Samstag, 30. April 2016

Zani: Divertimenti (Capriccio)

Nach den Cellokonzerten von Andrea Zani (1696 bis 1757) hat Martin Rummel nun, gemeinsam mit der Geigerin Lena Neudauer, Diverti- menti des Komponisten aus dem Archivschlaf erweckt. Es wird vermutet, dass auch diese Stücke für Rudolf Franz Erwein, Graf von Schönborn (1677 bis 1754), entstan- den sind. 
Der cellospielende Diplomat hat auf Schloss Wiesentheid bei Würzburg eine Musikaliensammlung zusammengetragen, in der in den letzten Jahren schon so manches beeindruckende Musikstück entdeckt worden ist. 
Über Zanis Lebensgeschichte ist fast nichts bekannt; die wenigen gesicherten Fakten wurden hier im Blog bereits bei der Vorstellung der Cellokonzerte aufgezählt. Hört man seine Divertimenti, geschaffen für eine Minimalbesetzung aus Violine und Violoncello, dann staunt man allerdings über die Melodik, die so gar nichts Barockes hat. Dabei sind diese Duos 1734 entstanden – im gleichen Jahr, in dem beispielsweise Johann Sebastian Bach sein Weihnachtsoratorium in Leipzig erstmals aufgeführt hat. Zanis Musik steht der Klassik wesentlich näher. 
Allerdings sind die Divertimenti längst nicht so spektakulär wie die Konzerte, die der Geiger geschrieben hat. Sie stellen die Virtuosität nicht so in den Vordergrund, und lassen viel Raum für Dialoge der Instrumente. Das ist allerbeste Hausmusik, auf einem sehr hohem Niveau – und die beiden Musiker erkunden diese Klangräume mit Genuss. Lena Neudauer und Martin Rummel harmonieren wunderbar bei der Entdeckung dieser lang verschütteten Schätze. 

Freitag, 29. April 2016

Ouvertüren (Tudor)

Antike Sagengestalten stehen im Mittelpunkt dieser CD der Bamberger Symphoniker. Die Auswahl der Musik für ein solches Programm fällt sicherlich nicht leicht, denn schon für die allerersten Opern wählten die Komponisten Stoffe aus der griechi- schen oder römischen Mythologie. Dirigent Karl-Heinz Steffens prä- sentiert mit den Bamberger Sym- phonikern Werke aus dem 18. und
19. Jahrhundert. Die CD beginnt mit der Ouvertüre zu Iphigenie in Aulis von Christoph Willibald Gluck (1714 bis 1787) – in einer Bearbeitung von Richard Wagner. Aus Mozarts Oper Ideomeneo erklingt ebenfalls die Ouvertüre, sowie die abschließende Ballettmusik, die die Krönung Idaman- tes in Form einer Pantomime in Szene setzen soll. 

Luigi Cherubini (1760 bis 1842) stammte aus Florenz. 1787 ging er nach Paris, und dort überlebte er die Revolution und die Schreckensherrschaft der Jakobiner. Im März 1797 stellte er dann seine Oper Médée vor. Dass die grausige Geschichte um die Zauberin Medea bis zum heutigen Tage ihren Platz auf der Opernbühne behauptet, ist auch das Verdienst von Maria Callas, die diese Partie einst phänomenal gesungen hat. Die Bamberger Symphoniker spielen die Ouvertüre, die bereits den Furor der Heldin ankündigt. 
Deutlich ruhiger gestaltet hat Ludwig van Beethoven die Eröffungsmusik zu Die Ruinen von Athen, einem Huldigungs-Opus zur Eröffnung des Theaters im ungarischen Pest. Mit knapp fünf Minuten ist dies die kürzeste Ouvertüre des Komponisten überhaupt; sie ist knapp, aber reizvoll, und lässt das dazugehörige Stück aus der Feder von Kotzebue nicht vermissen, in dem Göttervater Zeus höchstpersönlich eine Büste des österreichischen Kaisers Franz I. aufstellt. 
Shakespeares Sommernachtstraum stand Pate bei der romantischen Oper Oberon, die Carl Maria von Weber (1786 bis 1826) schwerkrank in seinen letzten Lebensmonaten geschaffen hat. Die Handlung soll ein wenig verwirren – aber wenn die Musik insgesamt so ist wie das, was die Bamberger Symphoniker auf dieser CD vorstellen, dann könnte man vielleicht sogar über Schwächen des Textbuches hinwegsehen und dem Opus eine zumindest konzertante Wiederauferstehung wünschen. 
Und da wir einmal bei Puck, Oberon und Titania sind – die CD endet mit dem Sommernachtstraum von Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Bamberger Symphoniker beweisen einmal mehr, dass sie zu den besten Orchestern Deutschlands gehören; musiziert wird mit Präzision und Esprit. Steffens erweist sich als Klangmagier, er vergisst aber auch nicht, hier und da mit einer Prise Dramatik zu würzen. Diese Einspielung ist ein kleines Juwel, hier passt einfach alles.