Für ein Festkonzert zum Geburtstag des preußischen Königs im Jahre 1806 komponierte Ernst Theodor Wilhelm Hoffmann (1766 bis 1822) seine Sinfonie in Es-Dur. Der Jurist war in Warschau als Regierungsrat tätig, und fand nebenbei noch genug Muße zum Musizieren, Komponieren und dafür, die Musikalische Gesell- schaft zu gründen und zu leiten, ein Liebhaberorchester. Dieses Ensemble hat auch, dem König zum Preise und zur Feier der Einrichtung eines Konzertsaales im Mniszekschen Palais, Hoffmanns einzige Sinfonie uraufgeführt.
Sie hat Haydns Londoner Sinfonien zum Vorbild, ist aber dennoch in der musikalischen Substanz und in den durchaus auch witzigen Ideen ein echter Hoffmann. Und wer genauer hinhört, der wird feststellen, dass sie sehr sorgfältig gearbeitet worden ist. Insofern ist das Werk ein Solitär, und man kann Michael Alexander Willens nur dankbar dafür sein, dass er sie mit der Kölner Akademie eingespielt hat, in Begleitung der Ouvertüren zu den Opern Undine und Aurora. Es sind dies die beiden letzten Opern Hoff- manns; sie gelten als die beiden ersten deutschsprachigen romantischen Opern überhaupt.
Komplettiert wird die CD durch die Sinfonia in A-Dur von Friedrich Witt (1770 bis 1836). Er war Cellist, wirkte zeitweilig in der Oettingen-Waller- steinschen Hofkapelle, und wurde 1802 Kapellmeister in Würzburg. Die Kölner Akademie musiziert auch hier historisierend, sehr klar strukturiert und mit einem guten Gespür für die Tempi und für Details. Sehr gelungen!
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Sonntag, 20. November 2016
Mittwoch, 10. Dezember 2014
Agricola: Die Hirten bei der Krippe (cpo)
Wenn die Weihnachtszeit naht, prä- sentiert das Label cpo stets Wieder- entdeckungen, die sich als Alterna- tiven zu Bachs Weihnachtsoratorium empfehlen. In diesem Jahr sind es Uns ist ein Kind geboren, Die Hirten bei der Krippe und Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis, drei große Kantaten des Bach-Schülers Johann Friedrich Agricola (1720 bis 1774).
Agricola war der Sohn eines Gerichts- direktors aus Dobritschen im Für- stentum Altenburg. Der Knabe erhielt nicht nur Privatunterricht in den üblichen Schulfächern, sondern auch eine solide musikalische Ausbildung auf Clavier und Orgel. Während seines Studiums an der Leipziger Universität komplettierte er diese durch Unterricht bei Johann Sebastian Bach. Er musizierte unter der Leitung des Thomaskantors im Collegium musicum und gelegentlich wohl auch in der Kirche.
Im Herbst 1741 ging Agricola nach Berlin. 1751 wurde er zum Hof- komponisten ernannt, und nach Grauns Tod 1759 leitete er die Hofkapelle – ohne freilich jemals den Titel des Hofkapellmeisters zu erhalten. Ab 1755 wandte sich Agricola verstärkt der Kirchenmusik zu. Seine Werke erklangen in der Kirche St. Petri, sowie bei der Königinmutter und bei Prinzessin Anna Amalia. Im Druck ist allerdings kaum etwas davon erschienen. Erfreulicherweise sind dank der Wiedergewinnung des Noten-Archivs der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 2001 etliche seiner Werke nun wieder greifbar. Denn er ist im Archivbestand als Komponist, Vorbe- sitzer und Schreiber zahlreicher Quellen auszumachen.
