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Sonntag, 3. Dezember 2017

Koechlin: Oeuvres orchestrales (SWR Music)

Die Musik von Charles Koechlin (1867 bis 1950) ist hierzulande wenig bekannt. Zum hundertfünfzigsten Geburtstag des Komponisten – der am 27. November 1867 in Paris das Licht der Welt erblickte, aber seine Wurzeln im Elsass hatte – sind nun bei SWR Music in zwei Boxen jeweils sieben CD alle Koechlin-Produktio- nen des Senders erschienen. 
Als Zugabe gibt es jeweils ein umfangreiches Beiheft. Es enthält einen detailreichen Aufsatz von Otfrid Nies, der einen Überblick über Leben und Schaffen des Komponisten bietet. Nies setzt sich seit viele Jahren dafür ein, diesem Zeitgenossen von Debussy und Ravel mehr Beachtung zu verschaffen. Er hat dazu 1984 in Kassel das „Archiv Charles Koechlin“ gegründet, das mittlerweile über eine beeindruckende Kollektion an Dokumenten verfügt. 

Mit Sorgfalt zusammengestellt: höchst informatives Beiheft 

Otfried Nies und Robert Orledge, ebenfalls ein ausgewiesener Koechlin-Experte, haben dann ausführliche Anmerkungen zu den einzelnen Werken hinzugefügt. Diese werden gelegentlich durch Kommentare der beteiligten Musiker ergänzt. Außerdem sind die Texte sämtlicher Vokalwerke zu finden, und Kurzbiographien der Mitwirkenden – und all das auf Deutsch, Französisch und Englisch. Und als Zugabe gibt es obendrein noch Photographien von Koechlin. Soviel Sorgfalt ist selten; desto mehr ist der SWR zu loben, der diesen Aufwand treibt, um den Jubilar zu ehren und dem Musikfreund den Zugang zu seinem eigenwilligen Werk zu erleichtern. 
Charles Koechlin, obgleich mit Musik aufgewachsen, wollte eigentlich Ingenieur werden. Doch dann erkrankte er schwer an Tuberkulose, und musste seine Lebenspläne ändern. Er wandte sich der Musik zu, und studierte am Conservatoire, zunächst bei Jules Massenet, und dann bei Gabriel Fauré. Aber auch die Musik von Claude Debussy schätzte Koechlin sehr: „Il suffit parfois d'une seule mesure chez un génial confrère, pour nous ouvrir la porte sur des jardins enchantés, où nous pourrons très bien cueillir d'autres fleurs que les siennes“, so beschrieb er in seinen Memoiren die Inspiration, die er durch dessen Stück Mandoline erfuhr. 
Das Werk von Charles Koechlin ist umfangreich, und umfasst nahezu alle Gattungen mit Ausnahme von Opern, Oratorien und anderer geistlicher Chormusik. Ein besonderes Faible hatte der Komponist für das Orchestrieren; diese Gabe nutzten auch seine Kollegen gern, so dass er beispielsweise Faurés Musik zu Pelléas et Mélisande oder Debussys Ballettmusik Khamma orchestrierte. Seine Erfahrungen in diesem Bereich gab er in dem vierbändigen Traité de l'orchestration weiter. 
Schon im Jahre 2001 startete der SWR das Koechlin-Projekt; dabei arbeiteten der Stuttgarter Rundfunksender mit seinem Radio-Sinfonie- orchester, Dirigent Heinz Holliger und Otfrid Nies mit dem Archiv Charles Koechlin eng zusammen. Die beiden CD-Boxen zeigen, wie viele Facetten Koechlins Werk hat. Da wäre zunächst die Kammermusik, auf vier CD zusammengefasst – wobei der Komponist die Bläser offenbar sehr schätzte, insbesondere Klarinette und Flöten. Doch auch für Streichinstru- mente hat er etliche Werke geschrieben. 

