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Mittwoch, 15. Dezember 2021

Little Christmas - St. Florianer Sängerknaben (Ars Produktion)


 Mit dem Chorherrenstift St. Florian feiern auch die St. Florianer Sängerknaben in diesem Jahr 950jähriges Bestehen. Zu den Aufgaben des renommierten Knabenchores, der zu seinen Mitgliedern einstmals unter anderem Anton Bruckner zählte, gehört noch immer die musikalische Gestaltung von Gottesdiensten im Stift St. Florian in Linz. Doch die Jungs singen ebenso zu den Salzburger Festspielen, sie übernehmen Knabenpartien an bedeutenden europäischen Opernhäusern und konzertieren weltweit. 

Zu ihrem Repertoire gehören aber auch Volksweisen, in oftmals coolen modernen Arrangements – und jede Menge Weihnachtslieder, wie diese CD beweist. Sie enthält Aufnahmen aus den Jahren 1998 bis 2021; der Chor wird zumeist vom langjährigen künstlerischen Leiter Franz Farnberger dirigiert, mitunter steht auch Chorleiter Markus Stumpner am Pult. Die Leistungen der Sängerknaben sind ganz erstaunlich; die Leistungen all der Pädagogen, die die Burschen betreuen, kann man gar nicht genug würdigen. 

Der Chorklang ist immer beeindruckend, aber insgesamt doch von Jahr zu Jahr recht unterschiedlich. Das hat seinen Grund. In St. Florian werden die Knaben offensichtlich als heranreifende Künstlerpersönlichkeiten wahrgenommen und individuell gefördert. So sind aus dem Chor im Laufe der Jahre einige exzellente Solisten hervorgegangen. Auch auf dieser CD ist das Solistenensemble mehrfach zu erleben. 

Und gemeinsam mit den Sängerknaben singen bei etlichen Stücken die Herren des Männerchores, den Franz Farnberger 1989 gegründet hat. Das war eine kluge Entscheidung, denn damit hat er einerseits den den St. Florianer Sängerknaben Zugang zu einem sehr viel umfangreicheren Repertoire ermöglicht. Zum anderen bietet der Männerchor aber auch eine Perspektive für Choristen nach dem Stimmbruch – und die Sängerknaben bekommen zugleich „große“ Vorbilder. 

Diese Strategie war sehr erfolgreich, wie die vorliegende CD zeigt. Der Zuhörer darf sich über ein abwechslungsreiches, mit viel Fingerspitzengefühl und wenig Puderzucker zusammengestelltes Programm freuen. Bei jedem einzelnen Lied ist die Begeisterung der jungen Sänger sowie die Freude am Singen zu spüren. Ein gelungenes Weihnachtsgeschenk zum Chorjubiläum. 

Donnerstag, 22. August 2019

Festive Masses for Lambach Abbey (Accent)

