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Dienstag, 23. Januar 2018

Geliebte Dorette. Spohr: Works for violin and harp (Stradivarius)

Diese CD lädt ein zum Ausflug in die Geschichte der Harfe, und zwar in eine Zeit, da die Hakenharfe von der Einfach-Pedalharfe abgelöst wurde. Letztere ermöglichte es, durch das Treten von Pedalen Harfensaiten beim Spielen zu verkürzen, und so ihren Ton bei Bedarf um einen Halbton zu erhöhen. 
Maria Christina Cleary, die gemeinsam mit dem Geiger Davide Monti diese CD eingespielt hat, gehört zu den Spezialistinnen für solche historischen Instrumente. Sie hat in Leiden mit einer Arbeit zur Rekonstruktion der komplizierten Pedaltechniken für diese sogenannte Harpe organisée promoviert. 
Angeregt wurde sie dazu durch ihre Beschäftigung mit Musikstücken, die Louis Spohr (1784 bis 1859) einst für seine Gattin komponierte – und die Cleary zunächst unspielbar fand. Dorothée Henriette Scheidler (1787 bis 1834), Tochter des Cellisten und Komponisten Johann David Scheidler, wuchs im thüringischen Gotha in einem unglaublich musikalischen Umfeld auf. Auch zwei ihrer Onkel musizierten wie ihr Vater in der (exzellenten) Hofkapelle, und ihre Mutter war dort als Sängerin engagiert. 
Dorette, wie die junge Musikerin gerufen wurde, spielte Geige und Klavier. Ihr wichtigstes Instrument aber war die Harfe; sie galt als eine der besten Harfenistinnen ihrer Zeit. Im Oktober 1805 wurde Louis Spohr Konzertmeister am Gothaer Hof. Und schon bald fragte er seine adrette Kollegin: „Wollen wir so fürs Leben miteinander musizieren?“ Im Februar 1806 heirateten die beiden, und sie musizierten in der Tat sehr viel miteinander. Zahlreiche Werke widmete Spohr seiner Dorette, mit der er auch gemeinsam auf Konzertreisen ging. 
Einige davon stellen Davide Monti und Maria Christina Cleary auf dieser CD vor. So erklingen die Sonate WoO 23 und die Grande Sonate pour La Harpe et la Violon op. 16. Die Sonate Concertante op. 115 und die Fantaisie sur des Thêmes de Händel at Abbé Vogler op. 118 sind auf dieser CD sogar zum ersten Male in Originaltonart zu hören. 
Dazu nutzen die Musiker einen Effekt, den Spohr in seinen Memoiren wie folgt beschreibt: „Ich kam auf die Idee, die Harfe einen halben Ton tiefer als die Violine zu stimmen. Dadurch gewann ich zweierlei. Da nämlich die Geige am brillantesten in den Kreuztönen klingt, die Harfe aber am besten in den B-Tönen, wenn möglichst wenig Pedale getreten werden, so erhielt ich dadurch für beide Instrumente die günstigsten und effekt- vollsten Tonarten: für Geige nämlich D und G, für Harfe Es und As. (..) Ich schrieb daher von nun an alle meine Kompositionen für Harfe und Violine in solcher verschiedener Stimmung.“ 

Montag, 13. Juli 2015

Spohr: Reisesonate (Stradivarius)

