Louis Spohr (1784 bis 1859) steht im Mittelpunkt dieser CD, die das Eldering Ensemble bei Genuin veröffentlicht hat. Der Violinvirtuose war seinerzeit viel unterwegs und hat dabei eine Menge erlebt. Aus Tagebüchern und Briefen können wir darüber etliches erfahren. So war er 1811 in Beethovens Wohnung bei einer Probe des sogenannten Geistertrios op. 70,1 zugegen.
Felix Mendelssohn Bartholdy widmete Spohr 1845 sein c-Moll-Klaviertrio op. 66, mit den Choralthemen im vierten Satz; es scheint dem Geiger gefallen zu haben. Seine Frau jedenfalls lobt das Werk sehr, sie notierte zudem in ihrem Tagebuch, dass Spohr es 1846 gemeinsam mit dem Komponisten und dem Cellisten Johann Grabau in Leipzig gespielt hat.
Die beiden leidenschaftlichen Trios, zwei der ganz großen Werke des Repertoires, komplettiert die heitere Reisesonate. In diesem Duetto für Pianoforte und Violine op. 96 schildert Spohr mit musikalischen Mitteln Eindrücke einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz, die der Geiger 1836 gemeinsam mit seiner Frau Marianne und seiner Tochter Therese unternommen hat. Das ist durchaus wörtlich zu nehmen: Man hört Hufschlag und Postillonsignale, und dann das Orgelspiel und die Gesänge in der katholischen Hofkirche. Auch das nahe Böhmen schickt einen musikalischen Gruß. Die Überschrift des ersten Satzes, Reiselust, steht als Motto auch über der CD.
Simon Monger, Violine, und Sandra Urba, Piano, haben die Reisesonate hier erstmals nach der neuen Urtextausgabe eingespielt. Die jungen Solisten musizieren sehr engagiert; auch der Klaviertrio-Klang, mit Jeanette Gier am Violoncello, ist schlank, agil und lebendig. Das Eldering Ensemble ist ohne Zweifel eine exzellente Formation, die Freunde der Kammermusik im Blick behalten sollten – es lohnt sich!
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Mittwoch, 15. Mai 2019
Mittwoch, 30. Mai 2018
Von Herzogenberg: Piano Trios op. 24 & 36 (MDG)
Ein junger Komponist suchte seinen Weg: Nach dem Studium in Wien und ersten Erfolgen mit Werken im Wagner-Stil war Heinrich von Herzogenberg (1843 bis 1900) so irritiert, dass er in eine Schaffens- krise geriet. Denn im Feuilleton tobte damals ein erbitterter Streit zwischen zwei Lagern, den Traditionalisten und den sogenannten Neudeutschen, Brahms-Anhängern und Wagnerianern. Mit gespitzter Feder gingen die Kritiker jeweils auf die Gegenpartei los, an der sie kein gutes Haar ließen. Wem sollte man da glauben?
Um Abstand zu gewinnen, ging von Herzogenberg 1872 nach Leipzig. Dort beschäftigte er sich mit Bachs Musik, und er lernte Johannes Brahms kennen, der ihn sehr beeindruckte. Die beiden Klaviertrios, die auf dieser CD erklingen, sind ein Ausdruck dieser Neuorientierung.
Man staunt: Das ist tolle Musik! Wie kann es eigentlich sein, dass Heinrich von Herzogenberg derart in Vergessenheit geraten ist? Der Komponist scheint ja jede Menge Kammermusik geschrieben zu haben; nur schade, dass man davon kaum etwas zu hören bekommt. Insofern ist es sehr erfreulich, dass sich mit den Klaviertrios nunmehr ein erstklassiges Ensemble auseinandergesetzt hat.
Das Wiener Klaviertrio musiziert großartig. Hingebungsvoll erkunden die Musiker die lyrischen Passagen, und kraftvoll setzen sie dramatische Akzente. Die Einspielung lässt klar erkennen, was diese Werke so einzigartig macht. Anzumerken bleibt zudem die exzellente technische Qualität dieser Aufnahme, die das audiophile Label Dabringhaus und Grimm auf SACD präsentiert.
Um Abstand zu gewinnen, ging von Herzogenberg 1872 nach Leipzig. Dort beschäftigte er sich mit Bachs Musik, und er lernte Johannes Brahms kennen, der ihn sehr beeindruckte. Die beiden Klaviertrios, die auf dieser CD erklingen, sind ein Ausdruck dieser Neuorientierung.
Man staunt: Das ist tolle Musik! Wie kann es eigentlich sein, dass Heinrich von Herzogenberg derart in Vergessenheit geraten ist? Der Komponist scheint ja jede Menge Kammermusik geschrieben zu haben; nur schade, dass man davon kaum etwas zu hören bekommt. Insofern ist es sehr erfreulich, dass sich mit den Klaviertrios nunmehr ein erstklassiges Ensemble auseinandergesetzt hat.