Die Benediktinerabtei Lambach, im Herzen von Oberösterreich, hat nicht nur eine prächtige Kirche mit kulturhistorisch wertvollen Fresken. Sie hat auch ein höchst interessantes Archiv, mit einer reichen Notenkollektion. Dort wurde Gunar Letzbor, mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria immer wieder auf der Suche nach bislang unentdeckten Werken, im Zuge seiner Auseinandersetzung mit dem Schaffen P. Romanus Weichleins noch auf zwei weitere Komponisten aufmerksam: Benjamin Ludwig Ramhaufski (um 1631 bis 1694) und Joseph Balthasar Hochreither (1669 bis 1731). Sie lebten und musizierten ebenfalls im Kloster Lambach. 
Hochreiter entstammte wohl einer Musikerdynastie. Seine Vorfahren sollen als Sänger am Salzburger Dom gewirkt haben. Der Junge war Chorsänger am Salzburger Kapellhaus, das zu dieser Zeit von keinem geringeren als Heinrich Ignaz Franz von Biber geleitet wurde. Er besuchte das Gymnasium und studierte an der Universität Salzburg, wo er 1688 das Magister-Examen ablegte. 
Im Stift Lambach wirkte er als Organist und Chorpräfekt; allerdings war er mit den Bedingungen dort nicht wirklich zufrieden, so dass er sich schließlich eine neue Anstellung suchte: 1721 wurde er Domstiftsorganist in Salzburg. Im Kloster Lambach sind viele seiner Werke überliefert; für diese Einspielung wurde die Missa ad multos annos ausgewählt, die Hochreither 1705 zur Weihe des Abtes Maximilian Pagel geschrieben hat. 
Benjamin Ludwig Ramhaufski war Hochreithers Amtsvorgänger im Stift Lambach. Der Organist und Komponist stammte aus Prag. Er begann seine Ausbildung als Kapellknabe beim Fürsten Martenitz in Passau, und kam 1648 in das Kloster, wo ihn Abt Placidus Hieber 1653 als Organisten beschäftigte. Das ist durchaus spannend, denn die Stiftsorgel wurde 1653 bis 1657 von dem Straubinger Christoph Egedacher erbaut. Es könnte also gut möglich sein, dass Ramhaufski die Konzeption dafür mit entwickelt hat. 
Auch sonst muss er einen exzellenten Ruf genossen haben, denn die Benediktineruniversität Salzburg gab mehrfach Musiktheaterstücke bei ihm in Auftrag. Leider sind keine dieser Kompositionen mehr aufzufinden. Entdeckt wurde aber eine Missa á 23 aus dem Jahre 1670 im Stift Kremsmünster, dem dortigen Abt gewidmet. 
Die beiden Werke sind musikalisch gehaltvoll. „Wie war es möglich, dass in Stiften zur Zeit schrecklicher Kriege und Seuchen mitten im Oberösterreicher Bauernland solche komplexen und anspruchsvollen Partituren zum Klingen gebracht werden konnten?“, staunt Gunar Letzbor. Mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria, den Vokalsolisten Radu Marian, Sopran, Markus Forster, Alt, Thomas Künne und Bernd Fröhlich, Tenor, sowie Gerd Kenda und Ullrich Staber, Bass, und St. Florianer Sängerknaben zeigt er, welche Klangpracht damals zu festlichen Anlässen aufgeboten wurde. 
Die beiden heute nahezu unbekannten Barockkomponisten begeistern mit einer Vielzahl von Klangeffekten. So sorgt in der Missa ad multos annos ein Trompetenchor für den strahlenden Glanz der göttlichen Herrlichkeit; ihm antworten fünfstimmig die Sängerstimmen, wobei die stark besetzten Soprane den Trompeten an Strahlkraft kaum nachstehen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie souverän die St. Florianer Sängerknaben agieren, und es ist eine große Leistung des Chorleiters Franz Farnberger, der immer wieder exzellente Stimmen ausbildet. Gemeinsam mit den erwachsenen Kollegen und den brillanten Musikern um Letzbor gestalten die Jungs auf dieser CD ein überwältigendes barockes Klangspektakel. Sehr beeindruckend! 

Montag, 11. September 2017

Edelweiss? (Preiser Records)

