Noch einmal Lieder ohne Worte. Felix Mendelssohn Bartholdy erschuf dieses Genre, indem er seiner Schwester Fanny einst „sechs Lieder ohne Worte“ zum Geburtstag schenkte. Die Romantiker waren überzeugt, dass Musik mehr sagt als Worte: „Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an“, formulierte es E.T.A. Hoffmann. Und so kompo- nierte Frédéric Chopin Klavierstücke, die er Ballade nannte – und Franz Liszt Orchesterwerke, die als Symphonische Dichtungen Musik- geschichte schrieben.
Mendelssohns Lieder ohne Worte begeistern das Publikum – damals wie heute. Zu Lebzeiten veröffentlichte der Komponist sechs Hefte mit je sechs Werken; zwei weitere erschienen nach seinem Tode, und gedruckt wurden zusätzlich diverse Einzelstücke. Sie sind bei Profi-Pianisten ebenso beliebt wie bei Amateuren, und erklingen im Konzert ebenso wie beim häuslichen Musizieren.
Auf dieser CD spielt der niederländische Pianist Ronald Brautigam die Lieder ohne Worte der Hefte fünf bis acht, dazu fünf Einzelstücke und die Sechs Kinderstücke op. 72. Komplettiert wird die CD durch zwei Werke aus dem Notenalbum für Eduard Benecke, den Sohn des Onkels von Mendels- sohns Frau Cécile, dessen Gast der Musiker bei seinem Englandaufenthalt 1842 gewesen war.
Zu hören ist erneut die Kopie eines Pleyel-Flügels von 1830 aus der Werk- statt von Paul McNulty. Das Original befindet sich im Musée de la musique in Paris. Die Aufnahme vermittelt einen Eindruck davon, wie die Lieder ohne Worte zu Lebzeiten des Komponisten geklungen haben könnten.
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Samstag, 3. September 2016
Mittwoch, 10. Februar 2016
A Bassoon in Stockholm... (BIS)
Diese CD ist einem außergewöhn- lichen Instrument gewidmet: Donna Agrell ist die glückliche Besitzerin eines Fagotts aus der Werkstatt des Dresdner Holzblasinstrumenten- bauers Grenser & Wiesner. Das Unternehmen wurde 1744 von Carl August Grenser gegründet, und genoss schon bald einen ausgezeich- neten Ruf. Im späten 18. Jahrhundert übernahm Carl Augusts Neffe Heinrich die Werkstatt; er lieferte die begehrten Instrumente an Musiker in ganz Europa. Nach seinem Tode 1831 führte sein Geselle Samuel Wiesner die Geschäfte weiter. Er hat auch das Fagott angefertigt, das im Mittelpunkt dieser Einspielung steht.
Donna Agrell hat es in den 80er Jahren erworben und seitdem in über 1.500 Konzerten eingesetzt, oft mit dem Orchestra of the Eighteenth Cen- tury, dem sie seit seiner Gründung angehört. Das Fagott wurde zwischen 1817 und 1825 in Dresden gebaut; es war, so die Musikerin, „in ausgezeich- netem Zustand und auf einer Tonhöhe von etwa a=430 Hz spielbar.“
Zu dem Fagott gehörte noch der originale Koffer, und der Adressaufkleber darauf, teilweise noch lesbar, bezeugte, das es seinerzeit nach Stockholm geliefert wurde. Außerdem befanden sich in dem Koffer zwei Flügel und drei S-Bögen von unterschiedlicher Länge, die das Spiel in unterschiedlichen Stimmungen ermöglichen. In einer Schachtel lagen zudem sechs intakte Rohrblätter bei - „ein unglaublich seltener und wertvoller Fund“, erläutert die Donna Agrell. Die empfindlichen Teile, die in diesem Glücksfall erhalten geblieben sind, wurden von Instrumentenbauern aufmerksam studiert und teilweise nachgebaut.
