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Sonntag, 21. September 2014

David Oistrakh plays Piano Tris by Chopin, Dvorák, Ravel & Smetana (Deutsche Grammophon)

Vor langer, langer Zeit, als Gymna- siallehrer noch Partituren lesen konnten und selbst Klavier oder aber Geige spielten, da reichte es aus, wenn zwei, drei oder gar vier Namen auf einem Plakat standen – und die Leute strömten in Scharen herbei, um Musik zu hören. Selbst durch Hunger, Krieg und klirrende Kälte waren sie davon nicht abzuhalten. Als das Radio noch Luxus war, konnte man mit Kammermusik große Säle füllen. Heute musizieren Streichtrios oder Quartette in sehr viel kleineren Räumen, und während in jedem Laden irgendwelche Musik dudelt, haben ihre Auftritte eher den Ruf einer gewissen Exklusivität. 
Welch grandioses Niveau die Kammermusik in ihrem goldenen Zeitalter hatte, davon vermittelt die vorliegende Doppel-CD aus dem Hause Deutsche Grammophon einen Eindruck. Die Musiker, die auf diesen historischen Aufnahmen zu hören sind, waren allesamt berühmte Solisten. Geiger David Oistrach (1908 bis 1874), Cellist Swjatoslaw Knuschewitzky (1908 bis 1963) und Pianist Lew Oborin (1907 bis 1974) konzertierten zwei Jahrzehnte lang auch als Trio miteinander. Dass sie das gemeinsame Musizieren sehr geschätzt haben müssen, das wird der Zuhörer bald feststellen. Denn obwohl alle drei Künstler sehr deutlich mit einem solistischen Impetus antreten, wirken sie sehr harmonisch zusammen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, keiner musiziert an den Kollegen vorbei. Hervorragend ist die Einspielung von Dvoraks berühmtem Dumky-Trio, wie überhaupt das tschechische Repertoire den Musikern besonders zu liegen scheint. Und die Aufnahme von Chopins Klaviertrio op. 8 ist grandios; ich kenne keine bessere. Bravi, Blumen – es war einmal... 

Sonntag, 6. Juli 2014

Bach: Werke für Cembalo; Pischner (Berlin Classics)

Die Nachwelt flicht dem Mimen keine Kränze, sagt das Sprichwort. Das Wirken von Musikern aber lässt sich glücklicherweise oftmals mit Tondokumenten belegen. Und so hat Berlin Classics Hans Pischner Anfang des Jahres zum 100. (!) Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk auf den Gabentisch gelegt: Eine Edition nahezu aller Werke, die Johann Sebastian Bach jemals für Cembalo geschrieben hat, gespielt durch den Jubilar, auf zehn CD. 
Hans Pischner ist der Sohn eines Breslauer Klavierbauers. Er studierte in seiner Vaterstadt bei nam- haften Lehrern, doch seine Laufbahn wurde dann durch Kriegsdienst und Gefangenschaft unterbrochen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Dozent, Professor und stellvertretender Direktor der Weimarer Musikhochschule. In den fünfziger Jahren widmete er sich der Kulturpolitik, und stieg auf bis zum stellvertretenden Kultur- minister der DDR. Dabei hat er offenbar viel Gutes bewirkt. So verhalf er dem Dirigenten Kurt Sanderling, der 1936 vor den Nazis in die UdSSR geflüchtet war, zur Rückkehr. 
1963 wurde Pischner Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden. In einer schwierigen Zeit gelang es ihm, ein Ensemble an sein Haus zu binden, das zu Recht bald weltweit gerühmt wurde. Pischner holte den Österreicher Otmar Suitner als Generalmusikdirektor an sein Haus; nur wer weiß, mit welcher Wucht in der DDR Auseinan- dersetzungen wie die sogenannte Formalismusdebatte geführt wurden, kann ermessen, welches Risiko es bedeutete, wenn Pischner seinen GMD das erste Konzert ausgerechnet mit Schönberg starten ließ. Was für eine Persönlichkeit, was für ein Lebenswerk – und was für ein Jubiläum! Das Cembalo aber und insbesondere Bach waren eine Konstante in Pischners bewegtem Leben. 
Da ist die CD-Box eine Geburtstagsgabe, die auch das Publikum be- geistert. Denn die Aufnahmen, eingespielt durch den Jubilar in den 60er Jahren, waren überwiegend lang vergriffen. Es ist sehr erfreu- lich, dass sie nunmehr wieder zugänglich sind. Denn Pischner hat Bachs Notentext mit großer Sorgfalt studiert und seine Werke ebenso sorgsam interpretiert. So kann man hier etliche Stunden lang einem der besten Cembalisten Ostdeutschlands lauschen und sich an vielen kleinen Details erfreuen. Die berühmteste seiner Aufnahmen für Eterna, die Sonaten für Violine und Cembalo mit David Oistrach, konnten in diese Edition leider nicht aufgenommen werden – dafür erklingt aber die Sonate BWV 1037 mit David und Igor Oistrach.