Im harmonischen Einklang mit Vergangenheit und Moderne befinden sich die St. Florianer Sängerknaben – und sie befinden sich dabei ausgesprochen wohl, wie dieses Doppelalbum zeigt. „Die Tatsache, dass der Chor der St. Florianer Sängerknaben seit fast 1000 Jahren besteht, gibt uns die Möglichkeit, ihn zu Recht als einen der ältesten und traditionsreichsten Knabenchöre der Welt anpreisen zu dürfen“, schreibt Chorleiter Franz Farnberger im Beiheft. „Bei der täglichen Probenarbeit hilft diese Tatsache wenig: zu Beginn jedes Schuljahres kommen neue Buben und die Arbeit beginnt von vorne. Das ist natürlich auch das Schöne daran – es kommt weder Langeweile noch Routine auf.“ 
Und auch wenn der Chor seit Jahrhunderten seine Heimat im Stift St. Florian hat, so ist diese Tradition eher eine Stärke als ein Umstand, der behindert. Zwar ist Anton Bruckner, der wohl berühmteste ehemalige Sängerknabe, immer präsent; in der Stiftsbasilika, unter der Orgel befindet sich Bruckners Grab. Doch ansonsten bieten die prächtigen Barock- gemäuer in erster Linie Lebensqualität – wozu auch ein modernes Internat für die Sängerknaben gehört. 
Franz Farnberger, eigenen Angaben zufolge „aus der Rolle des großen Bruders (während meiner Tätigkeit als Kapellmeister der Wiener Sängerknaben 1976 – 1983) unmerklich in die des Großvaters der Buben geschlittert“, hat mit den Jungs ein umfangreiches Repertoire erarbeitet. Es reicht von Mozarts Ave verum über Felix Mendelssohn Bartholdys Vertonung des Hundertsten Psalms bis hin zum Comedian-Harmonists-Klassiker Mein kleiner grüner Kaktus und zu Johann Strauss' Geschichten aus dem Wienerwald
Die Knabenstimmen werden dabei ergänzt durch den Männerchor, den Farnberger im Jahre 1990 gegründet hat, und in dem ehemalige Sängerknaben mitwirken. Das bringt kräftig Farbe: „Das Repertoire für Gemischten Chor ist einfach bunter und größer“, meint auch der Chorleiter. Und die Burschen singen allesamt hinreißend. Natürlich darf Alois Mühlbacher nicht fehlen, der mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen und eigentlich zum Bass gereift ist. Aber seine Fähigkeit, die hohe Stimmlage zu nutzen, hat er dabei bewahrt. 
Doch die eigentliche Überraschung ist die Tatsache, dass Farnberger ringsum exzellente Stimmen und selbstbewusste junge Sänger ausgebildet hat. Auf der Doppel-CD lassen sich eine Menge jugendlicher Solisten hören – ob Lukas Zobl und Fabian Winkelmaier in Rossinis Katzenduett, Felix Lumesberger im Do-Re-Mi, Peter Leitenbauer, Simon Bernhard oder aber die vielen jungen Männer. Bravo!

Samstag, 4. Februar 2017

Biber: Missa Alleluja (Accent)