Der große Geiger Louis Spohr (1784 bis 1859) hatte ein kleines Problem: Er konnte nicht Klavier spielen. Das beeinträchtigte ihn ziemlich, nicht nur beim Einstudieren seiner Werke mit Chören und anderen Ensembles, sondern auch beim Komponieren selbst. Natürlich konnte er den Stil der großen Virtuosen seiner Zeit imitieren – aber er konnte nicht beurteilen, wie spielbar seine Musik letzten Endes auf dem Klavier war. So soll Chopin 1830 über Spohrs Quintett für Bläser und Klavier op. 52 geklagt haben, es sei wunderschön, aber für das Klavier schlecht geschrieben; man könne oftmals gar keine Fingersätze erstellen. Spohr selber soll 1838 geseufzt haben, er würde gern hundert Louis d'or dafür geben, wenn er nur Klavier spielen könnte. Allein er konnte es nicht, und so spielte ihm seine zweite Frau Marianne Pfeiffer (1807 bis 1892) vor, was immer er hören wollte. 
Trotz dieser technischen Kalamitäten hat Spohrs Kammermusik für Violine und Klavier einige Überraschungen zu bieten. Der Geiger Francesco Parri- no und der Pianist Michele Fedrigotti haben diese Werke für sich entdeckt, und stellen bei Stradivarius nun einige davon vor. Die italienischen Musiker präsentieren auf zwei CD Spohrs erstes Duo concertant op. 95, das Grand duo concertant op. 112, dazu die Sechs Duettinen „Elegisch und humoristisch“ op. 127, Mendelssohns Liedern ohne Worte nachempfun- den, sowie das Duo concertant op. 96. Letzteres ist feinste Programm-Musik – das Werk schildert, so verrät der eigentliche Titel, „Nachklänge einer Reise nach Dresden und in die Sächsische Schweiz“ und ist 1836 als Ergebnis eines Ferienausflugs entstanden. Der erste Satz schon ist voller Vorfreude; im zweiten Satz erklingen die Signale des Posthorns, und im dritten Satz schildert Spohr unüberhörbar einen Gottesdienst in der Katho- lischen Hofkirche zu Dresden. Die Felsen und Klüfte der Sächsischen Schweiz schließlich werfen auch ein Echo der böhmischen Musik zurück. Spohr bildet all dies aber nicht naturalistisch in seiner Musik nach, er spiegelt eher Stimmungen und Eindrücke. Und natürlich ist all dies letztendlich brillante Virtuosenmusik, von Parrino und Fedrigotti auf zeitgenössischen Instrumenten gekonnt vorgetragen. Insbesondere ein herrlicher Broadwood-Flügel, erbaut im Jahre 1849, aus dem Besitz des Pianisten bringt ganz erstaunlich Farbe. Spohrs Werke aber sollten generell viel öfters zu hören sein – es lohnt sich! 

Sonntag, 15. September 2013

Purcell: Close thine eyes (Stradivarius)

Einige der schönsten Lieder von Henry Purcell sind auf dieser CD zu finden. Die kristallklare Sopran- stimme von Joanna Klisowska und der prachtvolle Bass von Peter Kooij machen diese Aufnahme zu einem Genuss. Und Pietro Prosser, Erzlaute und Barocklaute, Cristiano Contadin, Viola da gamba, sowie Lorenzo Feder an Orgel und Cembalo begleiten die Sänger nicht nur kongenial. Die Musiker lassen sich auch mit stilistisch passenden instrumentalen Zwischenspielen zwischen den Songs vernehmen. Wunderbar. Bravi! 

Donnerstag, 15. August 2013

Weiss: Töne von meiner Flöten (Stradivarius)

„Ich konnte mercken, dass die Töne von meiner Flöten einigen Eindruck auf das Hertz der liebenswürdigen Angelica gemacht hatten“, rühmte sich Jean Gaspard Weiss (1739–1815) in seiner Autobiographie. Dennoch blieb die Begegnung mit der Malerin Angelika Kauffmann 1765 in Rom ohne Folgen; der Musiker setzte seine Reisen fort, über die er später dann berichtete. 
Der Elsässer, ausgebildet in Basel und Bern, verbrachte viele Jahre seines Leben auf Reisen. So gehörte zwischen 1767 und 1783 zum Kreis der Musiker um Johann Christian Bach und Carl Friedrich Abel in London. Dort verdiente er als Musiker, Flötenlehrer und Komponist ein Vermögen. 1783 entschloss sich Weiss auf dem Höhepunkt seiner Karriere, in seine Heimatstadt Mulhouse zurückzukehren, und sein Geld dort in die florierende Textilindustrie zu investieren. Das war ein kluger Entschluss, der aus dem Musiker endgültig einen reichen Mann machte – erfolgreich bis ans Ende seiner Jahre. 
Francois Nicolet hat mit dem Ensemble Antichi Strumenti eine Auswahl Weiss'scher Werke bei Stradivarius eingespielt. Dabei verwendet er Nachbauten historischer Traversflöten – allerdings haben sie offensichtlich nicht, wie die Instrumente, die Weiss gespielt hat, fünf, sondern nur zwei bzw. drei Klappen. Das Programm, das Nicolet hier gemeinsam mit Laura Toffetti, Claudia Monti, Tobias Bonz und Francis Jacob vorstellt, ist abwechslungsreich und sehr ansprechend – ganz im Sinne des Komponisten, der sein Geld damit verdient hat, das Publikum gut zu unterhalten. Weiss' elegante Musik zeigt zudem exemplarisch, wie reisende Virtuosen im 18. Jahr- hundert verschiedenste Einflüsse aufgenommen und zu einer Quelle eigener Inspiration gemacht haben. 

