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Dienstag, 26. Mai 2015
Charpentier & Lully: Te Deum (Alpha)
Zur Zeit des Barock war der soge- nannte ambrosianische Lobgesang, das Te Deum, in der höfischen und staatlichen Repräsentation sehr beliebt. Mit dem prunkvoll vertonten Hymnus wurden Krönungen und Geburten ebenso wie militärische Siege und Friedensverträge gefeiert. In der Collection Versailles bei Alpha sind nun zwei wirklich berühmte Te Deum-Vertonungen erschienen – die bekannten Kompositionen von Jean-Baptiste Lully und Marc-Antoine Charpentier. Vincent Dumestre hat sie mit den Ensembles Le Poeme Harmonique und der Capella Cracoviensis sowie den Gesangssolisten Amel Brahim-Djelloul, Aurore Bucher, Reinoud van Mechelen und Jeffrey Thompson eingespielt; die Aufnahme ist ein Live-Mitschnitt aus der Cha- pelle Royale du Château de Versailles. Man staunt – doch offensichtlich sind die beiden populären Werke hier tatsächlich zum ersten Male auf einer CD vereint. Die beiden Vertonungen in der Manier der französischen Grand Motet geben dem Hörer einen Begriff jener legendären Pracht, mit der einst am Hofe des Sonnenkönigs gefeiert wurde. Dumestre allerdings vermeidet bei seiner Interpretation schwerfälligen Pomp und übertriebenes Pathos. Er betont statt dessen die kriegerischen und die tänzerischen Aspekte der Musik, und lässt zudem ausgesprochen flott musizieren. Rasanter habe ich Lullys Te Deum noch nie gehört – doch das Orchester ist dem Tempo gewachsen, und hat hörbar Vergnügen an diesem etwas anderen Zugang zu den höfischen Protokollklängen. Grandios! Das muss man gehört haben.
Dienstag, 11. Juni 2013
Gilles: Requiem - Lamentations - Te Deum - Messe en ré - Motets (Ligia)
Jean Gilles (1668 bis 1705) begann seine Ausbildung im Chor von Sainte-Marthe in seiner Heimat- stadt. Dort lernte er aber nicht lange, denn schon 1678 sang er im Chor der Kathedrale Saint-Sauveur in Aix-en-Provence, wie folgende Notiz belegt: „il a été aussi proposé par led. Sr. Administrateur que Jean Gilles de la ville de Tarsacon, porte la robe rouge depuis plus d'un année estant instruit de la musique pour chanter so partie assurée (..)“. In Aix-en-Provence war Gilles Schüler von Guillaume Poitevin. Er wurde schließlich sein Nachfolger als Leiter der Chor- schule, aber er hatte dieses Amt nicht lange inne. Auch seine nächste Anstellung in Agde behielt er nur kurze Zeit, denn 1698 wurde er zum Kapellmeister der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse ernannt. Der Chor dort war der bedeutendste in ganz Südfrankreich, und schon Amtsvorgänger André Campra hatte die Gottesdienstbesucher durch seine üppige Kirchenmusik begeistert. Schon kurz nach seiner An- kunft in Toulouse sollte Gilles zeigen, dass er diese Kunst ebenfalls beherrschte, denn der Frieden von Rijswijk sollte gebührend gefeiert werden – und zwar mit einem prachtvollen Te Deum.
Er schrieb nicht nur zu diesem Anlass grandiose Musik, wie hier zu hören ist. Trotz seines frühen Todes schuf der Kapellmeister mehr als ein Dutzend Grand Motets und einige kleinere Werke. Bekannt wurde Gilles allerdings in erster Linie durch sein Requiem. Es erklang zu den Beisetzungsfeierlichkeiten berühmter Persönlichkeiten, wie Jean-Philippe Rameau 1674, Stanislas Leczinski, König von Polen, im Jahre 1766 und Louis XV. im Jahre 1774. Zwischen 1750 und 1770 findet sich das Werk zudem fünfzehnmal auf dem Programm des renommier- ten Pariser Concert Spirituel.
Jean-Marc Andrieu hat in den vergangenen Jahren wichtige Werke von Jean Gilles mit dem Orchestre Baroque de Montauban Les Passions sowie dem Choeur de chambre les éléments bei Ligia Digital eingespielt. Die Aufnahmen begeistern durch ihre Eleganz und ihre enorme Klangpracht. In dieser Drei-CD-Box werden sie nun zusam- mengefasst – meine Empfehlung! Denn diese Einspielungen dürften für längere Zeit die Referenz bleiben.
