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Montag, 13. November 2017

Passagio - Eine barocke Alpenüberquerung (Alpha)

Der Elefant auf dem Cover täuscht – es geht nicht um die Alexanders dieser Welt, sondern um Musiker, die die Alpen überquerten; im 16. und
17. Jahrhundert war dies noch ein strapaziöses und sicherlich auch nicht ganz ungefährliches Unter- fangen. Doch Instrumentalisten und Sänger aus Italien waren an europäischen Höfen gesucht, und umgekehrt reisten ihre Kollegen in den Süden, um in Italien zu lernen und sich mit den aktuellen Trends vertraut zu machen. 

Das Duo Ombra e Luce spürt auf dieser CD den Auswirkungen nach, die dieser Austausch auf die Musik Europas hatte. Dazu haben Georg Kallweit und Björn Colell Musik für Violine und Laute eingespielt; die ausgewählten Werke zeigen, dass Komponisten seinerzeit nicht einmal selbst auf die Reise gehen mussten, um südliche Inspiration zu erfahren. Johann Heinrich Schmelzer beispielsweise, erst Geiger und später Hofkapellmeister in Wien, war nie in Italien. 
Georg Muffat hingegen hat sowohl bei Jean-Baptiste Lully als auch bei Arcangelo Corelli studiert. In seinem Schaffen integrierte er die verschiedensten stilistischen Einflüsse. Eine Lektion in Musikgeschichte freilich geben Georg Kallweit und Björn Colell eher im Hintergrund. In erster Linie präsentieren die beiden Musiker ein gut abgestimmtes Programm, in dem sie sowohl die Geige als auch Theorbe, Chitarrone und Barockgitarre mit ebenso virtuosen wie wohlklingenden Musikstücken auf das Beste ins Licht rücken. 
Und wie dieses Duo musiziert, das ist sensationell – Kallweit und Colell lassen die Klänge atmen; alles wirkt so lebendig und spontan, ganz als wäre diese Musik gerade eben entstanden. Das ist große Kunst, die den Hörer beglückt. Unbedingt anhören! 

Sonntag, 30. Dezember 2012

Durante: Neapolitan Christmas II (cpo)

Kantaten und Motetten zur Weih- nacht haben auch in Neapel Tradition. Zu den wichtigsten Kirchenkomponisten, die jemals in der Stadt am Fuße des Vesuvs wirkten, gehörte Francesco Durante (1684 bis 1755). Er war zugleich einer der führenden Musikpädagogen seiner Zeit. Zu seinen Schülern gehörten unter anderem Giovanni Paisiello, Giovanni Battista Pergolesi, Niccolò Piccinni - und viele andere. Obwohl Durante selbst nie eine Oper geschrieben hat, erscheint die lange Liste seiner Schüler beinahe wie das Who's who der neapolitanischen Oper.
Durante aber hat unbeirrt die Tradition der römischen Kirchenmusik in der Nachfolge Palestrinas weitergeführt. Seine Werke wurden in ganz Europa geschätzt. Sie erklangen in den Kathedralen der Nieder- lande ebenso wie in Böhmen oder am Dresdner Hof. Selbst Johann Sebastian Bach kopierte sich die Noten einer Messe des Komponisten. Aus unerfindlichen Gründen aber ist die Musik  Durantes dann in Vergessenheit geraten. 
Wer sich auf die Suche nach seinen Manuskripten begibt, der wird durchaus Überraschungen erleben. Die Kölner Akademie, geleitet von Michael Alexander Willens, hatte bereits im vergangenen Jahr auf einer gelungenen CD einige seiner Werke vorgestellt. In diesem Jahr haben die Musiker weitere Stücke herausgesucht, die ebenfalls einen Bezug zum Weihnachtsfest haben. 
Das hat sich erneut gelohnt. Denn Durante beherrscht zwar die Konventionen, aber er verlässt sie auch sehr gern, und erzielt damit überwältigende Effekte. Man höre nur Cito Pastores, eine reizvolle Motette für vier Singstimmen, Streicher und Continuo-Orgel mit einem umwerfenden Eingangschor. Die Kölner Akademie musiziert schwungvoll, und erneut ist auch die Sängerriege, die an dieser Aufnahme mitgewirkt hat, sehr ordentlich besetzt. Zu hören sind Monica Piccinini, Christina Kühne, Ursula Eittinger, Alberto ter Doest und Thilo Dahlmann. Eine sehr gelungene weihnachtliche Festmusik - bravi! 

