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Sonntag, 28. April 2013

Seht ihr den Mond dort stehen? (Cavalli Records)

Ein außergewöhnliches Ensemble ist auf dieser CD zu hören: Schwesterhochfuenf - das sind tatsächlich fünf Schwestern, und gelegentlich singt zusätzlich noch ein Bruder mit.
Monika, Agnes, Franziska, Maria und Cordula sowie Hans Tschuschke singen Abendlieder und Gedichtvertonungen. Einige Arrangements wurden speziell  für die jungen Damen komponiert. Die Schwestern bezeichnen sich charmant als Laienmusikerinnen. Das mag bei der Gesangstechnik sowie beim Stimmklang stimmen - aber bei der Programmgestaltung und der harmonischen, stets lupenreinen Interpretation wird erkennbar, dass die Sängerinnen von Schwesterhochfuenf durchaus über Konzerterfahrung verfügen.
"Wir kommen aus einem musikbegeisterten Elternhaus, haben lange Jahre in der Mädchenkantorei am Bamberger Dom gesungen und hatten im Jahr 2004 die Idee zu einem ersten Konzert", berichten die Sängerinnen im Beiheft zu dieser CD. Das Ensemble hat mittlerweile etliche Programme erarbeitet, und damit zahlreiche Preise gewon- nen, so 2009 einen ersten Preis beim Bayerischen Chorwettbewerb und einen dritten Preis sowie einen Sonderpreis der Hamelstiftung beim Deutschen Chorwettbewerb. 2012 haben die Geschwister als ausgewähltes Ensemble an einem Meisterkurs mit John Potter teilgenommen, einem ehemaligen Mitglied des Hilliard Ensembles.
Dass diese CD dem Abend und der Nacht gewidmet ist, das ist nur konsequent: "Seit es Schwesterhochfuenf gibt, beschließen wir jedes Konzert mit einem Abendlied", erläutern die Sängerinnen im Beiheft. Schon das Wort Mond erweckt Kindheitserinnerungen - "an die große Mondkarte im Treppenhaus unseres Großvaters, seinerzeit Professor für Astronomie. Ihm verdanken wir auch den rationalen Blick durchs Fernrohr in den Nachthimmel auf der Suche nach Jupiter- monden und Andromedanebel. So ist der Mondaufgang für uns beides: naturwissenschaftliches Spektakel und inniger Moment." So sind auch auf dieser CD romantische Klänge - Verstohlen geht der Mond auf im Chorsatz von Johanns Brahms - und klangliche Experi- mente vereint.
Denn die Schwestern lieben es, moderne Chormusik zu erkunden, und sie geben auch selbst Werke in Auftrag. Da kann es dann durchaus zu Klängen kommen, wie sie Florina Karl, ein Chorkollege aus Regens- burg, in seiner Version von Verstohlen geht der Mond auf dem Quintett in den Hals gelegt hat. Sein Ziel war es, den absolut mögli- chen Tonumfang der Sängerinnen auszureizen und jede von ihnen auch mit solistischen Aufgaben zu betrauen. Das führt dann zu Tönen, die man eher Fledermäusen zuschreiben würde - und zeigt auf, dass ein Laienensemble stimmlich in der Tat auch an Grenzen gelangen kann. Von solchen Kuriositäten abgesehen, ist dieses Album aber durchaus hörenswert.

Samstag, 25. Februar 2012

Nudera: Bassetthorntrios (Cavalli Records)

Adalbert Nudera (1748 bis 1811) gehört zur großen Schar jener Musiker, die zur Zeit Mozarts aus Böhmen kamen - und wie so oft, ist auch über ihn nur sehr wenig be- kannt. Über seine Kindheit und Jugend wissen wir nichts. Zu erfah- ren ist, dass er Chorsänger und Geiger an der Kapitelkirche St. Pe- ter und Paul auf dem Vysehrad in Prag war. Von seinen Werken sind nur wenige überliefert, darunter fünf Divertimenti und eine Suite von vier Polonaisen für drei Bassetthörner. 
Sie werden hier erstmals vollständig eingespielt vom Ensemble Clari- monia, das sich auf Klarinettenliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts spezialisiert hat. Die Musiker Matthias Höfer, Bernhard Kösling, Ekkehard Sauer und Jochen Seggelke spielen mit Engagement eine Vielzahl von Instrumenten der Klarinettenfamilie, jeweils in der historisch korrekten Form - hier sind es Bassetthörner, die Tenöre im Klarinettenchor. 
Sie haben einen sehr eigenen, reizvollen Klang, den beispielsweise Wolfgang Amadeus Mozart, Felix Mendelssohn Bartholdy und auch Richard Strauss sehr schätzten. Mit Schwung und Musizierlust prä- sentiert das Ensemble Clarimonia die hübschen, graziösen Stücke Adalbert Nuderas - eine CD, die gute Laune verbreitet, und eine Entdeckung, die ich nicht nur Liebhabern von Bläser-Kammermusik mit Nachdruck empfehlen möchte.