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Sonntag, 24. April 2016

von Camerloher: Kammermusik, Sinfonien, Arien (Thorofon)

Placidus Cajetanus Laurentius von Camerloher (1718 bis 1782) war der Sohn eines Gerichtsschreibers. Seine Ausbildung begann er an der Ritterakademie Ettal; Camerloher studierte dann bei den Jesuiten am Münchner Wilhelmsgymnasium Theologie und wurde 1744 in Freising zum Priester geweiht. Sein Talent aber lag auf musikalischem Gebiet. 1745 wurde Camerloher zum Kapell- meister bei Johann Theodor von Baiern, Kardinal und Fürstbischof von Freising, berufen. 
Der Fürstbischof sorgte dafür, dass sein Musikdirektor, Rat und Hofkaplan zunächst Canonicus im Freisinger Stift St. Veit und später dann am Stift St. Andreas wurde, was mit einer Pfründe verbunden war. Außerdem ließ er den Kapellmeister in den Adels- stand erheben. 
Dass die Freisinger Hofkapelle der Herrschaft sehr wichtig war, zeigt ein Gemälde von Joseph Paul Delcloche. Darauf ist zu sehen, wie der Neffe des Fürstbischofs, immerhin regierender Kurfürst von Bayern, ein Solo auf der Viola da gamba spielt. Am Violoncello begleitet ihn der Fürstbischof höchstpersönlich; am Cembalo sitzt eine seiner Töchter aus der Zeit vor seiner Priesterweihe. Der Hofkapellmeister steht neben ihr und dirigiert mit einer Notenrolle. Und alle Musiker, von Konzertmeister bis hin zu den beiden Hornisten, sind ebenso liebevoll porträtiert. 
Die Neue Freisinger Hofmusik, um Cellistin Sabina Lehrmann, hat sich die Wiederentdeckung des Repertoires jener Zeit zum Ziel gesetzt. Das Ensem- ble hat nun bei Thorofon einen reizvollen Querschnitt aus dem Schaffen von Camerlohers vorgestellt. Es erklingen drei Sinfonien, zwei Kammer- musiken, zwei Arien für Bass, gesungen von Matthias Winckhler, sowie zwei Stücke für Gallichone, eine süddeutsche Variante der Laute. Fast alle dieser Werke sind bislang unveröffentlicht. Camerlohers Musik ist ohne Zweifel originell; stilistisch steht sie der Mannheimer Schule nahe.

Samstag, 11. Januar 2014

Trompetenkonzerte des Barock (Thorofon)

Zur Zeit des Barock waren Trompe- tenkonzerte sehr beliebt. Die Trompete war ein Klangsymbol der Aristokratie, Trompetenvirtuosen waren hoch angesehen und stan- den gut bezahlt im höfischen Dienst. Doch dann wurde das Mu- sikleben eine bürgerliche Domäne, und auf dem Konzertpodium dominierten Instrumente wie die Geige und das Klavier. Daran hat sich auch bis heute wenig geän- dert. 
Pierre Kremer, ausgebildet am Konservatorium Luxemburg, stellt auf dieser CD eine Auswahl an Trompetenkonzerten von Johann Melchior Molter über Johann Friedrich Fasch bis hin zu Johann Wilhelm Hertel und Leopold Mozart vor. Ergänzt wird das anspruchsvolle Programm durch eine Sonate für Trompete, acht Streicher und Basso continuo von Alessandro Stradella. Der Solist musiziert auf einer Barocktrompete, mit einem strahlenden, glanzvollen Ton. In sehr schnellen Passagen sowie bei den Spitzentönen würde man sich allerdings noch mehr Präzision wünschen. Begleitet wird Kremer vom Lettischen Philhar- monischen Kammerorchester unter Leitung des luxemburgischen Dirigenten Carlo Jans.  

Donnerstag, 15. November 2012

Amüsantes und Rasantes für 2 Flöten und Klavier (Thorofon)

Raritäten für Flötenduo haben Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter gemeinsam mit der Pianistin Eva Schieferdecker auf dieser CD zusammengetragen. 
Die Münchner Flötisten spielen das Duettino hongrois op. 36 von Franz Doppler, das Grand Trio
op. 119 von Friedrich Kuhlau, und Mozarts Sonate D-Dur KV 448 - ursprünglich entstanden für zwei Klaviere, später für zwei Violinen und Klavier bearbeitet von Ferdi- nand David. Auf der Grundlage dieser Version haben die Münchner Musiker dann ihr Arrangement für zwei Flöten und Klavier erstellt. 

