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Freitag, 2. Juli 2021

Ensemble Nobiles - vollxlied (Discors)


 Es kommt selten vor, aber es gibt Vokalformationen, die sind wie ein guter Wein: Mit jedem Jahr werden sie besser. Dieses Phänomen jedenfalls ist bei dem Leipziger Ensemble Nobiles zu beobachten. Ihr neues Album heißt „vollxlied – Made in Germany“, und es ist, soviel sei gleich verraten, dem Herrenquintett gut gelungen. 

Zwar distanzieren die Gesangsprofis sich mit dem Titel, ein wenig ironisch, von dem Repertoire, das sie für ihr jüngstes Album ausgewählt haben. Doch musikalisch haben Paul Heller, Countertenor, Christian Pohlers, Tenor, Benjamin Mahns-Mardy, Bariton, Lukas Lomtscher, Bassbariton und Lucas Heller, Bass, einmal mehr viel zu bieten. 

Das beginnt bei der stimmlichen Qualität und auch Bandbreite, die den fünf Herren zur Verfügung steht. Und es endet noch nicht bei der Liedauswahl, die dramaturgisch geschickt aufeinander folgt und zudem viel Abwechslung bietet. Denn die Chorsätze reichen von Friedrich Silcher bis Max Reger, und auch die Ensemblemitglieder selbst haben mit schöner Stilsicherheit (und manchmal auch Witz) so manche Bearbeitung beigetragen. Sehr hörenswert! 


Dienstag, 27. August 2019

Peter Schreier singt Volkslieder (Berlin Classics)

Was waren das doch für Zeiten! 1975 veröffentlichte das DDR-Label Eterna die Schallplatte „Peter Schreier singt Volkslieder“ – und wenn man die Aufnahmen heute anhört, dann stimmt das ganz melancholisch. Zum einen liegt es daran, dass die junge Generation heute nicht mehr singt. Selbst am Lagerfeuer gibt es Musik aus der Konserve; das Handy hat ja jeder immer dabei. Und die Älteren werden mit „volkstümlichen“ Klängen beschallt, wenn sie nicht schnell genug flüchten. 
Diese Einspielung erscheint dazu wie ein Kontrastprogramm, denn sie nimmt die alten Weisen ernst. Peter Schreier, ohne Zweifel ein Jahrhundert-Tenor, singt die Volkslieder genauso sorgfältig, wie etwa eine Arie von Bach oder Mozart. Und man staunt geradezu ehrfürchtig darüber, mit welchem Aufwand und welcher Liebe zum Detail dieses Programm seinerzeit in Leipzig eingespielt wurde. Das reicht von den Arrangements bis hin zur beeindruckenden Liste der Mitwirkenden, die damals unter Leitung von Horst Neumann an der Produktion beteiligt waren – neben Peter Schreier singen auch Mitglieder des Thomanerchores sowie der Leipziger Rundfunkchor, begleitet von Musikern des Gewandhausorchesters Leipzig. Vielen Dank an das Label Berlin Classics, das die originalen Masterbänder aufgearbeitet und diese Aufnahme nun auf CD verfügbar gemacht hat.

Montag, 24. Juni 2019

Voices of Armenia - Geghard Ensemble (KuK)

Fremd und doch vertraut klingen die Gesänge auf dieser CD, kraftvoll und konzentriert. Das Geghard Vokalensemble besteht aus acht Sängerinnen, und es gestaltet sonntags die Heilige Liturgie im Felsenkloster Geghard im Osten Armeniens. 
Gegründet wurde das Ensemble 2001 von der Sängerin und Dirigentin Anahit Papayan. Künstlerischer Leiter ist Dr. Mher Navoyan, Experte für Musik des Mittelalters und Professor am Konservatorium von Eriwan. Das Repertoire des Geghard Vokalensembles umfasst aber nicht nur Melodien aus der Zeit vom vierten bis zum 15. Jahrhundert. Die Sängerinnen überzeugen ebenso mit Chor-Arrangements armenischer Volks- oder geistlicher Lieder, modernen armenischen Kompositionen sowie Musik europäischer Komponisten.  Sie sind allesamt Profis, mit faszinierenden Stimmen. 
Um geistliche und Volksmusik aus Armenien einem Publikum außerhalb der Heimat vorzustellen, geht der Chor auf Tourneen und gibt auch im Ausland Konzerte. Mit einem beeindruckenden Programm waren die acht stimmgewaltigen Damen im Juni 2018 zu Gast im Kloster Maulbronn. 
Das war ein musikalisches Ereignis, wie der Mitschnitt deutlich macht, der glücklicherweise von Josef-Stefan Kindler und Andreas Otto Grimminger aufgezeichnet und bei ihrem Label K&K veröffentlicht wurde. Es ist übrigens zugleich der Gruß einer bedeutenden Kulturregion an eine andere: Wie das Kloster in Maulbronn, so gehört auch das Felsenkloster Geghard zum Unesco-Welterbe. 