Donnerstag, 5. Januar 2012

Muffat: Propitia Sydera - Concerti grossi (Stradivarius)

Georg Muffat (1653 bis 1704) war ein Schüler von Jean-Baptiste Lully. Er studierte in Ingolstadt Jura, und ging dann auf die Suche nach einer Anstellung. Muffat fand sie schließlich 1678 in Salzburg, als Domorganist und Kammerdiener bei Erzbischof Max Gandolph Graf von Kuenburg. 
Sein Dienstherr scheint den Musi- ker geschätzt zu haben, denn er finanzierte ihm einen längeren Aufenthalt in Italien, wo Muffat bei Bernardo Pasquini, einem der besten Organisten und Cembalisten der damaligen Zeit, "die Welsche Manier auf dem Clavier erlernet". In Rom lernte Muffat unter ande- rem Arcangelo Corelli kennen, der ihn sehr beeindruckte und sein Werk prägte. 
1690 ging Muffat nach Passau an den Hof des Kardinals Fürstbischof Johann Philipp von Lamberg, wo er bis an sein Lebensende als Hof- kapellmeister und Pagenoberhofmeister wirkte. Muffat war ein Mittler zwischen der italienischen und der französischen Musiktradition. Dabei bewies er viel Stilgefühl, wie diese CD beweist: Das Ensemble La Concordanza, das von Irene De Ruvo am Cembalo geleitet wird, hat für Stradivarius einige seiner Werke im italienischen Stil eingespielt. Dabei handelt es sich um vier Concerti grossi und eine Sonata a violino solo - ein Solitär im Werk des Komponisten; vielleicht hat er das Werk für den berühmten Violinvirtuosen Heinrich Ignaz Franz Biber geschrieben, der ebenfalls am Hof in Salzburg wirkte. Stefano Rossi, der erste Geiger von La Concordanza, trägt das Werk hier vor. 
Die Werke Muffats verbinden italienische Leichtigkeit mit französi- scher Eleganz (und gelegentlich, vor allem im Orgelwerk, auch deut- scher Formstrenge). Diese Aufnahme macht uns auf wundervolle Musik aufmerksam, die bislang auch unerklärlichen Gründen nicht die Beachtung gefunden hat, die sie verdient. La Concordanza überzeugt mit einer Interpretation voll Charme und Delikatesse. Bravi! 

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Banchieri:Il studio dilettevole / Il metamorfosi musicale (Stradivarius)

Hört man diese witzigen Stücke, wird man staunen. Denn ihr Schöpfer Adriano Banchieri (1568 bis 1634) war ein Mönch. Banchieri stammt aus Bologna. Und eigent- lich hieß er Tommaso, doch als er 1587 in den Benediktinerorden eintrat, nahm er den Namen Adriano an. Er wirkte als Organist, Komponist und Musiktheoretiker. Seine Madrigalbücher sind offen- bar direkte Vorläufer des Musik- theaters. 
Sie erzählen Geschichten, ja, es gibt sogar einen Erzähler, doch statt Arien erklingen dann Madrigale. Diese freilich haben es in sich; sollten die Mönche sie gesungen haben, dann waren sie nicht nur höchst geübte Sänger, sondern sie dürften dabei auch eine Menge Spaß gehabt haben. Denn Banchieris Madrigale sind musikalische Kostbarkeiten ganz besonderer Art. Diese urkomischen Kabinett- stückchen fordern von den Sängern Charakterisierungskunst und beständige Registerwechsel. Die Voraussetzung dafür ist eine virtuose Gesangstechnik sowohl mit Brust- als auch mit Kopfstimme. 
Die vorliegende Aufnahme fasst zwei weniger bekannte Werke zusammen - Il studio dilettevole, besser bekannt als Il Terzo Libro delle Canzonette a tre voci, und Il metamorfosi musicale, Quarto Libro delle Canzonette a tre voci, aus den Jahren 1600 bzw. 1601. Die Musiker des Ensembles Delitiae Musicae unter Leitung von Marco Longhini zelebrieren diese köstlichen Scherze mit Hingabe. 
Sie können sich das auch leisten, denn die Sänger - Alessandro Car- mignani, Paolo Costa und Marcello Vargetto - sind wirklich brillant. Sie fisteln, näseln, brummen und tönen, wie es gerade passt, und zeigen dabei eine geradezu ansteckende Musizierlust. So wird auch der Zuhörer diese CD genießen. Denn bei aller Theatralik und allem Klamauk - in erster Linie hat Banchieri wundervolle Musik kompo- niert. Und diese wird hier höchst solide vorgetragen. Bravi! 

