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Montag, 18. September 2017

In the moment (Naxos)

Das Streichquartett, heutzutage eine der bedeutendsten Gattungen der Kammermusik, gilt gemeinhin als ein Genre großer Meisterwerke. Das Arabella Quartett beweist mit dieser Aufnahme, dass diese nicht unbe- dingt besonders umfangreich sein müssen. Denn es gibt durchaus auch kleine Werke für diese Besetzung, die sich als Pretiosen erweisen. 
So bietet diese CD unter anderem zwei wenig bekannte, aber dennoch starke Stücke von Dmitri Schostako- witsch. Dazu gesellen sich sorgsam ausgewählte Werke von Joaquin Turina, Anton Webern, Felix Mendels- sohn Bartholdy, Carl Nielsen, Hugo Wolff, Antonin Dvořák, Franz Schubert und auch die elegischen Crisan- temi von Giacomo Puccini. Und die Aufnahmen sind sowohl musikalisch als auch akustisch von exzellenter Qualität – meine Empfehlung! 

Samstag, 12. März 2016

The Last Words of Christ (Challenge Classics)

Das Ebonit Saxophone Quartet wurde 2011 am Konservatorium Amsterdam gegründet. Die Mitglieder des Ensembles – Simone Müller, Sopransaxophon, Dineke Nauta, Altsaxophon, Johannes Pfeuffer, Tenorsaxophon, und Pauline Marta Kulesza, Baritonsaxophon – haben alle in der Klasse von Arno Bornkamp studiert. Mittlerweile sind die jungen Musiker erfolgreich in der künstle- rischen Praxis angekommen, und haben bereits etliche Preise gewonnen; in der Saison 2016/17 werden sie als Preisträger des Wettbewerbes „Dutch Classical Talent“ auf eine Konzertreise durch die Niederlande gehen. 
Für ihre Debüt-CD bei Challenge Classics haben vier Bläser Abschnitte aus Joseph Haydns Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze mit Musik aus dem 20. Jahrhundert kombiniert. Es sind Einzelsätze aus Werken von Max Reger, Anton Webern, Jean Sibelius und Dmitri Schostakowitsch, die in Gestus und Gestaltung zu Haydns berühmten Quartettsätzen passen. Die Arrangements dafür haben sie überwiegend selbst geschaffen. 
Im Original ist vorgesehen, dass der Priester vor jedem Musikstück eines der sieben letzten Worte Jesu spricht. Um den Charakter dieser Medita- tionsmusik zu unterstreichen, haben die Musiker beschlossen, diese Texte ebenfalls vortragen zu lassen – leider haben sie auch die Meditation dazu gleich mit ausformuliert. Und die Sopranistin Claron McFadden interpre- tiert diese nun nicht mehr so prägnanten Sprechtexte mit einer Theatralik und einem Pathos, das bei mir, ich gebe es ungern zu, eher einen Lach- anfall auslöst als Andacht. 
Musiziert wird allerdings prächtig. Ob der Saxophon-Sound dieses Ensembles wirklich zu den Haydn-Quartettsätzen passt, das ist Geschmackssache – mir ist er zu hell und zu wenig dramatisch. Aber das Nachtlied op. 138 Nr. 3 von Max Reger klingt wunderbar, und auf die Idee, anstelle des Haydnschen Erdbebens das Allegro-Allegretto aus Schostakowitschs siebentem Streichquartett zu spielen, muss man erst einmal kommen. 

