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Montag, 9. Dezember 2019

Ludwig Güttler - Europa cantat (Berlin Classics)

Wenn die Trompeten und Pauken der Herrscher gemeinsam mit den Oboen der Hirten musizieren, dann ist wieder einmal Weihnachten. Das Fest verbindet Himmel und Erde, Arme und Reiche, und Menschen aus der ganzen Welt. Ludwig Güttler war es deshalb ein Anliegen, auf eine Tradition europäischer Musik hinzuweisen, die man aus heutiger Sicht oftmals vergisst: Musik überschreitet Grenzen. Und Musiker in Europa haben schon immer über Grenzen geschaut. 
Flämische Musiker inspirierten Italiener, deutsche Musiker lernten in Italien, Musiker aus Böhmen waren nicht nur in Österreich sehr begehrt, und der französische Hof bot mit seiner Pracht und seinem Sonnenkönig ein Vorbild, das europaweit vielfach kopiert wurde. Händel stammte aus Halle an der Saale, er war schon in Italien erfolgreich, und er ging schließlich nach England. Hasse stammte aus Bergedorf bei Hamburg; in Italien wurde er – nach heutigen Maßstäben – zum Star, und er wirkte schließlich in Dresden. 
Bachs weiteste Reise ging nach Lübeck. Doch in seiner Musik griff er, ebenso wie sein Kollege Telemann und viele andere, Anregungen aus Italien ebenso auf wie die neuesten Trends aus Frankreich. Denn nicht nur Musiker reisten von Rom bis nach St. Petersburg, von Stockholm bis Madrid und von Wien bis London quer durch Europa. Auch Noten wurden eifrig studiert, kopiert und weitergegeben. 
„Europa cantat“, überschrieb Ludwig Güttler seine neuen CD, Europa singt. Und das prägt auch die Musikauswahl: „Mir war es wichtig, Komponisten zu versammeln, die den Europagedanken zum Ausdruck bringen, sei es in ihrer Herkunft, ihrer Ausbildung, den Reisen und Umzügen nach unterschiedlichen Wirkungsorten“, sagt Güttler. Und so fasst der Trompeter und Dirigent auf dieser CD barocke Weihnachtsmusiken aus verschiedenen Regionen Europas zusammen, die verdeutlichen, wie gut doch seinerzeit der kulturelle Austausch europaweit funktionierte. 
Werke namhafter Komponisten wie Bach, Händel und Telemann stehen dabei neben denen weniger bekannter Musiker, wie Pietro Torri, Pavel Josef Vejvanovský oder William Brade. Im Laufe seiner langen Musiker- karriere hat Güttler etliche davon in Archiven wiederentdeckt und mit seinen Ensembles aufgeführt. Dort sind aber auch weiterhin Schätze zu heben, meint der Musiker: „Der Fundus an Meisterwerken ist riesig“, unterstreicht Güttler. „Wir dürfen heute mit unseren Taschenlampen Lichtkegel darauf richten.“ 

Montag, 27. August 2018

Nuove Inventioni (Sony)

Jazz trifft auf Barock – und es ist eine spannungsvolle Begegnung! Diese CD dokumentiert, was geschieht, wenn zwei Musiktraditionen zueinander finden, die sich nur auf den ersten Blick stark unterscheiden. Natürlich sind Harmonik und Rhythmik jeweils ganz eigen. Doch die Liebe zur Improvisation vereint Jazz und Barockmusik. 
Wie das klingen kann, das zeigen der erfahrene Lautenist Rolf Lislevand und das junge Ensemble Concerto Stella Matutina mit dieser Aufnahme. Die Musiker machen deutlich, dass auch barocke Klänge grooven können – und dass man moderne Musik auch auf historischen Instrumenten ganz wunderbar spielen kann.  

