Musik für Gambenconsort? Da führt kein Weg an dem britischen Ensem- ble Phantasm vorbei. Das Quintett, gegründet und geleitet von Laurence Dreyfus, hat mittlerweile etliche Einspielungen vorgelegt. Dafür wird die Besetzung bei Bedarf erweitert. So hat Phantasm 2009, unter Mitwir- kung von Wendy Gillespie, die Consort-Musik von John Ward (1571 bis 1639) für fünf und sechs Gamben eingespielt. Diese spektakuläre Aufnahme ist erst kürzlich bei Linn Records wiederveröffentlicht worden.
Im vergangenen Jahr publizierte das Ensemble The Royal Consort von William Lawes (1602 bis 1645). Er war der Sohn eines Kantors, und stand im Dienst König Charles I. Sein Royal Consort ist auf dieser Doppel-CD in der Version für Gamben und Theorbe erstmals vollständig zu hören. Einige der Setts verlangen im Continuo „to the Organ“. Den Orgelpart übernahm Daniel Hyde, die Theorbe spielt Elizabeth Kenny, und die sechste Gambe ergänzt, wo erforderlich, Emily Ashton. Zur Qualität dieser Aufnahme fällt mir nur ein Wort ein: Hin- reißend!
Ähnlich gelungen ist auch das jüngste Album des Ensembles, Lachrimae or Seven Tears, das sich dem Ausdruck der Melancholie in der Musik John Dowlands widmet. Diese Klagegesänge sind unbeschreiblich; schöner kann man wohl nicht trauern – und Phantasm musiziert gemeinsam mit Elizabeth Kenny, Theorbe, in einer solchen Ausdrucksstärke und Homo- genität, dass man nur staunen kann. Unbedingt anhören!
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Freitag, 30. September 2016
Dienstag, 6. August 2013
Fabulous London - Les Escapades (Christophorus)
„In London, they are at work with a downright furore to resuscitate archaic music!“ Das berichtete ein Korrespondent 1896 mehr oder minder kopfschüttelnd. Ein Enthu- siast namens Arnold Dolmetsch suchte in Archiven nach Musik aus dem elisabethanischen Zeitalter, die er dann, auf wiederbelebten Instrumenten und mit Hilfe seiner Familie, in Konzerten vorstellte. Das muss ein großes Erlebnis gewesen sein. Denn Dolmetsch gelang es tatsächlich, die Consortmusik wieder ins öffentliche Bewusstsein zu rücken – eine Tradition, die seitdem nicht nur in England wieder gepflegt wird.
So haben Franziska Finckh, Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer und Adina Scheyhing – die vier Damen musizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsam als Gambenconsort Les Escapades – unterstützt durch Barbara Leitherer, Bassgambe, und Andrea Cordula Baur, Renaissancelaute, kürzlich bei Christophorus eine CD mit englischer Gambenmusik veröffentlicht.
Es sind Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten, vom Tanz bis zur Klage und von kunstvoll bis schlicht. Ein abwechslungs- reiches Programm, gekonnt vorgetragen, das mit einer enormen Palette an Klangfarben überrascht. Diese stimmungsvolle CD sei daher an dieser Stelle empfohlen – sie ist wirklich rundum gelungen!
So haben Franziska Finckh, Sabine Kreutzberger, Barbara Pfeifer und Adina Scheyhing – die vier Damen musizieren seit dem Jahr 2000 gemeinsam als Gambenconsort Les Escapades – unterstützt durch Barbara Leitherer, Bassgambe, und Andrea Cordula Baur, Renaissancelaute, kürzlich bei Christophorus eine CD mit englischer Gambenmusik veröffentlicht.
Es sind Stücke von bekannten und unbekannten Komponisten, vom Tanz bis zur Klage und von kunstvoll bis schlicht. Ein abwechslungs- reiches Programm, gekonnt vorgetragen, das mit einer enormen Palette an Klangfarben überrascht. Diese stimmungsvolle CD sei daher an dieser Stelle empfohlen – sie ist wirklich rundum gelungen!
Freitag, 2. März 2012
Byrd: Complete Consort Music (Linn Records)
William Byrd (um 1540 bis 1623) gehört zu den großen Komponisten der Shakespeare-Zeit. Er galt als "englischer Palestrina", und wirkte, wie sein ebenfalls berühmter Zeitgenosse Thomas Tallis, an der Chapel Royal.
Das Ensemble Phantasm hat auf der vorliegenden CD sämtliche Werke von William Byrd zusam- mengetragen, die dieser für (Gamben-)Consort geschaffen hat. Diese Musik ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen war sie damals der absoluten gesellschaftlichen Elite vorbehalten; zu Byrds Lebzeiten erklang sie in Großbritannien zunächst nur bei Hofe, und dann mehr und mehr auch in den Adelshäusern. Zum anderen war die Consort-Musik damals im Reich Königin Elisabeths I. eine von sehr wenigen Möglichkeiten, Musik außerhalb der Kirche weiterzu- entwickeln.
Und wie klingt diese Musik? Beinahe hypnotisch, würde ich sagen. Denn anders als der moderne Geiger legte der Spieler einer Gambe seinerzeit Wert auf ein glattes, von deftigen individuellen Akzenten freies Klangbild. So wirkt das Gambenconsort, wenn es so perfekt und harmonisch gespielt wird wie durch die Musiker von Phantasm, oftmals wie ein einziges Instrument. Phantastisch!
Das Ensemble Phantasm hat auf der vorliegenden CD sämtliche Werke von William Byrd zusam- mengetragen, die dieser für (Gamben-)Consort geschaffen hat. Diese Musik ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen war sie damals der absoluten gesellschaftlichen Elite vorbehalten; zu Byrds Lebzeiten erklang sie in Großbritannien zunächst nur bei Hofe, und dann mehr und mehr auch in den Adelshäusern. Zum anderen war die Consort-Musik damals im Reich Königin Elisabeths I. eine von sehr wenigen Möglichkeiten, Musik außerhalb der Kirche weiterzu- entwickeln.
Und wie klingt diese Musik? Beinahe hypnotisch, würde ich sagen. Denn anders als der moderne Geiger legte der Spieler einer Gambe seinerzeit Wert auf ein glattes, von deftigen individuellen Akzenten freies Klangbild. So wirkt das Gambenconsort, wenn es so perfekt und harmonisch gespielt wird wie durch die Musiker von Phantasm, oftmals wie ein einziges Instrument. Phantastisch!
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