Donnerstag, 27. Oktober 2011

Weber - Spohr - Reicha. Raphael Wallfisch (Nimbus Records)

Raphael Wallfisch spielt virtuose Cellomusik  - Werke aus jener Zeit, da das Instrument, soeben dem Continuo entwachsen, zunehmend mit solistischen Aufgaben betraut wurde. So verwundert es nicht, dass zwei der Komponisten, deren Stücke Wallfisch hier präsentiert, selbst exzellente Cellisten waren. Josef Reicha (1752 bis 1795) wirkte zunächst als Solocellist in der Kapelle des Fürsten Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein, und später als Konzertmeister und Musikdirektor der Kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn. Sein Cello- konzert in A-Dur op. 4 Nr. 1 klingt noch ganz erstaunlich nach Mozart. Franz Danzi (1763 bis 1826), Solocellist in Mannheim und München, ist auf dieser CD vertreten mit Variationen über Là ci darem la mano aus Mozarts Don Giovanni - ein zauberhaftes Werk, das in erster Linie Charme und Grazie dieses Duettes betont. 
Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) wiederum war mit Danzi eng befreundet. Sein Konzert Grand pot-pourri op. 20 aus dem Jahre 1808 ist nicht zuletzt eine Verneigung vor Danzi - und zudem ein musikalischer Spaß von hohen Graden. Weber inszeniert das Cello wie einen Opernstar; er lässt es vor einer dramatischen Kulisse singen. 
Louis Spohr (1784 bis 1859) war einer der besten Geiger seiner Zeit. Er war unglaublich populär, und galt zu Lebzeiten auch als einer der führenden Komponisten. Sein Violinkonzert Nr. 8 in a-Moll op. 47, in Form einer Gesangsszene, war offenbar noch für die nachfolgende Generation so attraktiv, dass der Cello-Virtuose Friedrich Grützma- cher (1832 bis 1903) eigens eine Version für Violoncello arrangier- te. Und nicht umsonst sagt man dem Instrument nach, dass es singen könne wie die menschliche Stimme. 
Wallfisch nutzt diese vier doch recht unterschiedlichen Werke, um verschiedene Facetten des Celloklanges zu demonstrieren - von der schlanken, beweglichen, fast noch barock geführten Stimme bis hin zum satten, grandiosen Belcanto. Das Northern Chamber Orchestra aus Manchester unter Nicholas Ward begleitet ihn dabei stilsicher - und zeigt auf, welch enorme Vielfalt an musikalischen Handschriften und Ideen in Deutschland blühte, als sich noch jeder Hof sein Orche- ster leistete. 

Montag, 14. Juni 2010

Sehnsuchtswalzer - Herbert Schuch (Oehms Classics)