Agricola hatte 1742 eine der Opernsängerinnen des Königs geheiratet. Für seine Frau, Benedetta Emilia Molteni, schuf er eine Vielzahl wohlklingen- der Sopranpartien – auch davon legt diese CD Zeugnis ab. Sie ist musik- historisch durchaus interessant, obwohl man bald feststellen wird, dass die Kantaten Agricolas keineswegs der ganz großen Kunst zuzurechnen sind. Solides Handwerk aber sind sie allemal. Und in dieser gelungenen Aufnahme mit den Solisten Berit Solset, Myriam Arbouz, Nicholas Mulroy und Matthias Vieweg sowie der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hört man sie wirklich gern.
Agricola war der Sohn eines Gerichts- direktors aus Dobritschen im Für- stentum Altenburg. Der Knabe erhielt nicht nur Privatunterricht in den üblichen Schulfächern, sondern auch eine solide musikalische Ausbildung auf Clavier und Orgel. Während seines Studiums an der Leipziger Universität komplettierte er diese durch Unterricht bei Johann Sebastian Bach. Er musizierte unter der Leitung des Thomaskantors im Collegium musicum und gelegentlich wohl auch in der Kirche.
Im Herbst 1741 ging Agricola nach Berlin. 1751 wurde er zum Hof- komponisten ernannt, und nach Grauns Tod 1759 leitete er die Hofkapelle – ohne freilich jemals den Titel des Hofkapellmeisters zu erhalten. Ab 1755 wandte sich Agricola verstärkt der Kirchenmusik zu. Seine Werke erklangen in der Kirche St. Petri, sowie bei der Königinmutter und bei Prinzessin Anna Amalia. Im Druck ist allerdings kaum etwas davon erschienen. Erfreulicherweise sind dank der Wiedergewinnung des Noten-Archivs der Sing-Akademie zu Berlin im Jahr 2001 etliche seiner Werke nun wieder greifbar. Denn er ist im Archivbestand als Komponist, Vorbe- sitzer und Schreiber zahlreicher Quellen auszumachen.
Agricola hatte 1742 eine der Opernsängerinnen des Königs geheiratet. Für seine Frau, Benedetta Emilia Molteni, schuf er eine Vielzahl wohlklingen- der Sopranpartien – auch davon legt diese CD Zeugnis ab. Sie ist musik- historisch durchaus interessant, obwohl man bald feststellen wird, dass die Kantaten Agricolas keineswegs der ganz großen Kunst zuzurechnen sind. Solides Handwerk aber sind sie allemal. Und in dieser gelungenen Aufnahme mit den Solisten Berit Solset, Myriam Arbouz, Nicholas Mulroy und Matthias Vieweg sowie der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hört man sie wirklich gern.
Donnerstag, 26. Dezember 2013
Hertel: Die Geburt Christi (cpo)
Johann Wilhelm Hertel (1727 bis 1789) entstammte einer Eise- nacher Musikerfamilie. Mit seinem Vater Johann Christian Hertel ging er 1742 an den Hof von Mecklen- burg-Strelitz, wo er wohl zeitweise als Geiger und Cembalist beschäf- tigt war. Seine Ausbildung setzte er in Zerbst bei Johann Friedrich Fasch und in Berlin bei Carl Heinrich Graun, Carl Philipp Emanuel Bach und Franz Benda fort. 1754 wurde er Hof- und Capell-Compositeur des Herzogs Christian Ludwig II. Er komponierte auch für dessen Nachfolger Friedrich, genannt „Der Fromme“, der den Hof von Schwerin nach Ludwigslust verlegte, weil er ein Leben in Ruhe und Abgeschiedenheit vorzog.
Das hinderte Friedrich allerdings nicht daran, zweimal in der Woche in der Kirche von Ludwigslust ein (geistliches) Konzert zu veran- stalten. Die exzellente mecklenburgische Hofkapelle ließ dort Psalmvertonungen, Choräle und Kantaten erklingen. Und jedermann durfte zuhören – so er „rechtlich gekleidet“ war.
