Was ist eine Kantate? Mit dieser Frage hat sich Bejun Mehta sehr intensiv auseinandergesetzt. Angefangen hatte alles mit einer einzigen Arie, berichtet der Sänger im Beiheft zu dieser CD: „In 2015, I stumbled upon the aria ,Yet Can I Hear That Dulcet Lay' and fell madly in love. It is simple, direct, ravishing. I knew immediately that I want to sing the aria myself, and it eventually became the first building block of the program you now hold in your hands.“
Der amerikanische Countertenor hat für diesen CD eine sehr persönliche Auswahl an geistlichen und weltlichen Solo-Kantaten aus der italienischen, deutschen und englischen Tradition zusammengestellt, von virtuos bis besinnlich, in großen und kleinen Besetzungen. So erklingen unter anderem Georg Friedrich Händels Kantate Mi palpita il cor HWV 132c, Johann Sebastian Bachs Kantate Ich habe genug BWV 82, Antonio Vivaldis Pianti, sospiri e dimander mercede RV 676 oder Johann Christoph Bachs berühmtes Lamento Ach, dass ich Wassers g'nug.
Bejun Mehta singt phantastisch; dank seiner exzellenten Technik gelingt es ihm mühelos, Virtuosität und Ausdruck zu verbinden. Jede Phrase ist überlegt gestaltet, nichts dem Zufall überlassen. Begleitet wird der Countertenor von der Akademie für Alte Musik Berlin. Die Instrumenta- listen – hervorgehoben seien an dieser Stelle nur die Solisten Xenia Löffler, Oboe, und Christoph Huntgeburth, Traversflöte – sind ebenfalls großartig.
Das Label Pentatone hat dieser Einspielung obendrein eine ansprechend gestaltete Box und ein ausführliches dreisprachiges Beiheft spendiert, in dem auch sämtliche Kantatentexte nachzulesen sind. Kurz und gut: Eine Edition, von der sich nur Positives berichten lässt. Meine Empfehlung!
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Montag, 27. August 2018
Samstag, 5. März 2016
Huberman Festival 1982 (Deutsche Grammophon)
Im Dezember 1982 versammelten sich einige der weltbesten Geiger in Tel Aviv, um eine Woche lang in Konzerten an das Leben und Schaffen von Bronislaw Huberman (1882 bis 1947) zu erinnern. Huberman war ein bedeutender Geiger; er stammte aus Polen, und hatte zunächst bei Isidor Lotto und dann auch ein wenig in Berlin bei Joseph Joachim studiert. Konzertreisen führten ihn schon in jungen Jahren quer durch Europa, in die USA und auch nach Russland.
Huberman trat ganz entschieden für ein friedliches, geeintes Europa ein. Hitlers Aufstieg war ihm ein Greuel. Und in den 30er Jahren gelang es Huberman tatsächlich, viele jüdische Musiker aus Nazideutschland herauszuholen. 1936 gründete er das Palestine Orchestra, das sich ab 1948 Israel Philharmonic nannte. Im Gedenken an seinen hundertsten Geburtstag organisierten die Musiker ein Geigenfestival, wie es bislang wohl kein zweites gegeben hat.
Zubin Mehta, dem Leiter des Israel Philharmonic Orchestra, war es gelungen, Ida Haendel, Isaac Stern, Itzhak Perlman, Ivry Gitlis, Henryk Szeryng, Pinchas Zukerman und Shlomo Mintz dafür zu gewinnen. Außerdem spielten zwei Mitglieder des Orchesters, Konzertmeister Chaim Taub und der Bratscher Daniel Benyamini, sowie zwei junge Talente, die 13jährige Shira Rabin und der 12jährige Roi Shiloah. Mehta brachte es fertig, diese Stars dazu zu bringen, nicht nur die Standard-Konzerte zu spielen, sondern auch Werke, die eher wenig bekannt sind. Auf zwei CD hat die Deutsche Grammophon einige Live-Mitschnitte veröffentlicht. Enthalten sind das Bach-Doppelkonzert mit Isaac Stern und Shlomo Mintz, Mozarts Sinfonia concertante in einer bezaubernden Aufnahme mit Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman, der dabei die Viola spielte, und Vivaldis Vier Jahreszeiten, wobei jedes der vier Konzerte von einem anderen Solisten vorgetragen wurde. Den Reigen eröffnete Isaac Stern mit dem Frühling, darauf folgten Pinchas Zukerman mit dem Sommer, Shlomo Mintz mit dem Herbst und Itzhak Perman gestaltete das Finale mit dem Winter. Es sind wunderbare, entspannte, klassische Aufnahmen ohne überzogene individuelle Mätzchen, dafür aber mit zahlreichen witzigen Details, wie dem Hundebellen, das wohl Benyamini aus dem Orchester beisteuerte, und mit einer köstlichen Jagdszene.
