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Donnerstag, 8. Dezember 2016

Bach: Violin Concertos / Vivaldi: The Four Seasons (Eloquence)

Und da wir gerade über Salvatore Accardo geschrieben haben – bei Eloquence sind jüngst gleich ein halbes Dutzend CD bzw. Doppel-CD erschienen, die berühmte Einspie- lungen des Geigers wieder zugänglich machen. Die Aufnahmen machen zugleich deutlich, wie sehr die Ansichten von Musikern darüber, wie eine Partitur zu interpretieren ist, Veränderungen unterliegen – man ist mitunter beinahe geneigt, es „Moden“ zu nennen. Man höre nur, mit welcher Sorgfalt Accardo Bach spielt. Da wird jeder Ton zu hundert Prozent geformt, jede Phrase aufmerksam gestaltet. Entsprechend langsam sind die Tempi gewählt; doch selbst im Vivace gibt es keine in Rasanz verschwim- menden Tonleitern, keine verhuschten Figurationen. Accardo lässt seine Geige singen – eine Kunst, die man heutzutage suchen kann. Die Bach-Aufnahmen mit dem Chamber Orchestra of Europe entstanden 1985, darunter sind interessante Adaptionen von Cembalokonzerten, teils durch Accardo selbst. 
Kombiniert sind Bachs Konzerte auf einer Doppel-CD mit den Vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi. Accardos Aufnahme dieser Konzerte mit den I Solisti di Napoli verdankt ihren aufsehenerregenden Klang nicht zuletzt legendären Violinen: Der Musiker spielte 1987 in seinem Konzert auf dem Cremona Festival, bei dem dieser Live-Mitschnitt entstanden ist, gleich drei Geigen von Antonio Stradivari. Zu hören sind im Frühling die Il Cremonese aus dem Jahre 1715, einst ein Instrument von Joseph Joachim und nun der Stadt Verona gehörend, im Sommer die Le Reynier (1727), im Herbst die Firebird ex Saint Exupéry (1718), und im Winter schließlich noch einmal die Le Reynier. Dieses Instrument wird auch als Hart ex Francescatti bezeichnet; es befand sich damals, wie auch die Firebird, im Besitz von Salvatore Accardo. Es ist faszinierend, wie der Geiger es versteht, die individuellen Vorzüge der drei Instrumente voll zur Geltung zu bringen und für seine Interpretation zu nutzen. 

Montag, 22. August 2016

Mozart: Le nozze di Figaro (Deutsche Grammophon)

Bei der Deutschen Grammophon ist nun die vierte Aufnahme der von Rolando Villazón und Yannick Nézet-Séguin initiierten Mozart-Opern-Reihe erschienen – sieben sind ins- gesamt geplant. Nach Don Giovanni, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail ist nun Le Nozze di Figaro zu hören, aufgezeichnet im Juli 2015 in Kooperation mit dem Festspielhaus Baden-Baden. 
Die Oper wurde konzertant, in italie- nischer Sprache, ungekürzt und in der von Mozart vorgegebenen Abfolge aufgeführt; somit erklingt Le nozze di Figaro auch im Mitschnitt in voller Länge. Auf den drei CD gibt es daher einiges zu entdecken; Rolando Villazón beispielsweise, der den Musikmei- ster Basilio singt, ist hier mit der Arie In quegli anni in cui val poco zu erleben, die üblicherweise gestrichen wird. Was er aus der eher peinlichen Erzählung macht, das ist schon große Komödie. 
Sonya Yoncheva übernahm wohl recht kurzfristig anstelle von Diana Damrau die Rolle der Gräfin. Die Leidenschaft, mit der sie ihre Figur ausstattet, überrascht beinahe ein wenig – und ihre Technik ist eine Offenbarung, jede Phrase ein Genuss. Fabelhaft ist auch Christiane Karg in der Partie der Susanna; keck und beweglich in den Rezitativen, schlank und silbrig in den Arien. Man fragt sich allerdings einmal mehr, was sie an diesem Figaro findet, den Luca Pisaroni hier ziemlich rauhbeinig auftreten lässt. Dafür gestaltet Thomas Hampson seinen Grafen Almaviva enorm differenziert; man spürt seine Liebe zum Liedgesang. Allein die Koloraturen wollen ihm nicht recht gelingen. Klanglich sind sich Herr und Diener verblüffend ähnlich. 
Als Cherubino ist Angela Brower zu hören, als Marcellina Anne Sofie von Otter, als Bartolo Maurizio Muraro, als Barbarina Regula Mühlemann, als Richter Don Curzio Jean-Paul Fouchécourt und als Gärtner Antonio Philippe Sly. Ein besonderes Lob verdient hat das Vocalensemble Rastatt, das die Chorpassagen hinreißend interpretiert. 
Die Instrumentalisten können leider nicht ebenso überzeugen. Das Chamber Orchestra of Europe lässt unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin in der Ouvertüre die Sektkorken knallen – doch Rasanz allein ersetzt noch keine Raffinesse. Das zeigt sich auch im weiteren Verlauf des Abends, wo das Orchester zwar historisch informiert, aber insgesamt doch sehr brav aufspielt. Man freut sich auf prickelnden Champagner, doch dann gibt's lauwarmen Schaumwein. Eine Referenzaufnahme ist das nicht; schade. 

