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Samstag, 15. Mai 2021

Piano Lessons - Christoph Eschenbach (Deutsche Grammophon)


 Einen großen Musiker erkennt man oft daran, dass er auch scheinbar simple Stücke mit derselben Sorgfalt spielt wie die Virtuosenliteratur. Ein Beispiel dafür bietet diese faszinierende Box, in der auf 16 CD so ziemlich alles zu hören ist, was ein Klavierschüler üblicherweise im Unterricht übt. 

Die Box enthält zahlreiche Klassiker der Klavierpädagogik, von Ferdinand Beyers Vorschule im Klavierspiel über Johann Sebastian Bachs Inventionen, Wolfgang Amadeus Mozarts Sonata facile bis hin zu Ludwig van Beethovens berühmter Mondscheinsonate oder den Liedern ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy. 

Burgmüller, Czerny, Clementi, Diabelli – Christoph Eschenbach zeigt mit seinen Interpretationen, dass selbst Etüden und Sonatinen sehr viel Spaß machen können. Der Pianist, heute Chefdirigent des Berliner Konzerthausorchesters, hat diese Kollektion Mitte der 1970er Jahre eingespielt. Sie war bisher aber nur als Japan-Import erhältlich. 

Umso mehr freut man sich darüber, dass diese liebevollen Interpretationen nun für jedermann verfügbar sind. Die Sammlung bietet Musikfreunden fast 17 Stunden Hörvergnügen, und allen Klavierschülern vielfältige Anregungen – denn sämtliche Noten sind über die bekannte Noten-App Tomplay Sheet Music zugänglich, und als Bonus liegt der Box ein Zugangscode bei. Super! 


Mittwoch, 26. Dezember 2012

Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach - Thomanerchor Leipzig (Rondeau)

Rechtzeitig vor dem Fest sind bei Rondeau mit den CD 1 und 3 zwei weitere Folgen der Reihe Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach erschienen. Der Thomaner- chor singt Kantaten zum Advent und zu Epiphanias - BWV 61, 62 und 36 bzw. 65, 3 und 72. 
Sie führen den Hörer von der Vor- freude und Erwartung der Geburt Christi bis zum Dreikönigstag, sowie den Wundern, die Jesus bei der Hochzeit zu Kana sowie mit der Heilung des Aussätzigen und des Gelähmten gewirkt hat. Thomaskantor Georg Christoph Biller behält den schönen Brauch bei, vor den Bach-Kantaten jeweils eine passende Motette aus dem Florilegium selectissimorum Hymnorum singen zu lassen. Dabei kommen die jugendlichen Stimmen auch schön zur Geltung. Die Bach-Kantaten hingegen fordern die Thomaner teilweise erheblich. 
Biller besetzt die Sopran- und Alt-Solopartien mit Chorknaben. Beim Tenor und beim Bass hingegen kommen erwachsene Solisten zum Einsatz. Zu hören sind hier Martin Petzold, Christoph Genz, Daniel Ochoa, Andreas Scheibner und Gotthold Schwarz. Es wird jedem klar sein, dass dies zu einer gewissen Unausgewogenheit führen muss. Die Thomaner Paul Bernewitz, Friedrich Praetorius, Conrad Zuber, Mar- tin Deckelmann und Stefan Kahle schlagen sich wacker, aber sowohl gesangstechnisch als auch in Sachen Gestaltung sind die Rezitative und Arien für die Knaben eine Herausforderung. 
Begleitet werden die Sänger zuverlässig vom Gewandhausorchester. Wer den Klang der Thomaner liebt, der sollte sich diese Jubiläums- edition zum 800. Jahrestag der Gründung des Ensembles schenken. Wer eine wirklich gute Aufnahme der Bach-Kantaten sucht, der sollte sich besser für eine andere entscheiden - die Auswahl ist ja sehr groß. 