Koechlins magische Musik - oder: Fronarbeit im Zaubergarten  

Entstanden sind die Aufnahmen im Laufe vieler Jahre. Auch die Liste der Mitwirkenden ist lang; sie reicht von Dirk Altmann, Klarinette, über Peter Bruns, Violoncello, bis hin zu Peter Thalheimer, Flöte. Die meisten Interpreten sind Mitglieder des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und haben sich über viele Jahre mit dem Werk Koechlins beschäftigt. 
Die Klavierwerke, auf drei CD, hat Michael Korstick eingespielt. Der Pianist wurde durch eine CD auf die Musik Koechlins aufmerksam: „Gleich mit den ersten Akkorden öffnete sich ein fremdartiger Zaubergarten voller süchtig machender Farben und Düfte“, berichtet er. Korstick fragte beim Archiv nach – und bekam von Otfried Nies ein Notenpaket. „Allerdings sind die feinsinnigen und farbigen, eine große innere Ruhe ausstrahlenden Klavierschöpfungen Koechlins für den Pianisten eine harte Nuss“, stellt Korstick fest. „Der stark orchestral konzipierte Satz kümmert sich nicht im geringsten um das mit zwei Händen Machbare, wirkt mit seinen extrem aufgefächerten Akkorden über weite Strecken wie das Particell eines Orchesterwerks, welches vom Pianisten erst in einem ,Griffplan' eingerichtet werden muss und zudem noch ganz eigene, hoch differenzierte Pedaltechniken erforderlich macht.“ 
Die Veröffentlichung mit den Orchesterwerken Koechlins enthält zahlreiche Weltersteinspielungen. Sie bietet einen breiten Überblick über Koechlins Schaffen, von den frühen Orchesterliedern über orchestrierte Werke anderer Komponisten bis hin zu seinen klanggewaltigen und üppig besetzten Spätwerken. 
Koechlins Musikstücke beziehen sich oftmals auf Außermusikalisches, wie Literatur oder Filme. Am ehesten bekannt sind wohl seine Musikstücke zum Dschungelbuch von Rudyard Kipling, wie Chanson de nuit dans la jungle, Le Chant de Kala Nag oder Les Bandar-Log. Auf sieben CD erklingen die von 2000 bis 2012 aufgenommenen und veröffentlichten Produktionen des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart unter Heinz Holliger sowie La Méditation de Purun Bhagat, ebenfalls ein Dschungelbuch-Stück. 

Freitag, 12. Mai 2017

Schubert: Die Klaviertrios (Gramola)

Drei bedeutende Musiker haben sich zusammengefunden, um die Klaviertrios von Franz Schubert (1797 bis 1828) einzuspielen: Thomas Albertus Irnberger, Violine, David Geringas, Violoncello, und Michael Korstick, Klavier – das ist eine überaus hochkarätige Besetzung, die eine spannungsreiche und spannende Interpretation erwarten lässt. So hat der Pianist bereits eine Gesamteinspielung der Klavier- sonaten Ludwig van Beethovens (1770 bis 1827) veröffentlicht, in der er durchaus eigene Akzente setzte. Irnberger und Korstick haben zudem gemeinsam eine ebenfalls viel beachtete Aufnahme sämtlicher Beethoven-Violinsonaten vorgelegt – kraftvoll und dramatisch. 
Da erscheint nun die Hinwendung zu Schuberts Musik nur folgerichtig: „Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?“ Diese Zweifel zu überwinden, das muss für Franz Schubert ein enormer Schritt gewesen sein. Mozarts Trios beispielsweise hatte er in jungen Jahren gründlich studiert – und sich dann 1812 lediglich an einem kurzen Sona- tensatz, D 28, versucht. 
Ansonsten hatte er jene Gattung gemieden, die Beethoven um so viele Werke bereicherte. Doch 1827 war der Titan gestorben, und so sah sich die Generation der Erben gefordert. Schubert, der wohl darum wusste, dass er unheilbar erkrankt war und dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb, komponierte wie im Rausch. Die Liste der Werke, die in diesem letzten Lebensabschnitt entstanden sind, ist lang und beeindruckend. Auch die Klaviertrios gehören dazu, die Schubert für den befreundeten Pianisten Carl Maria von Bocklet geschrieben haben soll, der wiederum mit dem Geiger Ignaz Schuppanzigh und dem Cellisten Joseph Lincke zusammen musizierte. 
Franz Schubert schuf für sie Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß – nicht nur der Umfang, sondern auch der musikalische Gehalt seiner beiden Klaviertrios ist enorm. Daher sind hier sie auch auf einer Doppel-CD zu hören. Komplettiert wird das Programm durch den oben genannten Sonatensatz sowie einen weiteren, der ebenfalls ein Solitär blieb – das Notturno D 897. 
Thomas Albertus Irnberger, David Geringas und Michael Korstick genießen die lyrischen Passagen durchaus. Sie haben Vergnügen an Scherz und Kantilene, stellen aber insgesamt eher die Brüche und die dunklen, dramatischen Seiten in den Vordergrund. Die drei Musiker machen in ihrer Interpretation deutlich, wie stark Beethovens Schaffen das Werk Schuberts beeinflusst hat – aber dass dieser dennoch ganz eigene Wege gefunden hat, seine Gefühle und Gedanken in Musik zu fassen. 
Ihr Spiel zu loben, das hieße Eulen nach Athen tragen. Diese Aufnahme bestätigt, dass Kammermusik heute zu Recht große Säle füllt. Atemberau- bend! Unbedingt anhören. 

