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Freitag, 12. Mai 2017

Schubert: Die Klaviertrios (Gramola)

Drei bedeutende Musiker haben sich zusammengefunden, um die Klaviertrios von Franz Schubert (1797 bis 1828) einzuspielen: Thomas Albertus Irnberger, Violine, David Geringas, Violoncello, und Michael Korstick, Klavier – das ist eine überaus hochkarätige Besetzung, die eine spannungsreiche und spannende Interpretation erwarten lässt. So hat der Pianist bereits eine Gesamteinspielung der Klavier- sonaten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) veröffentlicht, in der er durchaus eigene Akzente setzte. Irnberger und Korstick haben zudem gemeinsam eine ebenfalls viel beachtete Aufnahme sämtlicher Beethoven-Violinsonaten vorgelegt – kraftvoll und dramatisch. 
Da erscheint nun die Hinwendung zu Schuberts Musik nur folgerichtig: „Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ Diese Zweifel zu überwinden, das muss für Franz Schubert ein enormer Schritt gewesen sein. Mozarts Trios beispielsweise hatte er in jungen Jahren gründlich studiert – und sich dann 1812 lediglich an einem kurzen Sona- tensatz, D 28, versucht. 
Ansonsten hatte er jene Gattung gemieden, die Beethoven um so viele Werke bereicherte. Doch 1827 war der Titan gestorben, und so sah sich die Generation der Erben gefordert. Schubert, der wohl darum wusste, dass er unheilbar erkrankt war und dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, komponierte wie im Rausch. Die Liste der Werke, die in diesem letzten Lebensabschnitt entstanden sind, ist lang und beeindruckend. Auch die Klaviertrios gehören dazu, die Schubert für den befreundeten Pianisten Carl Maria von Bocklet geschrieben haben soll, der wiederum mit dem Geiger Ignaz Schuppanzigh und dem Cellisten Joseph Lincke zusammen musizierte. 
Franz Schubert schuf für sie Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß – nicht nur der Umfang, sondern auch der musikalische Gehalt seiner beiden Klaviertrios ist enorm. Daher sind hier sie auch auf einer Doppel-CD zu hören. Komplettiert wird das Programm durch den oben genannten Sonatensatz sowie einen weiteren, der ebenfalls ein Solitär blieb – das Notturno D 897. 
Thomas Albertus Irnberger, David Geringas und Michael Korstick genießen die lyrischen Passagen durchaus. Sie haben Vergnügen an Scherz und Kantilene, stellen aber insgesamt eher die Brüche und die dunklen, dramatischen Seiten in den Vordergrund. Die drei Musiker machen in ihrer Interpretation deutlich, wie stark Beethovens Schaffen das Werk Schuberts beeinflusst hat – aber dass dieser dennoch ganz eigene Wege gefunden hat, seine Gefühle und Gedanken in Musik zu fassen. 
Ihr Spiel zu loben, das hieße Eulen nach Athen tragen. Diese Aufnahme bestätigt, dass Kammermusik heute zu Recht große Säle füllt. Atemberau- bend! Unbedingt anhören. 

Samstag, 25. Juli 2015

Beethoven: Die Violinsonaten Vol. 3 (Gramola)

Thomas Albertus Irnberger und Michael Korstick spielen derzeit gemeinsam bei dem Label Gramola sämtliche Violinsonaten von Ludwig van Beethoven ein. Das ist ein außerordentlich vielversprechendes Projekt. Denn Korstick hat bei Oehms Classics bereits die Klaviersonaten des Komponisten veröffentlicht, und dabei als ausgesprochen aufmerk- samer, kritischer und zudem tempera- mentvoller Interpret begeistert. Er kennt „seinen“ Beethoven bestens, und hat einen ausgesprochen wachen Sinn für Details. Irnberger ist ebenfalls eine Musikerpersönlichkeit mit eigener Sicht auf derartige Traditionswerke. Ich habe den zweiten und den dritten Teil der Edition angehört – und bin davon sehr angetan.
Die beiden Solisten haben sich offenbar sehr intensiv mit den Werken auseinandergesetzt. Die Einspielung zeigt, wie ähnlich Irnberger und Korstick diese Musik verstehen. Da haben sich offenbar Geistesverwandte gefunden. Sie musizieren mit Energie und Spielfreude, höchst präzise und aufeinander bestens abgestimmt. Hier werden Strukturen hörbar, und man stellt erfreut fest, dass Beethoven – Klassik hin, Klassik her – Haydn im Grunde wesentlich näher steht als den Romantikern. Dennoch ist dies, bei aller Genauigkeit und Werktreue, keine historisierende Aufnahme. Irnberger und Korstick zeigen uns einen höchst gegenwärtigen, kein bisschen museal angestaubten Beethoven. Grandios! Unbedingt anhören.