Hertel schrieb für den Herzog neun große Kantaten, sämtlich nach Texten des mecklenburgischen Pfarrers Heinrich Julius Tode (1733 bis 1797). Der Prediger war, wie sein Dienstherr, dem Pietistismus sehr zugewandt. Das prägt auch den Text seiner Weihnachtskantate Die Geburt Jesu. Für den heutigen Hörer ist diese Spielart der Frömmigkeit, nun ja, gewöhnungsbedürftig.
Das gilt auch für die Musik Hertels, der hier Andacht mit den Mitteln der Oper erzeugt. Zwar sind unter den 24 Sätzen der Kantate auch ein paar betont schlicht gesetzte Choräle. Doch schon der überwälti- gende, harmonisch kühne Eingangschor macht deutlich, dass man seinerzeit in der Provinz musikalisch durchaus nicht hinter dem Mond lebte. Hertel zieht alle Register seiner Kunst, vom Kontrapunkt bis hin zur flötenbegleiteten Hirtenidylle und vom barocken Affekt bis hin zu sinfonischer Dramatik.
Den Hofsängern schrieb Hertel offenbar maßgeschneiderte Arien – das Bravourstück Freuet seiner euch mit Beben, Höhepunkt der Kantate, war ganz sicher für die Primadonna bestimmt, die zum Fest mit umfangreichen Koloraturen glänzte. Die „Wetter seines Zorns“, die der Text Abtrünnigen androht, geraten über dieser Jubelarie eher in den Hintergrund, wie überhaupt Hertels Musik die strengen Mahnungen des Textdichters relativiert und die Freude über das Weihnachtsgeschehen herausstellt.
Die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hat das historische Stück sorgsam eingespielt. Die vier Gesangssolisten Berit Solset, Alexandra Rawohl, Marcus Ullmann und Wolf-Matthias Friedrich gestalten dabei nicht nur die Rezitative und Arien, sie singen auch die Chöre, mit Unterstützung durch jeweils einen Ripienisten. Das bewirkt einen fein abgestimmten und auch in den großen Chören stets durchhörbaren Klang. Sehr hörenswert – wer einen Sinn für Nostalgie hat und den Text nicht gar zu sehr auf die Goldwaage legt, wird diese Aufnahme schätzen.
Das hinderte Friedrich allerdings nicht daran, zweimal in der Woche in der Kirche von Ludwigslust ein (geistliches) Konzert zu veran- stalten. Die exzellente mecklenburgische Hofkapelle ließ dort Psalmvertonungen, Choräle und Kantaten erklingen. Und jedermann durfte zuhören – so er „rechtlich gekleidet“ war.
Hertel schrieb für den Herzog neun große Kantaten, sämtlich nach Texten des mecklenburgischen Pfarrers Heinrich Julius Tode (1733 bis 1797). Der Prediger war, wie sein Dienstherr, dem Pietistismus sehr zugewandt. Das prägt auch den Text seiner Weihnachtskantate Die Geburt Jesu. Für den heutigen Hörer ist diese Spielart der Frömmigkeit, nun ja, gewöhnungsbedürftig.
Das gilt auch für die Musik Hertels, der hier Andacht mit den Mitteln der Oper erzeugt. Zwar sind unter den 24 Sätzen der Kantate auch ein paar betont schlicht gesetzte Choräle. Doch schon der überwälti- gende, harmonisch kühne Eingangschor macht deutlich, dass man seinerzeit in der Provinz musikalisch durchaus nicht hinter dem Mond lebte. Hertel zieht alle Register seiner Kunst, vom Kontrapunkt bis hin zur flötenbegleiteten Hirtenidylle und vom barocken Affekt bis hin zu sinfonischer Dramatik.
Den Hofsängern schrieb Hertel offenbar maßgeschneiderte Arien – das Bravourstück Freuet seiner euch mit Beben, Höhepunkt der Kantate, war ganz sicher für die Primadonna bestimmt, die zum Fest mit umfangreichen Koloraturen glänzte. Die „Wetter seines Zorns“, die der Text Abtrünnigen androht, geraten über dieser Jubelarie eher in den Hintergrund, wie überhaupt Hertels Musik die strengen Mahnungen des Textdichters relativiert und die Freude über das Weihnachtsgeschehen herausstellt.