Eine Bearbeitung der drei Musiker erschließt auch das berühmte Duo des Fleurs aus der Oper Lakmé von Léo Delibes für diese Besetzung; man staunt, dass dies zuvor noch niemandem eingefallen ist, denn das Werk bietet sich dafür geradezu an. So erklingt es auf dieser CD in Ersteinspielung - wie auch die Fantaisie concertante Souvenir de Lucie de Lammermoor von Jules Herman und die Musik für die Pan- tomime aus dem ersten Akt der Oper Cardillac von Paul Hindemith. Anspruchsvolles Repertoire also, das teilweise hohe Anforderungen an die Solisten stellt. Wenn man bedenkt, welch ausgezeichneten Ruf die beiden Flötisten als Lehrer und Herausgeber von Unterrichts- literatur haben, dann wird man freilich von dieser Aufnahme ein bisschen enttäuscht sein. Denn man vermisst eine gewisse Eleganz in Phrasierung und Gestaltung - und der Ton könnte auch farbiger, ab- wechslungsreicher sein. Schade. 

Samstag, 25. September 2010

Wilhelmine von Bayreuth (Thorofon)

Wilhelmine, Tochter des "Soldaten- königs" Friedrich Wilhelm I. von Preußen, wurde 1731 mit Friedrich von Brandenburg-Bayreuth ver- heiratet. Der kunstliebende Mark- graf, der selbst passioniert die Flöte spielte, ging, nachdem er 1735 die Regierungsgeschäfte übernommen hatte, daran, den Provinzhof in einen Musensitz zu verwandeln. So kam Bayreuth zum Neuen Schloss, zu einem Opern- haus und sogar zu einer Universi- tät, die aber noch im Jahr ihrer Gründung aufgrund von ebenso massiven wie handfesten Auseinan- dersetzungen zwischen Bürgern und Studierenden nach Erlangen umziehen musste.
Wilhelmine kümmerte sich um Oper und Hofkapelle; die Lieblings- schwester Friedrichs des Großen musizierte und komponierte auch selbst. Von ihren Werken hat sich aber kaum etwas erhalten. Diese CD enthält eine bildhübsche Sonate im galanten Stil, die sie möglicher- weise für ihren Bruder geschrieben hat. Es erklingen zudem Triosona- ten von Musikern aus dem Umfeld des Bayreuther Hofes. So weilten die Brüder Carl Heinrich und Johann Gottlied Graun ebenso mehrfach im Fränkischen, wie Johann Joachim Quantz, bei dem der Markgrafen Flötenstunden nahm, oder der Dresdner Hofkapellmeister Johann Adolf Hasse. 
Johann Pfeiffer, Jakob Friedrich Kleinknecht und Christian Friedrich Döbbert waren Musiker der Hofkapelle; Anna Bon di Venezia kam mit ihren Eltern nach Bayreuth, und wurde von Wilhelmine zur Virtuosa di musica da camera ernannt. Auf dieser CD ist ein Divertimento in A-Dur für zwei Flöten und Basso Continuo aus ihrer Feder zu finden. Bei den meisten dieser Werke handelt es sich um Ersteinspielungen.
Die einzelnen Sonaten unterscheiden sich in ihrer musikalischen Qualität nicht übermäßig. Das mag erstaunen; doch scheint die Mark- gräfin einen ziemlich entschiedenen Musikgeschmack gehabt zu haben. So prägt der sogenannte "galante" Stil sämtliche Werke - was hier keinesfalls eine negative Wertung ist. Denn die Sonaten sind charmante Stücke, voll reizvoller melodischer Wendungen und von der Anmut eines Rokoko-Schlösschens.
Elisabeth Weinzierl und Edmund Wächter - das Münchner Flötenduo - sowie Eva Schieferstein, Cembalo, und Philipp von Morgen, Violon- cello, spielen diese kleinen Perlen des Repertoires tänzerisch leicht, mit Grazie und mit einem Schmunzeln. Wunderschön!