Dienstag, 18. August 2015

Mozart: Die Entführung aus dem Serail (Deutsche Grammophon)

„Bei Mozart ist man immer Teil des Ganzen, wie ein Instrument, das seinen Part hat, aber ohne die Partner nicht existieren kann“, so äußerte sich Rolando Villazón kürzlich in einem Interview. Der Tenor beschäftigt sich seit einigen Jahren intensiv mit den Opern und Arien von Wolfgang Amadeus Mozart. In dem Langzeitprojekt erarbeitet er sich alle großen Tenorpartien des Kompo- nisten. Was in Salzburg mit Il re pastore und Lucio Silla begann, das findet seine Fortsetzung mittlerweile mit konzertanten Aufführungen im Festspielhaus Baden-Baden. Auf CD erschienen sind bereits Don Giovanni und Cosi fan tutte; nun folgte Die Entführung aus dem Serail
Einmal mehr musiziert das Chamber Orchestra of Europe unter Yannick Nézet-Séguin – und erneut erweist sich dieses Orchester als ein Glücksgriff; es spielt brillant, und folgt sensibel jedem Wink seines Dirigenten. Die Chöre singt mit Schwung das Vocalensemble Rastatt. Diana Damrau und Anna Prohaska überzeugen als Konstanze und Blonde. Man kann hier zwei ziemlich moderne junge Damen erleben: Prohaska gestaltet ihre Zofe sehr überzeugend, mit Leidenschaft und einer Durchsetzungsfähigkeit, die alles Unglück auf Distanz hält. Franz-Josef Selig gibt einen köstlich komischen Osmin; dem Fräuleinwunder, das ihm eigentlich als Sklavin geschenkt wurde, ist dieser Palastaufseher nicht gewachsen. Damraus grandioser Koloratursopran wirkt mitunter schon fast dramatisch; sie macht das Ringen der entführten Konstanze hörbar, die schwer zu kämpfen hat, dem Bassa Selim zu widerstehen. Den spricht Thomas Quasthoff, gekonnt und sehr kultiviert, doch mit seinen Drohungen weit weniger überzeugend als in seinem Werben. Das nimmt der Figur leider eine Dimension. Den Belmonte singt Rolando Villazón, seinen Diener Pedrillo der junge Tenor Paul Schweinester. Trotz aller Tonmeisterkunst: Nicht jeder Ton ist Gold, der da glänzen sollte. Dennoch gefällt mir die Einspielung, weil sie so wunderbar theatralisch ist. Die Handlung ist hier nicht nur Vorwand für einige der schönsten Arien der Opernhistorie; die Beteiligten gestalten insbesondere auch die Dialoge und Ensembles mit enormer Spielfreude, was tatsächlich hörbar ist. Bravi!