Erst Schumann, dann Czerny, dann Schubert, abschließend Weber - was für eine Kombination! Im Beiheft begründet Herbert Schuch diese Zusammenstellung, und was er dazu sagt, erscheint sehr schlüssig: "Es ist erstaunlich, wie Weber hier den Typus des Chopin- schen Konzertwalzers vorweg- nimmt. Dieses Werk ist für mich ein Wunder! Zugleich gibt es Walzer von Schubert, in denen ich bereits Schumann zu hören meine. Mich hat also auch interessiert, woher Schumann und seine Idee des Tanzes kommen. In diesem Sinne ist die zweite CD als eine Art Anhang zu sehen."
1833 komponierte Schumann Variationen über einen Walzer Franz Schuberts, der als Trauer- oder auch als Sehnsuchtswalzer bekannt wurde. Der junge Komponist schwärmte für Schuberts Musik - was vielleicht auch mit an den jungen Damen gelegen haben könnte, die ihn auf die Werke des Wieners aufmerksam gemacht hatten. 
"Edelsteine ziehen Geistesfunken aus, sagt man; es haben sich unter ihm viel musikalische Namen begeben, die ich ‚Scenen’ nennen will", schrieb Schumann an Henriette Voigt. "Eigentlich sind’s Liebeslilien, die der Sehnsuchtswalzer zusammenhält. Die Zueignung verdient und schätzt nur eine Asdurseele, mithin eine, die Ihnen gliche, mithin Sie allein, meine theure Freundinn." 
Allein der Zyklus blieb unvollendet - Schumann gründete seine Neue Zeitschrift für Musik, verlobte sich mit  Ernestine von Fricken, und komponierte Carnaval op.9, dessen Scenen nicht ohne Grund im Marche des Davidsbündler contre les Philistins kulminieren. Wie ein Echo aus der Vergangenheit eröffnet die Einleitung des abgebroche- nen Versuches in Sachen Sehnsuchtswalzer nun diese Charakter- studien. 
Schuch spielt das Sehnsuchtswalzer-Fragment nach einer Edition von Andreas Boyde. "Ich habe mir erlaubt, die eine oder andere Wieder- holung einzufügen, weil ich den Eindruck hatte, dass diese Stücke (...) sonst allzu kurz geraten", meint der Pianist. Und zwischen die Variationen und Carnaval schiebt er die Papillons op.2 und die Intermezzi op.4, die im gleichen Zeitraum und aus demselben musi- kalischen Ideenfundus entstanden sind, wie Schumanns Skizzen- bücher belegen. 
Auf den Carnaval folgt dann Carl Czerny. Seine Variationen über den beliebten Wiener Trauer-Walzer von Franz Schubert op. 12 sind ein typisches Virtuosenstück. Schuch spielt es leicht und mit viel Charme, sehr differenziert und nicht nur auf Effekt bedacht. Dennoch bleibt der Kontrast zum Romantiker Schumann frappierend. "Hätte ich Feinde, nichts als solche Musik gäbe ich ihnen zu hören, sie zu vernichten", ätzte Schumann einst gegen den gefeierten Pianisten, Komponisten und Musikpädagogen. Beim Publikum freilich kam Czerny ausgezeichnet an; als er 1857 starb, war er ein reicher Mann. 
Schuch setzt in seiner Interpretation durchaus eigene Akzente, die man jedoch gut nachvollziehen kann. Er spielt sehr überlegt, tech- nisch brillant, mit Geist und Witz und mit einem beeindruckenden Sinn für Klangfarben. Diese Doppel-CD gehört für mich daher zu den wenigen herausragenden Inseln aus dem großen Meer der Schumann-Veröffentlichungen im Jubiläumsjahr.

Samstag, 8. Mai 2010

Verwandlung - Lieder eines Jahres. Karg/Kehring (Berlin Classics)

Die Sopranistin Christiane Karg und der Pianist Burkhard Kehring geben eine Lehrstunde in Sachen intelligente Liedgestaltung. Das Programm ist anspruchsvoll, aber auch ansprechend und abwechs- lungsreich: "Das Thema Jahres- zeiten hat mich schon immer fasziniert", erläutert Karg. "Wie kann man klirrende Kälte oder sengende Hitze musikalisch darstellen? Einem Vivaldi ist dies so wunderbar gelungen", meint die Sängerin. "Im Unterschied zu den Orchesterwerken haben wir im Lied das Gedicht, das die Basis der Komposition bildet und mit der Begleitung zu einer Einheit verwoben wird."  Die Auswahl der beiden Solisten reicht von Richard Strauss' Schlechtes Wetter über von Zemlinskys Frühlingstag, Brahms' Sommerabend bis hin zu Schuberts Herbst und Weberns Kahl reckt der Baum.
"Mir gefällt diese Möglichkeit, einen roten Faden innerhalb einer Thematik zu spannen, fernab von Komponist, Musikstil oder eines geschlossenen Opus. Es erfordert Freude am Basteln und kostet viel Zeit", sagt Karg. "Es gibt eine so große Anzahl von wunderbaren Stücken, die zu Unrecht völlig unbekannt sind. Und genau darum geht es mir, einzelne Preziosen, die oft auf den ersten Blick gar nicht als solche erkennbar sind, zu finden und mit anderen, bekannteren Stücken zu kombinieren."  Die Lieder zeigen den Menschen im Kreis- lauf der Natur - und in seinen Stimmungen zwischen glücklichem Überschwang und Melancholie.