Das Wiener Klaviertrio musiziert großartig. Hingebungsvoll erkunden die Musiker die lyrischen Passagen, und kraftvoll setzen sie dramatische Akzente. Die Einspielung lässt klar erkennen, was diese Werke so einzigartig macht. Anzumerken bleibt zudem die exzellente technische Qualität dieser Aufnahme, die das audiophile Label Dabringhaus und Grimm auf SACD präsentiert.
Freitag, 12. Mai 2017
Schubert: Die Klaviertrios (Gramola)
Drei bedeutende Musiker haben sich zusammengefunden, um die Klaviertrios von Franz Schubert (1797 bis 1828) einzuspielen: Thomas Albertus Irnberger, Violine, David Geringas, Violoncello, und Michael Korstick, Klavier – das ist eine überaus hochkarätige Besetzung, die eine spannungsreiche und spannende Interpretation erwarten lässt. So hat der Pianist bereits eine Gesamteinspielung der Klavier- sonaten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) veröffentlicht, in der er durchaus eigene Akzente setzte. Irnberger und Korstick haben zudem gemeinsam eine ebenfalls viel beachtete Aufnahme sämtlicher Beethoven-Violinsonaten vorgelegt – kraftvoll und dramatisch.
Da erscheint nun die Hinwendung zu Schuberts Musik nur folgerichtig: „Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ Diese Zweifel zu überwinden, das muss für Franz Schubert ein enormer Schritt gewesen sein. Mozarts Trios beispielsweise hatte er in jungen Jahren gründlich studiert – und sich dann 1812 lediglich an einem kurzen Sona- tensatz, D 28, versucht.
Ansonsten hatte er jene Gattung gemieden, die Beethoven um so viele Werke bereicherte. Doch 1827 war der Titan gestorben, und so sah sich die Generation der Erben gefordert. Schubert, der wohl darum wusste, dass er unheilbar erkrankt war und dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, komponierte wie im Rausch. Die Liste der Werke, die in diesem letzten Lebensabschnitt entstanden sind, ist lang und beeindruckend. Auch die Klaviertrios gehören dazu, die Schubert für den befreundeten Pianisten Carl Maria von Bocklet geschrieben haben soll, der wiederum mit dem Geiger Ignaz Schuppanzigh und dem Cellisten Joseph Lincke zusammen musizierte.
Franz Schubert schuf für sie Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß – nicht nur der Umfang, sondern auch der musikalische Gehalt seiner beiden Klaviertrios ist enorm. Daher sind hier sie auch auf einer Doppel-CD zu hören. Komplettiert wird das Programm durch den oben genannten Sonatensatz sowie einen weiteren, der ebenfalls ein Solitär blieb – das Notturno D 897.
Thomas Albertus Irnberger, David Geringas und Michael Korstick genießen die lyrischen Passagen durchaus. Sie haben Vergnügen an Scherz und Kantilene, stellen aber insgesamt eher die Brüche und die dunklen, dramatischen Seiten in den Vordergrund. Die drei Musiker machen in ihrer Interpretation deutlich, wie stark Beethovens Schaffen das Werk Schuberts beeinflusst hat – aber dass dieser dennoch ganz eigene Wege gefunden hat, seine Gefühle und Gedanken in Musik zu fassen.
Ihr Spiel zu loben, das hieße Eulen nach Athen tragen. Diese Aufnahme bestätigt, dass Kammermusik heute zu Recht große Säle füllt. Atemberau- bend! Unbedingt anhören.
Da erscheint nun die Hinwendung zu Schuberts Musik nur folgerichtig: „Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ Diese Zweifel zu überwinden, das muss für Franz Schubert ein enormer Schritt gewesen sein. Mozarts Trios beispielsweise hatte er in jungen Jahren gründlich studiert – und sich dann 1812 lediglich an einem kurzen Sona- tensatz, D 28, versucht.
Ansonsten hatte er jene Gattung gemieden, die Beethoven um so viele Werke bereicherte. Doch 1827 war der Titan gestorben, und so sah sich die Generation der Erben gefordert. Schubert, der wohl darum wusste, dass er unheilbar erkrankt war und dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, komponierte wie im Rausch. Die Liste der Werke, die in diesem letzten Lebensabschnitt entstanden sind, ist lang und beeindruckend. Auch die Klaviertrios gehören dazu, die Schubert für den befreundeten Pianisten Carl Maria von Bocklet geschrieben haben soll, der wiederum mit dem Geiger Ignaz Schuppanzigh und dem Cellisten Joseph Lincke zusammen musizierte.
Franz Schubert schuf für sie Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß – nicht nur der Umfang, sondern auch der musikalische Gehalt seiner beiden Klaviertrios ist enorm. Daher sind hier sie auch auf einer Doppel-CD zu hören. Komplettiert wird das Programm durch den oben genannten Sonatensatz sowie einen weiteren, der ebenfalls ein Solitär blieb – das Notturno D 897.