Warum sich Gunar Letzbor mit sei- nem Ensemble Ars Antiqua Austria immer wieder der Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644 bis 1704) zuwendet, das erklärt der Geiger im Beiheft zu dieser CD – kurz und bündig: „Ein Genie, dessen Lebens- geschichte noch größtenteils unerforscht ist, ein Violinvirtuose, der die Technik des Geigenspiels in Österreich auf eine unglaublich hohe Entwicklungsstufe emporgehoben hat, ein Mensch mit unglaublicher Fantasiefähigkeit und Mut zur Abstraktion.“ 
Biber wirkte erst in Kremsier und dann in Salzburg in der bischöflichen Hofkapelle. Über seinen Lebensweg wurde in diesem Blog bereits mehrfach berichtet; wer sich dafür interessiert, der findet die entsprechenden Texte am schnellsten durch Klicken auf das Schlagwort „Biber“. Auf der vorlie- genden CD kombiniert Letzbor einmal mehr Vokalmusik des Komponisten mit einem seiner hinreißenden Werke für die Geige. 
Das Glanzstück dieser Einspielung ist, ohne Zweifel, die Missa Alleluja a 36 voci, eine groß besetzte Messe, mehrchörig und ausgesprochen pracht- voll, mit Pauken und Trompeten. Warum allerdings die Sängerbesetzung auf die Hälfte reduziert wurde, das ist mir ein Rätsel – Biber schreibt ausdrücklich 8 voci concerti, 8 voci ripieni, hier sind aber insgesamt nur neun Vokalisten zugange, die gegen die Instrumentalchöre oftmals leider etwas schwächlich klingen. 
Zu loben sind allerdings die drei Sopranisten; Josef Pascal Auer, Simon Paul Bernhard und Daniel Mandl von den St. Florianer Sängerknaben können mit ihren strahlenden Knabenstimmen überzeugen. Alois Mühlbacher, der vor dem Stimmbruch mehrere Solo-CD mit teilweise abenteuerlichem Repertoire veröffentlicht hat – was er aber grandios bewältigte, unterstützt durch Chorleiter Franz Farnberger – ist nunmehr offensichtlich ins Countertenor-Fach gewechselt. Gemeinsam mit Markus Forster singt Mühlbacher Altus. Dazu gesellen sich die Tenöre Markus Miesenberger und Bernd Lambauer sowie Gerhard Kenda und Ulfried Staber, Bass. Es musiziert das Ensemble Ars Antiqua Austria, diesmal gleich mit zwei Orgelpositiven sowie mit einer ebenso brillanten wie kopfstarken Bläsergruppe. Sechs (!) Trompeten, drei Posaunen und zwei Zinke – das ist wirklich eine Luxusbesetzung; die Sänger haben aber leider ihre Not, sich gegen die beiden Bläserchöre zu behaupten. 
Die beiden wundervollen Solokantaten Nisi Dominus und Hic est panis singt Gerhard Kenda, und man freut sich, endlich einmal wieder einen richtigen Bass zu hören; im Dialog mit Letzbors Violine sowie mit Erich Traxler, Orgel und beim Nisi Dominus auch mit Hubert Hoffmann, Theorbe. Eine Pastorella Bibers, von Letzbor aufgespürt in den legendären Notenbeständen des Wiener Minoritenklosters, führt den Zuhörer zudem direkt in das Weihnachtsgeschehen. Wir erleben, wie der Engel seine Botschaft verkündet, und wir treten mit den Hirten zur Krippe, die die Geburt Jesu ausgelassen feiern – natürlich vor dem Stall; das Kind soll ja nicht erschrecken.

Mittwoch, 9. März 2016

Muffat: Missa in labore requies (Pan Classics)

Die Missa in Labore Requies ist, leider, das einzige erhaltene Kirchenmusik-Werk von Georg Muffat (1653 bis 1704). In Salzburg und Passau, wo Muffat viele Jahre wirkte, gab es offenbar exzellente Musiker; die Anforderungen jedenfalls sind hoch und die Partien schwierig. Das gilt für die Sänger ebenso wie für die Streicher und die üppig besetzten Bläser. Bei Gunar Letzbor und seinem Ensemble Ars Antiqua Austria, das schon mehrfach groß angelegte Festmessen aufgeführt hat, ist dieses prachtvolle Werk in besten Händen. Die St. Florianer Sängerknaben unter Leitung von Franz Farnberger singen erneut wunderbar; es ist faszinierend, zu erleben, wie souverän die Knaben und jungen Männer diese komplexe Musik solistisch oder in Kleingruppen gestalten. Beeindruckend, unbedingt anhören!

Samstag, 27. Juli 2013

Stimmen. Saiten. Klarinetten. (Preiser)

Mit ihrer CD „stimmen. saiten. klarinetten“ begeben sich die
St. Florianer Sängerknaben in die Welt der Volksmusik. „Echte“ Volksmusik, mit „echtem“ Instrumentarium und richtigen Musikanten wollte Franz Farnberger ohnehin mit seinen Chorknaben einmal machen, berichtet er im Beiheft zu dieser CD. „Hilfreich für die Erfüllung dieses Wunsches war meine Bekanntschaft mit Michael Killinger, Vater eines (mittlerweile ehemaligen) Sängerknaben, hauptberuflich Busunternehmer und legendärer, zahlreicher Instrumente beherrschender Volksmusiker“, schreibt Farnberger. „Ihn konnte ich nicht nur als Fachberater für die Repertoireauswahl gewinnen, sondern auch – zusammen mit seinen Ensembles ,Genießermusi’ und ,Dürnberg Klarinettenmusi’ – als Mitwirkenden für ein großes Konzert im Marmorsaal des Stiftes und die anschließende, jetzt vorliegende CD-Aufnahme.“ 

