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Samstag, 27. August 2011

Chopin: 57 Mazurków; Harasiewicz (Narodowy Instytut Fryderika Chopina)

Ein Klassiker, gespielt von einem Klassiker. Adam Harasiewicz gilt als einer der führenden Chopin-Spezialisten weltweit, und diese CD belegt, dass er diesen Ruf zu Recht hat. Der Pianist, der 1955 den Chopin-Wettbewerb gewonnen hat, ist im Westen erstaunlich wenig bekannt. Dabei gehören seine Chopin-Interpretationen zu den schönsten überhaupt, jedenfalls dann, wenn man nicht auf Virtuo- sengehabe aus ist, sondern auf Werktreue und Ausgewogenheit. 
Harasiewicz spielt Chopin geradezu schlicht und innig, nichts wirkt gesucht und gekünstelt. Das gilt auch und gerade für die Mazurkas, die hier weder stählern auf Rhythmus gezwungen noch mit einer Parfumwolke umnebelt und als Salonmusik zelebriert werden. Harasiewicz wählt stets den goldenen Mittelweg. Wer das langweilig findet, der sollte diese Aufnahme meiden. 

Donnerstag, 16. September 2010

Chopin: Nokturny (Narodowy Institut Fryderyka Chopina)

Der vietnamesische Pianist Dang Thai Son, aufgewachsen in einer Musikerfamilie, ausgebildet zu- nächst von seiner Mutter, dann am Moskauer Tschaikowski-Konserva- torium, wurde in Europa bekannt, als er 1980 den Chopin-Wettbe- werb gewonnen hatte. Denn es war das erste Mal überhaupt, dass ein asiatischer Pianist in einem der renommierten internationalen Wettbewerbe siegte. 
Zu der Serie "Der wahre Chopin", die vom Narodowy Institut Fryderyka Chopina in Warschau ver- öffentlicht wird, hat Dang Thai Son zwei CD beigetragen. Auf dieser hier spielt er eine Auswahl an Nocturnes, und zwar auf dem Erard des Institutes, erbaut 1849 in Paris, baugleich jenem Instrument, das Chopin tatsächlich gespielt haben soll. In den Vordergrund stellt er dabei ganz klar einen sanglichen Vortrag - eine Auffassung, die mich spontan begeistert. Denn sie zeigt, wie stimmungsvoll diese Werke sind, wie fragil - und wie melodisch. Wunderschön!

Mittwoch, 21. April 2010

Chopin - Nikolai Demidenko (Narodowy Instytut Fryderyka Chopina)

Wer eine Vorstellung davon bekommen möchte, wie Chopins Musik zu Lebzeiten des Künstlers geklungen haben könnte, der sollte in diese CD hineinhören.
Wie aus traumferner Zeit hallt die Berceuse Des-Dur op. 57 zu uns herüber, gefolgt vom Nocturno cis-Moll op. 27 Nr. 1. Nikolai Demi- denko spielt einen Flügel aus dem Hause Pleyel, gebaut 1848 in Paris, seit 2005 im Besitz des Narodowy Instytut Fryderyka Chopina. Ein solches Instrument bevorzugte Chopin; er nahm es mit nach Mallorca, um dort damit zu arbeiten, und auch im Sommer begleitete es ihn einst von Paris nach Schloss Nohant. Der Klang wirkt ätherisch; er erscheint sehr klar und obertonreich - und leider auch enorm hallig, was wohl der Aufnahme geschuldet sein dürfte.
Die CD enthält überwiegend Werke aus Chopins Jugendzeit; 1825 schrieb er das Rondo c-Moll op. 1 . Die Variationen in B-Dur über das Thema Reich mir die Hand aus Mozarts Oper Don Giovanni op. 2 werden auf 1827/1828 datiert, die Polonaise d-Moll op. 71 Nr. 1 mit der Werknummer 11 soll in den Jahren 1825 bis 1827 entstanden sein. Demidenko ergänzt dies durch das Rondo Es-Dur, op 16, die Tarantella As-Dur op. 43, den Bolero a-Moll op. 19, sowie das Allegro aus dem Klavierkonzert A-Dur op. 46. Dieses Werk komponierte Chopin mit dem Ziel, es in seinem ersten Konzert nach seiner Rückkehr nach Polen zu spielen. Doch angesichts der Entwicklungen in seiner Heimat hat er wohl eingesehen, dass dies illusorisch ist - und ein reines Klavierstück daraus gemacht. Umspielt von den unvermeidlichen Arabesken des brillanten Stils, erklingen hier die Lieder der Aufständischen. Demidenko spielt dies wie ein Echo der Kämpfe, das sich in den Salon verirrt. Der Pianist, geschult nach russischer Tradition, aber seit etlichen Jahren mit Wohnsitz in London und mit britischem Pass, gestaltet Chopins Werke sanglich, durchhörbar und klar strukturiert. Und dennoch vermisse ich hier jenes Fünkchen Originalität, das aus einer guten eine exzellente Interpretation macht, die aus der Flut der Chopin-Aufnahmen im Jubiläumsjahr herausragt. Schade.

Dienstag, 20. April 2010

Chopin: Piano Concertos 1&2; Lisiecki (Narodowy Instytut Fryderyka Chopina)

Chopins Klavierkonzerte sind Jugendwerke; zum ersten Male aufgeführt wurden sie 1830, kurz bevor Chopin Polen verließ, um auf Konzertreise durch Europa zu gehen - eine Reise ohne Wieder- kehr, denn kurze Zeit später brach der Novemberaufstand aus. 
Davon aber ist in diesen beiden Konzerten noch keine Spur zu finden; sie folgen formal den Konventionen des brillanten Stils, klingen aber dabei ganz erstaunlich romantisch. Es sind ohne jeden Zweifel nahe Verwandte der Konzerte Schumanns und Mendelssohns, Brahms und Liszts. In Chopins Schaffen, das sich überwiegend auf das Klavier konzentriert, sind diese Werke für Klavier und Orchester Solitäre; ein drittes Klavier- konzert blieb Fragment.
Im vergangenen Sommer wurde in Polen ein junger Pianist für seine Interpretationen der zwei Konzerte gefeiert. Zu recht, denn wenn man nicht wüsste, dass dort ein 14jähriger musiziert, man würde das nicht vermuten. Der Kanadier Jan Lisiecki, Jahrgang 1995, spielt "seinen" Chopin souverän, gemeinsam mit dem Orchester Sinfonia Varsovia unter Howard Shelley, und lässt den Steinway singen. 
Das Narodowy Instytut Fryderyka Chopina eröffnet mit dem Mit- schnitt dieser Musikereignisse seine "weiße Serie", die Werke Chopins  auf modernen Instrumenten präsentiert. Der Chopin-Wettbewerb im Oktober allerdings wird wohl ohne ihn stattfinden - denn wer an diesem renommierten Wettbewerb teilnehmen will, der muss laut Ausschreibung mindestens 17 Jahre alt sein. Schade.