Das Tenebrae Consort unter Nigel Short kombiniert auf seiner Debüt-CD gregorianische Gesänge, die in der Passionzeit gesungen werden, mit den Lamentations of Jeremiah in der Vertonung von Thomas Tallis sowie einem Responsorium von John Sheppard.
„The timeless beauty of the simple melodic and rhythmic inflections of chant captivated me even as a young chorister“, berichtet Short im Beiheft. „Its calming, reflective and almost hypnotic effect is particularly powerful heard within the context of our highly-charged lives, yet it has been sung by monks for around a thousand years in churches, cathedrals and abbeys around the world.“
Die ausgewählten Gesänge sind vor der Reformation in der Kathedrale von Salisbury erklungen, und zwar zur sogenannten Komplet, dem Nachtgebet der Mönche. Die vier bzw. fünf Sänger aus dem zweifelsohne exzellenten Tenebrae-Chor psalmodieren, wie es Benediktiner nicht eindrücklicher könnten. Auch Tallis' Lamentations singen sie mit Leidenschaft und Präzision. Eine gelungene, ausgesprochen suggestive, kraftvolle Auf- nahme.
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Montag, 27. April 2015
Dienstag, 11. Juni 2013
Gilles: Requiem - Lamentations - Te Deum - Messe en ré - Motets (Ligia)
Jean Gilles (1668 bis 1705) begann seine Ausbildung im Chor von Sainte-Marthe in seiner Heimat- stadt. Dort lernte er aber nicht lange, denn schon 1678 sang er im Chor der Kathedrale Saint-Sauveur in Aix-en-Provence, wie folgende Notiz belegt: „il a été aussi proposé par led. Sr. Administrateur que Jean Gilles de la ville de Tarsacon, porte la robe rouge depuis plus d'un année estant instruit de la musique pour chanter so partie assurée (..)“. In Aix-en-Provence war Gilles Schüler von Guillaume Poitevin. Er wurde schließlich sein Nachfolger als Leiter der Chor- schule, aber er hatte dieses Amt nicht lange inne. Auch seine nächste Anstellung in Agde behielt er nur kurze Zeit, denn 1698 wurde er zum Kapellmeister der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse ernannt. Der Chor dort war der bedeutendste in ganz Südfrankreich, und schon Amtsvorgänger André Campra hatte die Gottesdienstbesucher durch seine üppige Kirchenmusik begeistert. Schon kurz nach seiner An- kunft in Toulouse sollte Gilles zeigen, dass er diese Kunst ebenfalls beherrschte, denn der Frieden von Rijswijk sollte gebührend gefeiert werden – und zwar mit einem prachtvollen Te Deum.
Er schrieb nicht nur zu diesem Anlass grandiose Musik, wie hier zu hören ist. Trotz seines frühen Todes schuf der Kapellmeister mehr als ein Dutzend Grand Motets und einige kleinere Werke. Bekannt wurde Gilles allerdings in erster Linie durch sein Requiem. Es erklang zu den Beisetzungsfeierlichkeiten berühmter Persönlichkeiten, wie Jean-Philippe Rameau 1674, Stanislas Leczinski, König von Polen, im Jahre 1766 und Louis XV. im Jahre 1774. Zwischen 1750 und 1770 findet sich das Werk zudem fünfzehnmal auf dem Programm des renommier- ten Pariser Concert Spirituel.
Jean-Marc Andrieu hat in den vergangenen Jahren wichtige Werke von Jean Gilles mit dem Orchestre Baroque de Montauban Les Passions sowie dem Choeur de chambre les éléments bei Ligia Digital eingespielt. Die Aufnahmen begeistern durch ihre Eleganz und ihre enorme Klangpracht. In dieser Drei-CD-Box werden sie nun zusam- mengefasst – meine Empfehlung! Denn diese Einspielungen dürften für längere Zeit die Referenz bleiben.
Montag, 25. Juni 2012
Great Britain Triumphant! (Centaur)
Nicht nur mit Karikaturen, son- dern auch mit patriotischen Poemen und mit viel Musik kommentierten die Briten einst politische Ereignisse. Diese CD stellt Werke vor, die als Reaktion auf die Französische Revolution und den nachfolgenden Krieg zwischen England und Frankreich entstanden sind.
Vom Fall der Bastille über die Flucht und die Gefangenname der königlichen Familie bis hin zur Seeschlacht am Glorious First of June 1794, in der die britische Kanalflotte unter Admiral Richard Howe die französische Flotte vernichtend schlug, reichen die musi- kalischen Anmerkungen zur Geschichte.
Sie erweisen sich trotz der martialischen Thematik als zumeist charmant und mit Witz umgesetzt, gern auch in Form einer kleinen Kantate - wie Great Britain Triumphant, das Werk, das der CD den Namen gab. Es stammt von einem Komponisten namens James Hook. Auch die anderen Autoren werden dem Publikum vermutlich nicht bekannt sein.
Das ist nicht schlimm, denn amüsant ist diese frühe Agitprop-Musik trotzdem. Und die Solisten - Caroline Schiller, Stefanie True und Mária Zádori, Sopran, Zoltán Megyesi, Tenor und Reid Spencer, Bariton, singen überwiegend sehr schön. Zu hören ist zudem die Capella Savaria unter Mary Térey-Smith, ein exzellentes Orchester. Eine kuriose Idee für ein Konzeptalbum, doch die CD überzeugt. Bravi!