Instrumente von Grenser & Wiesner wurden von bekannten Musikern gespielt. Einer von ihnen, der deutsche Fagottvirtuose Frans Carl Preumayr (1782 bis 1853), ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seinen Brüdern Conrad und Carl nach Schweden. Dort wirkte er als Mitglied der Hofka- pelle und als Musikdirektor in der Militärmusik. Mehrfach ging er auf Konzertreisen, und dabei musizierte er auf seinem Grenser-Instrument, wie er in seinem Reisejournal berichtet.
Das Publikum war beeindruckt: „Preumayr is the best performer on the bassoon that we ever heard, taking tone, taste and execution into consideration; he makes nothing of a rapid flight from the lowest B flat in the bass to E flat, fourth space in the treble, three octaves and a half! (..) He displayed great skill and command of his instrument“, schwärmt ein Kritiker, der den Musiker 1830 in London gehört hat. Kein Wunder, dass Musikerkollegen für den Ausnahme-Fagottisten auch eigens Werke komponierten.
Diese CD stellt drei davon vor: Ein Septett und ein Quartett des Geigers Franz Adolf Berwald sowie das Quintett für Fagott und Streicher seines Lehrers, des Geigers und Sängers Jean Baptiste Édouard Du Puy. Für die Aufnahme hat Donna Agrell Musikerfreunde eingeladen, die ebenfalls im Orchestra of the Eighteenth Century mitwirken – Marc Destrubé und Franc Polman, Violine, Yoshiko Morita, Viola, Albert Brüggen, Violoncello, Robert Franenberg, Kontrabass und Teunis van der Zwart, Horn – sowie Lorenzo Coppola, Soloklarinettist des Freiburger Barockorchesters und Pianist Ronald Brautigam, ein Spezialist, der seit Jahren klassisches Repertoire auf historischen Klavieren spielt. Musiziert wird brillant, und der sonore, wunderbar runde, durch alle Register ausgeglichene Klang des Fagottes kommt bestens zur Geltung. Bravi!
Donna Agrell hat es in den 80er Jahren erworben und seitdem in über 1.500 Konzerten eingesetzt, oft mit dem Orchestra of the Eighteenth Cen- tury, dem sie seit seiner Gründung angehört. Das Fagott wurde zwischen 1817 und 1825 in Dresden gebaut; es war, so die Musikerin, „in ausgezeich- netem Zustand und auf einer Tonhöhe von etwa a=430 Hz spielbar.“
Zu dem Fagott gehörte noch der originale Koffer, und der Adressaufkleber darauf, teilweise noch lesbar, bezeugte, das es seinerzeit nach Stockholm geliefert wurde. Außerdem befanden sich in dem Koffer zwei Flügel und drei S-Bögen von unterschiedlicher Länge, die das Spiel in unterschiedlichen Stimmungen ermöglichen. In einer Schachtel lagen zudem sechs intakte Rohrblätter bei - „ein unglaublich seltener und wertvoller Fund“, erläutert die Donna Agrell. Die empfindlichen Teile, die in diesem Glücksfall erhalten geblieben sind, wurden von Instrumentenbauern aufmerksam studiert und teilweise nachgebaut.
Instrumente von Grenser & Wiesner wurden von bekannten Musikern gespielt. Einer von ihnen, der deutsche Fagottvirtuose Frans Carl Preumayr (1782 bis 1853), ging zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit seinen Brüdern Conrad und Carl nach Schweden. Dort wirkte er als Mitglied der Hofka- pelle und als Musikdirektor in der Militärmusik. Mehrfach ging er auf Konzertreisen, und dabei musizierte er auf seinem Grenser-Instrument, wie er in seinem Reisejournal berichtet.
Das Publikum war beeindruckt: „Preumayr is the best performer on the bassoon that we ever heard, taking tone, taste and execution into consideration; he makes nothing of a rapid flight from the lowest B flat in the bass to E flat, fourth space in the treble, three octaves and a half! (..) He displayed great skill and command of his instrument“, schwärmt ein Kritiker, der den Musiker 1830 in London gehört hat. Kein Wunder, dass Musikerkollegen für den Ausnahme-Fagottisten auch eigens Werke komponierten.