Sonntag, 31. Oktober 2010
Mayr: Te Deum, Mozart: Missa solemnis (Naxos)
Als Missa solemnis wird oft Mo- zarts C-Dur-Messe KV 337 be- zeichnet, die letzte Messe des Komponisten. Musikwissenschaft- ler verweisen jedoch darauf, dass es sich dabei um eine Kurzmesse, eine sogenannte Missa brevis, handelt. Die Missa solemnis be- gleitet ein feierliches Hochamt - und fällt in Umfang und Besetzung entsprechend üppig aus.
Für das Werk, das auf dieser CD zu hören ist, trifft dieses uneinge- schränkt zu. Wer aber der Autor dieser Messe in C-Dur ist, das wird sich wohl nicht abschließend klären lassen. Simon Mayr besaß eine Abschrift dieses Werkes, und darauf vermerkte er: "Mozart". Diese Messe jedoch war offenbar beliebt, und so kursieren noch zahlreiche weitere Kopien davon. Darauf sind die unterschiedlichsten Autoren benannt - Franz Xaver Brixi, Abbé Georg Vogler, Cajetan Vogel; neben Wolfgang Amadeus Mozart gehört auch sein Vater Leopold Mozart zum Kreis der in Erwägung gezogenen Urheber.
Wer auch immer dieses Opus tatsächlich geschaffen haben mag - es ist prachtvoll, auch wenn es nicht wirklich Mozartsches Format erreicht. Und es wird auf dieser CD sehr ansprechend vorgetragen. Dafür wählt Franz Hauk, der Gründer und Leiter des Simon Mayr Chores, eine interessante Version der Besetzung: In der Partitur vorgesehen sind vier Solisten; hier sind acht zumeist junge Sänger zu hören, die sich jeweils die Partie teilen.
Von Johann Simon Mayr stammt das zweite Werk auf dieser CD - das Te Deum in D-Dur, entstanden 1805. Mayr, 1763 in Mendorf bei Ingolstadt als Sohn eines Lehrers und Organisten geboren, verhalf seine musikalische Begabung zu einer erstklassigen Ausbildung; er erhielt zunächst einen Freiplatz am Jesuitenkolleg Ingolstadt und konnte so studieren. Später ermöglichten es ihm Mäzene, Unterricht bei Carlo Lenzi in Bergamo und Ferdinando Bertoni in Venedig zu nehmen. Mayr war als Komponist sehr erfolgreich; er hat eine große Anzahl geistlicher Werke hinterlassen, gilt jedoch in erster Linie als Vater der italienischen Oper. Gaetano Donizetti war sein Schüler. 1845 starb Mayr in Bergamo, anerkannt und hoch geschätzt.
Sein umfangreiches Werk wird erst allmählich wiederentdeckt; dafür engagieren sich auch Franz Hauk und die jungen Sänger des Simon Mayr Chores. Auf der vorliegenden CD werden sie vom Georgischen Kammerorchester Ingolstadt begleitet. Gegründet 1964 in Tbilissi, zog das komplette Ensemble 1990 nach Ingolstadt um. Die exzellent ausgebildeten Musiker sahen in ihrer Heimat Georgien keine Zukunft mehr. Jetzt bereichern sie das Musikleben an Altmühl und Donau.
Samstag, 19. September 2009
Johann Adolf Hasse: Miserere / Salve Regina / Te Deum (Berlin Classics)
Hasse gehörte zu den Stars des 18. Jahrhunderts. Heute sind seine Werke nahezu vergessen - zu unrecht, wie die vorliegende CD beweist. Diese Musik ist wunderbar. Einmal mehr zeigt Ludwig Güttler mit seinen "Virtuosi Saxoniae", dass in den europäischen Archiven noch viele Schätze schlummern, deren Wiederentdeckung lohnt. Das "Salve Regina" beispielsweise ist überaus anspruchsvoll. Die Altistin Elisabeth Wilke aber hat an den hohen Anforderungen hörbar Vergnügen. Auch Katherina Müller, Ulrike Staude, Gerald Hupach und Wolf Matthias Friedrich sowie das Ensemble "Ars Vocalis", bestehend aus Mitgliedern des Chores der Semperoper Dresden, musizieren engagiert und klangschön. Eine Aufnahme, die man nur empfehlen kann.
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