Dienstag, 21. Mai 2019

Quadro Nuevo - Volkslied reloaded (Sony)

Herzliche Einladung zum großen Volksliederquiz mit dem Quadro Nuevo! Das mehrfach prämierte Weltmusik-Jazz-Ensemble hat die bekannten Melodien neu arrangiert. Mit vielen Gästen und mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Elisabeth Fuchs spielen die Musiker Evergreens wie Am Brunnen vor dem Tore, Der Mond ist aufgegangen, Hoch auf dem gelben Wagen oder Die Gedanken sind frei. Nicht alles, was sie für diese CD ausgewählt haben, ist heute noch wirklich populär. Einige Lieder, wie Ich fahr dahin, Maikäfer flieg oder Wohlauf in Gottes schöne Welt werden sicherlich nur noch die Experten kennen. 
Und wenn Freunde aus anderen Ländern am Lagerfeuer wie selbstver- ständlich ihre Volkslieder anstimmen, kann unsere junge Generation heute wohl ohnehin nur noch Augen und Ohren aufsperren. Denn man singt nicht mehr, man lässt singen – das Smartphone haben die Kids doch immer dabei. 
Ob sie sich für diese kunterbunte Klangwelt erwärmen können, das darf ebenfalls bezweifelt werden. Denn leichte Kost sind die Arrangements des Quadro Nuevo nicht, egal, wie beschwingt sie daherkommen. Wer sich darauf einlässt, der wird aber witzige Ideen finden. So wird in Servus Habibi bayerische Folklore mit orientalischen Klängen gemixt. Und auch das Trinklieder-Medley hat nicht nur Weingeist mitbekommen. Ein musikalischer Spaß für Insider – raffiniert angerichtet und pikant gewürzt. Aber das wird nicht jedem schmecken. 

Sonntag, 24. April 2016

Fangt euer Tagwerk fröhlich an - Volkslieder (Berlin Classics)

Dass der Dresdner Kreuzchor heute noch immer zu den besten Knaben- chören Deutschlands gehört, ist maßgeblich das Verdienst von Rudolf Mauersberger (1889 bis 1972). Er wurde 1930 Kreuzkantor, führte den Chor durch zwei Diktaturen, und dabei gelang ihm das Kunststück, seine Säkularisierung erfolgreich zu verhindern. 
In den 30er Jahren sorgte er dafür, dass der Kreuzchor eng in die Liturgie der Kreuzkirche eingebunden wurde. 
Mit großem persönlichen Engagement trat er für die Wiederbelebung des Chores nach der Zerstörung Dresdens ein, bei der auch elf Kruzianer ums Leben gekommen waren. Die Pflege des Erbes, insbesondere der Werke von Heinrich Schütz und Johann Sebastian Bach, hatte für den Kreuzkantor ebenso großes Gewicht wie die zeitgenössische Musik. Mit einer Vielzahl von Aufnahmen und Tourneen erarbeitete sich der Kreuzchor unter Rudolf Mauersberger internationales Renommee. 
Wer hören möchte, wie der Kreuzchor unter Mauersberger gesungen hat, dem sei diese CD mit Volksliedern empfohlen. Aufgezeichnet wurde sie im Juni 1964 in der Dresdner Lukaskirche. Die Chorsätze sind ausgesprochen abwechslungsreich; sie stammen teils von Mauersberger selbst, teils von anderen Komponisten, von Michael Praetorius über Felix Mendelssohn Bartholdy bis hin zu Ernst Pepping. 

Dienstag, 25. Juni 2013

Písne a tance barokní (Supraphon)