Mittwoch, 23. Mai 2012

Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach - Pfingsten (Rondeau)

Dies ist CD Nummer sieben aus einer Reihe von zehn Silber- scheiben, die bis März 2014 erscheinen und eine Auswahl aus dem Kantatenschaffen von Johann Sebastian Bach in der Ordnung des Kirchenjahres vorstellen werden. Zu hören sind der Thomanerchor Leipzig, der in diesem Jahr sein 800jähriges Bestehen feiert, und Musiker des Leipziger Gewand- hausorchesters unter Leitung von Thomaskantor Thomas Biller. 
Diese CD enthält die Pfingstkanta- ten Erschallet, ihr Lieder BWV 172, Wer mich liebet, der wird mein Wort halten BWV 74 und O ewiges Feuer, o Ursprung der Liebe BWV 34. Vorangestellt hat Biller diesen Kantaten erneut Hymnen aus der Sammlung Florilegium selectissimorum Hymnorum, zusammen- gestellt 1594 von Erhard Bodenschatz, wie dies zu Bachs Zeiten üblich war. 
Die Soli werden von Thomanern - in diesem Falle Sopran Conrad Zuber, Alt Robert Pohlers und Alt Martin Deckelmann - und ehema- ligen Thomanern gesungen, auf dieser CD sind dies die Tenöre Christoph Genz und Martin Petzold, sowie Matthias Weichert, Bass. Reinhard Decker, ebenfalls Bassist, begann seine musikalische Ausbildung im Dresdner Kreuzchor unter Kreuzkantor Rudolf Mauersberger. 
Zur musikalischen Qualität dieser Aufnahmen aus den Jahren 2007 und 2008 sei gesagt, dass sie sich mit den führenden Kantateneditio- nen auch nicht entfernt messen können. Man sollte diese Serie eher als eine Art klingendes Souvenir aus Leipzig sehen - und also solches wird sie ganz sicher auch ihre Käufer finden. 

Montag, 5. Dezember 2011

Bach: Kantaten; Thomanerchor Leipzig (Rondeau)

"Das Kirchenjahr mit Johann Sebastian Bach" lautet das Motto einer neuen CD-Reihe des Thoma- nerchores, die bei dem Leipziger Label Rondeau erscheint. Mittler- weile sind CD Nummer 10 mit den Kantaten BWV 19, 50, 79 und 80 zur Reformation und zum Michae- listag sowie CD Nummer 2 mit den Kantaten BWV 63, 110 und 190 zur Weihnacht erschienen.
Thomaskantor Georg Christoph Biller stellt den Kantaten jeweils einen Hymnus aus dem Florile- gium selectissimorum Hymnorum voran. Diese Motettensammlung entstand aus dem Schulgesang an der Landesschule Pforta bei Naumburg, und wurde von dem Kantor Erhard Bodenschatz (1576 bis 1636) herausgegeben. Das Florilegium Portense war zu Bachs Zeiten an protestantischen Schulen in Nord- und Mitteldeutschland weit verbreitet. Es erschien in mehreren Ausgaben; die hier genutzte stammt aus dem Jahre 1594 und basiert auf den Hymnen des Kompo- nisten Sethus Calvisius (1556 bis 1615). Dieser wirkte von 1582 bis 1594 als Kantor in Schulpforta, und wurde dann als Thomaskantor nach Leipzig berufen. 
Die Kombination aus den eher ruhigen, getragenen Hymnen, die schon Bach seinerzeit mit den Thomanern zu Beginn des Gottes- dienstes musiziert hat, und den Kantaten erweist sich als eine gute Idee, die diese CD ungemein bereichert und abrundet - nicht zuletzt weil sie das Flair jener Zeit transportiert, in der Bach seine Kantaten geschaffen hat. 
Die Thomaner singen erfreulich; das Gewandhausorchester Leipzig erweist sich einmal mehr als ein Spitzenorchester Europas. Für die Solistenpartien in Tenor und Bass wurden mit Christoph Genz, Martin Petzold, Matthias Weichert und Gotthold Schwarz ehemalige Thoma- ner gewonnen; die Sopransoli hingegen singen die Thomaner Fried- rich Praetorius, Conrad Zuber und Paul Bernewitz. Diese Knaben- soprane singen alle sauber, aber mit einer Technik, die einem schon beim Zuhören Halsschmerzen bereitet. Die eigentliche Entdeckung dieser CD ist Thomaner Stefan Kahle, der einen unglaublich guten Altus singt. Wenn es dem jungen Mann gelingt, sich diese Stimme zu erhalten, dann werden ihm die Bühnen dieser Welt offenstehen. Desto bedauerlicher erscheint es, dass sich im Chor offenbar derzeit weder ein Tenorist noch ein Bassist findet, der in der Lage wäre, ein solches Kantatensolo zu singen. 