Thomas Albertus Irnberger, David Geringas und Michael Korstick genießen die lyrischen Passagen durchaus. Sie haben Vergnügen an Scherz und Kantilene, stellen aber insgesamt eher die Brüche und die dunklen, dramatischen Seiten in den Vordergrund. Die drei Musiker machen in ihrer Interpretation deutlich, wie stark Beethovens Schaffen das Werk Schuberts beeinflusst hat – aber dass dieser dennoch ganz eigene Wege gefunden hat, seine Gefühle und Gedanken in Musik zu fassen.
Ihr Spiel zu loben, das hieße Eulen nach Athen tragen. Diese Aufnahme bestätigt, dass Kammermusik heute zu Recht große Säle füllt. Atemberau- bend! Unbedingt anhören.
Mittwoch, 10. August 2016
Hummel: Piano Trios (Naxos)
Über den Lebensweg von Johann Nepomuk Hummel (1778 bis 1837) wurde in diesem Blog bereits mehr- fach berichtet. Der Klaviervirtuose und Komponist war Schüler von Mozart, Albrechtsberger und Salieri und mit Beethoven befreundet; er wurde, durch Joseph Haydn empfohlen, dessen Amtsnachfolger als Kapellmeister am Hofe der Esterházys. 1816 ging er als Hof- kapellmeister nach Stuttgart, 1819 nach Weimar, wo er bis an sein Lebensende wirkte.
Neben Werken für Kirche und Theater spielte in seinem Oeuvre auch die Kammermusik eine wichtige Rolle. Bei Naxos sind nun Hummels Klaviertrios erschienen – handwerklich brillant und ausgesprochen unterhaltsam. Eingespielt hat diese charmanten Musikstücke das Gould Piano Trio.
Neben Werken für Kirche und Theater spielte in seinem Oeuvre auch die Kammermusik eine wichtige Rolle. Bei Naxos sind nun Hummels Klaviertrios erschienen – handwerklich brillant und ausgesprochen unterhaltsam. Eingespielt hat diese charmanten Musikstücke das Gould Piano Trio.
Sonntag, 21. September 2014
David Oistrakh plays Piano Tris by Chopin, Dvorák, Ravel & Smetana (Deutsche Grammophon)
Vor langer, langer Zeit, als Gymna- siallehrer noch Partituren lesen konnten und selbst Klavier oder aber Geige spielten, da reichte es aus, wenn zwei, drei oder gar vier Namen auf einem Plakat standen – und die Leute strömten in Scharen herbei, um Musik zu hören. Selbst durch Hunger, Krieg und klirrende Kälte waren sie davon nicht abzuhalten. Als das Radio noch Luxus war, konnte man mit Kammermusik große Säle füllen. Heute musizieren Streichtrios oder Quartette in sehr viel kleineren Räumen, und während in jedem Laden irgendwelche Musik dudelt, haben ihre Auftritte eher den Ruf einer gewissen Exklusivität.
Welch grandioses Niveau die Kammermusik in ihrem goldenen Zeitalter hatte, davon vermittelt die vorliegende Doppel-CD aus dem Hause Deutsche Grammophon einen Eindruck. Die Musiker, die auf diesen historischen Aufnahmen zu hören sind, waren allesamt berühmte Solisten. Geiger David Oistrach (1908 bis 1874), Cellist Swjatoslaw Knuschewitzky (1908 bis 1963) und Pianist Lew Oborin (1907 bis 1974) konzertierten zwei Jahrzehnte lang auch als Trio miteinander. Dass sie das gemeinsame Musizieren sehr geschätzt haben müssen, das wird der Zuhörer bald feststellen. Denn obwohl alle drei Künstler sehr deutlich mit einem solistischen Impetus antreten, wirken sie sehr harmonisch zusammen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, keiner musiziert an den Kollegen vorbei. Hervorragend ist die Einspielung von Dvoraks berühmtem Dumky-Trio, wie überhaupt das tschechische Repertoire den Musikern besonders zu liegen scheint. Und die Aufnahme von Chopins Klaviertrio op. 8 ist grandios; ich kenne keine bessere. Bravi, Blumen – es war einmal...
Welch grandioses Niveau die Kammermusik in ihrem goldenen Zeitalter hatte, davon vermittelt die vorliegende Doppel-CD aus dem Hause Deutsche Grammophon einen Eindruck. Die Musiker, die auf diesen historischen Aufnahmen zu hören sind, waren allesamt berühmte Solisten. Geiger David Oistrach (1908 bis 1874), Cellist Swjatoslaw Knuschewitzky (1908 bis 1963) und Pianist Lew Oborin (1907 bis 1974) konzertierten zwei Jahrzehnte lang auch als Trio miteinander. Dass sie das gemeinsame Musizieren sehr geschätzt haben müssen, das wird der Zuhörer bald feststellen. Denn obwohl alle drei Künstler sehr deutlich mit einem solistischen Impetus antreten, wirken sie sehr harmonisch zusammen. Niemand spielt sich in den Vordergrund, keiner musiziert an den Kollegen vorbei. Hervorragend ist die Einspielung von Dvoraks berühmtem Dumky-Trio, wie überhaupt das tschechische Repertoire den Musikern besonders zu liegen scheint. Und die Aufnahme von Chopins Klaviertrio op. 8 ist grandios; ich kenne keine bessere. Bravi, Blumen – es war einmal...