Berühmte Musiker stammen aus Böhmen – die Namensliste ist lang, und sie reicht zudem über mehrere Jahrhunderte. Diese CD nun ver- weist auf die Quellen, aus denen sich dieser kreative Strom gespeist hat. Das Ensemble Musica Bohe- mica brilliert mit Volksmusik aus Böhmen. 
Die beiden CD enthalten Musik aus bedeutenden Sammlungen – eine davon ließ die Regierung des „Vielvölkerstaates“ Österreich-Ungarn 1818 zusammentragen. Sie wurde auch eine Quelle für die Edition tschechischer Volkslieder, die Jan Ritter von Rittersberg 1825 veröffentlichte. Der Geiger Ondrej Hulka (1752 bis 1806) notierte traditionelle Melodien aus der Umge- bung von Ceské Budejovice, wie er sie selbst ein Leben lang gespielt hat. Die Stücke, die Musica Bohemica vorstellt, stammen aus diesen und weiteren Editionen. 
Die Musiker um Jaroslav Krcek präsentieren die Lieder und Tanzwei- sen in umfangreicher Besetzung, was reichlich Gelegenheit zum Spiel mit Klangfarben und dem Hörer zudem Abwechslung bietet. Zwar setzt Krcek dabei auch „moderne“ Instrumente ein. Dennoch vermei- det er allzu glatte, romantisierende Arrangements und versucht, den Charakter der alten Stücke zu unterstreichen – mit den musikalischen Mitteln von heute, denn wie die Melodien einst tatsächlich geklungen haben, das lässt sich ohnehin nicht mehr sicher rekonstruieren. 

Sonntag, 28. April 2013

Amarcord: Folks & Tales (Raumklang)

Mit diesem Album hat das Leipzi- ger Ensemble Amarcord erneut einen großen Wurf gelandet. Es gehört wenig Phantasie dazu, vorherzusagen, dass Folks & Tales nicht nur die Fans des Vokalquin- tetts begeistern wird.
Amarcord besteht nunmehr seit 20 Jahren. Konzertreisen haben Wolfram und Martin Lattke, Frank Ozimek, Daniel Knauft und Holger Krause in über 50 Länder geführt. Die Sänger haben dabei, als Refe- renz an ihr Publikum, oftmals auch Volkslieder aus der betreffenden Region in ihre Programme aufgenommen.
17 derartige "Folksongs" haben sie nun auf dieser CD zusammengetra- gen. Die ohnehin eingängigen Lieder erklingen in hinreißenden und farbenfrohen Arrangements, die speziell für die fünf Sänger entstan- den sind. Sie sind kein bisschen sentimental und volkstümelnd, sondern pfiffig und mitunter mit ihren Anleihen bei Pop und Jazz sogar etwas kühn. 
Die Reise führt rund um die Welt, von Deutschland über Amerika und Australien, die Philippinen, Thailand, Korea und Japan, Kuba und Ghana, Israel, Sardinien, Irland und Schweden, Lettland und Russ- land bis nach Böhmen. Man folgt dem Quintett dabei gern. Denn die fünf Sänger von Amarcord sind perfekt aufeinander eingespielt. Das Ensemble beeindruckt durch seinen homogenen, ausgewogenen Klang - und durch Charme und Humor. Bravi! und mehr davon. 

Sonntag, 23. September 2012

Es flog ein klein's Waldvögelein (Berlin Classics)

Der Sänger Peter Schreier und der Gitarrist Konrad Ragossnig haben 1986 in der Dresdner Lukaskirche für den VEB Deutsche Schallplatten eine Platte mit Volksliedern ein- gespielt, nun erhältlich bei Berlin Classics. Sie ist ein gutes Beispiel dafür, wie man dieses Liedgut interpretieren kann, ohne sich in die Niederungen des Musikanten- stadls  hinabzubegeben. 
Schreier singt mit derselben Ernsthaftigkeit, mit der er auch "Kunstlieder" vortragen würde. Und Ragossnig spielt Gitarrenbegleitungen dazu, die von "volkstüm- lichem" Geklampf unendlich weit entfernt sind. Man würde allerdings gern erfahren, wer der Autor dieser Arrangements war - doch in dem lieblosen Faltblatt, das hier die Stelle eines Beiheftes vertritt, finden sich dazu keine Angaben.
Die Zusammenarbeit von Schreier und Ragossnig begann 1978, als sie bei den Salzburger Festspielen gemeinsam Die schöne Müllerin von Franz Schubert interpretierten. Den Liederzyklus, der ursprünglich durch das Pianoforte begleitet wurde, hatte bereits Schubert für Gitarre bearbeitet. Doch diese Version reichte an das Original nicht heran. Aus diesem Grunde haben die Gitarristen Konrad Ragossnig und John W. Duarte eine eigene Fassung geschrieben; auch sie wurde 1980 für die Schallplatte aufgezeichnet. Berlin Classics machte diese Aufnahme in der Edition Eterna wieder zugänglich. Sie anzuhören, ist durchaus lohnend. Denn die Gitarrenpartie ist höchst anspruchsvoll; das Spiel von Ragossnig lässt erahnen, wie dieser Zyklus einst ge- klungen haben mag, als er mit dem Wiener Hammerklavier und nicht mit dem Standard-Steinway begleitet wurde. Und auch Schreiers Liedgesang setzt Maßstäbe. So romantisch, so intim und so vollendet war Die Schöne Müllerin selten zu erleben. 