Und so versuchten sich also die jungen Sänger, normalerweise eher mit den großen Werken der sogenannten „ernsten“ Musik befasst, an Jodlern, Polka und Schuhplattler. „Es war für mich bei der Proben- arbeit sehr bereichernd und erstaunlich zu beobachten, wie schnell sich die Buben für diese Musik begeistern ließen“, schreibt Killinger im Beiheft. Tradition trifft hier auf Tradition, und für das Projekt konnten sich, wie man feststellen wird, auch zahlreiche ehemalige St. Florianer erwärmen. So ist neben Markus Stumpner, als Jodler-An- sänger, auch Alois Mühlbacher zu hören, immer noch Mezzosopran, aber mittlerweile offenbar nicht mehr bei den St. Florianern. 
Musiziert wird mit Hingabe – und blitzsauber, auch wenn Farnberger anmerkt: „Wie so oft in der Musik ist die scheinbar ,einfachste’ Variante nicht immer die leichteste, denn gerade der dreistimmige unbegleitete Satz stellt höchste Anforderungen an die Intonations- sicherheit.“ Wer schwungvolle Klänge aus Oberösterreich mag, lebendiges Brauchtum statt Musikantenstadl – hier kann der Zuhörer erleben, wie die nächste Generation antritt, dieses Erbe weiterzu- führen. 

Mittwoch, 26. Dezember 2012

Alois - Von Hirten und Engeln (Preiser Records)

Die hohe Stimme ist Alois Mühl- bacher offenbar bislang erhalten geblieben. Der junge Mann singt seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben; er ist mittlerweile 17 Jahre alt, und gilt nicht nur deshalb als Stimmwunder. Wer seine bislang erschienenen CD nicht kennt, der kann auch bei Youtube nachschauen: Von der Königin der Nacht bis hin zu Strauss und Mahler - es gibt fast nichts, was Mühlbacher nicht gesungen hat, üblicherweise am Klavier begleitet vom Chorleiter Franz Farnberger. 
Anschauen sollte man den jungen Sänger allerdings besser nicht, denn sein musikalischer Ausdruckswille bricht sich Bahn in einer Gestik, die höchst affektiert wirkt. Derartiges Kaspertheater sollte sich ein angehender Profi schnell wieder abgewöhnen, das kommt beim Publikum nicht wirklich gut an. 
Für das Weihnachtsfest haben Mühlbacher und sein Mentor Farnber- ger ein anspruchsvolles Programm zusammengestellt, das auf tradi- tionelle Weihnachtslieder vollkommen verzichtet, und statt dessen auf das (spät)romantische deutsche Kunstlied setzt. Es erklingen Lieder von Peter Cornelius (1824 bis 1874), Joseph Haas (1879 bis 1960), Max Reger (1873 bis 1916) sowie von Franz Philipp (1890 bis 1972), Johannes Hatzfeld (1882 bis 1953) und Casimir von Pászthory (1886 bis 1966). Im Mittelpunkt der CD aber stehen ohne Zweifel die sieben Lieder von Hugo Wolf (1860 bis 1903), drei davon aus dem Spanischen Liederbuch. Mühlbacher singt zudem Der Engel aus den Wesendonck-Liedern von Richard Wagner (1813 bis 1883). Ob das durchweg inhaltlich für einen Teenager passt, das muss jeder Hörer für sich entscheiden. 
Gestaltet sind die Lieder zumeist überzeugend. Dabei zeigt der junge Solist eine für sein Alter ganz erstaunliche Reife. Aus den Höhen, in denen er sich bislang stimmlich bewegte, hat sich Alois Mühlbacher allerdings mittlerweile verabschiedet. Seine Stimme hat sich ver- ändert; sie ist voller geworden, klingt reifer - und deutlich tiefer. In der Mezzo-Region ist der Sänger hörbar daheim, die Spitzentöne hingegen klingen nicht mehr wirklich gut. 
Es wäre Mühlbacher zu wünschen, dass er auch nach dem Stimm- bruch weiter künstlerisch gefördert wird. Möge er Partner finden, die seinen Ehrgeiz verstehen, aber den jungen Sänger doch ein wenig bremsen, damit er Zeit bekommt für seine weitere Entwicklung. Man darf gespannt sein - doch man wird ganz sicher weiter von ihm hören. 