Samstag, 25. August 2012

Italian Virtuosi of the Chitarrone - Jakob Lindberg (BIS)

Der Chitarrone gehört zur Familie der Lauten – auch wenn er mit seinem „Giraffenhals“ etwas exo- tisch wirkt. Entstanden ist dieses Instrument aus der Bestrebung, die menschliche Stimme optimal zu begleiten. Denn zum Ende des 16. Jahrhunderts galt dem Text besondere Aufmerksamkeit, nicht zuletzt durch die Auseinander- setzung mit den Dramen der Antike. Die Melodie diente dazu, den Text mit den Mitteln der Musik auszudeuten. Diese Bestrebung sollte nun auch die Instrumentalbegleitung unterstützen – und der Chitarrone war das ideale Instrument dafür.
„Von der Verwendung beim Gesang abgesehen, spielte niemand Chitarrone“, berichtete der Lautenist Alessandro Piccinini in seiner Intavolatura di liuto et di chitarrone, libro primo, gedruckt 1623 in Bologna. „Doch nachdem ich den Hals für die tiefen Saiten ange- bracht hatte, entwickelten viele Virtuosen eine Vorliebe für die Klangfülle und komfortable Besaitung und begannen, den Chitarrone als Solo-Instrument zu verwenden (...); nach einigem Üben wurden einige von ihnen exzellente Spieler, und so begann der Ruhm des Chitarrone.“
Auf dieser CD stellt der schwedische Lautenist Jakob Lindberg, Pro- fessor für Laute am Royal College of Music in London, neben Werken von Piccinini auch einige Stücke von Giovanni Girolamo Kapsberger (um 1580 bis 1651) und Bellerofonte Castaldi (1581 bis 1649) vor. Die Werke, die Lindberg ausgewählt hat, zeigen, welche verblüffenden Effekte auf dem Chitarrone möglich waren – hinreichende Finger- fertigkeit vorausgesetzt. So erweist sich die Aufnahme als spannendes Porträt eines so gut wie ausgestorbenen Instrumentes, vorgestellt von einem herausragenden Instrumentalisten.

Sonntag, 24. Juni 2012

Piccinini: Works for Archlute (Carpe Diem)

Die Familie Piccinini aus dem ita- lienischen Bologna hat im 16. und 17. Jahrhundert eine ganze Reihe große Lautenisten hervorgebracht. Sowohl Vater Leonardo Maria Piccinini als auch mindestens drei seiner Söhne - Alessandro, Girola- mo und Filippo - spielten dieses Instrument. Auch Alessandros Sohn, der wie der Großvater Leo- nardo Maria hieß, sah darin seine Berufung. 
Rosario Conte, ohne Zweifel einer der führenden Lautenisten der Gegenwart, zeigt sich sehr fasziniert von ihren Werken. Der Hörer kann dies bald nachvollziehen, denn diese Musik zeichnet sich einerseits durch spannende harmonische Wendungen und schöne Melodien aus. Andererseits sind auch die einzelnen Stimmen mit größter Sorgfalt ausgearbeitet. Conte spielt virtuos, und vollzieht so die musikalischen Dialoge nach, die die Piccinini einst entworfen haben. Bezaubernde Musik, die gelegentlich noch Formen aus der Renaissance zitiert, ausdrucksstark und unver- wechselbar. Wer gern Lautenmusik hört, der sollte sich diese CD un- bedingt zulegen - es lohnt sich!