Diese CD stellt drei davon vor: Ein Septett und ein Quartett des Geigers Franz Adolf Berwald sowie das Quintett für Fagott und Streicher seines Lehrers, des Geigers und Sängers Jean Baptiste Édouard Du Puy. Für die Aufnahme hat Donna Agrell Musikerfreunde eingeladen, die ebenfalls im Orchestra of the Eighteenth Century mitwirken – Marc Destrubé und Franc Polman, Violine, Yoshiko Morita, Viola, Albert Brüggen, Violoncello, Robert Franenberg, Kontrabass und Teunis van der Zwart, Horn – sowie Lorenzo Coppola, Soloklarinettist des Freiburger Barockorchesters und Pianist Ronald Brautigam, ein Spezialist, der seit Jahren klassisches Repertoire auf historischen Klavieren spielt. Musiziert wird brillant, und der sonore, wunderbar runde, durch alle Register ausgeglichene Klang des Fagottes kommt bestens zur Geltung. Bravi!
Donnerstag, 21. Januar 2016
Mozart: Piano Concertos; Brautigam (BIS)
In der Serie „Aus dem Wald in die Konzerthalle – baue Dein eigenes Fortepiano“ ist mittlerweile Schritt neun erreicht: Das Titelbild dieser CD zeigt, wie die Beine befestigt werden. Deutlich ernsthafter angelegt ist die Einspielung, die erneut drei Konzerte Wolfgang Amadeus Mozarts so vorstellt, wie sie einstmals geklungen haben könnten. Ronald Brautigam spielt sie auf einem Hammerflügel, den Paul McNulty 2013 als Nachbau eines Exemplares angefertigt hat, das in der Werkstatt Anton Walter und Sohn um 1802 entstanden ist. Gabriel Anton Walter (1752 bis 1826) stammte aus Neuhausen auf den Fildern, südöstlich von Stuttgart. Er ließ sich 1778 als Klavierbauer in Wien nieder und war damit sehr erfolgreich. Mozart hat seine Instrumente sehr geschätzt; auch Haydn und Beethoven spielten sie.
Das helle, transparente Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat – doch ehrlicherweise bleibt festzustellen, dass es Mozarts Musik sehr zustatten kommt, wenn man die romantischen Puderzuckerschichten weglässt und einmal wirklich nach den Noten fragt. Brautigam macht dies, unterstützt und begleitet von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens, recht konsequent und bringt so ganz erstaunliche Details zutage.
Auf dieser CD stellt Brautigam drei Konzerte vor, die 1776 bzw. 1782/83 entstanden sind. Das C-Dur-Konzert KV 415 und das F-Dur-Konzert KV 413 gehören zu den drei Subskriptionskonzerten, die Mozart um die Jahreswende 1782/83 angekündigt hat. An seinen Vater schrieb er, die „Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer, und zu leicht – sind sehr Brillant – angenehm in die ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen – hie und da – können auch kenner allein satisfaction erhalten – doch so – daß die nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen, warum.“
Das Konzert KV 415 ist imposant, feierlich und groß besetzt. Zur Urauf- führung am 23. März 1783 war Kaiser Joseph II. höchstselbst anwesend – Mozart wollte beeindrucken, und ergänzte eigens für die Majestät das Orchester um Trompeten und Pauken.
Im Kontrast dazu ist das Konzert in F-Dur ausgesprochen kammermusi- kalisch angelegt; Mozart selbst warb dafür, man könne es auch à quattro spielen. Insbesondere das Larghetto gehört zu den ganz großen Würfen des Komponisten – das ist Musik, wie sie kein anderer jemals schreiben konnte.
