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Donnerstag, 28. September 2017

L'Opéra - Jonas Kaufmann (Sony)

Arien und Duette aus französischen Opern des 19. Jahrhunderts präsentiert Jonas Kaufmann auf seinem jüngsten Album. Der Sänger hat dafür nicht nur bekannte Melodien und große Szenen ausgewählt, sondern vor allem auch Werke und Rollen, die für ihn Schlüsselerlebnisse waren: „Ein solches hatte ich mit der Partie des Wilhelm Meister, meiner ersten großen französischen Rolle, 2001 in Toulouse“, erzählt Kaufmann im Beiheft. „Zu diesem Zeitpunkt war mein Französisch noch so dürftig, dass ich mich in Gegenwart des Regisseurs Nicolas Joel, der alle Sprachen beherrscht, ziemlich schämte und dachte: Das muss unbedingt besser werden!“
Den Werther sang Kaufmann dann neun Jahre später zum ersten Mal – „an der Pariser Oper“, so der Tenor, „in der Höhle des Löwen, umgeben von lauter französischen Sängern und vor einem Publikum, das keinen Spaß versteht, wenn du nicht halbwegs idiomatisch klingst.“ Zu diesem Zeitpunkt lobte die Kritik dann bereits sein perfektes Französisch.
Im Repertoire kennt sich Kaufmann inzwischen ebenfalls bestens aus, wie seine Auswahl beweist. Und er singt noch immer wunderbar, begeistert auch bei dieser Einspielung mit betörender Technik und gestalterischer Intelligenz. Die beiden Duo-Partner, Sopranistin Sonya Yoncheva in Massenets Manon und Bariton Ludovic Tézier im berühmten Duett aus Bizets Perlenfischern, harmonieren mit Kaufmann bestens. Den Instrumentalpart übernahm das vielfach ausgezeichnete Bayerische Staatsorchester unter Bertrand de Billy – und es liefert weit mehr als nur eine Begleitung. Prächtig!

Montag, 22. August 2016

Mozart: Le nozze di Figaro (Deutsche Grammophon)

Bei der Deutschen Grammophon ist nun die vierte Aufnahme der von Rolando Villazón und Yannick Nézet-Séguin initiierten Mozart-Opern-Reihe erschienen – sieben sind ins- gesamt geplant. Nach Don Giovanni, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail ist nun Le Nozze di Figaro zu hören, aufgezeichnet im Juli 2015 in Kooperation mit dem Festspielhaus Baden-Baden. 
Die Oper wurde konzertant, in italie- nischer Sprache, ungekürzt und in der von Mozart vorgegebenen Abfolge aufgeführt; somit erklingt Le nozze di Figaro auch im Mitschnitt in voller Länge. Auf den drei CD gibt es daher einiges zu entdecken; Rolando Villazón beispielsweise, der den Musikmei- ster Basilio singt, ist hier mit der Arie In quegli anni in cui val poco zu erleben, die üblicherweise gestrichen wird. Was er aus der eher peinlichen Erzählung macht, das ist schon große Komödie. 
Sonya Yoncheva übernahm wohl recht kurzfristig anstelle von Diana Damrau die Rolle der Gräfin. Die Leidenschaft, mit der sie ihre Figur ausstattet, überrascht beinahe ein wenig – und ihre Technik ist eine Offenbarung, jede Phrase ein Genuss. Fabelhaft ist auch Christiane Karg in der Partie der Susanna; keck und beweglich in den Rezitativen, schlank und silbrig in den Arien. Man fragt sich allerdings einmal mehr, was sie an diesem Figaro findet, den Luca Pisaroni hier ziemlich rauhbeinig auftreten lässt. Dafür gestaltet Thomas Hampson seinen Grafen Almaviva enorm differenziert; man spürt seine Liebe zum Liedgesang. Allein die Koloraturen wollen ihm nicht recht gelingen. Klanglich sind sich Herr und Diener verblüffend ähnlich. 
Als Cherubino ist Angela Brower zu hören, als Marcellina Anne Sofie von Otter, als Bartolo Maurizio Muraro, als Barbarina Regula Mühlemann, als Richter Don Curzio Jean-Paul Fouchécourt und als Gärtner Antonio Philippe Sly. Ein besonderes Lob verdient hat das Vocalensemble Rastatt, das die Chorpassagen hinreißend interpretiert. 
Die Instrumentalisten können leider nicht ebenso überzeugen. Das Chamber Orchestra of Europe lässt unter der Leitung von Yannick Nézet-Séguin in der Ouvertüre die Sektkorken knallen – doch Rasanz allein ersetzt noch keine Raffinesse. Das zeigt sich auch im weiteren Verlauf des Abends, wo das Orchester zwar historisch informiert, aber insgesamt doch sehr brav aufspielt. Man freut sich auf prickelnden Champagner, doch dann gibt's lauwarmen Schaumwein. Eine Referenzaufnahme ist das nicht; schade. 

Samstag, 25. Januar 2014

20. Jubiläums-Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung (Naxos)

Auch in diesem Jahr wieder ver- öffentlicht Naxos den Mitschnitt der Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung. Es ist die Jubiläums-Gala, denn zum 20. Male wurden am 20. November 2013 in der Deutschen Oper Berlin Spenden zugunsten von Projekten der Deut- schen Aids-Stiftung gesammelt. Es erklangen Melodien aus Opern von Wagner, Mozart, Puccini, Verdi, Donizetti, Mozart, Massenet, Bellini und Offenbach, schwungvoll vorgetragen durch Chor und Or- chester der Deutschen Oper Berlin unter Leitung von Donald Runnic- les, und etliche herausragende Solisten. In diesem Jahr beteiligten sich an der Operngala Atalla Ayan, Joyce DiDonato, Simone Kermes, Bejun Mehta, Olga Peretyatko, Massimiliano Pisapia, Adam Plachetka, Elena Tsallagova, Alexander Tsymbalyuk und Sonya Yoncheva. Und wenn noch nicht jeder Name dem geschätzten Publikum vertraut ist – man darf davon ausgehen, dass die jungen Sänger, die auf dieser CD zu hören sind, am Beginn einer großen Karriere stehen. Bei so vielen schönen Stimmen ist es schwer, einzelne Höhepunkte hervorzuheben; zu nennen sind hier aber vielleicht der Auftritt von Simone Kermes mit einer Arie aus der Oper I Masnadieri von Giuseppe Verdi, das zauberhafte O mio babbino caro von Elena Tsallagova oder die Gänsehaut-Stimme des Countertenors Bejun Mehta. Durch das Programm führte einmal mehr Max Raabe, der sich mit seinen Anmerkungen als ein würdiger Nachfolger des großen Vicco von Bülow erweist.