Samstag, 7. November 2015

Pictures at an Exhibition - Michael Korstick (Gramola)

Russische Klaviermusik interpretiert Michael Korstick auf einer CD, die vor gut 15 Jahren aufgezeichnet wurde und nun bei Gramola wieder zugäng- lich ist. Der Pianist spielt Modest Mussorgkis berühmte Bilder einer Ausstellung, ergänzt durch die Dumka c-Moll op. 59 von Peter Tschaikowski, die Lesginka aus
den Etudes d'exécution transcen- dante op. 11 von Sergej Ljapunow – ein technisch irrwitzig anspruchs- volles Stück – sowie die Klavier- sonate Nr. 8 B-Dur op. 84 von Sergej Prokofjew. 

Wer Korsticks Einspielungen kennt, der wird erstaunt sein, wie zurück- haltend der Pianist insbesondere bei den Bildern einer Ausstellung mit Klangfarben agiert und wie sehr er Temperamentsausbrüche vermeidet. Nicht Illustration, sondern Impression scheint Korstick wichtig zu sein. So verzichtet er auf die Promenade zwischen den Bildern sechs und sieben, um einen großen Spannungsbogen aufzubauen. Im Großen Tor von Kiew greift er partiell auf die Urfassung des Komponisten zurück. In Gnomus hingegen spielt er eine eigene Bearbeitung, die klanglich an Ravels Orchesterfassung erinnert. Kann man sicherlich alles machen, es wirkt aber seltsam unterkühlt. Mein persönlicher Favorit auf der CD ist Ljapunows Lesginka – das ist phantastische Musik, die mich nun sehr neugierig Ausschau halten lässt nach den anderen Etudes.

Samstag, 25. Juli 2015

Beethoven: Die Violinsonaten Vol. 3 (Gramola)

Thomas Albertus Irnberger und Michael Korstick spielen derzeit gemeinsam bei dem Label Gramola sämtliche Violinsonaten von Ludwig van Beethoven ein. Das ist ein außerordentlich vielversprechendes Projekt. Denn Korstick hat bei Oehms Classics bereits die Klaviersonaten des Komponisten veröffentlicht, und dabei als ausgesprochen aufmerk- samer, kritischer und zudem tempera- mentvoller Interpret begeistert. Er kennt „seinen“ Beethoven bestens, und hat einen ausgesprochen wachen Sinn für Details. Irnberger ist ebenfalls eine Musikerpersönlichkeit mit eigener Sicht auf derartige Traditionswerke. Ich habe den zweiten und den dritten Teil der Edition angehört – und bin davon sehr angetan.
Die beiden Solisten haben sich offenbar sehr intensiv mit den Werken auseinandergesetzt. Die Einspielung zeigt, wie ähnlich Irnberger und Korstick diese Musik verstehen. Da haben sich offenbar Geistesverwandte gefunden. Sie musizieren mit Energie und Spielfreude, höchst präzise und aufeinander bestens abgestimmt. Hier werden Strukturen hörbar, und man stellt erfreut fest, dass Beethoven – Klassik hin, Klassik her – Haydn im Grunde wesentlich näher steht als den Romantikern. Dennoch ist dies, bei aller Genauigkeit und Werktreue, keine historisierende Aufnahme. Irnberger und Korstick zeigen uns einen höchst gegenwärtigen, kein bisschen museal angestaubten Beethoven. Grandios! Unbedingt anhören.