Sonntag, 3. Februar 2013

Tchaikovski: Violin Concerto / Rococo Variations (Melodija)

Das russische Label Melodija hat mit dieser CD gleich zwei legendäre Aufnahmen wieder zugänglich gemacht. Sie gelten beide Werken von Pjotr Iljitsch Tschaikowski, und stammen aus dem Jahre 1957. Das Violinkonzert D-Dur op. 35 spielt David Oistrach, er musiziert her gemeinsam mit dem Staatli- chen Sinfonieorchester der UdSSR unter Leitung von Kyrill Kondra- schin. Solist der Rokoko-Variatio- nen op. 33 ist Mstislaw Rostropo- witsch. Er spielt gemeinsam mit der Leningrader Philharmonie, die mittlerweile mit der Stadt wieder unbenannt ist. Dirigiert hat seiner- zeit Gennadi Roschdestwenski. 
Ich kenne diese Aufnahmen seit meinen Kindertagen - und ich muss gestehen, dass ich sie noch immer faszinierend finde. Denn diese alten Einspielungen erfassen in idealer Weise das Wesen dieser Musik, und die Solisten sollte man ohnehin öfters anhören. Es sind Giganten in Technik und Ausdruck, die für alle Zeiten Maßstäbe gesetzt haben. 

Mittwoch, 25. April 2012

Paul Badura-Skoda and Friends - Chamber Music (Genuin)

"Kammermusik ist die vollkom- menste Form des Musizierens", meint Paul Badura-Skoda.  "Wenn wir die Musizierarten der klassi- schen Instrumentalmusik mit den menschlichen Gesellschaftsformen vergleichen, dann nimmt die Kammermusik die Stellung der Demokratie ein, während ich das Wirken des Solisten mit Anarchie - jeder kann tun, was ihm beliebt - vergleichen möchte und die Kom- bination ,Dirigent mit Orchester' mit der Diktatur: ,Wehe dem, der sich nicht unterordnet!'" Badura-Skoda ist, bei aller Virtuosität, ganz offensichtlich ein leidenschaftlicher Demokrat. Und in dieser CD-Box finden sich einige seiner schönsten Kammermusik-Aufnahmen. 
Er spielte Mozart gemeinsam mit David Oistrach, Schubert mit Anto- nio Janigro und Jean Fournier, Brahms und Dvorák mit Wolfgang Schneiderhan und Boris Pergamenschikow, Brahms und Strauss mit dem Küchl Quartett. Als Zugabe gibt es eine CD, auf der Otto Schulhof, einer der Lehrer des großen Pianisten, das Dumky-Trio spielt und erklärt - 1954. 
Auch sonst stellt man bedauernd fest, dass die Musiker, mit denen Badura-Skoda hier derart einträchtig zu hören ist, zumeist schon in die himmlische Kantorei abberufen wurden. Das Faszinierende an diesen Mitschnitten ist, dass hier Menschen zusammen musizieren, die weniger miteinander wetteifern als vielmehr aufeinander hören, Ideen aufgreifen und Melodien fortsetzen - sehr kultiviert, und sehr beeindruckend. Diese Aufnahmen sind überaus harmonisch, da ist niemand, der sich in den Vordergrund drängt. Auch das Klavier bleibt stets gleichberechtigter Partner; niemals übertönt Badura-Skoda die Streicher. Es ist ein unglaublicher Genuss, ihnen zuzuhören. Bravi!