Sonntag, 13. November 2016

Vejvanovsky: Festive Baroque Music for Trumpets and Strings (Pan Classics)

Pavel Josef Vejvanovský (?1633 bis 1693) ist immer wieder hörenswert – und diese Aufnahme, eingespielt von Gunar Letzbor mit seinem Ensemble Ars Antiqua Austria, ist rundum gelungen. Vejvanovský wirkte am Hof des kunstsinnigen Fürstbischofs Karl von Liechtenstein-Kastelkorn in Kremsier, heute Kromĕříž. Die Stadt, in Dreißigjährigen Krieg zerstört und nach seinem Regierungsantritt neu aufgebaut, gilt noch heute als „Athen Mährens“, und als schönste histori- sche Stadt Tschechiens obendrein. Das Schloss, das der Bischof errichten ließ, gehört mit seinen Gartenanlagen zum Unesco-Weltkulturerbe. 
Die Gemäldegalerie, die Karl von Liechtenstein-Kastelkorn begründete, folgt im Rang gleich auf die Prager Nationalgalerie. Sein Orchester bestand im Jahre 1695 aus 38 Instrumentalisten – zum Vergleich: Die Wiener Hofkapelle konnte damals gerade einmal 23 Musiker aufbieten. Und die Musikaliensammlung des Bischofs umfasste mehr als tausend Bände; im Mittelpunkt dieser Kollektion steht die Instrumentalmusik. 
Auch Vejvanovský hat dafür viele Seiten abgeschrieben, und zudem die Sammlung seines Dienstherrn durch zahlreiche eigene Kompositionen bereichert. Nach der Abreise von Heinrich Franz Ignaz Biber nach Salzburg im Jahre 1670 übernahm der Trompeter die Aufgaben des Kapellmeisters am Hof sowie an der Stiftskirche. Etwa hundert Werke, die er für die Hofkapelle und die Kirchenmusik geschaffen hat, sind im Archiv des Schlosses in Kremsier sowie in der Musikabteilung des Nationalmuse- ums in Prag überliefert. Gunar Letzbor hat sich mit Ars Antiqua Austria vor allem den Sonaten, Serenaden und Balletten Vejvanovskýs zugewandt. Dabei erlebt der Hörer so manche Überraschung, denn diese Musikstücke erinnern sowohl in ihrer Harmonik als auch in den Techniken des Kon- zertierens oftmals eher an die Musik der Renaissance. Man fühlt sich an die venezianische Mehrchörigkeit erinnert, doch sie wird nicht einfach kopiert, sondern auf eine ebenso eigenwillige wie reizvolle Weise mit lokalen Traditionen und musikalischen Trends verknüpft. Die CD enthält so manche Entdeckung – und die Musiker um Letzbor spielen einmal mehr brillant. Bravi! Unbedingt anhören. 

Freitag, 14. Juni 2013

Trombett- undt musikalischer Taffeldienst (Fra Bernardo)

„Ein paar Hörproben kaiserlicher Prachtentfaltung und fürstlichen Repräsentationsgeistes“ verheißt diese CD des Labels Fra Bernardo. Sie ist geprägt vom strahlenden Klang der Blechbläser. Pauken und Trompeten gelten nicht umsonst bis heute als Symbole der Macht. Bereits im Mittelalter standen ihre Klänge für weltliche Herrschaft und höfischen Glanz. 
In Österreich war, neben dem Hof des Kaisers in Wien und dem der Bischöfe von Salzburg, insbesondere die Kapelle des Fürstbischofs Carl von Liechtenstein-Kastelkorn im mährischen Kremsier berühmt für ihre exzellenten Musiker. Dort wirkte der Violinvirtuose Heinrich Ignaz Franz Biber, der sich allerdings bald nach Salzburg absetzte. Sein Nachfolger in der Position des Hofkapellmeisters wurde der Trompeter Pavel Vejvanovsky.
Doch nicht nur virtuose barocke Trompetenmusik ist in Kremsier erklungen. Das Archiv des erzbischöflichen Schlosses enthält eine Vielzahl bedeutender Werke; etliche herausragende Komponisten, die nicht im Dienst des Fürstbischofs standen, sind zumindest mit Manu- skripten oder Abschriften ihrer Werke dort vertreten.
Das Ensemble Concerto Stella Matutina hat eine Auswahl dieser musi- kalischen Schätze gekonnt eingespielt. Es sind nicht alles Werke, in denen die Trompete dominiert. So sind von Biber neben einer Sonate für zwei Trompeten, zwei Violinen und Basso continuo auch zwei launige Stücke zu finden, in denen überhaupt keine Bläser zu hören sind. Das eine hat den Beinamen Die Pauern Kirchfahrt genandt -den Grund dafür wird jedermann bald heraushören. Das andere nannte der Violinvirtuose ironisch Trombett- undt musikalischer Taffel- dienst. Der Herr, dem hier aufgespielt wird, kann sich ein richtiges Orchester offenbar nicht leisten, so dass die Geige den Part der Trompete übernehmen muss. Insbesondere die Intrada ist ein wahres Juwel; Biber hat für derartige Spötteleien ein Händchen.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Uns ist ein Kind geboren (Carus)