Samstag, 4. August 2012

Edition Fischer-Dieskau (Audite)

Dem Andenken eines großartigen Sängers gewidmet ist die Edition Fischer-Dieskau bei Audite. Das Label hat dafür aus den Archiven eine Reihe von Raritäten heraus- gesucht, und die Aufzeichnungen auf den historischen Masterbän- dern mit Sorgfalt digital aufgear- beitet. 
So gilt die fünfte CD der Edition der Winterreise von Franz Schubert. Diesen Liederzyklus hat Dietrich Fischer-Dieskau um die dreißig Mal eingesungen. Diese Aufnahme aber war seine allererste, aufgezeichnet im Januar 1948 für den Rias; am Klavier begleitete seinerzeit Klaus Billing den jungen Sänger. Die Be- dingungen, unter denen diese Bänder entstanden sind, kann man sich heute gar nicht mehr recht vorstellen. So wirkten sich Schwankungen in der Stromversorgung auf die Bandgeschwindigkeit aus. Und auf- grund technischer Defekte musste die Hälfte der Stücke von den erschöpften Interpreten noch einmal eingespielt werden. Dass diese Aufnahme dennoch zu einer Legende wurde, zeigt, welche Klasse der Liedgesang Fischer-Dieskaus damals bereits hatte. 
Der junge Sänger wählte für Schuberts berühmte Lieder ein erstaun- lich langsames Grundtempo. Dieser Wanderer schreitet nicht vom Zorn beschwingt zum Tor hinaus, er schleppt sich vielmehr mühsam aus der Stadt. Fischer-Dieskau lässt jugendlichen Weltschmerz ebenso zu wie beinahe opernhafte Dramatik, doch die Musik ist mitunter klüger als der Interpret, und bricht die allzu romantischen Klänge ironisch. Als Referenzaufnahme würde ich diese nicht wählen, aber ein beeindruckendes musikalisches Dokument ist das schon. 
Neben Werken von Hugo Wolf und Johannes Brahms finden sich in der CD-Reihe auch Lieder Ludwig van Beethovens. So enthält die dritte CD der Edition Arrangements schottischer, irischer und walisischer Volkslieder aus seiner Feder. 22 derartige Stücke hat Dietrich Fischer-Dieskau 1952 gemeinsam mit dem Pianisten Michael Raucheisen, Grete Eweler-Froboese, Violine, Irmgard Poppen, Violoncello, und dem Rias Kammerchor unter Herbert Froitzheim eingespielt. Hier überrascht der Sänger mit einem ausgeprägten komischen Talent, das er auf der Bühne seltsamerweise nur selten zeigen konnte. Ob ein deftiges Trinklied oder der Bittgesang eines etwas naiven Verliebten - Fischer-Dieskau gestaltet mit sehr viel Charme geradezu szenische Miniaturen. Vielen Dank an Audite für diese Entdeckungen!

Dienstag, 19. Juni 2012

From Russia with Song (Melodija)

Russische Volkslieder in reicher Zahl werden hier gesungen von einst hochdekorierten Ensembles und Solisten. Da findet sich das Alexandrow-Ensemble der frühe- ren Sowjetarmee neben dem Staatlichen Akademischen Russischen Chor oder Staatlichen Volkschören aus Woronesch oder dem Ural. 
Die Aufnahmen stammen aus den Jahren 1958 bis 1996; die Arrange- ments sind zumeist populär, ganz im Stile der guten alten Estrada. Wer so etwas schätzt, und Sinn für Nostalgie hat, der wird diese CD mögen. 

Freitag, 6. April 2012

Thomanerchor Leipzig - 800 Jahre (Crystal Classics)