Donnerstag, 4. August 2011

Frescobaldi: Fiori Musicali (Stradivarius)

Girolamo Frescobaldi (1583 bis 1643) war, wie sonst in seiner Generation wohl nur noch der "deutsche Organistenmacher" Jan Pieterszoon Sweelinck,  eine musi- kalische Persönlichkeit, deren Werk und Wirken nach ganz Europa aus- strahlte. Frescobaldi war schon in jungen Jahren ein bekannter Orgel- virtuose. Der Organist des Peters- doms wurde für seine Kompositio- nen ebenso gefeiert wie für sein Orgelspiel. Die Kollegen pilgerten in großer Zahl zu ihm, um von ihm zu lernen. Seine Fiori Musicali, im Druck erschienen 1635, sind Papst Urban VIII. gewidmet. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von Werken für den liturgischen Gebrauch, bestimmt für die Messe an "normalen" Sonntagen, zu feierlichen Anlässen und für die Marien- messe. 
Die Wirkung dieser Werke muss grandios gewesen sein, stellt man sich diese Toccaten, Canzonen, Capricci und Ricercari  eingebettet in den festlich zelebrierten Gottesdienst vor. Dementsprechend war auch die Ausstrahlung dieser Stücke, die der Komponist durchaus als Vorbild, Muster - und als didaktisches Werk verstanden haben wollte. Und genau so haben sie sich im Repertoire bis heute gehalten.
Organist Maurizio Croci spielt sie an der Marco-Fratti-Orgel der Drei- faltigkeitsbasilika in Bern; es handelt sich dabei um ein modernes Instrument aus dem Jahre 2008, das sehr interessant gestimmt ist, wie man bald hört. Die Versikel singt das Ensemble Stirps Jesse. Croci legt offenbar großen Wert auf die meditativen Qualitäten dieser Musik; er spielt sie, gedanklich, in ihrem Funktionszusammenhang, und nicht als virtuose Nummern. Man lauscht mit der entsprechen- den Andacht, die allerdings auch nicht durch Überraschungen gestört wird. 

Freitag, 24. Juni 2011

Vivaldi: Concerti op. 10 per flauto e archi (Stradivarius)

Eine gänzlich andere Auffassung der Vivaldi-Konzerte vertritt (Block-)Flötist Stefano Bagliano mit dem Collegium Pro Musica, ebenfalls ein Spezialist für „Alte“ Musik, der aber in einer etwas anderen Tradition steht. So folgen auf dieser CD die Konzerte Vivaldis brav wie im Werkverzeichnis auf- einander. Es gibt keine Klangexpe- rimente, und es wird virtuos, aber auch sehr klassisch musiziert. Wer das mag, der wird mit dieser Ein- spielung ziemlich glücklich sein.