Die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens hat das historische Stück sorgsam eingespielt. Die vier Gesangssolisten Berit Solset, Alexandra Rawohl, Marcus Ullmann und Wolf-Matthias Friedrich gestalten dabei nicht nur die Rezitative und Arien, sie singen auch die Chöre, mit Unterstützung durch jeweils einen Ripienisten. Das bewirkt einen fein abgestimmten und auch in den großen Chören stets durchhörbaren Klang. Sehr hörenswert – wer einen Sinn für Nostalgie hat und den Text nicht gar zu sehr auf die Goldwaage legt, wird diese Aufnahme schätzen.
Samstag, 5. Oktober 2013
Zani: Complete Cello Concertos (Capriccio)
Dies ist eine weitere Entdeckung, die wir Rudolf Franz Erwein, Graf von Schönborn (1677 bis 1754) verdanken. Denn der spielte nicht nur gern Violoncello, er sammelte auch Musikalien. Und in der Kollektion, die sich noch heute in Wiesentheid bei Würzburg befindet, wurde schon so manches Musikstück aufgespürt, das Cellisten ebenso wie das Publikum jubeln lässt.
Nun hat eine Musikwissenschaft- lerin aus Neuseeland in diesem Bestand zwölf concerti da camera für Violoncello und Streicher von Andrea Zani (1696 bis 1757) aufgefunden. Kurioserweise musste Dr. Jill Ward, die 2010 ihre Dissertation an der University of Canterbury in Christchurch geschrieben hat, dazu nicht einmal ihre Heimat verlassen – die modernen Kommunikationstechnologien machen's möglich. Mittlerweile hat Ward eine Gesamtausgabe aller derzeit bekannten Werke von Zani vorgelegt, sowie eine Biographie des Musikers.
Viel ist freilich über sein Leben nicht herauszufinden. Zani war der Sohn eines Geigers aus Casalmaggiore, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cremona. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, und setzte sie dann bei zwei Musikerkollegen fort. Irgendwann ging er nach Wien; Ward vermutet, dass ihn Antonio Caldara, Vizekapellmeister am kaiserlichen Hof, zu diesem Schritt ermutigt haben könnte. Und irgendwann ist er dann auch wieder nach Italien zurückgekehrt. Dort hat er ab 1738 einige Spuren hinterlassen. Belegt ist, dass er 1757 auf einer Reise nach Mantua an den Folgen eines Kutschenüberschlags gestorben ist.
Die Violoncello-Konzerte, die Zani für den Grafen von Schönborn komponiert hat, sind abwechslungsreich und geradezu betörend gut gelungen. „Schon das Partiturstudium und das Lernen des Soloparts war nur mit dem beglückenden Gefühl zu vergleichen, das man beim Betreten eines sonnenbeschienenen Neuschneefeldes in den Bergen hat – und das gleich zwölf Mal“, begeistert sich Martin Rummel, der die Werke gemeinsam mit dem Ensemble Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens eingespielt hat. „Da aber, wie schon Gustav Mahler wusste, das Beste der Musik nicht in den Noten steht, war der Beginn der ersten Probe mit dem Orchester, als die ersten Töne eines Cellokonzerts von Andrea Zani wahrscheinlich zum ersten Mal seit fast dreihundert Jahren wieder erklungen, einer der reichsten Momente meines bisherigen musikalischen Lebens. Die daran anschließende Woche bis zur Aufnahme des letzten Takes wird in ihrer Beglückung unvergessen bleiben.“
Etwas von diesem Glücksgefühl überträgt sich auch auf den Hörer. Zanis Konzerte sind eher graziös als betont virtuos. Sie bieten alles, was Cellokonzerte attraktiv macht – schöne Melodien, einen bunten Strauss an musikalischen Ideen, so dass sie nie langweilig werden, und obendrein eine tänzerische Leichtigkeit, die gute Laune verbrei- tet. Bravi!