Samstag, 19. November 2011

Bach: Weihnachtsoratorium (Rondeau)

Der Thomanerchor Leipzig singt Bachs Weihnachtsoratorium - und das gar nicht mal schlecht. Der Chor, der seit 1992 von Georg Christoph Biller geleitet wird, hat an Klang in jüngster Zeit gewaltig zugelegt. Besonders deutlich wird das, wenn man die vorliegende Aufnahme mit dem Mitschnitt aus dem Jahre 1998 vergleicht, der bei Philips erschienen ist (und über- haupt nicht begeistern konnte). 
Erfreulich ist auch, dass sämtliche Sopransoli hier durch die Thoma- ner Friedrich Praetorius und Paul Bernewitz übernommen werden konnten. Die Jungs singen klangschön und selbstbewusst - doch wie dünn das technische Fundament ist, auf dem sich die jungen Solisten bewegen, das wird beispielsweise im Herr, dein Mitleid-Duett deutlich hörbar. Für die anderen Soli wurden, Thomanertradition hin oder her, erwachsene Sänger engagiert. Zu hören sind Ingeborg Danz, Alt, die Tenore Martin Petzold als Evangelist und Christoph Genz, Arien sowie Panajotis Iconomou, Bassbariton. Zwar haben die Herren durchweg ihre ersten musikalischen Schritte als Mitglieder von Kna- benchören gemacht - Petzold und Genz waren wie Biller Thomaner, Iconomou war als Knabenalt einer der Solisten des Tölzer Knaben- chores. Doch würde man sich wünschen, dass bei der nächsten Aufnahme das komplette Solistenensemble mit Thomanern besetzt werden könnte. Das wäre unterm Strich ein weiterer Qualitätsgewinn - für den ganzen Chor. 
Erfreulich ist zudem die ausgeprägte rhetorische Zielrichtung, mit der hier musiziert wird. Es dominiert nicht das Gewandhausorchester, sondern der Gesang - und der legt Text aus, wie zu Bachs Zeiten üblich. Das macht die Aufnahme spannend. 

Samstag, 16. April 2011

Mendelssohn: Elias (Ambitus)

"Noch niemals ist ein Stück von mir bei der ersten Aufführung so vortrefflich gegangen und von den Musikern und den Zuhörern so begeistert aufgenommen worden wie dieses Oratorium", berichtet Felix Mendelssohn Bartholdy nach der Uraufführung des Elias in einem Brief aus Birmingham sei- nem Bruder Paul. "Es war gleich bei der ersten Probe in London zu sehen, daß sie es gern mochten und gern sangen und spielten (...) Wärst Du nur dabei gewesen! Die ganze dritthalb Stunden, die es dauerte, war der große Saal mit seinen 2000 Menschen und das große Orchester alles so vollkommen auf einen Punkt (...) gespannt, daß von den Zuhörern nicht das leise- ste Geräusch zu hören war, und daß ich mit den ungeheuren Orche- ster- und Chor- und Orgelmassen vorwärts und rückwärts gehen konnte, wie ich nur wollte." 
Das Werk um den Propheten, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, die wankelmütigen Kinder Israels zu Gott zu führen, ist gewaltig in seiner Dramatik. Doch es hat auch lyrische Passagen, wie das Doppelquartett Denn er hat seinen Engeln befohlen, oder das Terzett der Engel. Gothart Stier, der das Oratorium 1996 mit dem Montever- di-Chor Hamburg und dem Philharmonischen Staatsorchester Halle/Saale in der Leipziger Thomaskirche aufgeführt hat - der Mit- schnitt erschien nun bei Ambitus -, lässt seinen Elias nicht einfach poltern und schnauben. Der Bariton Siegfried Lorenz zeichnet viel- mehr ein sehr differenziertes Bild dieser Figur, die den toten Knaben auferweckt, um die Witwe zum Glauben zu führen - und wenig später das Volk dazu aufruft, die Baalspriester abzuschlachten. 
Das Quartett der Solisten wird vervollständigt durch Stephanie Stiller, Sopran, Annette Markert, Alt und Martin Petzold, Tenor. Dazu ge- sellen sich jede Menge Sänger aus dem Monteverdi-Chor Hamburg, der generell sehr versiert und professionell agiert. So wird es mög- lich, selbst die großen Volksszenen wie die Anrufung Baals nicht schlicht laut, sondern hochdramatisch zu gestalten. Stier legt hörbar wert auf Zwischentöne, und ermöglicht so Entdeckungen. Das macht diese Aufnahme außerordentlich spannend.