Freitag, 12. Oktober 2012

Alois und Christoph Florian Karsten (Preiser)

Alois Mühlbacher ist ohne Zweifel ein Ausnahme-Sänger - doch die St. Florianer Sängerknaben sind offenbar auch sonst selbstbewusste und exzellent ausgebildete kleine Künstler, die in dem Ensemble sehr individuell gefördert werden. Das jedenfalls zeigt die vorliegende CD, auf der Mühlbacher zumeist im Duett mit seinen Mitchoristen zu hören ist. 
Bereits seine erste Solo-CD enthielt ein Duett aus der Oper Lakmé, vorgetragen von dem Knaben- sopran gemeinsam mit dem damaligen Knabenalt Karsten Köhne. 
Es lag also nahe, weitere Duette aufzunehmen, zumal es ein umfang- reiches Repertoire gibt, das aber üblicherweise nur selten zu hören ist. Franz Farnberger, der Leiter und Mentor der St. Florianer Sängerknaben, hat daraufhin geeignete Stücke herausgesucht. Dabei konzentrierte er sich auf die zweistimmigen Gesänge von Schumann, Mendelssohn und Brahms. 
Der größte Teil der Aufnahmen entstand bereits im Sommer 2010. Der Chor entschied dann allerdings wegen des Mahler-Jahres 2011, die später aufgezeichnete CD Alois - Um Mitternacht zuerst zu ver- öffentlichen. Wie schnell der Generationswechsel in einem Knaben- chor erfolgt, wird übrigens auch daran erkennbar, dass die Duett- partner mittlerweile alle im Stimmbruch sind - nur Alois Mühlbacher kann, obwohl auch er mittlerweile seinen 16. Geburtstag gefeiert hat, nach wie vor mit seinem strahlenden Sopran vor das Publikum treten. 
Die Gesangstechnik dieses Knaben, viel mehr aber noch seine Fähi- keit, die Werke, die er singt, auch inhaltlich zu erfassen und ange- messen zu gestalten, erscheint phänomenal. Doch nicht weniger hörenswert singen seine Duettpartner. Hier sind drei sehr unter- schiedliche Stimmen zu erleben. In drei Duetten von Brahms ist Florian Eschelmüller zu hören, der ebenfalls durch Ausdrucksstärke auffällt. Bei zwei geistlichen Gesängen von Felix Mendelssohn Bartholdy singt Karsten Köhne gemeinsam mit Alois Mühlbacher. Beide Jungen verfügen über relativ große Stimmen, die sie routiniert einsetzen, um das religiöse Pathos dieser Stücke zu transportieren. 
Einige Werke von Robert Schumann und die zweistimmigen Lieder op. 63 und 77 von Mendelssohn interpretiert Mühlbacher zusammen mit Christoph Schlögl. Zu den hübschen romantischen Duetten passt Schlögls helle, klare Knabenstimme ganz ausgezeichnet. Farnberger begleitet seine Zöglinge zuverlässig am Klavier. 
Die CD klingt mit vier Solostücken Mühlbachers aus, die wie ein Nachhall zur Mitternacht-CD wirken. Wer diesen Sirenenklängen widerstehen kann, dem ist nicht zu helfen. 