Nun hat eine Musikwissenschaft- lerin aus Neuseeland in diesem Bestand zwölf concerti da camera für Violoncello und Streicher von Andrea Zani (1696 bis 1757) aufgefunden. Kurioserweise musste Dr. Jill Ward, die 2010 ihre Dissertation an der University of Canterbury in Christchurch geschrieben hat, dazu nicht einmal ihre Heimat verlassen – die modernen Kommunikationstechnologien machen's möglich. Mittlerweile hat Ward eine Gesamtausgabe aller derzeit bekannten Werke von Zani vorgelegt, sowie eine Biographie des Musikers.
Viel ist freilich über sein Leben nicht herauszufinden. Zani war der Sohn eines Geigers aus Casalmaggiore, einer kleinen Stadt in der Nähe von Cremona. Er begann seine musikalische Ausbildung bei seinem Vater, und setzte sie dann bei zwei Musikerkollegen fort. Irgendwann ging er nach Wien; Ward vermutet, dass ihn Antonio Caldara, Vizekapellmeister am kaiserlichen Hof, zu diesem Schritt ermutigt haben könnte. Und irgendwann ist er dann auch wieder nach Italien zurückgekehrt. Dort hat er ab 1738 einige Spuren hinterlassen. Belegt ist, dass er 1757 auf einer Reise nach Mantua an den Folgen eines Kutschenüberschlags gestorben ist.
Die Violoncello-Konzerte, die Zani für den Grafen von Schönborn komponiert hat, sind abwechslungsreich und geradezu betörend gut gelungen. „Schon das Partiturstudium und das Lernen des Soloparts war nur mit dem beglückenden Gefühl zu vergleichen, das man beim Betreten eines sonnenbeschienenen Neuschneefeldes in den Bergen hat – und das gleich zwölf Mal“, begeistert sich Martin Rummel, der die Werke gemeinsam mit dem Ensemble Die Kölner Akademie unter Leitung von Michael Alexander Willens eingespielt hat. „Da aber, wie schon Gustav Mahler wusste, das Beste der Musik nicht in den Noten steht, war der Beginn der ersten Probe mit dem Orchester, als die ersten Töne eines Cellokonzerts von Andrea Zani wahrscheinlich zum ersten Mal seit fast dreihundert Jahren wieder erklungen, einer der reichsten Momente meines bisherigen musikalischen Lebens. Die daran anschließende Woche bis zur Aufnahme des letzten Takes wird in ihrer Beglückung unvergessen bleiben.“
Etwas von diesem Glücksgefühl überträgt sich auch auf den Hörer. Zanis Konzerte sind eher graziös als betont virtuos. Sie bieten alles, was Cellokonzerte attraktiv macht – schöne Melodien, einen bunten Strauss an musikalischen Ideen, so dass sie nie langweilig werden, und obendrein eine tänzerische Leichtigkeit, die gute Laune verbrei- tet. Bravi!
Sonntag, 30. Dezember 2012
Durante: Neapolitan Christmas II (cpo)
Kantaten und Motetten zur Weih- nacht haben auch in Neapel Tradition. Zu den wichtigsten Kirchenkomponisten, die jemals in der Stadt am Fuße des Vesuvs wirkten, gehörte Francesco Durante (1684 bis 1755). Er war zugleich einer der führenden Musikpädagogen seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Giovanni Paisiello, Giovanni Battista Pergolesi, Niccolò Piccinni - und viele andere. Obwohl Durante selbst nie eine Oper geschrieben hat, erscheint die lange Liste seiner Schüler beinahe wie das Who's who der neapolitanischen Oper.
