die Musik so vortragen, dass auch ihr Text verständlich sei.
Einer der Sänger, Giovanni Pierluigi da Palestrina, nahm diesen Tadel zum Anlass, die Missa Papae Marcelli zu komponieren. Damit, so be- richtet die Legende, habe der Musiker im übrigen auch die Konzils- väter besänftigt und davon abgehalten, die Kirchenmusik strengen Regeln zu unterwerfen.
Martin Luther forderte, Kirchenmusik habe für jedermann verständ- lich zu sein - und schuf auch gleich beispielhafte neue Kirchenlieder und damit Modelle, denen seine Glaubensgenossen nacheiferten. Doch selbst dort, wo die Vokalmusik wieder komplex wurde - man denke etwa an Bach oder Schütz -, blieb ihr wichtigstes Ziel die Auslegung des jeweiligen Textes, eine Art erweiterte Predigt mit musikalischen Mitteln.
Musiker bewegten sich in jener Zeit oftmals zwischen Reformation und Gegenreformation. Als Lehrer wählten sie sich Vorbilder, die quasi überkonfessionell wirkten. Außerdem wechselten sie mit den Dienstherren häufig auch das Bekenntnis, für das es zu komponieren galt. Aus dieser Tatsache entstand das Konzept für die vorliegende CD: Das Berliner Ensemble Opus Vocale stellt Palestrinas Missa Papae Marcelli neben berühmte Chorsätze protestantischer Provenienz - und der Hörer wird erstaunt feststellen, dass die Differenzen in der Tat gar nicht so groß sind.
Es erklingen Werke von Johannes Eccard (1553 bis 1611), Leonhard Schröter (1532 bis 1601), Michael Praetorius (1571 bis 1621), Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629), Samuel Scheidt (1587 bis 1654) - und natürlich muss das berühmte O Jesulein süß auch in dem Chorsatz von Johann Sebastian Bach zelebriert werden, auch wenn das zeitlich ein bisschen aus dem ansonsten gewählten Rahmen fällt. Sämtliche Werke werden a cappella vorgetragen. Der Kammerchor Opus Vocale, geleitet von Volker Hedtfeld, singt perfekt - blitzsauber, immer harmonisch, agil und stilsicher. Eine tolle Aufnahme, die Weihnachtsfreude verbreitet.
Zu den Streitpunkten gehörte auch das Musizieren in der Kirche. Die Entwicklung der (katholischen) Kirchenmusik missfiel selbst dem Klerus. So ließ am Karfreitag 1555 der frisch gewählte Papst Marcellus die Sänger seiner Cappella Sistina kommen, und rügte sie scharf, weil ihm die Musik zu festlich für einen Trauertag war. Er forderte von seinen Sängern zudem, sie sollen zukünftig die Musik so vortragen, dass auch ihr Text verständlich sei.
Einer der Sänger, Giovanni Pierluigi da Palestrina, nahm diesen Tadel zum Anlass, die Missa Papae Marcelli zu komponieren. Damit, so be- richtet die Legende, habe der Musiker im übrigen auch die Konzils- väter besänftigt und davon abgehalten, die Kirchenmusik strengen Regeln zu unterwerfen.
Martin Luther forderte, Kirchenmusik habe für jedermann verständ- lich zu sein - und schuf auch gleich beispielhafte neue Kirchenlieder und damit Modelle, denen seine Glaubensgenossen nacheiferten. Doch selbst dort, wo die Vokalmusik wieder komplex wurde - man denke etwa an Bach oder Schütz -, blieb ihr wichtigstes Ziel die Auslegung des jeweiligen Textes, eine Art erweiterte Predigt mit musikalischen Mitteln.
Musiker bewegten sich in jener Zeit oftmals zwischen Reformation und Gegenreformation. Als Lehrer wählten sie sich Vorbilder, die quasi überkonfessionell wirkten. Außerdem wechselten sie mit den Dienstherren häufig auch das Bekenntnis, für das es zu komponieren galt. Aus dieser Tatsache entstand das Konzept für die vorliegende CD: Das Berliner Ensemble Opus Vocale stellt Palestrinas Missa Papae Marcelli neben berühmte Chorsätze protestantischer Provenienz - und der Hörer wird erstaunt feststellen, dass die Differenzen in der Tat gar nicht so groß sind.
Es erklingen Werke von Johannes Eccard (1553 bis 1611), Leonhard Schröter (1532 bis 1601), Michael Praetorius (1571 bis 1621), Hieronymus Praetorius (1560 bis 1629), Samuel Scheidt (1587 bis 1654) - und natürlich muss das berühmte O Jesulein süß auch in dem Chorsatz von Johann Sebastian Bach zelebriert werden, auch wenn das zeitlich ein bisschen aus dem ansonsten gewählten Rahmen fällt. Sämtliche Werke werden a cappella vorgetragen. Der Kammerchor Opus Vocale, geleitet von Volker Hedtfeld, singt perfekt - blitzsauber, immer harmonisch, agil und stilsicher. Eine tolle Aufnahme, die Weihnachtsfreude verbreitet.
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