Mittwoch, 31. Juli 2013
Mendelssohn Bartholdy: Piano Trios op. 49, op. 66 (MDG)
Kammermusik war, wie schon der Name verrät, zunächst zur Unter- haltung im häuslichen Bereich bestimmt. Dabei wetteiferten zunächst Profis und Dilettanten. Erst an der Wende vom 18. zum
19. Jahrhundert wurde aus dem geselligen Vergnügen eine ernste Angelegenheit: Die Kammermusik fand den Weg ins öffentliche Kon- zert; den Anfang nahm diese Entwicklung wohl zur Zeit der Wiener Klassik.
Neben dem Streichquartett er- freute sich dabei insbesondere das Klaviertrio bald großer Beliebt- heit. Auf dieser CD stellt das Trio Alba zwei der drei Klaviertrios von Felix Men- delssohn Bartholdy (1809 bis 1847) vor: Das Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 aus dem Jahre 1839 und die Nummer zwei c-Moll op. 66 von 1845. Das dritte Trio – hier nicht mit eingespielt – ist ein Jugendwerk aus dem Jahre 1820.
Livia Sellin, Violine, Philipp Comploi, Violoncello, und Chengcheng Zhao, Klavier, haben sich beim Musikstudium in Graz kennengelernt. Sie musizieren seit 2008 gemeinsam im Trio Alba. „Klassische Kammermusik hat leider bei vielen ein verstaubtes Image“, erklären die Musiker. „Dabei bietet sie so ein intensives und aufregendes Erleben. Das ist unser Ziel, einfach zu zeigen, wie wahnsinnig toll, schön, aufregend und berührend diese Musik ist. Bei Konzerten haben wir oft erlebt, wie der Funke überspringt.“ Ihre Debüt-CD mit den beiden Klaviertrios von Felix Mendelssohn Bartholdy haben sie teilweise über Crowdfunding finanziert. Das hat sich gelohnt: Die drei jungen Musiker überzeugen mit jugendlichem Elan, Virtuosität und Sinn für Strukturen. Eine Prise mehr Eleganz hätte man sich vielleicht noch gewünscht.
19. Jahrhundert wurde aus dem geselligen Vergnügen eine ernste Angelegenheit: Die Kammermusik fand den Weg ins öffentliche Kon- zert; den Anfang nahm diese Entwicklung wohl zur Zeit der Wiener Klassik.
Neben dem Streichquartett er- freute sich dabei insbesondere das Klaviertrio bald großer Beliebt- heit. Auf dieser CD stellt das Trio Alba zwei der drei Klaviertrios von Felix Men- delssohn Bartholdy (1809 bis 1847) vor: Das Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 aus dem Jahre 1839 und die Nummer zwei c-Moll op. 66 von 1845. Das dritte Trio – hier nicht mit eingespielt – ist ein Jugendwerk aus dem Jahre 1820.
Livia Sellin, Violine, Philipp Comploi, Violoncello, und Chengcheng Zhao, Klavier, haben sich beim Musikstudium in Graz kennengelernt. Sie musizieren seit 2008 gemeinsam im Trio Alba. „Klassische Kammermusik hat leider bei vielen ein verstaubtes Image“, erklären die Musiker. „Dabei bietet sie so ein intensives und aufregendes Erleben. Das ist unser Ziel, einfach zu zeigen, wie wahnsinnig toll, schön, aufregend und berührend diese Musik ist. Bei Konzerten haben wir oft erlebt, wie der Funke überspringt.“ Ihre Debüt-CD mit den beiden Klaviertrios von Felix Mendelssohn Bartholdy haben sie teilweise über Crowdfunding finanziert. Das hat sich gelohnt: Die drei jungen Musiker überzeugen mit jugendlichem Elan, Virtuosität und Sinn für Strukturen. Eine Prise mehr Eleganz hätte man sich vielleicht noch gewünscht.
Samstag, 9. März 2013
Solosonaten und Trios von Leopold Mozart (Oehms Classics)
Johann Andreas Stein (1728 bis 1792) gehörte zu den führenden Instrumentenbauern seiner Zeit. Der Sohn eines Orgelbauers absolvierte seine Ausbildung bei Johann Andreas und Johann Heinrich Silbermann in Straßburg. Nach seiner Lehr- und Wanderzeit ließ er sich schließlich in Augsburg nieder. Dort gab es keinen Orgel- baumeister, und so hatte Stein gut zu tun.
Dennoch beschäftigte sich der Instrumentenbauer auch mit dem Hammerklavier. Es war damals eine Innovation, und so fand Stein bald eine Lösung, die für das junge Instrument eine deutliche Verbesserung bedeutete: Er entwickelte die Prellmechanik weiter zur Prellzungenmechanik, die einen präziseren Anschlag ermöglichte. Leopold Mozart hatte 1763 den Klavierbauer 1763 aufgesucht, und "ein artiges Clavierl vom H. Stein in Augspurg gekauft, welches uns wegen dem exercitio auf der Reise grosse Dienste tut", schrieb er in einem Brief.