Dienstag, 17. Dezember 2013

Beethoven: Piano Sonatas Vol. 10; Korstick (Oehms Classics)

Zum Abschluss seiner Gesamtein- spielung der Klaviersonaten von Ludwig van Beethoven hat Michael Korstick sich an die Hammer- klaviersonate gewagt – einen Solitär der Klavierliteratur, noch immer eine Herausforderung für Pianisten. Das liegt zum einen daran, dass ein moderner Konzert- flügel eben kein Hammerklavier ist, und es nicht ganz einfach ist, das Klangbild, das Beethoven im Sinn hatte, auf einen Steinway zu übertragen. 
Zum anderen weisen die Tempo-Angaben des Komponisten darauf hin, dass die Große Sonate für das Hammerklavier op. 106 möglicherweise eher für den Kopf als für die Finger eines Musikers geschrieben worden ist. Korstick aber will das Werk zum Klingen bringen; also nimmt er die Quellen ernst – und gelangt in den schnellen Sätzen zu einer aberwitzig rasanten Ausführung; für das Adagio sostenuto hingegen benötigt er fast 29 Minuten, doppelt so lange wie die meisten seiner Kollegen. Dabei lässt er allerdings einen Spannungsbogen entstehen, den man kaum für möglich hält. Der Zuhörer fühlt sich gebannt, ja, und beglückt auch – bis dann die Schlussfuge herbeieilt, hier tatsächlich als Allegro risoluto, dramatisch, erregt und dennoch präzise gespielt bis in die letzte Nuance. 
Einmal mehr erweist sich Korstick als ein großartiger Pianist, der „seinen“ Beethoven hervorragend kennt, der alle Details wohlüberlegt gestaltet, sich aber dennoch nicht darin verliert. Das machen auch die kleineren Werke deutlich, die es freilich neben der Hammerklaviersonate schwerhaben. Grandios! Das ist eine jener seltenen Aufnahmen, an denen sich alle anderen Interpretationen messen lassen müssen. 

Dienstag, 20. November 2012

Mendelssohn Bartholdy: Lieder ohne Worte; Korstick (cpo)

Michael Korstick spielt die Lieder ohne Worte sowie die Variations sérieuses von Felix Mendelssohn Bartholdy. Er erkundet diese Werke mit derselben Sorgfalt und pianistischen Präzision, die man bereits von seinen Beethoven-Einspielungen kennt und schätzt.
Wenn Korstick spielt, klingt Mendelssohns Musik elegant und erfreulich klar strukturiert. Darin unterscheidet sich diese Aufnahme wohltuend von anderen Einspie- lungen, die sich gern im Gefühlig-Ungefähren tummeln. So kennt man die Lieder ohne Worte eher als Klanggewaber, aus dem ab und zu Melodiefragmente auftauchen. Davon kann auf diesen beiden CD keine Rede sein. Und man staunt, wie sorgsam der Komponist einst diese kleinen Werke gestaltet hat - dank Korstick wird es hörbar. 
Dass diese hübschen Miniaturen mehr sind als Salonstücke zur Unterhaltung der besseren Kreise, macht Korstick mit seiner Inter- pretation deutlich. Wer die zwei CD angehört hat, der wird mir zu- stimmen: Diesem brillanten Pianisten ist damit eine weitere Referenz- aufnahme gelungen, die man nur empfehlen kann. 