Einmal mehr haben sich der Tenor Hans Jörg Mammel und das auf Barockmusik spezialisierte Orche- ster L'arpa festante gemeinsam auf Entdeckungsreise begeben. Und das, was sie in den Tiefen der Notenschränke aufgespürt haben, legen sie dem Publikum auf den Gabentisch: Konzerte und Arien zur Weihnacht, durchweg Raritä- ten; man staunt, aber dennoch erklingen nur zwei dieser Werke, die so selten zu hören sind, hier in Weltersteinspielung. 
Es handelt sich dabei um Kompositionen des Schütz-Meisterschülers Christoph Bernhard (1628 bis 1692). Im Kontrast dazu erklingen zwei Kantaten von Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767), die pietisti- sche Gedankenwelten in barocke Klänge einbetten. Das Ergebnis möchte man beinahe eine protestantische Oper nennen: "Göttlichs Kind, lass mit Entzücken / dich doch an mein Herze drücken, / deine Schönheit nimmt mich ein"
Berückend sind die beiden Concerti von Johann Hermann Schein (1586 bis 1630), in denen der Tenor gleichberechtigt neben diversen Instrumentalisten mit Generalbass-Begleitung konzertiert. Der Tho- maskantor hat hier das italienische Vorbild beachtlich weiterent- wickelt - und nannte seine eigenen Musikstücke dennoch bescheiden Opella nova, was wohl als "neue Werklein" zu übersetzen ist. 
Die Musiker von L'arpa festante präsentierten jeweils eine Sonate von Pavel Josef Vejvanovský (vermutlich 1633 bis 1693) und Johann Heinrich Schmelzer (vermutlich 1623 bis 1680). Gesang und Basso continuo kombiniert Philipp Friedrich Böddecker (1607 bis 1683) in Natus est Jesus. Der Komponist, im Elsass geboren, wuchs in Stuttgart auf, wo sein Vater an der Stiftskirche und in der Hofkapelle musizierte. Böddecker begann seine künstlerische Laufbahn als Gesangslehrer und Organist an einer Lateinschule; er wirkte unter anderem am Darmstädter Hof, als Organist am Straßburger Münster, und als Stiftsorganist in Stuttgart. 
Auch Melchior Schildt (1592/93 bis 1667) war Organist. Er war ein Schüler von Jan Pieterszoon Sweelinck, der nicht nur als Orpheus von Amsterdam, sondern auch als deutscher Organistenmacher galt. Schildt war unter anderem Hoforganist bei Christian IV. von Däne- mark, und folgte dann seinem Vater nach als Organist der Markt- kirche von Hannover. Auf dieser CD erklingt das einzige überlieferte Vokalwerk Schildts, ein Choralkonzert über Ach mein herzliebes Jesulein
Die CD beschließt das Laudate pueri Dominum ZWV 81 von Jan Dismas Zelenka (1679 bis 1745). Der Komponist, der am Dresdner Hof für die (katholische) Kirchenmusik zuständig war, hat Psalm 113 mit der angemessenen Klangpracht vertont. Man lauscht dem Sänger wie auch den Musikern gern. Sie sind technisch versiert, und gestalten diese "Alte" Musik mit sehr viel Sorgfalt und Hingabe. Das Ergebnis ist ein abwechslungsreiches, glanzvolles Weihnachtsalbum, das ohne Zweifel zu den besten Editionen des Jahres gehört. Bravi! 