1777, auf seiner Reise nach Paris, besuchte Wolfgang Amadeus Mo- zart den Klavierbauer. Er war von den Instrumenten sehr angetan, und spielte sie auch. Gekauft allerdings hat Mozart junior nie einen Hammerflügel aus dem Hause Stein; er bevorzugte die Instrumente des Wiener Instrumentenbauers Anton Walter, deren Mechanik noch moderner war und dem Solisten ein schnelleres Repetieren ermög- lichte.
Als Stein 1992 starb, übernahmen sein Sohn und seine Tochter Anna-Maria gemeinsam die Werkstatt. Zwei Jahre später verlegten sie den Betrieb nach Wien. Daraus gingen zwei Werkstätten hervor: Matthäus Andreas Stein firmierte unter André Stein, und betreute unter anderem Beethovens Instrumente. Nannette baute zusammen mit ihrem Mann Johann Andreas Streicher Klaviere, die sich ebenfalls eines hervorragenden Rufes erfreuten.
Von den Hammerflügeln, die Stein gebaut hat, sind nur wenige erhalten - ungefähr 15 Stück sollen es sein, und einen davon hat die Stadt Augsburg in ihrem Besitz. Er stammt aus dem Jahre 1785 und befindet sich im Augsburger Mozarthaus. Dieses Instrument spielt Christine Schornsheim, eine überaus renommierte Spezialistin für historische Tasteninstrumente und Professorin an der Münchner Musikhochschule, bei dieser Aufnahme. Was für ein Klang! Es ist ganz eindeutig kein Cembalo mehr, aber auch noch kein Klavier, wie wir das heute kennen.
Schornsheim spielt, wie könnte es anders sein, an diesem Instrument die Solo-Sonaten für Hammerflügel von Leopold Mozart (1719 bis 1787). Ob diese Werke wie Steins Reiseflügel die Familie Mozart 1763 auf ihre große Konzertreise durch Westeuropa begleitete, wo der siebenjährige Wolfgang und seine Schwester dem Adel und gutsituier- ten bürgerlichen Musikliebhabern aufspielten, das kann nur vermutet werden.
Christine Schornsheim gestaltet diese Sonaten sehr überlegt und gediegen. Auch bei den Triosonaten Leopold Mozarts gelingt es der Musikerin gemeinsam mit Rüdiger Lotter an der Violine und Sebastian Hess am Barock-Violoncello, jeden einzelnen Takt mit Leben zu erfüllen. Das ist gar nicht so einfach, denn diese Werke, die hier in Weltersteinspielung erklingen, erinnern eher an eine Klavier- sonate mit begleitender Violine, den Bass verstärkt durch das Violoncello - und mitunter hat man den Eindruck, dass es sich um Unterrichtswerke handelt. Die endlosen Wiederholungen so zu gestalten, dass sich der Hörer trotzdem keine Sekunde langweilt, das ist wahrlich große Kunst.
Dennoch beschäftigte sich der Instrumentenbauer auch mit dem Hammerklavier. Es war damals eine Innovation, und so fand Stein bald eine Lösung, die für das junge Instrument eine deutliche Verbesserung bedeutete: Er entwickelte die Prellmechanik weiter zur Prellzungenmechanik, die einen präziseren Anschlag ermöglichte. Leopold Mozart hatte 1763 den Klavierbauer 1763 aufgesucht, und "ein artiges Clavierl vom H. Stein in Augspurg gekauft, welches uns wegen dem exercitio auf der Reise grosse Dienste tut", schrieb er in einem Brief.
1777, auf seiner Reise nach Paris, besuchte Wolfgang Amadeus Mo- zart den Klavierbauer. Er war von den Instrumenten sehr angetan, und spielte sie auch. Gekauft allerdings hat Mozart junior nie einen Hammerflügel aus dem Hause Stein; er bevorzugte die Instrumente des Wiener Instrumentenbauers Anton Walter, deren Mechanik noch moderner war und dem Solisten ein schnelleres Repetieren ermög- lichte.
Als Stein 1992 starb, übernahmen sein Sohn und seine Tochter Anna-Maria gemeinsam die Werkstatt. Zwei Jahre später verlegten sie den Betrieb nach Wien. Daraus gingen zwei Werkstätten hervor: Matthäus Andreas Stein firmierte unter André Stein, und betreute unter anderem Beethovens Instrumente. Nannette baute zusammen mit ihrem Mann Johann Andreas Streicher Klaviere, die sich ebenfalls eines hervorragenden Rufes erfreuten.
Von den Hammerflügeln, die Stein gebaut hat, sind nur wenige erhalten - ungefähr 15 Stück sollen es sein, und einen davon hat die Stadt Augsburg in ihrem Besitz. Er stammt aus dem Jahre 1785 und befindet sich im Augsburger Mozarthaus. Dieses Instrument spielt Christine Schornsheim, eine überaus renommierte Spezialistin für historische Tasteninstrumente und Professorin an der Münchner Musikhochschule, bei dieser Aufnahme. Was für ein Klang! Es ist ganz eindeutig kein Cembalo mehr, aber auch noch kein Klavier, wie wir das heute kennen.