Vom Fall der Bastille über die Flucht und die Gefangenname der königlichen Familie bis hin zur Seeschlacht am Glorious First of June 1794, in der die britische Kanalflotte unter Admiral Richard Howe die französische Flotte vernichtend schlug, reichen die musi- kalischen Anmerkungen zur Geschichte.
Sie erweisen sich trotz der martialischen Thematik als zumeist charmant und mit Witz umgesetzt, gern auch in Form einer kleinen Kantate - wie Great Britain Triumphant, das Werk, das der CD den Namen gab. Es stammt von einem Komponisten namens James Hook. Auch die anderen Autoren werden dem Publikum vermutlich nicht bekannt sein.
Das ist nicht schlimm, denn amüsant ist diese frühe Agitprop-Musik trotzdem. Und die Solisten - Caroline Schiller, Stefanie True und Mária Zádori, Sopran, Zoltán Megyesi, Tenor und Reid Spencer, Bariton, singen überwiegend sehr schön. Zu hören ist zudem die Capella Savaria unter Mary Térey-Smith, ein exzellentes Orchester. Eine kuriose Idee für ein Konzeptalbum, doch die CD überzeugt. Bravi!
Samstag, 9. April 2011
Gilles: Lamentations (Ligia)
Wie klingt das Ergebnis, wenn ein Komponist italienische Vorbilder sorgfältig studiert - und dann doch ganz entschieden französischen Traditionen folgt? Diese CD mit den Lamentations sowie der Motette Diligam te Domine gibt auf diese Frage eine klangschöne Antwort.
Ihr Schöpfer Jean Gilles (1668 bis 1705) war ein Schüler von Guillau- me Poitevin (1646 bis 1706), und ab 1693 auch dessen Nachfolger als Leiter der Chorschule an der Kathedrale in Aix-en-Provence. Doch bereits im darauffolgenden Jahr ging er als Kapellmeister an die Kathedrale von Agde; später wirkte er in gleicher Funktion auch in Toulouse und Avignon. Sein bekanntestes Werk ist das Requiem; es erklang mehrfach bei den be- rühmten Concerts spirituels in Paris, sowie bei den Beisetzungs- feierlichkeiten von Louis XV., Stanislaus I. Leszczýnski - ehemaliger polnischer König und Vater der französischen Königin - und Jean-Philippe Rameau.
Gilles schuf jedoch auch eine Vielzahl von Motetten, Messen, ein Te Deum und zahlreiche weitere Sakralkompositionen. Die Lamentations - in denen die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und das Exil beklagt wird; der Text wird dem Propheten Jeremias zugeschrieben - sind ein Bestandteil der katholischen Liturgie; sie erklingen in der Karwoche. Die Motette hingegen ist eine Vertonung von Psalm 17, die abwechselnd vom Chor und von den Solisten vorgetragen wird. Beide Werke sind so französisch wie die von Lully oder Charpentier - und von einer Eleganz, die bezaubert.
Zu hören sind sie im beeindruckenden Live-Mitschnitt eines Konzer- tes in der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse aus dem Jahre 2009. Es singen Anne Magouet, Vincent Lièvre-Picard, Bruno Boterf und Alain Buet sowie der Choeur de chambre les éléments, und das Or- chestre Les Passions musiziert auf "historischen" Instrumenten. Die Leitung hat Jean-Marc Andrieu.
Ihr Schöpfer Jean Gilles (1668 bis 1705) war ein Schüler von Guillau- me Poitevin (1646 bis 1706), und ab 1693 auch dessen Nachfolger als Leiter der Chorschule an der Kathedrale in Aix-en-Provence. Doch bereits im darauffolgenden Jahr ging er als Kapellmeister an die Kathedrale von Agde; später wirkte er in gleicher Funktion auch in Toulouse und Avignon. Sein bekanntestes Werk ist das Requiem; es erklang mehrfach bei den be- rühmten Concerts spirituels in Paris, sowie bei den Beisetzungs- feierlichkeiten von Louis XV., Stanislaus I. Leszczýnski - ehemaliger polnischer König und Vater der französischen Königin - und Jean-Philippe Rameau.
Gilles schuf jedoch auch eine Vielzahl von Motetten, Messen, ein Te Deum und zahlreiche weitere Sakralkompositionen. Die Lamentations - in denen die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und das Exil beklagt wird; der Text wird dem Propheten Jeremias zugeschrieben - sind ein Bestandteil der katholischen Liturgie; sie erklingen in der Karwoche. Die Motette hingegen ist eine Vertonung von Psalm 17, die abwechselnd vom Chor und von den Solisten vorgetragen wird. Beide Werke sind so französisch wie die von Lully oder Charpentier - und von einer Eleganz, die bezaubert.
Zu hören sind sie im beeindruckenden Live-Mitschnitt eines Konzer- tes in der Kathedrale Saint-Etienne in Toulouse aus dem Jahre 2009. Es singen Anne Magouet, Vincent Lièvre-Picard, Bruno Boterf und Alain Buet sowie der Choeur de chambre les éléments, und das Or- chestre Les Passions musiziert auf "historischen" Instrumenten. Die Leitung hat Jean-Marc Andrieu.
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