Donnerstag, 3. März 2011

Salon de Vienne (Gramola)

Wer eine CD mit "schöner" Violin- musik sucht, die man auch der Groß- oder der Schwiegermutter schenken kann, der sollte sich Salon de Vienne vormerken. Dass es Thomas Albertus Irnberger, Violine, und Jörg Demus, Klavier, allerdings keineswegs nur um schmissige Salonstücke geht, wird schon beim ersten Blick auf die ausgewählten Werke deutlich. 
Die CD bietet neben "Klassikern" wie Schön Rosmarin, Liebesleid und Liebesfreud sowie einem Unga- rischen Tanz von Johannes Brahms und der Frasquita-Serenade von Franz Léhar in Transkriptionen von Fritz Kreisler oder dem Ischler Walzer in A-Dur von Johann Strauß Sohn durchaus auch weniger bekanntes, wie die Rumänischen Volkstänze von Béla Bartók, die Romantischen Stücke op. 75 von Antonín Dvorak oder die Romanze für Violine und Klavier op. 51 von Carl Goldmark. Zugleich bemühen sich die beiden Musiker, in ihrer Auswahl einen Blick auf das überaus facettenreiche musikalische Leben im Wien der Jahrhundertwende zu ermöglichen. 
Darin sind sie sehr erfolgreich, und sie überzeugen nicht nur durch die geschickte Zusammenstellung von Werken von Brahms bis Mahler, sondern auch durch ihre Musizierkultur, die wirklich Freude macht. 

Samstag, 22. Januar 2011

Mozart: Violinsonaten (Gramola)

Wie Mozarts Violinsonaten zu seinen Lebzeiten geklungen haben, davon vermittelt diese Einspielung einen Eindruck. Als der Komponist von Salzburg nach Wien ging, war dort der Hammerflügel schon groß in Mode - und Mozart erwarb bald ein derartiges Instrument aus der Werkstatt von Anton Walter (1752 bis 1826), des führenden Wiener Fortepianobauers der damaligen Zeit. 
Mozart soll zudem eine Violine des genialen Tiroler Geigenbauers Jakob Stainer (1617 bis 1683) gespielt haben; in jedem Falle aber besaß er die Kopie einer Stainer-Geige, die er als Konzertinstrument verwendete. Thomas Albertus Irnberger, Violine, und Paul Badura-Skoda, Klavier, haben für die vorliegende Super-Audio-Aufnahme von Mozarts Violinsonaten genau diese Instrumente eingesetzt, und folgen zudem jenen Anweisungen, die Mozarts Vater einst in seiner Violinschule notiert hat. 
Das Ergebnis verblüfft; schon rein klanglich unterscheidet sich der Hammerflügel deutlich von seinen modernen Vettern. Der Ton dieses historischen Fortepianos ist viel schlanker und kerniger, und ver- schmilzt daher ganz anders mit dem der Geige, als wir das heute gewohnt sind. Dazu kommt die Tatsache, dass Mozart zunächst den Flügel als das Soloinstrument betrachtete, das er auf der Violine begleitete. Erst nach und nach wurde die Violine zum gleichberech- tigten Partner des Hammerflügels - und beide Partien wurden zunehmend anspruchsvoll.