Schornsheim spielt, wie könnte es anders sein, an diesem Instrument die Solo-Sonaten für Hammerflügel von Leopold Mozart (1719 bis 1787). Ob diese Werke wie Steins Reiseflügel die Familie Mozart 1763 auf ihre große Konzertreise durch Westeuropa begleitete, wo der siebenjährige Wolfgang und seine Schwester dem Adel und gutsituier- ten bürgerlichen Musikliebhabern aufspielten, das kann nur vermutet werden.
Christine Schornsheim gestaltet diese Sonaten sehr überlegt und gediegen. Auch bei den Triosonaten Leopold Mozarts gelingt es der Musikerin gemeinsam mit Rüdiger Lotter an der Violine und Sebastian Hess am Barock-Violoncello, jeden einzelnen Takt mit Leben zu erfüllen. Das ist gar nicht so einfach, denn diese Werke, die hier in Weltersteinspielung erklingen, erinnern eher an eine Klavier- sonate mit begleitender Violine, den Bass verstärkt durch das Violoncello - und mitunter hat man den Eindruck, dass es sich um Unterrichtswerke handelt. Die endlosen Wiederholungen so zu gestalten, dass sich der Hörer trotzdem keine Sekunde langweilt, das ist wahrlich große Kunst.
Donnerstag, 26. April 2012
Leonid Sabaneev: Piano Trios (Genuin)
Leonid Leonidowitsch Sabanejew (1881 bis 1968) war der Sohn eines russischen Gutsbesitzers. Obwohl er schon früh seine musikalische Begabung zeigte und den entspre- chenden Unterricht erhielt, stu- dierte er in Moskau Mathematik und Naturwissenschaften. Im Anschluss an seine Promotion aber widmete er sich der Musik. Sabane- jew komponierte, und schrieb Musikkritiken. Dabei vertrat er extrem moderne Positionen; so verkündete er, die Zukunft der Musik liege in der Ultrachromatik, und forderte die Aufteilung der Oktave in 53 Töne.
Nach der Revolution 1917 gehörte er zunächst zu den hohen Funktio- nären der jungen UdSSR. So leitete er das wissenschaftliche Komitee des Staatsinstituts für Musikwissenschaft (GIMN) und die Musikab- teilung an der Akademie der Schönen Künste. Und er publizierte in Prawda und Iswestija.
Als er sah, dass Stalin immer mehr Macht an sich brachte, floh Saba- nejew schließlich 1926 in den Westen, wo er sich in Paris bzw. in Nizza niederließ. So rettete er sein Leben, doch er verlor seine Heimat, wo er offenbar bis heute totgeschwiegen wird. Das ist ein Verlust, wie diese CD beweist. Sie enthält zwei seiner raren Großwerke. Das Trio-Impromptu op. 4 aus dem Jahre 1907 weist noch Spuren spätroman- tischer Strukturen auf. Sie erscheinen wie Spiegelscherben, die auf dem Schutt gelandet sind, und gelegentlich daraus hervorglänzen. Dieses Werk ist so komplex, dass man sich wundert, wie es Ilona Then-Bergh, Violine, Wen-Sinn Yang, Violoncello und Michael Schä- fer, Klavier, gelingt, es trotzdem zum Klingen zu bringen.
Das gilt noch viel mehr für die Sonate pour Piano, Violon et Violon- celle op. 20 von 1923/24, ein musikalisches Monster mit einer Dauer von über einer halben Stunde, das wie ein Echo der politischen Ereig- nisse jener Jahre erscheint. Mit außerordentlicher formaler Strenge, dem Beharren auf drei Themen, drei Teilen und einer gewaltigen Tripelfuge im Zentrum versucht Sabanejew möglicherweise, die Schrecknisse in eine Struktur zu zwingen. Vergebens; die Musik ist hier wohl klüger als der Komponist.
Wer diese beiden Werke angehört hat, der ahnt, dass dies wohl das Kammermusik-Ereignis des Jahres gewesen sein könnte. Diese CD dürfte den Musikern und dem Label Genuin Classics zahlreiche Preise und Auszeichnungen bescheren - verdient jedenfalls hätten sie sie. Danke für diese Entdeckung!
Nach der Revolution 1917 gehörte er zunächst zu den hohen Funktio- nären der jungen UdSSR. So leitete er das wissenschaftliche Komitee des Staatsinstituts für Musikwissenschaft (GIMN) und die Musikab- teilung an der Akademie der Schönen Künste. Und er publizierte in Prawda und Iswestija.