Sonntag, 20. Februar 2011

Le grazie del violino nel seicento italiano (Stradivarius)

Im 16. Jahrhundert entstand in Oberitalien ein neues Solo-Instru- ment: Die Violine. Wie Musiker damals die Möglichkeiten dieser Innovation erkundet und aus- probiert haben, zeigt die vorlie- gende CD anhand von Werken aus dem 17. Jahrhundert. Auch ihre formale Gestaltung war innovativ, und in der Entwicklung begriffen - auf der Suche nach einem Weg abseits von den "alten" Regeln des Kontrapunkts, hin zu einer eher rhetorischen Musik. Claudio Monteverdi nannte dies seconda practica; und viele seiner Kollegen folgten den neuen Ideen.  
Das Duo Arparla - in diesem Wort stecken nicht umsonst die Begriffe arpa und parla - zeigt einige der Varianten, die Musiker damals für die Violine gefunden haben. Davide Monti spielt eine Violine von Giovanni Paolo Maggini, gebaut 1620 in Brescia, mit Darmsaiten und dem Nachbau eines Bogens aus dem 17. Jahrhundert. Maria Christina Cleary spielt eine Doppelharfe, nach dem Vorbild einer Tripelharfe im Museo della Musica di Bologna angefertigt von Rainer M. Thurau in Wiesbaden 2005. 
Die Harfe war zur Zeit der Renaissance und des Barocks ein beliebtes Continuo-Instrument. Cesare Ripa rühmte die Arpa doppia: "per la dolcezza del suono si dice haver conformità von Venere, e con le Gratie, che como questo, così quella diletta gl'animi, e ricrea li spiriti". Es braucht einige Zeit, bis man sich eingehört hat - doch dann wird man ihm gern zustimmen. 

Mittwoch, 17. Februar 2010

Gesualdo: Responsoria; De labyrintho (Stradivarius)

Don Carlo Gesualdo, Fürst von Venosa, ist nicht zuletzt aufgrund der wenigen Fakten, die über sein Leben bekannt sind, ein dankbarer Forschungsgegenstand. Denn er ertappte 1590 seine Ehefrau in flagranti - was offenbar weder die Ehebrecherin noch ihr Liebhaber und wohl auch nicht die kleine Tochter überlebten.
Gesualdo lebte mit seiner Schuld weiter, noch 23 Jahre lang - und je älter er wurde, desto mehr plagten ihn offensichtlich Depressionen. 
"Il canto dell'ombra", der Gesang des Schattens, lautet das Motto dieser CD - und das trifft das Wesen dieser ergreifenden Musik nur zu gut. 
Tod und Leben begegnen sich nicht nur in der Kombination von Teilen aus der Totenmesse mit Abschnitten aus der Ostersonntags- liturgie, wie sie für diese Aufnahme gewählt wurde. Dieselbe Spannung, das Ausharren zwischen Zeit und Ewigkeit, prägt auch die einzelnen Responsorien Gesualdos mit ihren halsbrecherischen harmonischen Rückungen und ihrer kühnen musikalischen Auslegung des Textes. Die Sänger von De labyrintho, geleitet von Walter Testolin, sind den Herausforderungen dieses extremen Repertoires jederzeit gewachsen. Das will etwas heißen - wagen sie sich doch in die Fußstapfen des Hilliard Ensembles, dem eine atemberaubende Einspielung der Oster-Responsorien gelungen ist. Der Chorgesang von De labyrintho klingt nicht ganz so rund und in sich gekehrt; das liegt aber in der Natur der Sache, denn in dem Ensemble, das sich ganz der Renaissance-Musik verschrieben hat, sind die hohen Stimmen mit Frauen besetzt. 
Mit Überraschungen muss man bei einem Chor, der einen solchen Namen wählt, wohl rechnen. "Patientia est ornamentum custodia et protectio vitae", mahnt das Booklet. Ansonsten ist es leider nicht besonders informativ. Warum die CD nur die Responsorien, nicht aber die Vorsängerverse dazu enthält, bleibt so ein Geheimnis. Statt dessen bringt die CD vier meditative Stücke für Viola da Gamba, von und mit Vittorio Ghielmi, die vom Gestus her wie ein Echo des Gesungenen wirken. Und zum Abschluss, wenn keiner mehr damit rechnet - und in der Trackliste auch nicht verzeichnet - folgt ein weiteres Stück von Carlo Gesualdo, wie die Auflösung eines musikalischen und theologischen Rätsels: Das Ave, dulcissima Maria aus dem Sacrarum Cantionum quinque vocibus Liber Primus, denke ich. Oder?