Die Super Audio-CD endet mit dem Konzert in C-Dur KV 246, geschrieben für Gräfin Antonia Lützow, eine der Schülerinnen von Leopold Mozart. Es ist ein Stück für den Unterricht, mit relativ geringen technischen Anfor- derungen und umfangreichen Reprisen. Überliefert sind drei Kadenz- varianten für die beiden ersten Sätze, was ebenfalls als eine Hilfe für Lernende gedacht gewesen sein könnte. In Salzburg scheint das Werk rege gespielt worden zu sein; auch Mozarts Schwester Nannerl trug es vor und übte es mit ihren Schülerinnen. Mozart hat das Konzert offenbar aber auch gern und oft selbst gespielt.
Das helle, transparente Klangbild unterscheidet sich krass von dem, was man üblicherweise im Ohr hat – doch ehrlicherweise bleibt festzustellen, dass es Mozarts Musik sehr zustatten kommt, wenn man die romantischen Puderzuckerschichten weglässt und einmal wirklich nach den Noten fragt. Brautigam macht dies, unterstützt und begleitet von der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens, recht konsequent und bringt so ganz erstaunliche Details zutage.
Auf dieser CD stellt Brautigam drei Konzerte vor, die 1776 bzw. 1782/83 entstanden sind. Das C-Dur-Konzert KV 415 und das F-Dur-Konzert KV 413 gehören zu den drei Subskriptionskonzerten, die Mozart um die Jahreswende 1782/83 angekündigt hat. An seinen Vater schrieb er, die „Concerten sind eben das Mittelding zwischen zu schwer, und zu leicht – sind sehr Brillant – angenehm in die ohren – Natürlich, ohne in das leere zu fallen – hie und da – können auch kenner allein satisfaction erhalten – doch so – daß die nichtkenner damit zufrieden seyn müssen, ohne zu wissen, warum.“
Das Konzert KV 415 ist imposant, feierlich und groß besetzt. Zur Urauf- führung am 23. März 1783 war Kaiser Joseph II. höchstselbst anwesend – Mozart wollte beeindrucken, und ergänzte eigens für die Majestät das Orchester um Trompeten und Pauken.
Im Kontrast dazu ist das Konzert in F-Dur ausgesprochen kammermusi- kalisch angelegt; Mozart selbst warb dafür, man könne es auch à quattro spielen. Insbesondere das Larghetto gehört zu den ganz großen Würfen des Komponisten – das ist Musik, wie sie kein anderer jemals schreiben konnte.
Die Super Audio-CD endet mit dem Konzert in C-Dur KV 246, geschrieben für Gräfin Antonia Lützow, eine der Schülerinnen von Leopold Mozart. Es ist ein Stück für den Unterricht, mit relativ geringen technischen Anfor- derungen und umfangreichen Reprisen. Überliefert sind drei Kadenz- varianten für die beiden ersten Sätze, was ebenfalls als eine Hilfe für Lernende gedacht gewesen sein könnte. In Salzburg scheint das Werk rege gespielt worden zu sein; auch Mozarts Schwester Nannerl trug es vor und übte es mit ihren Schülerinnen. Mozart hat das Konzert offenbar aber auch gern und oft selbst gespielt.
Dienstag, 14. Juli 2015
Mozart: Piano Concertos (BIS)
Auf der Suche nach dem perfekten Klang hat Ronald Brautigam schon so manche Entdeckung vorzuweisen. So hat der niederländische Pianist bei BIS Records bereits Klavierwerke von Haydn, Mendelssohn und Beethoven auf dem Hammerklavier eingespielt. Mit dieser Super Audio CD setzt er nun seinen ebenfalls hochgelobten Mozart-Zyklus fort. Ausgewählt hat er für diese Aufnahme das Klavier- konzert Nr. 18 KV 456, komponiert 1784 für die blinde Pianistin Maria Theresia von Paradis, und das Klavierkonzert Nr. 22 KV 482 aus dem Jahre 1785. Beide Werke zeichnen sich durch die gekonnte Verwen- dung der einzelnen Orchesterstimmen, insbesondere der Bläser, aus.