Als er sah, dass Stalin immer mehr Macht an sich brachte, floh Saba- nejew schließlich 1926 in den Westen, wo er sich in Paris bzw. in Nizza niederließ. So rettete er sein Leben, doch er verlor seine Heimat, wo er offenbar bis heute totgeschwiegen wird. Das ist ein Verlust, wie diese CD beweist. Sie enthält zwei seiner raren Großwerke. Das Trio-Impromptu op. 4 aus dem Jahre 1907 weist noch Spuren spätroman- tischer Strukturen auf. Sie erscheinen wie Spiegelscherben, die auf dem Schutt gelandet sind, und gelegentlich daraus hervorglänzen. Dieses Werk ist so komplex, dass man sich wundert, wie es Ilona Then-Bergh, Violine, Wen-Sinn Yang, Violoncello und Michael Schä- fer, Klavier, gelingt, es trotzdem zum Klingen zu bringen.
Das gilt noch viel mehr für die Sonate pour Piano, Violon et Violon- celle op. 20 von 1923/24, ein musikalisches Monster mit einer Dauer von über einer halben Stunde, das wie ein Echo der politischen Ereig- nisse jener Jahre erscheint. Mit außerordentlicher formaler Strenge, dem Beharren auf drei Themen, drei Teilen und einer gewaltigen Tripelfuge im Zentrum versucht Sabanejew möglicherweise, die Schrecknisse in eine Struktur zu zwingen. Vergebens; die Musik ist hier wohl klüger als der Komponist.
Wer diese beiden Werke angehört hat, der ahnt, dass dies wohl das Kammermusik-Ereignis des Jahres gewesen sein könnte. Diese CD dürfte den Musikern und dem Label Genuin Classics zahlreiche Preise und Auszeichnungen bescheren - verdient jedenfalls hätten sie sie. Danke für diese Entdeckung!
Sonntag, 7. August 2011
Rejcha: Piano Trios; Guarneri Trio Prague (Supraphon)
Es klingt fast wie Beethoven - doch es ist Reicha, man staune! Das Guarneri Trio aus Prag spielt die ersten drei der Six grands trios concertants, die 1824 als Opus 101 in Paris erstmals erschienen sind. Sie sind von klassischem Zuschnitt und lassen jedes Instrument sei- nem Klangcharakter entsprechend zu Wort kommen - sehr schön, sehr harmonisch und sehr hörenswert.
Wer sich für die Biographie von Anton Reicha (1770 bis 1836) in- teressiert, der sei auf einen kürz- lich veröffentlichten Beitrag in diesem Blog verwiesen - oder auf das Beiheft zu dieser CD, wo über das Leben des Komponisten sehr aus- führlich und liebevoll berichtet wird.
Das Guarneri Trio musiziert seit 1986 zusammen. Cenek Pavlík spielt die Violine "Zimbalist" von Giuseppe Guarneri del Gesù aus der Geigensammlung von Luigi Tarisio, Marek Jerie ein Violoncello von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1684. Pianist Ivan Klánský nutzt einen modernen Flügel; musiziert wird versiert, aber nicht histori- sierend. Die drei Prager Musiker begeistern durch ihr perfektes Zusammenspiel und ein breites Spektrum an Klangfarben, das sie sehr gezielt und gut abgestimmt einsetzen. Das macht diese Aufnahme zu einem musikalischen Ereignis, das ich nur empfehlen kann.
Wer sich für die Biographie von Anton Reicha (1770 bis 1836) in- teressiert, der sei auf einen kürz- lich veröffentlichten Beitrag in diesem Blog verwiesen - oder auf das Beiheft zu dieser CD, wo über das Leben des Komponisten sehr aus- führlich und liebevoll berichtet wird.
Das Guarneri Trio musiziert seit 1986 zusammen. Cenek Pavlík spielt die Violine "Zimbalist" von Giuseppe Guarneri del Gesù aus der Geigensammlung von Luigi Tarisio, Marek Jerie ein Violoncello von Andrea Guarneri aus dem Jahre 1684. Pianist Ivan Klánský nutzt einen modernen Flügel; musiziert wird versiert, aber nicht histori- sierend. Die drei Prager Musiker begeistern durch ihr perfektes Zusammenspiel und ein breites Spektrum an Klangfarben, das sie sehr gezielt und gut abgestimmt einsetzen. Das macht diese Aufnahme zu einem musikalischen Ereignis, das ich nur empfehlen kann.
Samstag, 25. Juni 2011
Pleyel: Piano Trios (cpo)
„Ich arbeite gegenwärtig für Salo- mons Concert“, schrieb Joseph Haydn im Januar 1792 in einem Brief aus London nach Wien, „und bin bemüssigt mir all erdenckliche mühe zu geben, weil unsere geg- ner die Professional versamlung meinen schüller Pleyel von Strass- burg haben anhero kommen lassen, um Ihre Concerte zu Diri- giren. Es wird also einen blutig Harmonischen Krieg absezen zwi- schen dem Meister und schüller“. Doch der Skandal, auf den die beiden Konzertveranstalter Johann Peter Salomon und Wilhelm Cramer möglicherweise spekulierten, bleibt aus. Statt dessen ver- bringen Haydn, der alte Lehrer, und Pleyel, ganz der bescheidene Schüler, viel Zeit gemeinsam – und man einigt sich darauf, dass die Veranstalter sich in die Werke der beiden Stars teilen.