Durante aber hat unbeirrt die Tradition der römischen Kirchenmusik in der Nachfolge Palestrinas weitergeführt. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Nieder- lande ebenso wie in Böhmen oder am Dresdner Hof. Selbst Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe des Komponisten. Aus unerfindlichen Gründen aber ist die Musik Durantes dann in Vergessenheit geraten.
Wer sich auf die Suche nach seinen Manuskripten begibt, der wird durchaus Überraschungen erleben. Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einer gelungenen CD einige seiner Werke vorgestellt. In diesem Jahr haben die Musiker weitere Stücke herausgesucht, die ebenfalls einen Bezug zum Weihnachtsfest haben.
Das hat sich erneut gelohnt. Denn Durante beherrscht zwar die Konventionen, aber er verlässt sie auch sehr gern, und erzielt damit überwältigende Effekte. Man höre nur Cito Pastores, eine reizvolle Motette für vier Singstimmen, Streicher und Continuo-Orgel mit einem umwerfenden Eingangschor. Die Kölner Akademie musiziert schwungvoll, und erneut ist auch die Sängerriege, die an dieser Aufnahme mitgewirkt hat, sehr ordentlich besetzt. Zu hören sind Monica Piccinini, Christina Kühne, Ursula Eittinger, Alberto ter Doest und Thilo Dahlmann. Eine sehr gelungene weihnachtliche Festmusik - bravi!
Durante aber hat unbeirrt die Tradition der römischen Kirchenmusik in der Nachfolge Palestrinas weitergeführt. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Nieder- lande ebenso wie in Böhmen oder am Dresdner Hof. Selbst Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe des Komponisten. Aus unerfindlichen Gründen aber ist die Musik Durantes dann in Vergessenheit geraten.
Wer sich auf die Suche nach seinen Manuskripten begibt, der wird durchaus Überraschungen erleben. Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einer gelungenen CD einige seiner Werke vorgestellt. In diesem Jahr haben die Musiker weitere Stücke herausgesucht, die ebenfalls einen Bezug zum Weihnachtsfest haben.
Das hat sich erneut gelohnt. Denn Durante beherrscht zwar die Konventionen, aber er verlässt sie auch sehr gern, und erzielt damit überwältigende Effekte. Man höre nur Cito Pastores, eine reizvolle Motette für vier Singstimmen, Streicher und Continuo-Orgel mit einem umwerfenden Eingangschor. Die Kölner Akademie musiziert schwungvoll, und erneut ist auch die Sängerriege, die an dieser Aufnahme mitgewirkt hat, sehr ordentlich besetzt. Zu hören sind Monica Piccinini, Christina Kühne, Ursula Eittinger, Alberto ter Doest und Thilo Dahlmann. Eine sehr gelungene weihnachtliche Festmusik - bravi!
Montag, 30. April 2012
Mozart: Piano Concertos Nos 24 in C minor & 25 in C major (BIS)
Aufnahmen der Mozart-Klavier- konzerte gibt es viele - wer eine Interpretation auf "zeitgenössi- schen" Instrumenten bevorzugt, der sollte sich diese hier unbedingt anhören. Denn der Kölner Akade- mie, geleitet von Michael Alexan- der Willens, und dem Pianisten Ronald Brautigam gelingt hier eine musikalisch gut ausbalancierte, inspirierte Einspielung, die rund- um hörenswert ist. Brautigam spielt ein Instrument, das Paul McNulty 1992 nach einem Vorbild von Gabriel Anton Walter (1752 bis 1826) angefertigt hat. Mozart war von den Fortepianos des Wiener Klavierbauers begeistert; 1782 er- warb er ein solches Instrument. Der Klang eines Hammerflügels aus der Werkstatt dieses Meisters unterscheidet sich von dem heutiger Standard-Konzertflügel wie Champagner von Cognac. Beides hat seinen Reiz, aber zu den Konzerten Mozarts passt das Prickeln und Perlen ganz eindeutig besser.