Dienstag, 5. Juni 2012

Alois. Um Mitternacht (Preiser Records)

Alois Mühlbacher, gehandelt als "Stimmwunder", seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben, ist von Knabensopran zu einem Jugendli- chen gereift. Seine hohe Stimme hatte er noch, zumindest im ver- gangenen Jahr, als diese Aufnah- men entstanden sind - doch irgend- wann wird auch ihn der Stimm- bruch ereilen. 
Auch in dem Repertoire, das er ge- meinsam mit seinem Chorleiter und Pianisten Franz Farnberger für diese CD ausgesucht hat, zeigt sich sein Abschied von der Kindheit. Ob man einen 16jährigen allerdings wirklich die Lieder eines fahrenden Gesellen von Gustav Mahler singen lassen muss, und die Vier letzten Lieder von Richard Strauss, diese Frage sei gestattet. 
Mahlers Werke nach Texten aus Des Knaben Wunderhorn sind für mich jedenfalls der musikalische Höhepunkt dieser CD. Wie sensibel Mühlbacher hier Stimmungen erfasst und mit seiner Stimme gestaltet, das grenzt schon an Magie. Auch technisch hat der junge Sänger sich erheblich weiterentwickelt; das lässt darauf hoffen, dass er möglicher- weise seine Karriere auch nach dem Stimmbruch fortsetzen kann. Man wünscht es ihm - und eine große Portion Geduld, denn die wird er in Zukunft brauchen. 

Donnerstag, 2. Juni 2011

Alois - unerhört (Preiser)

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie Chorleiter wären, und es fragte Sie einer Ihrer Knabensoprane darum, mit ihm die schwierigste Arie der Literatur überhaupt zu üben? Franz Farnberger, der Leiter der St. Flo- rianer Sängerknaben, hat mit dem Sopransolisten Alois Mühlbacher Strauss' große Arie der Zerbinetta einstudiert - und noch so manches andere. 
Er fand aber zu Recht, das sollten auch noch andere hören, als nur die Sängerknaben, die sich mit Opern in Kurzversion gelegentlich die Zeit vertreiben. Auf dieser CD findet sich daher Mozarts Königin der Nacht neben Pamina, Strauss' pfiffige Kammerzofe Adele neben ihrer Brötchengeberin Rosalinde, sowie berühmte Arien von Puccini, Dvorak, und vielen anderen.
Nicht jeder Ton ist gelungen. Doch in der Summe zeigt  Alois Mühl- bacher, Jahrgang 1995, eine erstaunliche Leistung. Der Knaben- sopran, der seit 2005 bei den St. Florianer Sängerknaben ist, beein- druckt nicht nur durch seinen Gesang, sondern vielmehr durch seinen unbändigen Gestaltungswillen, der in jedem einzelnen Stück hörbar wird. Hier interessiert sich ein junger Sänger nicht allein für artistische Leistung, für perlende Läufe und virtuose Verzierungen, sondern für die Figur hinter den Noten. Und das ist in der Tat eine Überraschung, denn das lässt sich bei weitem nicht von jedem Profi sagen, der ein ähnliches Programm vorstellt.
Die St. Florianer Sängerknaben singen nicht nur die übliche geistliche Literatur, sondern sind auch auf den Opernbühnen der Welt oft zu erleben. So hat Mühlbacher bereits an der Wiener Staatsoper, im Theater an der Wien, in Salzburg, Tokio und Aix-en-Provence ge- sungen, in Dresden, und in vielen anderen Musikmetropolen der Welt. Was aus diesem Elfjährigen wird, wenn er in den Stimmbruch kommt, das vermag freilich keiner zu sagen. Wir jedenfalls wünschen diesem selbstbewussten und engagierten jungen Sänger, dass auch seine Zu- kunft so glücklich wird, wie er das jetzt ist, wenn er singt.