Der Komponist setzte sie immer ein wenig anders ein, als erwartet, und erreichte damit auch überraschende Klangfärbungen. So schrieb Mozarts Vater über das Konzert KV 456 im Jahre 1785 begeistert an Mozarts Schwester, Wolfgang habe „ein herrliches Concert“ gespielt: „Ich (..) hatte das vergnügen alle Abwechslungen der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir vor Vergnügen die thränen in den augen standen.“
KV 482 ist eines von nur drei Konzerten, in denen Mozart Klarinetten einsetzte – damals ein gänzlich neues Instrument, dessen „Effect“ der Musiker schon früh zu schätzen wusste. Dieses Konzert ist ohnehin erstaunlich umfangreich besetzt, mit Pauken und Trompeten, und mit Hörnern, die einen für die damalige Zeit ungewöhnlich selbständigen Part bekamen. Gemeinsam mit der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens erkundet Brautigam die Klangeffekte, die sich daraus ergeben. Der Pianist musiziert auf dem Nachbau eines Fortepianos aus der Werkstatt des berühmten Wiener Klavierbauers Anton Walter (1752 bis 1826). Angefertigt wurde dieses Instrument, das sich klanglich schon sehr von einem modernen Konzertflügel unterscheidet, 1992 von Paul McNulty. Die Einspielung ist insgesamt sehr farbenreich, und erfreut mit vielen kleinen Details, die normalerweise in den Klangfluten der modernen Instrumente untergehen. Unbedingt anhören!
Der Komponist setzte sie immer ein wenig anders ein, als erwartet, und erreichte damit auch überraschende Klangfärbungen. So schrieb Mozarts Vater über das Konzert KV 456 im Jahre 1785 begeistert an Mozarts Schwester, Wolfgang habe „ein herrliches Concert“ gespielt: „Ich (..) hatte das vergnügen alle Abwechslungen der Instrumente so vortrefflich zu hören, dass mir vor Vergnügen die thränen in den augen standen.“
KV 482 ist eines von nur drei Konzerten, in denen Mozart Klarinetten einsetzte – damals ein gänzlich neues Instrument, dessen „Effect“ der Musiker schon früh zu schätzen wusste. Dieses Konzert ist ohnehin erstaunlich umfangreich besetzt, mit Pauken und Trompeten, und mit Hörnern, die einen für die damalige Zeit ungewöhnlich selbständigen Part bekamen. Gemeinsam mit der Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens erkundet Brautigam die Klangeffekte, die sich daraus ergeben. Der Pianist musiziert auf dem Nachbau eines Fortepianos aus der Werkstatt des berühmten Wiener Klavierbauers Anton Walter (1752 bis 1826). Angefertigt wurde dieses Instrument, das sich klanglich schon sehr von einem modernen Konzertflügel unterscheidet, 1992 von Paul McNulty. Die Einspielung ist insgesamt sehr farbenreich, und erfreut mit vielen kleinen Details, die normalerweise in den Klangfluten der modernen Instrumente untergehen. Unbedingt anhören!
Freitag, 7. März 2014
Beethoven: Piano Concerto No. 5 / Choral Fantasia; Brautigam (BIS)
Was für eine tolle CD! Zwar werden moderne Instrumente eingesetzt, aber Ronald Brautigam hat aus einer Vielzahl von Aufnahmen mit Nachbauten historischer Forte- pianos offenbar Klangvorstellun- gen mitgenommen, die sein Spiel am Steinway D deutlich beein- flussen. Darauf lässt sich auch das Norrköping Symphony Orchestra unter Andrew Parrott ein. Im Ergebnis entstand eine Interpreta- tion, die klar konturiert, ja geradezu kammermusikalisch wirkt, schlank und transparent.
Sehr gelungen erscheint auch die Chorfantasie mit ihren vielen Solopassagen. Beethoven hat, so scheint es, in seinen Variationen nahezu jede Instrumentengruppe einmal solistisch hervortreten lassen. Den Schlusschor nicht mit Menschenmassen, sondern mit einem Kammerchor zu besetzen, das erscheint im Kontext dieser Aufnahme nur zu schlüssig. Musiziert wird hervorragend. Natürlich könnte man beide Werke mitpfeifen, so oft hat man sie schon gehört. Aber was die Sänger und Musiker um Brautigam daraus machen, das klingt so frisch und unverbraucht, dass man atemlos lauscht. Bravi!