Mittwoch, 29. Dezember 2010

Beethoven: Piano Sonatas vol. 8 (Oehms Classics)

Michael Korstick spielt die Klavier- sonaten von Ludwig van Beetho- ven - sehr maskulin, temperament- und kraftvoll. Schon seine Wald- stein-Sonate verschlägt einem schier den Atem, denn hier ist eine gestalterische Intensität zu erleben, die man in der Flut der allmonatlich neu auf dem Markt kommenden Silberscheiben nicht sehr oft findet. 
Furios geht Korstick auch die Appassionata an. Dieses Stück, eines der populärsten der Wiener Klassik, ist ein Schlusspunkt, und danach kam auch für Beethoven lange Zeit nichts mehr: Fünf Jahre dauerte es, bis der Komponist dann mit den Sonaten 24 bis 27 zu einem eher gemäßigten, gebändig- ten Tonfall zurückfindet. Korstick treibt sein Klavierspiel bei der Appassionata bis an die Grenzen - und lässt einen so dieses vielmals strapazierte Werk neu hören. Es mag verblüffen, aber seine Auffas- sung erscheint gerade aufgrund ihrer Kompromisslosigkeit durchweg schlüssig - und Korstick spielt grandios! Wer seine extreme Inter- pretation gehört hat, der weiß, warum diese Sonate den Beinamen "die Leidenschaftliche" erhielt.
Zwischen den gewaltigen Klanggebirgen der Sonaten Nr. 21 in C-Dur op. 53 ("Waldstein") und Nr. 23 in f-Moll op. 57 ("Appassionata") befindet sich jedoch die Sonate Nr. 22 in F-Dur op. 54. Dieses kleinere, weniger emotionsgeladene, zweisätzige Werk sieht sich von jeher dem Vorwurf der Minderwertigkeit ausgesetzt. Korstick wagt sich an seine Rehabilitation, indem er es so spielt, wie Beethoven es notiert hat - ohne einen Versuch, diese Sonate "gefällig" glattzubügeln, mit den Akzenten und dynamischen Kontrasten, die Beethoven vorgesehen hatte, und in dem von ihm gewünschten Tempo. Das Ergebnis erstaunt: Korstick verhilft auch dieser Sonate zu einem angemessenen Platz zwischen ihren berühmten Schwestern. Auf die Fortsetzung dieser Gesamteinspielung der Klaviersonaten Beethovens jedenfalls darf man jetzt schon gespannt sein.

Sonntag, 18. Juli 2010

Schumann: Kreisleriana - Arabeske - Carnaval; Korstick (Oehms Classics)

Kraftvoll und geradlinig spielt Michael Korstick drei frühe Schlüs- selwerke von Robert Schumann: Die Kreisleriana op. 16, die Arabeske op. 18 und Carnaval op. 9. 
Korsticks Auffassung zufolge bringt Carnaval das Wesen Schumanns auf den Punkt, wie kein anderes Stück. Die Aufnahme dieses Zyklus stammt aus dem Jahre 1997; der Pianist hat sich entschieden, sie mit in diese CD zu integrieren, weil sie in den Kon- text passt - und weil er sie noch immer für gültig hält. "Ich mache mir grundsätzlich immer so viele Gedanken über die Interpretation eines Stücks, dass ich nicht nach fünf Jahren alles falsch finde. Ich glaube zudem, dass es keine Aktualität gibt, wenn man sich ernsthaft mit Musik auseinandersetzt", sagt Korstick. "Es geht ja um eine tiefere Wahrheit, und man muss dieser so nah wie möglich kommen. Das unterliegt keinen Aktualitätsschwankungen."
Während Carnaval von der Polarität der Schumann-Seelenzustände Florestan und Eusebius geprägt sei, sieht der Pianist "diese Wider- sprüche in Kreisleriana in dem Sinn aufgehoben, als sie organisch miteinandere verbunden werden." Und an Arabeske fasziniert ihn besonders die Coda: "Das sind für mich die erstaunlichsten Einzel- takte, die Schumann überhaupt geschrieben hat. Schumann sehnte sich nach irdischem Frieden, und in dieser Coda hat er ihn gefun- den." 
Bei dieser Einspielung bleibt nichts Zufall, nichts gefühlig-nebulös, hier ist jeder Takt durchdacht und jeder Pedaleinsatz wohlüberlegt. Zu Schumann passt ein derartiges analytisch sorgsames Musizieren ausgezeichnet; Korstick macht Zusammenhänge hörbar, und zeigt so Seelenlandschaften auf. Diese Aufnahme ist insgesamt von einer Klarheit und Strukturiertheit, die bei einem Romantiker verblüfft. Ein würdiges Präsent zum 200. Geburtstag des Komponisten - für mich gehört diese CD zu den besten Schumann-Einspielungen zum Jubiläum.