Gerade 15 Jahre alt war Ignaz Pleyel (1757 bis 1831), als ihn Graf Ladislaus Erdödy nach Eisenstadt schickt. Der Graf bezahlte ihm den Aufenthalt am Hofe Esterházy, wo Pleyel immerhin fünf Jahre lang Haydns Schüler und Kostgänger war. Anschließend trat Pleyel seine erste Stelle an – als Kapellmeister seines Mäzens. Nach einer Italien-Reise wurde er erst Assistent und dann Kapellmeister am Straßburger Münster. Doch dann kam die Französische Revolution, und damit war die Kirchenmusik vorerst zu Ende. Da nahm Pleyel das Angebot Cramers gern an – zumal er in London genug Geld verdiente, um sich nach seiner Rückkehr das Chateau d’Ittenwiller unweit von Straßburg zu kaufen. Und auch später erwies sich Pleyel als ein geschäftstüch- tiger Mann, der Chancen erkannte und mit Geschick nutzte.
Diese CD enthält vier seiner Klaviertrios. Es sind durchweg abwechs- lungsreiche Stücke, die so manche hübsche Idee aufweisen, und alle drei beteiligten Instrumente gleichermaßen zur Geltung kommen lassen. Das Trio 1790, spezialisiert auf die Zeitspanne zwischen der Entstehung der Gattung Klaviertrio um 1760 und dem Ausklang der Wiener Klassik um 1820, serviert Pleyels Musik gefällig und auch ein bisschen pikant. Annette Wehnert, Violine, Imola Gombos/Jennifer Morsches, Violoncello und Harald Hoeren, Fortepiano/Cembalo, musizieren schwungvoll und sehr harmonisch. Eine gelungene Einspielung, die hier empfohlen werden kann.
Gerade 15 Jahre alt war Ignaz Pleyel (1757 bis 1831), als ihn Graf Ladislaus Erdödy nach Eisenstadt schickt. Der Graf bezahlte ihm den Aufenthalt am Hofe Esterházy, wo Pleyel immerhin fünf Jahre lang Haydns Schüler und Kostgänger war. Anschließend trat Pleyel seine erste Stelle an – als Kapellmeister seines Mäzens. Nach einer Italien-Reise wurde er erst Assistent und dann Kapellmeister am Straßburger Münster. Doch dann kam die Französische Revolution, und damit war die Kirchenmusik vorerst zu Ende. Da nahm Pleyel das Angebot Cramers gern an – zumal er in London genug Geld verdiente, um sich nach seiner Rückkehr das Chateau d’Ittenwiller unweit von Straßburg zu kaufen. Und auch später erwies sich Pleyel als ein geschäftstüch- tiger Mann, der Chancen erkannte und mit Geschick nutzte.
Diese CD enthält vier seiner Klaviertrios. Es sind durchweg abwechs- lungsreiche Stücke, die so manche hübsche Idee aufweisen, und alle drei beteiligten Instrumente gleichermaßen zur Geltung kommen lassen. Das Trio 1790, spezialisiert auf die Zeitspanne zwischen der Entstehung der Gattung Klaviertrio um 1760 und dem Ausklang der Wiener Klassik um 1820, serviert Pleyels Musik gefällig und auch ein bisschen pikant. Annette Wehnert, Violine, Imola Gombos/Jennifer Morsches, Violoncello und Harald Hoeren, Fortepiano/Cembalo, musizieren schwungvoll und sehr harmonisch. Eine gelungene Einspielung, die hier empfohlen werden kann.
Sonntag, 7. März 2010
Marco Enrico Bossi: Complete piano trios (Tactus)
Dass im Italien des 19. Jahr- hunderts nicht nur Opern komponiert wurden, beweist die vorliegende CD.
Marco Enrico Bossi (1861 - 1925) war in erster Linie ein berühmter Organist, der auf seinen Konzert- reisen in ganz Europa, aber auch in den USA musizierte und den Kontakt zu vielen seiner Kollegen pflegte, so zu César Franck, Marcel Dupré oder Karl Straube. Er unterrichtetet zudem an den Konservatorien von Neapel, Venedig, Bologna und Rom.
Bossi starb auf hoher See, auf der Rückfahrt von Konzerten in New York und Philadelphia. Er schrieb natürlich in erster Linie Stücke für Orgel. Doch auch für andere Besetzungen komponierte er. So macht uns diese CD bekannt mit seinen Klaviertrios. Es sind kraftvolle Werke in bester spätromantischer Tradition. Sie werden präsentiert vom Schubertrio - Giulio Giurato, Pianoforte, Roberto Noferini, Violine und Andrea Noferini, Violoncello.
Marco Enrico Bossi (1861 - 1925) war in erster Linie ein berühmter Organist, der auf seinen Konzert- reisen in ganz Europa, aber auch in den USA musizierte und den Kontakt zu vielen seiner Kollegen pflegte, so zu César Franck, Marcel Dupré oder Karl Straube. Er unterrichtetet zudem an den Konservatorien von Neapel, Venedig, Bologna und Rom.
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