Freitag, 9. Dezember 2011
Durante: Neapolitan Christmas (cpo)
Francesco Durante (1684 bis 1755) gehört zu den bedeutendsten nea- politanischen Kirchenkomponi- sten, und war zugleich einer der führenden Musikpädagogen seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Giovanni Paisiello, Giovanni Battista Pergolesi, Nicco- lò Piccini - und viele andere. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Niederlande ebenso wie in Böhmen oder am Hofe der sächsischen Kurfürsten. Sogar Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe Durantes.
Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hat nun für cpo einige seiner Werke eingespielt - und zwar speziell diejenigen, die sich mit dem Weihnachtsfest in Verbindung bringen lassen. Es handelt sich dabei um wunderschöne Musik, sehr traditionsbewusst, aber auch kühn und modern komponiert. Diese Kombination macht die Werke ausgesprochen reizvoll. Durante hat offenbar nie eine Oper geschrieben - und vermeidet auch in der Kirchenmusik opernhafte Effekte; dabei setzt er aber durchaus die Singstimme eindrucksvoll in Szene.
Das lohnt sich auch, denn die Sänger, die an dieser Aufnahme mit- gewirkt haben, sind durchweg hörenswert. Roberta Mameli, Ursula Eittinger, Andreas Post und Stephan MacLeod lassen gemeinsam mit der Kölner Akademie die musikalischen Juwelen glitzern und funkeln, die Durante einst zu Papier gebracht hat. Bravi!
Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hat nun für cpo einige seiner Werke eingespielt - und zwar speziell diejenigen, die sich mit dem Weihnachtsfest in Verbindung bringen lassen. Es handelt sich dabei um wunderschöne Musik, sehr traditionsbewusst, aber auch kühn und modern komponiert. Diese Kombination macht die Werke ausgesprochen reizvoll. Durante hat offenbar nie eine Oper geschrieben - und vermeidet auch in der Kirchenmusik opernhafte Effekte; dabei setzt er aber durchaus die Singstimme eindrucksvoll in Szene.
Das lohnt sich auch, denn die Sänger, die an dieser Aufnahme mit- gewirkt haben, sind durchweg hörenswert. Roberta Mameli, Ursula Eittinger, Andreas Post und Stephan MacLeod lassen gemeinsam mit der Kölner Akademie die musikalischen Juwelen glitzern und funkeln, die Durante einst zu Papier gebracht hat. Bravi!
Sonntag, 19. Dezember 2010
Mattheson: Das größte Kind (cpo)
Johann Mattheson (1681 bis 1764), heute vor allem bekannt als ein bedeutender Musiktheoretiker der Barockzeit, nahm 1715 das Amt Musikdirektors am Hambur- ger Dom an. Zwar war es schlecht bezahlt, aber es brachte dem streitbaren Musikpublizisten den Status eines Canonicus minor am Domkapitel und somit einige Freiheiten ein, weil das Domkapitel nicht der städtischen Gerichts- barkeit unterstand. Auch war der Aufwand, den diese Tätigkeit mit sich brachte, nicht allzu groß - nur an sechs Tagen pro Jahr hatte im Dom Figuralmusik zu erklingen, und genau dafür war der Musikdi- rektor verantwortlich.1728 musste Mattheson dieses Amt allerdings wieder aufgeben, weil er kaum noch etwas hörte; für den Rest seines Lebens blieb er taub.
In den Werken, die Mattheson als Domkantor schuf, versuchte er, einen theatralischen, stark von der Oper beeinflussten Stil durchzu- setzen. Für die Aufführungen engagierte er Sänger und vor allem Sängerinnen von der Hamburger Oper - was zunächst einen hand- festen Skandal verursachte, bald aber offensichtlich akzeptiert wurde. Für den Nachmittagsgottesdienst am zweiten Weihnachtstage, also am 27. Dezember, komponierte Mattheson 1720 Das Gröste Kind, in einem Oratorio auf Weynacht musicalisch vorgestellet - ein zwei- teiliges, üppig instrumentiertes Oratorium, das im Stall zu Bethlehem nach der Geburt Christi spielt. Dieses prachtvolle Werk, das mit seinen virtuosen Arien auch den Sängern allerhand abfordert, liegt nun auf CD vor.