Mittwoch, 30. November 2011

The Concerto Köln Christmas Album (Berlin Classics)

Nun ist es da, das lang erwartete Weihnachtsalbum des Ensembles Concerto Köln. Und es enthält nahezu komplett die barocken Werke, die seit einigen Jahren regelmäßig auf den diversen CD zum Fest erscheinen: Das berühm- te Concerto grosso g-Moll, von Arcangelo Corelli Fatto per la notte di Natale, sowie die Weih- nachtskonzerte von Antonio Vivaldi und Giuseppe Torelli, und natürlich die Sinfonia aus Bachs Weihnachtsoratorium. "Bei diesen Standards haben wir einfach nur versucht, unseren höchst eigenen klanglichen Zugriff zu entwickeln und mit Temperament etwas bei- zusteuern, ohne uns dabei auf den Sockel zu stellen", erläutert Martin Sandhoff, Soloflötist und künstlerischer Leiter des Ensembles. 
So gänzlich entsagen freilich können die Kölner der Suche nach ver- gessenen Schätzen nicht; und deshalb ergänzen sie dieses Programm um einige der selten gespielten Noels pour les instruments von Marc-Antoine Charpentier, die Sinfonia pastorale D-Dur von Johann Stamitz, die Sonata natalis C-Dur von Pavel Josef Vejvanovský und das entzückende Konzert für Mandoline, zwei Violinen, Streicher und Basso continuo von Antonio Vivaldi. 
Musiziert wird frisch und munter, aber nicht hastig und hektisch. Concerto Köln spielt die bekannten Stücke mit der gleichen Sorgfalt wie die Entdeckungen - beseelt, leichtfüßig und dynamisch differen- ziert. So kommt auch beim Hörer Weihnachtsstimmung auf. Bravi! 

Samstag, 12. März 2011

Vejvanovský: Messe Motetten Orchesterwerke (Cantate)

Glanzvolle Musik für den katholi- schen Gottesdienst und für den Hof des Fürstbischofs - die Werke von Pavel Josef Vejvanovsky (um 1633 bis 1693) gehören zu jenen noch weitgehend ungehobenen Schät- zen, die sich mitunter in Archiven finden lassen.
Über den Lebensweg des mähri- schen Komponisten ist wenig be- kannt. Er studierte am Jesuiten- kolleg in Troppau, wo zur gleichen Zeit auch Heinrich Ignaz Franz Biber lernte. Nach seiner Aus- bildung wurde er Trompeter in der Kapelle des Fürstbischofs von Olmütz. 
Karl Liechtenstein-Kastelkorn muss sehr musikbegeistert gewesen sein, denn holte einige bedeutende Musiker an seinen Hof, darunter Heinrich Ignaz Franz Biber, einen der führenden Violinvirtuosen der damaligen Zeit. Er wirkte in Kremsier, der Sommerresidenz des Fürstbischofs, als Hofkapellmeister. Als Biber nach Salzburg ging, übernahm Vejvanovsky seine Aufgaben. Dazu gehörte die Kirchen- musik ebenso wie die profane Musik bei Hofe; so gab der Fürstbischof jährlich einen Faschingsball für den mährischen Adel. 
Und noch eine weitere Aufgabe hatte der Kapellmeister: Er fertigte fleißig Abschriften von Werken seiner Kollegen - und erweiterte damit die Musikaliensammlung seines Dienstherrn, die mehr als tausend Bände umfasste. In dieser Kollektion, die zu großen Teilen überliefert ist, befinden sich aber auch mehr als hundert Werke Vejvanovskys. Der Bischof muss ihn sehr geschätzt haben, denn er bezahlte ihn fürstlich. 
Heute ist Vejvanovsky nur noch Insidern ein Begriff. Insbesondere Trompeter, die sich der Barockmusik verschrieben haben, nehmen gern seine Werke mit ins Programm. Christoph Cajöri hat mit den DRS-Singers und dem Ensemble Cappella Musica Antica, das sich schon seit längerem mit der Musik am Hof von Kremsier beschäftigt, eine CD eingespielt, die nicht nur Werke für Clarini, Streicher und Orgel, sondern auch drei Beispiele aus seinem geistlichen Werk und die Balletti per il Carnuale enthält.