Samstag, 13. Februar 2010

Duo in rondeau - Dance music at the court of Francesco d'Este (Stradivarius)

Das Ensemble Antichi Strumenti widmet sich in erster Linie jener Musik, die von den Hofkapellen in Darmstadt, Karlsruhe und Stuttgart gepflegt wurde - und dem norditalienischen Repertoire des ausgehenden 17. Jahrhunderts.
Auf der vorliegenden CD präsentieren seine Gründer, Laura Toffetti an der Barockvioline und Tobias Bonz am Violoncello, unterstützt von Gabriele Palomba an der Theorbe und Gabriele Miracle, Percussion, Tanzmusik, die für das Haus Este komponiert wurde . Die Werke, die Mitte des 17. Jahrhunderts in Modena erklangen, sind uns überliefert, denn sie wurden in Codici gesammelt.
Diese befinden sich heute in der Bibliothek der Universität von Modena; und dort haben Toffetti und Bonz die Stücke für diese Aufnahme ausgesucht. Duo in rondeau ist der Versuch, die alten Manuskripte, aus denen niemals wieder gespielt wurde, zu befragen, und Werke, die jahrhundertelang nicht gefragt waren, wieder zum Klingen zu bringen. Das ist nicht ganz einfach, weil sich die Musizierpraxis erheblich verändert hat. Barockmusik ist auch und zuerst eine rhetorische Kunst. Sie verwendet Formeln, die uns nicht mehr geläufig sind, und ihre Notation gleicht eher einer Skizze, die vom Musizierenden zu vollenden ist. 
Toffetti und Bonz haben sich daran gewagt. Das Ergebnis ist durchaus gelungen. Allerdings ist es ziemlich anstrengend, gut 72 Minuten barocker Unterhaltungsmusik zu lauschen, die ja eigentlich dazu bestimmt war, die Herrschaft und ihre Gäste auf dem Tanzboden zu amüsieren. Wenn man nicht tanzt, dann kann einem insbesondere das Schlagwerk, das manchmal ziemlich dominant wird, schon gehörig auf den Wecker gehen.

Samstag, 2. Januar 2010

Telemann: Essercizii Musici (Stradivarius)


Telemann gehört zu den produktivsten Komponisten überhaupt; das Werkverzeichnis umfasst mehr als 3.600 (!) Stücke, die aller- dings auch in einem Zeitraum von 75 Jahren entstanden sind. Dass es sich dabei dennoch keineswegs um musikalische Meterware handelt, zeigt diese CD mit "Übungsstücken", so der zeitgemäß tiefgestapelte Titel. Die Sonaten und Triosonaten erweisen sich als entzückende Miniaturen, die sehr schön Einblick geben in Anforderungen an Instrumentalisten der damaligen Zeit. Interessant ist insbesondere ein Solo für Cembalo, das auch von Bach ungefähr zur gleichen Zeit als konzertierendes Instrument entdeckt wurde. In den Sonaten für (Block-)Flöte und Violine aber übernimmt das Cembalo nach wie vor den Continuo-Part.
Der Flötist Stefano Bagliano und sein Collegium Pro Musica musizieren gekonnt und schwungvoll; die Musiker gestalten ebenso geistreich wie mitreißend. Eine wunderschöne Aufnahme, die den zahlreichen bereits am Markt erhältlichen Einspielungen - unter anderem mit so renommierten Solisten wie den Camerata Köln - durchaus eigene Akzente hinzuzufügen weiß.

Dienstag, 8. Dezember 2009

Mozart: I Concerti per Flauto e Orchestra (Stradivarius)


In seiner Mannheimer Zeit schrieb Mozart zwei Flötenkonzerte plus das berühmte Andante. Unzählige Flötisten haben diese Werke eingespielt; es stellt sich also die Frage, was Luisa Sello dazu bewogen hat, dem noch eine weitere Version hinzuzufügen. Die Antwort darauf bleibt beim Anhören dieser CD leider aus - eine Aufnahme, die die Welt nicht braucht, zumal auch nicht durchweg mit schönen Tönen.