Vor 800 Jahren wurde in Leipzig durch Markgraf Dietrich von Meißen ein Kloster gestiftet - das Augustinerkloster St. Thomas, und zugleich damit gründete er die Thomasschule und der Thomaner- chor. Denn die Knaben, die an der Klosterschule ausgebildet wurden, wohnten im Stift - und sangen in den Gottesdiensten. 
Im Zuge der Reformation wurde das Kloster aufgelöst. Die Verant- wortung für Schule, Alumnat und Chor ging an die Stadt, und wenn der Thomanerchor in diesem Jahr sein großes Jubiläum feiert, dann feiert sich damit auch die Stadt Leipzig ein bisschen selbst. Den Stadtvätern sei dies vergönnt, denn der berühmte Chor hat im Laufe der Jahrhunderte viele große Musiker an die Pleiße gelockt, und zugleich viele von ihnen ausgebildet. 
Aus Archivbeständen hat Crystal Classics zum Jubiläum Werke von Thomaskantoren zusammengetragen, die der Chor seinerzeit unter Thomaskantor Hans-Joachim Rotzsch gemeinsam mit dem Neuen Bachischen Collegium Musicum Leipzig eingespielt hat. Auf der ersten CD finden sich neben Werken von Johann Sebastian Bach auch die seiner Vorgänger Johann Hermann Schein (1586 bis 1630), Tobias Michael (1592 bis 1657) und Johann Schelle (1648 bis 1701) sowie seiner Nachfolger Johann Adam Hiller (1728 bis 1804), Johann Gottfried Schicht (1753 bis 1823), Christian Theodor Weinlig (1780 bis 1842) und Gustav Schreck (1849 bis 1918). 
Auf der zweiten CD findet sich ein Repertoire, das auch bei den Thomanern zum Chorleben gehört - weltliche Chormusik und Volkslieder in handverlesenen Sätzen. Gerade hier fällt aber der schöne, homogene und ausgewogene Chorklang besonders auf, den Thomaskantor Rotzsch kultiviert hatte. Und so werden gerade Freunde des Knabenchor-Klanges sehr viel Freude an dieser Ergänzung haben.  

Montag, 27. Juni 2011

Das Lieben bringt groß Freud! German Folk Songs (MDG)

Dem deutschen Volkslied galt die besondere Liebe und Fürsorge der Romantiker. Dabei sahen sie diesen Begriff mitnichten museal-histo- risch. Wenn ein Lied überall gegen- wärtig ist, so dass der Name des Urhebers bedeutungslos werde, dann sei es ein Volkslied, befand Anton Wilhelm von Zuccalmaglio: "Wenn die ganze Zauberflöte ein- mal vom Volk gesungen würde, hätte selbst Mozart sein Recht daran verloren." 
Zugleich rückte die Musik von Kirche und Hof in die Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Überall wurden Gesangsvereine gegründet, und all diese Liedertafeln be- nötigten Repertoire. Komponisten wie Friedrich Silcher (1789 bis 1860) lieferten diesen Chören gut klingende, einfach zu singende Chorsätze - und wenn gerade keine Volkslieder parat waren, wurden welche geschaffen; Texte fanden sich im Schaffen von Lyrikern wie Eichendorff, Uhland oder Heine, und da bis zum heutigen Tage buchstäblich jeder Männerchor diese Lieder singt, wurden sie bald ebenfalls als Volkslieder angesehen. 
Auch Max Reger (1873 bis 1916) erlebte solche Männergesangs- vereine; und er schrieb selbst etliche Chorsätze, die er dem Münchner Lehrergesangverein, dem Regensburger Liederkranz und dem Wiener Männergesangverein widmete. Allerdings schreibt er nicht "aus dem Volk für das Volk"; seine Bearbeitungen machen das Lied kompro- misslos zum Kunstlied. Moritz Kässmeyer (1831 bis 1884) schließlich, seit 1854 Konzertmeister bei den Wiener Philharmonikern, macht aus den schlichten Volksliedern einen virtuosen musikalischen Spaß für Instrumentalisten. 
In diesem Spannungsfeld agiert die vorliegende CD. Die Sänger des Leipziger Vokalensembles Amarcord teilen sie sich mit dem ebenfalls renommierten Leipziger Streichquartett. Die fünf Sänger beein- drucken durch ihren blitzsauberen, perfekt abgestimmten Vortrag. Der Sieg in diesem musikalischen Wettstreit freilich geht an die Instrumentalisten, denn der eher schlichte Satzgesang der Silcher-Arrangements und die raffinierten harmonischen Experimente Regers haben es neben den Wiener Scherzen Kässmeyers ausge- sprochen schwer - zumal, wenn sie so charmant vorgetragen werden. 

Samstag, 13. Februar 2010

Dresdner Kreuzchor - Volkslieder (Berlin Classics)

Der Dresdner Kreuzchor, geleitet von Roderich Kreile, singt Volkslieder von "Hoch auf dem gelben Wagen" bis "Der Mond ist aufgegangen". Die Auswahl der Stücke und der Sätze erfolgte wohl mit einem regionalen Augenzwinkern, zumal sich auch einige Perlen aus der einschlägigen Literatur mit eingeschlichen haben, die aus der Feder von Robert Franz, Robert Schumann oder Felix Mendelssohn Bartholdy stammen. Der Chor präsentiert sich in Bestform, wirklich sehr erfreulich. Eine knappe Stunde Knabenchor-Gesang in höchster Vollendung.