Sehr gelungen erscheint auch die Chorfantasie mit ihren vielen Solopassagen. Beethoven hat, so scheint es, in seinen Variationen nahezu jede Instrumentengruppe einmal solistisch hervortreten lassen. Den Schlusschor nicht mit Menschenmassen, sondern mit einem Kammerchor zu besetzen, das erscheint im Kontext dieser Aufnahme nur zu schlüssig. Musiziert wird hervorragend. Natürlich könnte man beide Werke mitpfeifen, so oft hat man sie schon gehört. Aber was die Sänger und Musiker um Brautigam daraus machen, das klingt so frisch und unverbraucht, dass man atemlos lauscht. Bravi!
Freitag, 23. November 2012
Mendelssohn: Lieder ohne Worte; Brautigam (BIS)
Wer sich dafür interessiert, wie die Lieder ohne Worte von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 bis 1847) zu Lebzeiten des Kompo- nisten gespielt worden sind, der sollte sich diese Aufnahme mit Ronald Brautigam anhören.
Der niederländische Pianist wurde für sein Spiel auf modernen Instru- menten mit vielen Preisen ausge- zeichnet. Doch mit gleicher Lei- denschaft widmet sich Brautigam dem Musizieren auf dem Forte- piano. So hat er mittlerweile bei dem Label BIS sämtliche Klavierwerke Mozarts, Klavierkonzerte und Sonaten Beethovens sowie die Klavierkonzerte von Mendelssohn eingespielt.
Nun hat er sich die Lieder ohne Worte vorgenommen - Musikstücke, die beispielhaft vorführen, wie die Romantiker Grenzen zwischen den Künsten aufgelöst haben. Denn üblicherweise haben Lieder einen Text. Doch der Komponist sah für das Wort Probleme, die er in der Musik überwunden fand: "Die Leute beklagen sich gewöhnlich, Musik sei so vieldeutig; es sei so zweifelhaft, was sie sich dabei zu denken hätten, und die Worte verstünde doch ein Jeder", schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1842. "Mir geht es aber gerade umgekehrt. Und nicht blos mit ganzen Reden, auch mit einzelnen Worten, auch die scheinen mir so vieldeutig, so unbestimmt, so missverständlich im Vergleich zu einer rechten Musik, die Einem die Seele erfüllt mit tausend bessern Dingen, als Worten. Das was mir eine Musik ausspricht die ich liebe, sind mir nicht zu unbestimmte Gedanken, um sie in Worte zu fassen, sondern zu bestimmte."
Sechs Hefte mit je sechs Liedern ohne Worte hat Mendelssohn zu Lebzeiten herausgegeben. Auf dieser CD finden sich die ersten vier davon, sowie fünf weitere Stücke, die der Komponist nicht veröffent- licht hat. Brautigam spielt sie auf einem Hammerflügel, der nach einem Instrument aus dem Jahre 1830 aus der Werkstatt Ignaz Pleyels von dem renommierten Klavierbauer Paul McNulty ange- fertigt worden ist. Das Original befindet sich im Musée de la musique in Paris.
Dieses Fortepiano hat einen erstaunlich warmen, wandlungsfähigen Ton - doch es erzwingt offenbar auch eine Spielweise, die hektischer wirkt, als man das von den modernen Instrumenten gewohnt ist. Brautigam produziert damit eher Klangflächen als durchhörbare Strukturen. Das muss man mögen - und in diesem Falle überzeugt es mich nicht.
Der niederländische Pianist wurde für sein Spiel auf modernen Instru- menten mit vielen Preisen ausge- zeichnet. Doch mit gleicher Lei- denschaft widmet sich Brautigam dem Musizieren auf dem Forte- piano. So hat er mittlerweile bei dem Label BIS sämtliche Klavierwerke Mozarts, Klavierkonzerte und Sonaten Beethovens sowie die Klavierkonzerte von Mendelssohn eingespielt.