Selten zu hören ist das Concerto grosso in b-Moll für vier Violinen, op. 3 Nr. 10 RV 580 von Antonio Vivaldi. Bei diesem Werk, das im abschließen- den Galakonzert gespielt wurde, konzertierten gemeinsam Isaac Stern, Ivry Gitlis, Ida Handel und Shlomo Mintz. Leider ist auf der Doppel-CD Henryk Szeryng nicht zu hören. Dennoch ist es erfreulich, dass nun diese bedeutenden Live-Mitschnitte wieder erhältlich sind. So viele exzellente Geiger, die miteinander musizieren, wird man so bald nicht wieder finden - das Huberman Festival war ohne Zweifel ein Jahrhundert-Ereignis!
Huberman trat ganz entschieden für ein friedliches, geeintes Europa ein. Hitlers Aufstieg war ihm ein Greuel. Und in den 30er Jahren gelang es Huberman tatsächlich, viele jüdische Musiker aus Nazideutschland herauszuholen. 1936 gründete er das Palestine Orchestra, das sich ab 1948 Israel Philharmonic nannte. Im Gedenken an seinen hundertsten Geburtstag organisierten die Musiker ein Geigenfestival, wie es bislang wohl kein zweites gegeben hat.
Zubin Mehta, dem Leiter des Israel Philharmonic Orchestra, war es gelungen, Ida Haendel, Isaac Stern, Itzhak Perlman, Ivry Gitlis, Henryk Szeryng, Pinchas Zukerman und Shlomo Mintz dafür zu gewinnen. Außerdem spielten zwei Mitglieder des Orchesters, Konzertmeister Chaim Taub und der Bratscher Daniel Benyamini, sowie zwei junge Talente, die 13jährige Shira Rabin und der 12jährige Roi Shiloah. Mehta brachte es fertig, diese Stars dazu zu bringen, nicht nur die Standard-Konzerte zu spielen, sondern auch Werke, die eher wenig bekannt sind. Auf zwei CD hat die Deutsche Grammophon einige Live-Mitschnitte veröffentlicht. Enthalten sind das Bach-Doppelkonzert mit Isaac Stern und Shlomo Mintz, Mozarts Sinfonia concertante in einer bezaubernden Aufnahme mit Itzhak Perlman und Pinchas Zukerman, der dabei die Viola spielte, und Vivaldis Vier Jahreszeiten, wobei jedes der vier Konzerte von einem anderen Solisten vorgetragen wurde. Den Reigen eröffnete Isaac Stern mit dem Frühling, darauf folgten Pinchas Zukerman mit dem Sommer, Shlomo Mintz mit dem Herbst und Itzhak Perman gestaltete das Finale mit dem Winter. Es sind wunderbare, entspannte, klassische Aufnahmen ohne überzogene individuelle Mätzchen, dafür aber mit zahlreichen witzigen Details, wie dem Hundebellen, das wohl Benyamini aus dem Orchester beisteuerte, und mit einer köstlichen Jagdszene.
Selten zu hören ist das Concerto grosso in b-Moll für vier Violinen, op. 3 Nr. 10 RV 580 von Antonio Vivaldi. Bei diesem Werk, das im abschließen- den Galakonzert gespielt wurde, konzertierten gemeinsam Isaac Stern, Ivry Gitlis, Ida Handel und Shlomo Mintz. Leider ist auf der Doppel-CD Henryk Szeryng nicht zu hören. Dennoch ist es erfreulich, dass nun diese bedeutenden Live-Mitschnitte wieder erhältlich sind. So viele exzellente Geiger, die miteinander musizieren, wird man so bald nicht wieder finden - das Huberman Festival war ohne Zweifel ein Jahrhundert-Ereignis!
Donnerstag, 24. Juli 2014
El Maestro Farinelli (Deutsche Grammophon)
Carlo Broschi (1705 bis 1782), besser bekannt unter seinem Künstlernamen Farinelli, gehörte zu den großen Stars unter den Kastraten. Der Sänger war ein Schüler von Nicola Porpora. Er wurde in Italien ebenso gefeiert wie in Wien oder in London. 1737 reiste Farinelli nach Spanien. Dort sang er dann ausschließlich für den schwermütigen König Philipp V. Nach dem Tode des Monarchen 1746 machte ihn sein Nachfolger Ferdinand VI. zum künstlerischen Direktor der Theater an den Palästen in Madrid und in Aranjuez. Farinelli brachte das Musikleben bei Hofe in Schwung und auf den aktuellen Stand.