Die Einspielung ist ringsum gelungen. Es singen Susanne Rydén und Nele Gramß, Sopran, Anna Schmid und Melissa Hegney, Alt, Gerd Türk und Ulrich Cordes, Tenor sowie Wolf Matthias Friedrich und Thilo Dahlmann, Bass, und dazu musiziert die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens - und zwar mit so viel Temperament und Spielfreude, dass es trotz der angestaubten Texte das reine Vergnü- gen ist, dieses Werk anzuhören. Bravi!
Samstag, 11. Dezember 2010
Mattheson: Die heilsame Geburt (cpo)
Johann Mattheson, geboren 1681 und gestorben 1764 in Hamburg, war ein musikalisches Wunderkind. Sein Debüt gab er im Alter von neun Jahren als Sopran und Orga- nist - und als Mitglied des Ham- burger Opernchores. 1699 kom- ponierte er seine erste Oper, leitete ihre Aufführung selbst und sang darin auch gleich noch eine Haupt- rolle, so wird berichtet.
Berühmt wurde Mattheson als Freund und Rivale Georg Friedrich Händels. Mattheson und Händel bewarben sich im August 1703 um die Nachfolge von Dieterich Buxtehude als Organist an der Lübecker Marienkirche. Zu den Bedingungen für den Bewerber gehörte es allerdings, eine Tochter Buxtehudes zu heiraten. Und so blieb die Stelle weiter unbesetzt. Händel reiste 1706 nach Italien, Mattheson blieb in Hamburg, wo er ab 1704 als Hofmeister, bald auch als Sekretär und Korrespondent des englischen Gesandten tätig wurde.
Mattheson und Händel waren aber nicht immer einer Meinung, und wohl auch beide impulsiv und temperamentvoll. Während einer Aufführung von Matthesons Oper Cleopatra beispielsweise gab es einen lautstarken Streit, der sogar zu einem Duell vor dem Ham- burger Opernhaus führte. Die Legende besagt, dass ein Knopf an Händels Jacke den Degen Matthesons abgleiten ließ. So blieben beide Streithähne unversehrt - das enge kollegiale Verhältnis aber nahm wohl doch Schaden.
1715 wurde Mattheson Musikdirektor am Hamburger Dom. Dort sorgte er für einen handfesten Skandal, als er Weihnachten 1715 erstmals auch Sängerinnen für die Kirchenmusik engagierte. In diesem Jahr erklang Matthesons Weihnachtsoratorium Die heilsame Geburt und Menschwerdung unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi - ein geradezu klassischer Actus musicus, sehr gelehrt, und furchtbar spröde. Ein Jahr später entstand das Magnificat a due chori, das ebenfalls stark auf rhetorische Effekte abzielt, aber zugleich reichlich spätbarocke Klangpracht entfaltet, und so geneigt ist, den Hörer nicht nur zu belehren, sondern auch zu erfreuen und zu berühren. Die beiden letzten Aspekte kommen mir bei dem ersten Werk zu kurz.
Es singen Nicky Kennedy und Anna Markland-Crookes, Sopran, Ursula Eittinger und Dorothee Merkel, Alt, Andreas Post und Sven Hansen, Tenor sowie Stephan MacLeod und Johannes Gsänger, Bass. Und es musiziert die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens. Meine Lieblings-Weihnachts-CD wird das wohl nicht; so manches Werk, das im Staub der Archive vor sich hinschlummert, ist dem Vergessen gnädigerweise anheimgefallen. Diese beiden werden sicherlich auch umgehend wieder in dem mächtigen Strom versinken, der alles davonspült, was ein Publikum nicht begeistern kann.
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