Sonntag, 21. Februar 2010

Daniel Hope - Mendelssohn (Deutsche Grammophon)

 Was unterscheidet einen Popstar von einem Musiker? Es ist doch offensichtlich: Der Name des Stars steht über allem. Erst Daniel Hope. Und dann, darunter und schlecht zu lesen: Mendelssohn. Auch das Booklet, knallbunt, überschlägt sich schier in Superlativen, und macht einem den jungen Violinisten nicht sympatischer. Ratlos schaut man auf die Homepage des Labels - und erfährt dort, dass Daniel Hope nur deshalb Geige spielt, weil seine Mutter einst einen Job bei Jehudi Menuhin hatte. Wer so beworben wird, der ist nicht wirklich empfohlen.
Für sein Label-Debüt wählte Hope das berühmte Violinkonzert in e-Moll op. 64 - allerdings nicht in der Version, die bislang alle seine Kollegen gespielt haben, sondern in einer "Original-Version" nach einem Autographen aus dem Jahre 1844. Bevor das Konzert 1845 uraufgeführt wurde, folgte der Komponist seinerzeit den Ratschlägen des Solisten Ferdinand David und änderte einige Passagen - nichts wirklich substantielles, eher ein Feintuning, um das Werk noch abzurunden. 
Hope gelingt damit eine "Welt-Ersteinspielung" - ob es das wert war, darf freilich hinterfragt werden. (Wenn Mendelssohn wirklich der Meinung gewesen wäre, dass diese Variante das Original ist - warum hätte er dann dem Publikum eine minderwertige Kopie vorstellen sollen?) Auch sonst finde ich keinen Grund, warum es dieses Repertoire in dieser Besetzung sein muss. Denn Einspielungen dieses Violinkonzertes gibt es wie Sand am Meer, und der Solist kann da nicht wirklich eigene Akzente setzen. Das gilt auch für das Chamber Orchestra of Europe unter Thomas Hengelbrock, das hier in Konkurrenz tritt zu wirklich renommierten Orchestern - und dem Vergleich in diesem Falle nicht gewachsen ist. 
Das auch vielfach strapazierte Oktett für Streicher in Es-Dur, op. 20, eingespielt von Hope mit einigen Mitgliedern des Chamber Orchestra of Europe, folgt ebenfalls der erst unlängst erschienenen revidierten Notenausgabe. "Das Oktett ist sicher das größte Werk, das je von einem Teenager geschrieben wurde, schon aufgrund seines Einfalls- reichtums und Selbstvertrauens", begeistert sich Hope. "Ich mag seine ausladenden Dimensionen, aber erst durch die neue Ausgabe lernte ich Mendelssohns eigene Anweisung kennen, das Oktett sei im Stile einer Symphonie zu spielen. Dass ein 16jähriger so etwas schreiben konnte, zeigt doch, dass er genau wusste was er wollte!" Die Musiker folgen dieser Anweisung - und spielen engagiert, wobei sich Hope bestens in die Solistengruppe einfügt. Eine Sternstunde aber darf man auch hier nicht erwarten; das ist alles ganz solide, aber nicht überragend. 
Die drei Liedbearbeitungen zum Schluss wirken wie Zugaben, während das Publikum eigentlich schon aufgestanden ist, um zu gehen - dabei sind die Stücke wirklich hübsch, und Sebastian Knauer am Flügel begleitet ebenfalls sehr ordentlich. Insgesamt eine CD, die die Welt nicht braucht. Schade.

Samstag, 17. Oktober 2009

Vivaldi: Violinkonzerte; Daniel Hope (Deutsche Grammophon)


Mit dem Chamber Orchestra of Europe hat Daniel Hope vier Violinkonzerte von Antonio Vivaldi eingespielt, plus die Sonate "La Follia", und die Arie "Sovvente il sole" aus der Serenade "Andromeda Liberata" mit einer hübschen Partie für Violino obligato. Dieses Kabinettstückchen, das die Ruhe nach dem Sturm preist, wird von Anne Sofie von Otter gesungen, und ist ohne Zweifel der Höhepunkt der CD. Ansonsten bleibt der Eindruck blass: Das ist alles hochvirtuos, penibel gespielt, aber seltsam leblos. Zu gut durchdacht, zu glatt durchgestylt, zu brav und zu perfekt. Weniger schöne Töne und etwas mehr Leidenschaft hätten dieser Musik gut zu Gesicht gestanden, zumal im ersten Konzert, mit seinem scheinbaren Tohuwabohu, oder in der tänzerisch-ausdrucksstarken "Follia". Tut mir leid, aber diese CD lässt mich einschlafen. Und je öfter ich sie mir anhöre, desto weniger begeistert sie mich.