Nun hat er sich die Lieder ohne Worte vorgenommen - Musikstücke, die beispielhaft vorführen, wie die Romantiker Grenzen zwischen den Künsten aufgelöst haben. Denn üblicherweise haben Lieder einen Text. Doch der Komponist sah für das Wort Probleme, die er in der Musik überwunden fand: "Die Leute beklagen sich gewöhnlich, Musik sei so vieldeutig; es sei so zweifelhaft, was sie sich dabei zu denken hätten, und die Worte verstünde doch ein Jeder", schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy im Jahre 1842. "Mir geht es aber gerade umgekehrt. Und nicht blos mit ganzen Reden, auch mit einzelnen Worten, auch die scheinen mir so vieldeutig, so unbestimmt, so missverständlich im Vergleich zu einer rechten Musik, die Einem die Seele erfüllt mit tausend bessern Dingen, als Worten. Das was mir eine Musik ausspricht die ich liebe, sind mir nicht zu unbestimmte Gedanken, um sie in Worte zu fassen, sondern zu bestimmte."
Sechs Hefte mit je sechs Liedern ohne Worte hat Mendelssohn zu Lebzeiten herausgegeben. Auf dieser CD finden sich die ersten vier davon, sowie fünf weitere Stücke, die der Komponist nicht veröffent- licht hat. Brautigam spielt sie auf einem Hammerflügel, der nach einem Instrument aus dem Jahre 1830 aus der Werkstatt Ignaz Pleyels von dem renommierten Klavierbauer Paul McNulty ange- fertigt worden ist. Das Original befindet sich im Musée de la musique in Paris.
Dieses Fortepiano hat einen erstaunlich warmen, wandlungsfähigen Ton - doch es erzwingt offenbar auch eine Spielweise, die hektischer wirkt, als man das von den modernen Instrumenten gewohnt ist. Brautigam produziert damit eher Klangflächen als durchhörbare Strukturen. Das muss man mögen - und in diesem Falle überzeugt es mich nicht.
Montag, 30. April 2012
Mozart: Piano Concertos Nos 24 in C minor & 25 in C major (BIS)
Aufnahmen der Mozart-Klavier- konzerte gibt es viele - wer eine Interpretation auf "zeitgenössi- schen" Instrumenten bevorzugt, der sollte sich diese hier unbedingt anhören. Denn der Kölner Akade- mie, geleitet von Michael Alexan- der Willens, und dem Pianisten Ronald Brautigam gelingt hier eine musikalisch gut ausbalancierte, inspirierte Einspielung, die rund- um hörenswert ist. Brautigam spielt ein Instrument, das Paul McNulty 1992 nach einem Vorbild von Gabriel Anton Walter (1752 bis 1826) angefertigt hat. Mozart war von den Fortepianos des Wiener Klavierbauers begeistert; 1782 er- warb er ein solches Instrument. Der Klang eines Hammerflügels aus der Werkstatt dieses Meisters unterscheidet sich von dem heutiger Standard-Konzertflügel wie Champagner von Cognac. Beides hat seinen Reiz, aber zu den Konzerten Mozarts passt das Prickeln und Perlen ganz eindeutig besser.
Montag, 15. August 2011
Beethoven: Complete Works for Solo Piano - Volume 10; Brautigam (BIS)
Große Geister erkennt man daran, wie sie mit Kleinigkeiten umgehen. Ludwig van Beethoven beispiels- weise hat eine ganz enorme Schar sogenannter Bagatellen kompo- niert - kleine Stücke, die oftmals als eine Art klingendes Souvenir für Freunde und Bekannte bestimmt waren. Mitunter erscheinen sie aber auch wie musikalische Rätsel, die ein technisches Problem aufzeigten, und es anschließend lösten. Gerade solche Miniaturen sprühen oft von Geist und Witz. Doch auch etliche jener Sätze, die der Komponist ursprünglich als Bestandteile von Sonaten geschrieben und dann verworfen hat, werden dieser Werkgruppe zugerechnet. Sie alle finden sich auf dieser CD wieder, denn Ronald Brautigam hat hier im Rahmen seiner Gesamteinspielung von Beethovens Klavierwerk sämtliche Bagatellen zusammengefasst.