Für diese CD hat Pablo Heras-Casado mit Unterstützung durch den französischen Musikwissenschaftler Olivier Fourés aus den wenigen noch erhaltenen Handschriften ein Programm zusammengestellt, das zeigt, was das bedeutete: Natürlich erklangen bei Hofe die Werke Porporas, doch auch Johann Adolf Hasse oder Niccoló Jommelli waren in den Programmen präsent. Hierzulande wenig bekannt ist José de Nebra (1702 bis 1768), ein Komponist, der viele Zarzuelas schrieb – die spanische Version der Oper. Auf der CD mit Werken vertreten sind zudem Nicola Conforto (1718 bis 1793), Francesco Corradini (um 1690 bis 1769), Tommaso Traetta (1727 bis 1779) und Juan Marcolini, ein Komponist, von dem man nicht viel mehr als den Namen weiß. Das Programm enthält zudem eine Kuriosität: Die Sinfonia Fandango Wq 178 von Carl Philipp Emanuel Bach beweist, dass spanische Musik um 1750 sogar in Preußen en vogue war.
Und natürlich dürfen bei all den Orchesterwerken dann die Gesangs- stücke doch nicht ganz fehlen. Countertenor Bejun Mehta singt ein Duett aus einer Zarzuela von José de Nebra – wobei er beide Partien übernimmt – sowie eine jener Arien, die Farinelli einstmals all- abendlich für den depressiven Herrscher vorgetragen haben soll. Das Ensemble Concerto Köln musiziert unter Pablo Heras-Casado in bewährter Qualität.
Für diese CD hat Pablo Heras-Casado mit Unterstützung durch den französischen Musikwissenschaftler Olivier Fourés aus den wenigen noch erhaltenen Handschriften ein Programm zusammengestellt, das zeigt, was das bedeutete: Natürlich erklangen bei Hofe die Werke Porporas, doch auch Johann Adolf Hasse oder Niccoló Jommelli waren in den Programmen präsent. Hierzulande wenig bekannt ist José de Nebra (1702 bis 1768), ein Komponist, der viele Zarzuelas schrieb – die spanische Version der Oper. Auf der CD mit Werken vertreten sind zudem Nicola Conforto (1718 bis 1793), Francesco Corradini (um 1690 bis 1769), Tommaso Traetta (1727 bis 1779) und Juan Marcolini, ein Komponist, von dem man nicht viel mehr als den Namen weiß. Das Programm enthält zudem eine Kuriosität: Die Sinfonia Fandango Wq 178 von Carl Philipp Emanuel Bach beweist, dass spanische Musik um 1750 sogar in Preußen en vogue war.
Und natürlich dürfen bei all den Orchesterwerken dann die Gesangs- stücke doch nicht ganz fehlen. Countertenor Bejun Mehta singt ein Duett aus einer Zarzuela von José de Nebra – wobei er beide Partien übernimmt – sowie eine jener Arien, die Farinelli einstmals all- abendlich für den depressiven Herrscher vorgetragen haben soll. Das Ensemble Concerto Köln musiziert unter Pablo Heras-Casado in bewährter Qualität.
Samstag, 25. Januar 2014
20. Jubiläums-Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung (Naxos)
Auch in diesem Jahr wieder ver- öffentlicht Naxos den Mitschnitt
der Operngala für die Deutsche Aids-Stiftung. Es ist die
Jubiläums-Gala, denn zum 20. Male wurden am 20. November 2013 in der
Deutschen Oper Berlin Spenden zugunsten von Projekten der Deut- schen
Aids-Stiftung gesammelt. Es erklangen Melodien aus Opern von Wagner,
Mozart, Puccini, Verdi, Donizetti, Mozart, Massenet, Bellini und
Offenbach, schwungvoll vorgetragen durch Chor und Or- chester der
Deutschen Oper Berlin unter Leitung von Donald Runnic- les, und etliche
herausragende Solisten. In diesem Jahr beteiligten sich an der
Operngala Atalla Ayan, Joyce DiDonato, Simone Kermes, Bejun Mehta,
Olga Peretyatko, Massimiliano Pisapia, Adam Plachetka, Elena
Tsallagova, Alexander Tsymbalyuk und Sonya Yoncheva. Und wenn noch
nicht jeder Name dem geschätzten Publikum vertraut ist – man darf
davon ausgehen, dass die jungen Sänger, die auf dieser CD zu hören
sind, am Beginn einer großen Karriere stehen. Bei so vielen schönen
Stimmen ist es schwer, einzelne Höhepunkte hervorzuheben; zu nennen
sind hier aber vielleicht der Auftritt von Simone Kermes mit einer
Arie aus der Oper I Masnadieri von Giuseppe Verdi, das zauberhafte O
mio babbino caro von Elena Tsallagova oder die Gänsehaut-Stimme des
Countertenors Bejun Mehta. Durch das Programm führte einmal mehr Max
Raabe, der sich mit seinen Anmerkungen als ein würdiger Nachfolger
des großen Vicco von Bülow erweist.
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