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Samstag, 31. Dezember 2016

Yehudi Menuhin - Anniversary Collection (Melodija)

In diesem Jahr wäre Yehudi Menuhin (1916 bis 1999) hundert Jahre alt geworden. Zum Jubiläum hat Melodija Raritäten aus dem Archiv herausgesucht: Auf sechs CD, untergebracht in einem Buch, das sich wiederum in einem stabilen Schuber befindet, präsentiert das einstige sowjetische Staatslabel Aufnahmen, die zwischen 1945 und 1962 entstanden sind. Dabei handelt es sich um sorgsam ausgewählte, teilweise bislang unveröffentlichte Konzertmitschnitte. 
Yehudi Menuhin, einer der bedeutenden Geiger des 20. Jahrhunderts, ist in Liveaufnahmen mit seiner Schwester Hephzibah zu hören; er musiziert aber auch mit  den Pianisten Lew Oborin und Abram Makarow sowie mit dem Moscow Chamber Orchestra unter Rudolf Barschai, und dem USSR State Symphony Orchestra unter Jewgeni Swetlanow. 
Schon als Kind beeindruckte Menuhin durch sein Geigenspiel das Publi- kum und große Virtuosen. Nach Anfangsunterricht bei Sigmund Anker durfte der gerade einmal Sechsjährige seine Ausbildung bei Louis Persinger fortsetzen, dem Konzertmeister des San Francisco Symphony Orchestra (der eigentlich keine Kinder unterrichtete). Ein Mäzen ermöglichte es der Familie, nach Paris zu reisen, wo Menuhin bei Persingers Lehrer Eugène Ysaÿe studieren sollte. Der hörte sich wohlwollend an, wie der Zehnjährige die Symphonie espagnole von Edouard Lalo vortrug. Doch dann wollte er einen A-Dur-Dreiklang hören, über alle Oktaven und Grifflagen. An dieser simplen Aufgabe scheiterte das Wunderkind, das offenbar zuvor keinerlei Etüden gespielt hatte. 
Und so lernte Menuhin zunächst bei George Enescu, der ihn dann an Adolf Busch weiter verwies. 1929 musizierte der junge Geiger mit den Berliner Philharmonikern unter Bruno Walter. Ein Mäzen schenkte ihm zum Geburtstag eine Stradivari, die Prinz Khevenhüller aus dem Jahre 1733. Sie sollte ihn durch sein ganzes Musikerleben begleiten. Dieses Instrument erklingt auch auf diesen sechs CD. Yehudi Menuhin ist hier mit etlichen seiner Encores zu erleben; er spielt zudem Werke von Mozart, Franck, Debussy – vor allem aber von Bach, Brahms und Beethoven, und von Béla Bartók, den der Geiger sehr schätzte. 

Sonntag, 21. September 2014

David Oistrakh plays Piano Tris by Chopin, Dvorák, Ravel & Smetana (Deutsche Grammophon)

Vor langer, langer Zeit, als Gymna- siallehrer noch Partituren lesen konnten und selbst Klavier oder aber Geige spielten, da reichte es aus, wenn zwei, drei oder gar vier Namen auf einem Plakat standen – und die Leute strömten in Scharen herbei, um Musik zu hören. Selbst durch Hunger, Krieg und klirrende Kälte waren sie davon nicht abzuhalten. Als das Radio noch Luxus war, konnte man mit Kammermusik große Säle füllen. Heute musizieren Streichtrios oder Quartette in sehr viel kleineren Räumen, und während in jedem Laden irgendwelche Musik dudelt, haben ihre Auftritte eher den Ruf einer gewissen Exklusivität. 
Welch grandioses Niveau die Kammermusik in ihrem goldenen Zeitalter hatte, davon vermittelt die vorliegende Doppel-CD aus dem Hause Deutsche Grammophon einen Eindruck. Die Musiker, die auf diesen historischen Aufnahmen zu hören sind, waren allesamt berühmte Solisten. Geiger David Oistrach (1908 bis 1874), Cellist Swjatoslaw Knuschewitzky (1908 bis 1963) und Pianist Lew Oborin (1907 bis 1974) konzertierten zwei Jahrzehnte lang auch als Trio miteinander. Dass sie das gemeinsame Musizieren sehr geschätzt haben müssen, das wird der Zuhörer bald feststellen. Denn obwohl alle drei Künstler sehr deutlich mit einem solistischen Impetus antreten, wirken sie sehr harmonisch zusammen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, keiner musiziert an den Kollegen vorbei. Hervorragend ist die Einspielung von Dvoraks berühmtem Dumky-Trio, wie überhaupt das tschechische Repertoire den Musikern besonders zu liegen scheint. Und die Aufnahme von Chopins Klaviertrio op. 8 ist grandios; ich kenne keine bessere. Bravi, Blumen – es war einmal...