Der niederländische Pianist spielt die zumeist kurzen Stücke mit der- selben Sorgfalt, die er auch Beethovens Klaviersonaten angedeihen lässt. Das bekommt den Miniaturen ausgezeichnet, denn es gibt ihnen das Gewicht zurück, das sie als Werke eines Titanen haben. Wer bei- spielsweise Für Elise einmal völlig unverkitscht hören möchte - auf dieser CD wird das Stück ernstgenommen, und so klingt es dann auch etwas anders als gewohnt.
Dieser Effekt wird noch unterstützt durch die beiden Instrumente, die Brautigam einsetzt. Dabei handelt es sich um zwei Nachbauten histo- rischer Hammerflügel, die in der Werkstatt von Paul McNulty ent- standen sind. Das eine Fortepiano ist die Kopie eines Instrumentes von Anton Walter & Sohn, um 1805. Der k. k. Kammerorgelbauer und Instrumentenmacher gehörte zu den berühmten Klavierbauern zur Zeit der Wiener Klassik. Mozart schätzte seine Instrumente sehr, und auch Beethoven hat sie gespielt. Das andere entstand nach dem Fortepiano Graf opus 318, gebaut wahrscheinlich 1819, das sich auf einem Schloss in der Nähe von Pilsen befindet. Conrad Graf, k. k. Hofpiano und Claviermacher, hat nachweislich 1825 eines seiner Instrumente an Beethoven geliefert.
Mit ihrem Klang, der von dem des modernen Konzertflügels so gänz- lich verschieden ist, erleichtern sie den Versuch, die Bagatellen neu zu hören - nicht als kleine Stückchen für die Klavierstunde der Toch- ter aus besserem Hause, sondern als kurze Blicke in die Werkstatt eines bedeutenden Komponisten. Das macht diese CD ungemein spannend.
Der niederländische Pianist spielt die zumeist kurzen Stücke mit der- selben Sorgfalt, die er auch Beethovens Klaviersonaten angedeihen lässt. Das bekommt den Miniaturen ausgezeichnet, denn es gibt ihnen das Gewicht zurück, das sie als Werke eines Titanen haben. Wer bei- spielsweise Für Elise einmal völlig unverkitscht hören möchte - auf dieser CD wird das Stück ernstgenommen, und so klingt es dann auch etwas anders als gewohnt.
Dieser Effekt wird noch unterstützt durch die beiden Instrumente, die Brautigam einsetzt. Dabei handelt es sich um zwei Nachbauten histo- rischer Hammerflügel, die in der Werkstatt von Paul McNulty ent- standen sind. Das eine Fortepiano ist die Kopie eines Instrumentes von Anton Walter & Sohn, um 1805. Der k. k. Kammerorgelbauer und Instrumentenmacher gehörte zu den berühmten Klavierbauern zur Zeit der Wiener Klassik. Mozart schätzte seine Instrumente sehr, und auch Beethoven hat sie gespielt. Das andere entstand nach dem Fortepiano Graf opus 318, gebaut wahrscheinlich 1819, das sich auf einem Schloss in der Nähe von Pilsen befindet. Conrad Graf, k. k. Hofpiano und Claviermacher, hat nachweislich 1825 eines seiner Instrumente an Beethoven geliefert.
Mit ihrem Klang, der von dem des modernen Konzertflügels so gänz- lich verschieden ist, erleichtern sie den Versuch, die Bagatellen neu zu hören - nicht als kleine Stückchen für die Klavierstunde der Toch- ter aus besserem Hause, sondern als kurze Blicke in die Werkstatt eines bedeutenden Komponisten. Das macht diese CD ungemein spannend.
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