Montag, 7. Dezember 2009

Christoph Graupner: Suite de Suites; Antichi Strumenti (Stradivarius)


Wer war Christoph Graupner? Seine musikalische Ausbildung erhielt er wohl in erster Linie in Leipzig, wo er auch Jura studierte, bei den Thomaskantoren Schelle und Kuhnau. Dann ging er nach Hamburg, wo er als Cembalist an einem von Reinhard Keiser geleiteten Opernorchester  wirkte und einige Opern komponierte, die offenbar das Publikum begeisterten.
Auch Landgraf Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt zeigte sich angetan, und nahm Graupner 1709 in seine Dienste. 1722 bewarb sich der Musiker erfolgreich um die Anstellung als Thomaskantor in Leipzig - allein sein Landgraf ließ ihn nicht ziehen, so dass letzten Endes Bach die Stelle bekam. Als der Hofkapellmeister 1754 erblindete und mit seiner Arbeit aufhörte, hatte er  um die 2000 Werke geschaffen, darunter mehr als 1400 Kirchenkantaten und etwa 270 Instrumentalwerke.
Kein einziges Bildnis Graupners aber ist überliefert. Und dass seine Musik heute noch gespielt werden kann, ist einem Zufall zu verdanken. Denn der Komponist hatte verfügt, dass all seine Werke nach seinem Tode vernichtet werden sollen. Doch sein Arbeitgeber war der Meinung, diese seien Eigentum des Darmstädter Hofes - und so kamen sie nach diversen juristischen Scharmützeln ins Archiv. Dort harren sie nun ihrer Wiederentdeckung.
Das könnte sich durchaus lohnen, wie die beiden hier eingespielten Ouvertüren zeigen. 85 (!) davon sollen wohl insgesamt erhalten sein. Die Stücke verweisen auf einen Komponisten, der sein Handwerk überaus solide beherrschte, nicht jeder Mode hinterherlief und sich auch sonst einen gewissen Eigensinn bewahrte. Mit Pauken und Trompeten zelebriert werden die beiden Suiten hier von den "Antichi Strumenti", einem Ensemble aus Frankfurt/Main, das  in wechselnden Besetzungen um Laura Toffetti, Violine, und Tobias Bonz, Violoncello, überwiegend im Elsass agiert. Und diese Aufnahme kann man gut anhören.

Donnerstag, 15. Oktober 2009

Wilhelm Friedemann Bach: Six Duets F54-59; Omar Zoboli, Sergio Delmastro (Stradivarius)


Duette gehören quasi zwangsweise zum Repertoire eines jeden Bläsers. Denn er lernt daran, typischerweise im Zusammenspiel mit seinem Lehrer. Wenn man solche Stücke auf CD bringen will, dann gehört viel Mut dazu, ein überaus solides Handwerk - und ein Feuerwerk an musikalischen Ideen. Sonst wird auch der geduldigste Zuhörer seine gute Laune einbüßen.
Bei dieser CD besteht diese Gefahr nur zum Teil. Das liegt zum einen daran, dass Omar Zoboli - Oboe, Oboe d'Amore, Englischhorn und Sopransaxophon - und Sergio Delmastro - Klarinetten in B und A sowie Bassethorn - ausgesprochen virtuos musizieren, und die Klangfarben ihrer Instrumente sehr geschickt einsetzen. Zum anderen wurden, wohl aus dramaturgischen Gründen, die Duette umsortiert. Das längste Stück steht am Beginn, und es ist in der Tat auch dasjenige mit gewissen Längen. Ansonsten verspricht die CD erstaunlich viel Kurzweil - der "Hallesche Bach" hat seinerzeit, ursprünglich für zwei Querflöten, kleine Stückchen komponiert, die einige Überraschungen aufbieten.

Freitag, 26. Juni 2009

Antonio Vivaldi: L'Élite des Concertos Italiens (Stradivarius)

Vivaldi und kein Ende. In den Archiven müssen bergeweise Stücke des fleißigen Komponisten liegen - und immer wieder zeigen Aufnahmen, dass da wohl noch manche Überraschung zu erwarten ist. Eine solche gelingt Musikern um Giorgio Sasso mit der vorliegenden Sammlung von Violinkonzerten. Teils traditionell, teils erstaunlich modern, teils eher moderat, teils hoch virtuos. Immer aber schwungvoll und lustvoll interpretiert. Diese Auswahl ist eine Freude - gern mehr davon!