Sonntag, 4. April 2010

David Oistrakh - Concertos and Encores (Deutsche Grammophon)

"Ich liebte ihn vom ersten Augenblick an. Nicht nur war er der Freundlichste, Warmherzigste, Zuverlässigste von allen, sondern auch noch bescheiden und klug. Niemals wollte er mehr oder anders sein als er selbst, niemals wollte er klüger scheinen als andere, stets trat er einem offen entgegen, ohne Hintergedanken, unbefangen, und ohne jede Scheu: Ein wahrer Mensch." Mit derart enthusiastischem Lob bedenkt Yehudi Menuhin in seinen Memoiren seinen Kollegen und Freund David Oistrach. Obwohl er, bedingt durch den Zweiten Weltkrieg, erst spät im Westen wahrgenommen wurde, liegt doch eine erstaunlich große Anzahl von Aufnahmen vor - etliche davon hat die Deutsche Grammophon nun auf drei CD versammelt. Leider sind die meisten davon uralte Mono-Aufzeichnungen, was zunächst etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Doch Werke wie Prokofievs Violinkonzert Nr. 1 in D-Dur, op. oder Kabalevskis Violinkonzert in C-Dur, op. 48 hört man noch heute nicht allzu häufig. Etwas öfter begegnet einem wohl Glazunows Violinkonzert in a-Moll op. 82, und Mendelssohns Violinkonzert in e-Moll, op. 64 ist im vergangenen Jahr aus Jubiläumsgründen gleich mehrfach mit diversen Solisten auf CD veröffentlich worden. Wenn man aber nicht wüsste, dass diese Aufnahmen aus den 40er und 50er Jahren stammen, dann müsste man durchaus feststellen: Was Oistrach damals eingespielt hat, das ist erstaunlich wenig in die Jahre gekommen. Einiges würde man heute sicherlich anders gestalten - aber sein herrlicher Ton und seine enorme künstlerische Intelligenz, das sind genug Gründe, diese Aufnahmen auch heute noch gern anzuhören. Und als besondere Überraschung gibt's jede Menge Zugaben, und einen Mitschnitt, bei dem er sogar als Dirigent tätig wird - Bruchs Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll, op. 26 spielt sein Sohn Igor.

Dienstag, 30. März 2010

Sviatoslav Richter plays Franz Schubert / Oistrakh plays Beethoven, Leclair, Paganini (Idis)

Entdeckungen im Archiv: Hier sind zwei CD mit schönen alten Aufnah- men der russischen Ausnahme- musiker Swjatoslaw Teofilowitsch Richter und David Fjodorowitsch Oistrach. Aus dem Beiheft erfährt man wenigstens, wann und wo sie entstanden sind - und das wars auch schon. 
Richter spielt die Schubert-Sona- ten  in c-Moll D 958 (Budapest, 1958) und in a-Moll D 845 (Moskau, 1957) erstaunlich ver- halten-poetisch; eigentlich ist man ein kraftvolles bis romantisches Spiel von ihm gewohnt. 
Die Aufnahme des Beethoven-Violinkonzertes D-Dur op. 61 mit David Oistrach stammt aus dem Jahre 1960; er musiziert hier mit dem Orchestra Sinfonica di Milano della RAI unter Vittorio Gui. Außerdem enthält die CD Sonaten von Leclair, Locatelli und Paganini, aufge- zeichnet im Studio 1955 bzw. 1951, jeweils mit Wladimir Jampolski am Klavier. Diese Aufnahmen sind nicht Oistrachs "Best of", aber sie zeigen doch den typischen Oistrach-Ton - schlank, aber zugleich voll Wärme - und seine brillante Technik, die jedoch niemals Selbstzweck war. Ein faszinierendes Dokument, das Sammler erfreuen wird.